Dienstag, 6. September 2011

Kann man als Putzfrau glücklich sein?

Seit über einem Monat arbeite ich nun in zwei privaten Haushalten. Unterstütze die Familien im Haushalt. Alles was so anfällt: Bügeln, saugen, auch mal die Kinder abholen, putzen, im Urlaub nach der Post, Blumen ect. schauen und was sonst noch anfällt.

Ich hab angefangen, den Text zu der Frage zu schreiben und schrieb und schrieb. So viele Stimmen in mir, so viele verschiedene Meinungen.
Einerseits schäme ich mich, wegen dieser Arbeit, würde gern was angesehenes machen,
andererseits liebe ich praktische Arbeit und wenn ich ein Ergebnis sehe. Aus Chaos Ordnung machen, liegt mir ebenso sehr. Und ich kann meistens alleine vor mich hinwerkeln, was den Streßpegel niedrig hält.

Und da ich immer mehr in die Realität zurück finde, ist es ein guter Baustein.
Die Bausteine zurück ins Leben. Wie große Steine in einem Fluß. Man kann von Stein zu Stein hüpfen.

Lange lebte ich in der Illusion/Verdrängung/Dissoziation. Das war not-wendig. Jetzt ist aber die Zeit da, mich zu fragen: Was ist wirklich möglich? Was kann ich? Was will ich?
Ohne mich zu überfordern oder in der Panik handlungsunfähig zu stecken.

Erst mal wieder ein Fundament aufbauen. Beständigkeit aushalten.
Die vier Säulen sind bei mir:

- Therapie/Selbsthilfegruppe
- Ausflüge mit Freunden/Bekannten (um neue Erfahrungen zu machen, in Kontakt zu bleiben und Freude wieder zu spüren) Hier aber genau zu schauen: was, wie lange, mit wem.
- Meine kleine Arbeit. Für Erfolgserlebnisse, Vertrauen in mich zu gewinnen, Anerkennung zu erfahren, nicht stagnieren, etwas mehr Geld zur Verfügung haben.
- Sport (derzeit viel Rad fahren, bald wieder mehr schwimmen).

So wächst die Stabilität in mir. Die gefühlte Sicherheit wird wieder größer.
Nur so lässt sich später, auch wieder was Neues ausprobieren, vielleicht eine andere Arbeit.

Es ist eben mein Weg und der fühlt sich derzeit als richtig und gehbar an.
Somit wird der Job als Haushaltshilfe zu mehr, als nur zu einem Job.

Die Leute freuen sich, wenn sie wieder ein aufgeräumtes Haus haben, und das wiederum bestärkt mich, ohne mich selbst aufgeben zu müssen oder im Helfersyndrom stecken zu bleiben.

Heute ist die Freude dran. Ich fahre gleich ins Kino. Ja, so früh :-) Denn die Freundin arbeitet nachmittags und ich mag abends nicht so gern noch unterwegs sein.
Also warum nicht vormittags? :-)

Stück für Stück...

Kommentare:

  1. Ich hab mir sagen lassen, dass nur Frauen "Putzfrau" sagen. Bei männlichen "Putzfrauen" heisst es "Reinigungsfachkraft", was sich schon nach einem akademischen Grad anhört ;-)

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  2. Wer schreibt vor, mit welchem Job man glücklich wird? Natürlich kannst Du das als Reinigungsfachkraft auch sein. Wenn Du es magst.
    Du bist ja eigentlich eine "Hauswirtschafterin", machst ja alles auch drum rum.
    Ich bewundere Menschen, die glücklich sind. Egal wie, egal warum.... :o)

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  3. Hej Regenfrau!

    Dir scheint die Arbeit ja zu liegen wie ich lese.
    Ordnung schaffen usw.
    Na bitte, damit hast Du Dir ja schon selbst die Antwort gegeben.
    Mensch, Arbeiten wo Du so nach Deinem eigenen "Kopf" vor Dich hinwerkeln kannst sind duenn gesäät!!!
    Und was "Angesehenes"?
    Das kommt ja wohl in aller erster Linie von Deiner eigenen Sichtweise denke ich mal einfach so.

    Kap Horn

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  4. Danke Euch! Das war auch eher eine provokante Frage.

    Denn a) nenne ich mich eben HaushaltsHilfe (Hauswirtschafterin klingt auch gut, hab darin auch ne halbe Ausbildung)
    und b) hörte ich einmal als glückliche Kassiererin an der Tanke-mit Sicherheitsglas und Uniform wie bei der Bank, tatsächlich den Vorwurf, dass man DAS ja nicht 30 Jahre machen kann! Davor die Frage: was ich denn studiere?. Der konnte das nich glauben, dass ich zufrieden war!

    Und aus der eigenen Familie kam eine ganze Wand aus Neid heran, als ich ebenso glücklich Schulkinder fuhr (mein No.1 Job bis jetzt!!!) nur weil Herr Papa selber kaum 30km und schon gar nich in fremden Gebieten fahren kann, ohne fast zu sterben vor Angst.

    Und vor diesen fremden Meinungen konnte ich mich lösen!

    So kam das zustande.
    Und so mach ich mich morgen freudig ins Häusle, schmeiß den Radio an und leg los :-)

    Hej Kap Horn, schön von Dir zu lesen!! :-) Ja weil in meinem Kopf schon soviel Chaos ist. Deswegen beruhigt es mich, wenn ich wenigstens im Außen wieder Ordnung herstellen kann :-)

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  5. Hihi ich hab auch gerade geschrieben, dass Putzen sehr beruhigend sein kann, wenn man im Chaos steckt. Ich finde das cool, dass du das kannst. Das kann auch nicht jeder, ich würde mir das nicht zutrauen. Was andere darüber denken, ist egal. Und Glück macht eh viel neidischer als Geld und Freizeit eh ;).

    Viel Spaß im Kino!

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  6. Wieso Tina würdest Du Dir das nicht zutrauen?

    Naja gestern eine Bekannte, als ich ihr davon erzählte: "Ach wär ich in Deiner Lage, wär ich mir dafür auch nicht zu schade."
    Zu schade?!?! Aha....

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