Mittwoch, 26. Oktober 2011

Möchtegern

Eine Castingshow als Buchform. Tja es lässt sich in den Medien eben alles verheizen. Es gibt nicht nur das Supermodel, das Supertalent, sondern auch den SchreibStar, zumindest in der Schweiz, zumindest in Buchform.

Die Charaktere sind sehr griffig beschrieben, so dass man sich den Haufen der Möchtegernautoren gut vorstellen kann und kaum durcheinander kommt.

Eine locker-leichte Story, nah am Leben sogar mit ein wenig Tiefgang.

Richtig stutzig, gleichzeitig erfreut war ich bei Seite 15: SelberSchreiben!

Quer durch das Buch gibt es immer wieder Aufgaben, um sich so leichter eine Geschichte zusammen zu würfeln. Manche ließ ich aus, andere erfand ich selbst zusätzlich. Ich liebe so kreative Aufgaben! Solange sie nicht in einer Wettbewerbssituation mit anderen (wie im Buch) oder unter Zeitdruck vorgegeben werden.

So allein im stillen Kämmerlein zücke ich gern Papier und Stift und los geht’s.

Sehr sympatisch war mir die Hauptdarstellerin. Die ist nämlich am liebsten allein! Jawoll!

Ich war einfach glücklich, wenn ich ganz allein war.

Es genügte jemanden im Haus zu wissen, es genügte, dass Simone auf der Chaiselongue lag, dass Frau C. Hinter geschlossenen Türen fuhrwerkte, es genügte, dass Nico hinter dem Herd stand. Um unweigerlich unter Druck zu geraten. Den Druck zu fühlen, oder ihn mir einzubilden: ich müsse mich jetzt zusammenreißen, ich müsse mich anstrengen, ich müsse mindestens so tun, als sei ich jemand anderes.

Meine Worte. Ich frage mich, wie ich es insgesamt 3 Jahre in einer Wohngemeinschaft ausgehalten habe.

Eine andere Protagonistin erzählt von ihrem Vater, dass sie ein Leben lang versuchte ihn zu retten und sich später nur damit beschäftige, wie sie ihn zerstören könnte. Sie erkennt, dass das nicht der Sinn ihres Lebens sein konnte und schloß mit ihm ab.

Und als sie das dachte, machte es klick, und sie wusste, dass das der Schlüssel war zu diesem seltsamen Unwohlsein, das sie mit sich herum trug, dass diffuse Gefühl, dass etwas nicht stimmte, ohne das sie genau sagen konnte, was.

Da musste ich schon schwer aufatmen, denn auch das kam mir nur zu bekannt vor.

Natürlich geht’s auch um Liebe, um Kinder, um zerbrochene Träume, um Psychotherapien und Hoffnung.

Manchmal denke ich schon: dass kann jetzt kein Zufall sein, dass ich ausgerechnet jetzt das Buch erwische. In dem ich mich sooft wieder erkenne...

Und sonst so? Ich hab heut meine Arbeit gut geschafft, auch wenn ich danach (wie immer) völlig im Eimer bin. Und außerdem meine 1000km - Marke am Fahrradtacho geknackt. Jucheee!

Draußen is es grau in grau, verziert mit Nieselregen. Wurd aber auch Zeit. Ich mein wir haben Herbst und seit 3 Wochen scheint hier ununterbrochen die Sonne!!!

Jaja ich hör ja schon auf :-)

Kommentare:

  1. Das hier: """Es genügte jemanden im Haus zu wissen, es genügte, dass Simone auf der Chaiselongue lag, dass Frau C. Hinter geschlossenen Türen fuhrwerkte, es genügte, dass Nico hinter dem Herd stand. Um unweigerlich unter Druck zu geraten. Den Druck zu fühlen, oder ihn mir einzubilden: ich müsse mich jetzt zusammenreißen, ich müsse mich anstrengen, ich müsse mindestens so tun, als sei ich jemand anderes.""""

    Hat mich doch etwas erschrocken.
    Ich gehe zwar raus, auch wenn ich da mittler Weile Probleme mit habe, aber dieses unter Druck sein, das empfinde ich genau so. Am liebsten bin ich mal ganz alleine. Dann habe ich nicht das Gefühl ich "müsste".


    Verrückt.....

    Alles Liebe

    ka

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