Dienstag, 11. Oktober 2011

Uaaahhh und ein Buch

Man, man, man, das ist echt hammerhart so erwachsen zu sein, für sich einstehen, seine Pläne durchziehen-neu ordnen, um Hilfe bitten, sich um sein Zeug zu kümmern.

Heute Vormittag all das gemacht. Alles erledigt. Alles in reinen Bahnen.
Mit all der Existenzangst, fast schon Panik und Scham. Ach viel alte Scham mit dabei.

Früher hab ich mich um gar nix gekümmert. Ich dachte wirklich, wenn ich nicht hinschaue ist es nicht da oder verschwindet einfach so. So *plopp* und wech.
Jetzt sehe ich, dass es wirklich besser ist, sich drum zu kümmern, wenn der Schaden noch klein ist.
Zwar auch mit Angst, viel Herzklopfen und nasse Hände, dafür mit weniger Druck und ruhigem Gewissen.

Trotzdem heißt es nochmal die nächsten 12 Monate harten Sparkurs zu fahren.
Schade, ich dachte, da ich ja nun etwas dazu verdiene nun mal ein paar Tage auf die Huskyfarm oder zu einer Freundin in die Pfalz fahren könnte.
Ach...

Mein Ergebnis des Gutachtens erfahre ich nun endlich am 21.Okt. Find das ganz schön unverschämt, mich so lange warten zu lassen und werde das auch sagen.
Gestern in der Gruppe ließ eine ganz klar durchblicken, dass sie der Meinung ist, dass die Leute die angeblich erwerbsunfähig sind, ja nur arbeitsscheu seien. Faste machte es wieder *plopp* - diesmal wegen der reißenden Hutschnur.
Ich konnt das aber bei ihr lassen, weil ich gar nicht scharf auf die Rente bin und diese wirklich erst beantragen werde, wenn das Arbeitsamt sagt, dass ich von denen keine Unterstützung mehr bekomme. Freiwillig nicht. (was sie nicht überzeugte, mir dann aber auch lauwarm sonstwo vorbei ging)

Und ich kenne 3 Leute real, die auch diese Rente wegen Erwerbsunfähigkeit bekommen und es denen deswegen überhaupt nicht besser geht. Die tagtäglich mit dem ganz normalen Alltag schon zu kämpfen haben. Glücklich und zufrieden ist was anderes.
Natürlich wird es auch bei diesem Thema schwarze Schafe geben. Wie überall.

So, jetzt aber zum Buch:

Rastlos

Ein Titel der mir natürlich sofort ins Auge sprang und mein Herz hüpfen ließ. Der Untertitel: "Erinnerungen eines Nomaden" ließ dann auch meinen Geldbeutel hüpfen.

Ich war vier Jahre alt, die Uhr hatte viermal geschlagen und „Becher“ bedeutete Becher. Ich war also ich, ich war da und es war genau dieser Augenblick, kein anderer. Welch befriedigende neue Erfahrung, all dies mit Gewißheit sagen zu können

Ein Junge, der bis zu seinem 5.Lebensjahr mit keinem Kind gespielt hat und sich somit eine imaginäre Welt schuf mit fiktiven Figuren, Fahrplänen und Reiseberichten (gut Kinder machen das ja mal ganz gern).

Mit 16 sah er das erste mal einen anderen nackten Menschen (und es waren nicht seine Eltern).

- Ich erkannte, dass ich nicht der war, für den ich mich hielt, oder besser gesagt, dass es ein zweites Ich in meinem Inneren gab das urplötzlich das Kommando an sich gerissen hatte.

- Obwohl ich darin geübt war, so zu tun als existiere ich nicht...

- Ich dagegen war so daran gewohnt, meine Intentionen vor jedermann zu verbergen, dass sie mir gelegentlich selbst nicht klar waren.

- Tante Adeleide zu besuchen hieß, als fertiges menschliches Wesen akzeptiert zu werden, statt sich wie ein gefangenes Tier mit unvorhersehbaren Reaktionen behandeln lassen zu müssen.

Bis auf wenige Stellen fand ich das Buch leider langweilig. Er beschreibt monoton mit wem und wo er sich traf und was sie taten. Gut, Erinnerungen eben. Hätte man aber bestimmt etwas lebendiger gestalten können...


Manchmal frage ich mich schon: warum sind immer die verkrachten Existenzen so sehr auf der Suche? Andererseits, das Nomadentum war ja sehr sehr lange unsere natürliche Lebensweise, bis wir seßhaft wurden und Fernseher und Fitneßstudio erfinden mußten, um einen Ausgleich zu schaffen.

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