Sonntag, 30. Oktober 2011

Auf zu neuen Ufern!

Die lange Weile,

vielleicht hat sich die Langeweile mehr in meinem Leben breit gemacht, als mir bewußt war. Also nicht nur im beruflichen Bereich.

Vielleicht brauche ich öfter was neues, als andere.

Ich glaube ich bin deswegen sooft umgezogen, weil mich bekanntes zu schnell langweilt. Immer derselbe Ausblick, immer dieselben Wege beim spazieren (irgendwann hat man alle Möglichkeiten durch), alles immer gleich.

Nun wohne ich 5 Jahre in ein und derselben Wohnung. Weil ich es mal ausprobieren wollte, wie das so ist. Weil mir sehr oft gesagt wurde, dass man das nicht macht, ständig umziehen. Da sei irgendein Defizit oder eine nicht abgeschlossene Suche nach Mamas Brust oder was weiß ich.

Jedenfalls irgendwie unnormal bis krank. Was aber, wenn ich das einfach brauche? Gern so unstet leben will?

Als ich jeden Tag in die Tagesklinik zur Therapie fuhr, langweilte mich die Anfahrt schon am 4. Tag. Immer dieselben Gesichter, dieselbe Strecke (obwohl ich die so abwechslungsreich wie möglich gestaltete, aber auch das hat eben Grenzen).

Ich kann nicht zweimal in denselben Ort fahren, um dort Urlaub zu machen.

Wenn ich vormittags im Radio 2x dieselbe Werbung höre und nachmittags wieder, könnte ich ausrasten, das tut schon fast körperlich weh. Deswegen kann ich mir auch nie (ok, gaaaaanz selten) Filme 2x ansehen. Oder Bücher 2x lesen.

Diese Wiederholungen sind unaushaltbar. Als ich freiwillig und ohne Lohn auf einem Bergbauernhof mit half war ich sehr euphorisch. Eine tolle Zeit! Das wollte ich gerne wieder haben und als ich auf den Hof fuhr, klappte alles wie ein Kartenhaus zusammen. Der Kick war nicht mehr da. Nach 4 Tagen war ich wieder weg.

Mein Vater wurde in dem Dorf geboren, in dem er heute noch lebt und auch sterben wird. Man braucht keine 10 Minuten um es einmal zu durchqueren. Ich weiß nicht wie der das aushält.

Oder Arbeitsplatz. Spätestens nach 2 Jahren muss ich wechseln. Sei es nur die Stelle, aber dieselbe Arbeit oder gleich alles neu.

Mich belebt das. Ich brauche neues! Und klar, als Kind und Jugendliche ist das sehr oft so: Neue Schulfächer, neue Schule, neue Freunde, das erste mal allein im Urlaub, der erste Freund, das erste Auto, das erste mal besoffen sein, der erste Sex, es gibt viel mehr Möglichkeiten!

Je älter, desto langweiliger? Vieles schon gehabt. Wieder Weihnachten, wieder Montag, wieder einkaufen, wieder Sommer.

Das kann doch nicht das Leben sein. Ist es wirklich SO banal?

Wie aus dieser Monotonie ausbrechen?

Klar was absolut neues, wäre es jetzt ein Kind zu bekommen. Oder heiraten. Oder ein Haus bauen. Oder mal mit einer Frau ins Bett zu gehen... Sonst noch irgendwelche Vorschläge?

Langsam erwacht wieder Leben in mir. Ja auch mit kleinen Löchern, wie gestern Vormittag. Hab das Depriloch aber ganz gut umschifft, weil ich mir dachte: Hm welchen Anteil willste nun füttern, den Depri oder den Anpacker? Und machte mich an die Bastelei. Das tat gut und später genoß ich sogar die Sonne auf meinem Balkon :-)

Aber im großen und ganzen hab ich richtig Lust auf was neues. Erstaunlicherweise ist in diesem Sinne meine Angst kleiner geworden.*freu*.

Ganz konkret heißt das nun: erstmal die ganzen Anträge mit Sozialamt und Co laufen lassen, aber so schnell als möglich da wieder raus. Und mir die Zeit nun geben, um heraus zu finden, was als nächstes ansteht.

Sonst müsste ich das jetzt im Hopplahopptempo machen und das ist nicht gut.

Und eins spüre ich auch noch: Der nächste Umzug kommt bald! Wahrscheinlich sogar in eine andere Gegend. Weil: 16 Jahre München und Umgebung hat sich nun ausgelutscht.

Die Welt ist groß! Ich komme!

(weil mich das so umtreibt und freut und ach...kann ich nicht mehr schlafen, trink nun Kaffee und freu mich einfach des Lebens :-)!

Kommentare:

  1. Schraubt man an den äusseren Veränderungen andauernd herum, wirkt es unstet. Man wird für seine Umwelt zur unsicheren Nummer.

    Wer äussere Veränderungen scheut (also das Gegenteil von dir) tut dies aus einem Gefühl der Angst heraus. Das scheinst du nicht zu kennen. Aber irgendetwas scheint dir zu fehlen, sonst würdest du ja mit den Orts- und Berufswechseln ganz glücklich sein.

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  2. Hallo Regenfrau,
    vielleicht heißt Du so, weil der Regen beispielhaft für Deine Wahrnehmung steht. Regnen tut es ja immer wieder und da flüchtest Du auch nicht. Aber jeder Tropfen ist eben anders, bei jedem Regen. Insofern ist ja kein Regen gleich. Das nimmst Du wahr, und da redet Dir auch niemand rein! Über den Regen tauscht man sich auch selten aus; deshalb bleibt Dir diese Wahrnehmung.
    Heute hast Du ja auch die Sonne genossen. Sonnenschein ist scheinbar gleich, und doch besteht er aus Sonnenstrahlen, die jedes Mal anders sind.
    Vielleicht gehst Du in Deine Depressionen, weil Dich niemand in Deiner Art wahrzunehmen versteht bzw. es nur ganz wenige gibt, die diese Sicht zwar im Kopf haben, aber wenn es ans Verstehen geht, Dir doch die allgemeine Sicht von Regen und Sonnenschein, vor allem aber, wie man lebt und wahrnimmt, reindrücken wollen.
    Ich vermute, wenn Du mit jemandem Deine Sicht teilen könntest, könntest Du auch über längere Zeit die Straßenbahnfahrten genießen oder anderes, weil Du Deine besondere Weise der Wahrnehmung leben könntest - die doch eigentlich sehr natürlich ist.
    Kann es sein, dass Du deshalb depressiv bist, weil Dich niemand in Deiner Wahr-Nehmung wirklich ernst nehmen kann, weil sie zu natürlich ist, um als natürlich angenommen werden zu können?
    Ich glaube, ich kenne eine Frau, die Dir auf diesem Weg weiterhelfen kann, die genau sieht, wie es Dir geht. Wenn Du willst, schreib mir eine Mail, dann geb ich Dir ihre Adresse.
    Ansonsten, alles Gute, Dein Geist braucht eben viele viele Anregungen, ständig. Gib sie Dir, dann kommt er auch zur Ruhe.
    Und Du musst Dich nicht mit so vielen auseinandersetzen, die nur neidisch auf Deinen hungrigen und eigentlich so gesunden Geist sind :--))
    Liebe Grüße,
    Johannes

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  3. same here.
    die tödliche langeweile der wiederholung des ewig gleichen.
    routine? unerträglich!
    früher konnte ich das mit reisen ausgleichen.
    je länger je weiter je fremder je lieber
    (danach war auch der all-tag wieder frischer).
    heute fehlt das geld dazu. eine katastrophe.
    meine seele ist ein zigeunerkind, ach!

    und, nein. ich finde nicht, dass unsereins sich diese neu-gier austreiben lassen sollte.
    leben wollen wir, so gut es geht!

    ein haiku zum sonntag:
    jeder tag ist eine reise.
    die reise selbst ist das zuhause

    (von matsuo basho, wird mein motto für 2012)

    viele grüße von "ame no onna"
    der anderen regen-frau

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  4. Hallo Castorp, nun eigentlich war ich ganz froh mit den Wechseln (bis ich anderen mehr geglaubt habe, als mir selbst) und suchen...ja klar, wer ist nicht auf der Suche?
    Und die anderen: Wirkliche Freunde (die sich jetzt wo es mir mies ging zeigten) sind eher belustigt über meinen Wandel.

    Hallo Johannes, interessante Überlegung, in letzter Zeit hab ich mehr Leute kennen gelernt, die mich verstehen, die ähnlich ticken wie ich, die mich nicht nach ihrer Norm verbiegen wollen. Und das ist natürlich wunderbar! :-)
    Und stimmt, jetzt wo ich mich selbst mehr fordere und interessante Dinge anfange (noch im kleinen Rahmen) bin ich kraftvoller und kann meine Pause und die Ruhe wirklich genießen.
    (E-mail ist unterwegs)

    Liebe mo jour, Zigeunerseele klingt schön ;)
    Ja das Geld war auch u.a. zuständig für mein fest-sitzen. Aber alles hat seinen Grund. Wer weiß wozu es bei Dir gut ist? Auch wenn es natürlich erstmal nicht so aussieht.
    Wirklich ein schönes haiku. Danke :-) und beste Grüße zurück!

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  5. Ich bin wie Du. Genau so.

    Wir halten die Normalität, die Routine einfach nicht aus. Und da steckt was hinter.

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