Dienstag, 25. Oktober 2011

Zock me, Amadeus

Es geht munter weiter, mit der inneren Zockerei. Sollte ich? Könnte ich? Will ich? Was? Wie? Doch nicht?
Neueste Selbsterkenntnis: Ich bin entscheidungsschwach. Ihh was für ein scheußliches Wort! Aber stark zweifelnd, verwirrt, unsicher klingt jetzt auch nicht besser.

Ich hab noch 36 Jahre bis zur normalen Altersrente. Ganz schön lang. 36 Jahre, so alt bin ich noch nicht mal!
Einerseits, käme es da auf 2 Jahre mehr oder weniger auch nicht an. In den 2 Jahren könnte ich mich weiter stabilisieren, die Therapie weiter machen, die mir mehr bringt, als die anderen, da ich a) eine sehr engagierte Frau erwischte und b) ich viel ehrlicher zu mir selbst sein kann und mir immer weniger was vor mache.

Andererseits könnte man nochmal richtig durchstarten, mit Ausbildung und so. Bei 36 Jahren würd sich das durchaus lohnen. Außerdem fehlen immer mehr Fachkräfte. Im Niedriglohnsektor war ich lange genug.

Und irgendwann kommt er:


Der erste Schritt
Es gibt da so einen Punkt. Nicht den point of no return, sondern eher ein Entscheidungspunkt. Nach dem Motto: und nun wird Tacheles geredet oder eben gemacht.
Kleines (unspektakuläres) Beispiel dazu: Ich bin am See und will auch in den hinein. Der erste Versuch scheitert: Zu kalt. Ich probiere es aber noch einmal. Bis zu den Knien gehts, bis zum Po auch, Bauch und Arme wurden schon mal „bewässert“ und dann kommt der Punkt: Tief einatmen, Augen zu und ab unter Wasser. Im ersten Moment: Scheiße is das kalt! Doch im zweiten Moment: ah wie erfrischend, wie schöööön!
Das fiel mir auch beim slacklinen auf: Ich ging lange an der Hand des Freundes. Als Stütze, als Hilfe. Aber irgendwann muss man die Hand loslassen, um alleine laufen zu können. Nur so ist Fortschritt, ein weiterkommen möglich. Ja vielleicht fällt man erstmal noch oft vom Seil. Das gehört dazu.
Ich merke, ich hab sehr viel Angst. In allem. Vor allem. Überall. Denn genauso verhalte ich mich auch bei wichtigen Dingen im Leben: Lieber in Sicherheit. Nicht zu kalt. Noch ein Netz spannen. An der Hand bleiben. Doch wieder in der Ecke sitzen bleiben, der Überwindung nicht trauend.
Man braucht Mut!

Ich find das sehr sehr schade. Obwohl..vielleicht hat es auch was gutes ein ausgeprägtes Stop-und-schau-Verhalten zu haben. Und nicht immer nur blind vorwärts zu stürmen und sich dann zu fragen: wie zum Geier konnte ich mich so dermaßen in die Scheiße reiten?
Achja, alles schon vorgekommen.
Und irgendwie fühle ich mich jetzt so, als ob ich von den letzten großen Schulsommerferien, direkt in Rente geschickt werde. Aber zum Teufel nochmal, da fehlt was! Die Mitte! Das ganz normale Leben, mit fluchen, mit Freude, mit Müdigkeit, mit Alltag....mit Arbeit (nicht das ich schon paar Jährchen gearbeitet hätte, aber das ist gerade weit im Hintergrund).
Das was ich nie wollte/konnte will ich jetzt. Das ganz normale Leben, scheiße nochmal. Ob ich es kann? Ich will raus aus dieser Scheißarmut, ich will mein selbstverdientes Geld, ich will richtig in Urlaub fahren.
Aber dann ist da wieder diese alles zermalmende Erschöpfung, diese ich kann und will nicht mehr. Nur meine Ruhe. Die Frage nach dem Sinn des ganzen...
Ich wünsche mir eine klare Linie, eine klare Ansage....von mir selbst...

Kommentare:

  1. Was für ein Zwiespalt ... Wie viel Kraft muss es dich kosten, allein diesen inneren Kampf zu bewältigen ... - Ich sage das übrigens ohne jeden Sarkasmus.

    Das "ganz normale Leben" gibt es nicht, auch wenn es aus deiner Perspektive so aussieht. Jeder kämpft seinen eigenen Kampf. Schafft es dann manchmal gerade so, sich wieder aufzurichten, um weiter zu gehen, stolpert wieder, steht wieder auf. Sicher, die einen tun sich leichter, die anderen schwerer. Und manchmal täuscht man sich, wenn auf einmal einer umkippt, von dem man es gar nicht erwartet hätte.

    Die Resilienz, die Steh-auf-"Männchen"-Kraft, ist bei dir bislang noch nicht so stark gewachsen. Aber wenn ich lese, wie du diese andere innere Stimme beschreibst, die, die ein "normales Leben" will, eigenständig werden will usw., dann habe ich den Eindruck, da ist noch jede Menge Kraft und Dynamik in dir, Lebenskraft, Bioenergie ..., mit der du es schaffen kannst.

    Angst überwinden, wird für dich vielleicht immer sehr präsent sein, dazu gehören, immer wieder, wenn sie aufs Neue ausbricht. Aber du kannst lernen, deiner inneren Stärke immer mehr zu vertrauen. Vertrauen lernen.

    Ich weiß, du bist dabei. Mach es weiter so. Nicht aufgeben.

    AntwortenLöschen
  2. Der Sinn des Ganzen - die Frage stelle ich mir nicht so sehr. Vielleicht gerade das: einige seiner Träume annähernd verwirklichen, neue Träume entdecken, vor allem aber eins: Leben. Und immer wieder einmal: Lebensqualität empfinden.

    AntwortenLöschen
  3. "Entscheidungsschwach" - kenn ich. Hatte mich neulich gefragt woher das kommt. Kindheit,woher sonst. Aber es war wirklich so. Die Eltern wußten eh immer was für einen besser bzw. das Beste ist und so mußte ich nie auswählen und vielleicht für die Entscheidung auch kämpfen und einstehen. Nun fehlt mir diese Erfahrung vollends und bei den Versuchen, dies nun nachzuholen, fühle ich mich oft komplett hilflos da stehen. Denn Entscheidungen zu fällen ist doch eigentlich das Normalste der Welt, gell ;)

    Grüße von der grübelnden prjanik

    AntwortenLöschen
  4. Hej

    Statt Gedanken machen vielleicht einfach die Gedanken beiseite lassen und machen...

    Reinspringen, vielleicht mit den Fuessen zuerst statt mit dem Kopf`...

    AntwortenLöschen
  5. Hallo mkh,
    danke für Deine Zeilen!
    Also, dass die Steh-auf-Kraft noch nicht so ausgebildet ist, les ich jetzt ungern :-)
    Und das ganze war nur ein kleiner Ausschnitt, was so im Kopf rumschwirrt, aber zum Glück naht der Donnerstag und somit Therapie. Ich steh also nich allein da.
    Normal heißt für mich: Für mich stimmig, das was ich will. Nicht was in der Gesellschaft als normal angesehn wird. Von daher wünsch ich mir das, mehr meins zu finden.

    Hallo prjanik,
    tja wenn ich als Kind was wollte, wurde das meist nieder gebügelt. Also *schulterzuck* hab ich zu oft andere entscheiden lassen. Will ich nich mehr und das zu erkennen, is der erste Schritt. Und ich glaub es tun sich viele Leute mit Entscheidungen schwer....

    Hej Kap Horn! Ne das mach ich nich mehr, is a) gegen mein Naturell und b) es ging schon zu oft schief. Da war ich im anderen Extrem: gar keine Gedanken machen...

    LG an alle!

    AntwortenLöschen