Sonntag, 20. November 2011

Augenblicke

Krank
Zwei Tage war ich im komaähnlichen Zustand, begleitet mit Fieber und Kopfschmerzen. Ich glaube, heute ist das schlimmste überstanden.

Grusel 1
Friedhöfe strahlen eine beruhigende Energie aus. Finde ich. Als ich an den Gräbern vorbei schlendere, kommt mir in den Sinn, dass ein kleiner zusammenklappbarer Friedhof in manchen Angstsituationen recht hilfreich wäre. Als ich stehen bleibe, die frische, klare Luft tief in mich sauge und nach oben blicke, erstarre ich: Hängen da tatsächlich fünf knallbunte, verschrumpelte Luftballons. Na sowas.

Grusel 2
Ich kurbel meinen Rolladen hoch und denke so: Hoffentlich reißt da nicht mal das Seil, so dass ich ihn nicht mehr hochziehen kann. Das würde Panik auslösen und das Gefühl des gefangen seins verstärken. Komisch was man sich manchmal so denkt. Später fahre ich mit der Bahn in die Stadt. Neben mir ist eine ältere Frau, sichtlich nervös, lächelt mich unsicher an und meint dann: "Hoffentlich erwische ich meinen Zug noch! Zur Zeit geht aber auch alles schief! Gestern erst, wissen Sie, da blockierte was am Fenster und ich bekam meinen Rolladen nicht mehr hoch! Den ganzen Tag war ich im Dunkeln!"
Mein Lächeln gefriert.

Seltsam
Ich gehe ein Stück an der Isar entlang, weil ich keine Lust auf die muffige, düstere U-Bahn habe. Auf einer Bank sitzt ein Mann, relativ gepflegt, aber sein Einkaufswagen mit zig Tüten und Schlafsack vollgestopft läßt mich eher an einen Obdachlosen denken. Als ich näher komme, tippt er fleißig auf einem Laptop herum, sieht mich, grüßt sehr freundlich, nimmt einen Schluck Wasser aus seiner Flasche und wendet seinen Blick wieder auf den Bildschirm.
Erstaunt gehe ich weiter. Hat er den gestohlen? Was tippt der da? Lebt er vielleicht freiwillig so? Oder macht er nur ein Experiment?
Gerne hätte ich mit ihm ein wenig geplaudert. Als ich diesen Wunsch verspüre bin ich aber schon 3 Ecken weiter und habe keine Lust noch einmal umzukehren.

Kommentare:

  1. Ersteinmal Gute Besserung weiterhin!
    Das mit dem Rollläden ist aber wirklich gruselig.Schluck
    Dazu kann ich Dir mal meine Wohnungserlebnisse mitteilen :
    Vor mir wohnten die Eltern meines Vermieters hier (Mutter verstorben, liegt hier vor der Nase auf dem Friedhof) und nun pass auf :

    Ich zieh ein und das Schlafzimmer ist feucht, die Wäsche riecht immer modrig (obwohl frisch gewaschen in den Schrank)bis ich einen Entfeuchter aufstell ;
    der Wasserhahn im Bad wird undicht (der war neu) und erst nach 5 mal reparieren geht er jetzt ohne Probleme ;
    die Waschmaschine läuft aus, so das das gesamte Bad klitschnass war ;
    im Schlafzimmer gab es über Wochen an der Wand Klopfgeräusche , so das mein Bettgefährte und ich erst dachten da wär nen Klopfkäfer oder Rohre in der Wand.
    Na nen wenig gruselig ? Meine Vermieterin sagte mir letztens das Ihr Bruder denkt das die Schwiema noch in der Wohnung rumgeistert. Hach was fühl ich mich wohl :-)
    Ach ja und passend dazu, das Schlafzimmer hat etwa 10 Grad weniger als die gesamte Wohnung. Es ist immer Popokalt da drin.
    Also geniess Deine kleinen Gruselgeschichten, ich glaub die formen unser Ich noch weiter ;-))))
    Hab nen schönen Gruselfreien Montag
    Liebe Grüsse Bianca

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  2. Danke Bianca, soweit gehts mir wieder gut :-)
    Is die IN der Bude gestorben? Dann könntest Du Dich ja mal hinsetzen und ein kleines Gespräch mit der führen. Dass sie gerne noch da sein darf ohne Dir das Leben schwer zu machen. Und das Du ihr wünschst dass sie loslassen kann...
    sowas in der Art. Wer weiß? vielleicht hilfts ja :-))

    LG

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  3. Hihi, ja hatte ich mir fast auch schon gedacht. Aber ich weiss nicht wo sie starb, scheint jedoch hier gewesen zu sein wenn der Bruder auch sowas denkt. Ach ehrlich gesagt stört es mich nicht, denn ich würde es auch nicht toll finden wenn ne Fremde meine Wohnung grad paar Monate später bewohnt.... :-)

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