Freitag, 28. Oktober 2011

Darf man...

über zwangsgestörte Menschen lachen?

Ich finde JA! Weil wir ja alle ein bisschen Bluna sind.
Wer hat nicht seine neurotischen Ecken und Kanten, seine kleinen Zwänge und festgefahrenen Rituale?
Ich z.B. schaue mindestens 5x nach, ob ich den Haustürschlüssel auch wirklich eingepackt habe. Das liegt aber nur daran, weil ich nirgendwo meinen Zweitschlüssel deponiert habe und somit den sauteuren Schlüsseldienst anrufen müsste. Im Falle des Falles.

Im Buch tausend kleine Schritte geht es um eine junge Dame, die arbeitsunfähig geschrieben wurde, aufgrund ihrer Zahlenliebe. Naja eher dem Zwang alles zählen zu müssen, z.B. die Borsten ihrer Zahnbürste.
Aber nicht nur das. Ihre ganze Welt besteht aus Zahlen. Wie viele Mohnkörnchen ihren Kuchen verzieren, sagt ihr, in wie vielen Bissen sie eben diesen essen muss/darf/soll. Außerdem ist der ganze Tag auf die Minute genau strukturiert.
Bis, tja, bis sie einen Mann kennen lernt und er ihre Welt durcheinander bringt:

"Dort draußen wartet eine ganze Welt. Ein Schulkonzert sollte wirklich nicht das Beste sein, was du seit langem erlebt hast!"
" Die Sache ist kompliziert."
"Eigentlich nicht. Gefangene, die in einem normalen Gefängnis sitzen, haben mehr Freiheit als du. Du verdienst mehr vom Leben als das."

*seufz* Tja so ist das.

Die Gruppentherapie für Zwangsgestörte ließ mich oft schmunzeln.
Eine Parodie auf die Psychotherapie. Die Therapeutin wird so dermaßen klischeehaft dargestellt, dass es fast schon wieder weh tut.
Erinnerte mich an den Mailaustausch mit einer Freundin, in der wir uns ausmalten, wie ein Buch über soziale Phobie aussehen würde.
Wir nahmen uns selbst gehörig auf die Schippe und lachten uns schief.
Ebenso wie letztens in der Angstgruppe. Wir taten so, als ob wir gemeinsam einen Ausflug unternehmen wollten. Ging nicht. Weil der eine sich nicht traut Bahn zu fahren, der nächste kein Cafe betreten kann (ich!), der andere Angst vor Höhe hat und somit nicht auf den Berg kann...usw.
War auch sehr erheiternd und amüsant!

Zurück zum Buch:
Ich las es gestern komplett durch. Weil es Spaß machte (die Protagonistin ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen) und für mich auch spannend war (wie gehts weiter?).
Zum Schluß hab ich aber auch ordentlich geheult, weil auch klar wurde, dass man sehr wohl unter seinen Zwängen bzw. Phobien leidet, auch wenn man das erst nicht erkennt und dann ungern sich eingesteht.

Es geht um die nicht normalen Menschen und der Frage, wie weit man sich selbst verbiegt oder verbiegen lässt, um nach Vorstellung der Gesellschaft wieder "normal" zu sein.

Oder anders: Was ist Wahnsinn, was Genialität?





Kommentare:

  1. zwang bzw. wahnsinn ist meines erachtens alles, was einen in seiner persönlichkeit einschränkt - ich habe zb. einen zwangshaften suchtick, d.h. wenn ich der annahme bin, dass ich einen kugelschreiber z.b. an einen bestimmten platz gelegt habe und dieser dann nach einiger zeit nicht mehr da liegt, fange ich solange an zu suchen, bis ich ihn wiederhabe. je nach meiner aktuellen gemütslage geht das mal relaxter oder auch weniger relaxt zu. unter stressmomenten "suche" ich häufiger als wenn ich selber mit mir im einklang bin.
    inzwischen kann ich dazu stehen und mit verbiegen zur "norm" hat das auch eher weniger zu tun - im meinen "suchmomenten" stehe ich dermaßen unter zwang, dass ich gar nicht anders kann, hinterher (wenn ich mein "verloren gegangenes" dann wieder gefunden habe) schimpfe ich oft mit mir und wäre in diesen momenten dann doch gerne eher "normal"...

    liebe grüsse silke

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  2. Da ja jeder Mensch , denke ich, irgendwelche Zwänge hat ist es doch auch schön darüber zu lachen. Ich kann oft über meine Schusseligkeit lachen, leider auch ebenso oft mich drüber ärgern, aber das lachen darüber ist doch einfach herrlich ;-))))
    liebe grüsse aus dem anhaltenden Netz :-)

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  3. Ja Silke das stimmt natürlich.

    Hej Bianca welcome zurück, oda so :-)))
    Ja lachen is eindeutig die bessere Variante, wenn es denn klappt :)

    LG!

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