Sonntag, 11. September 2011

Disso...was?

Aber bevor ich meinem 2. Ich begegne, möchte ich bitte erst einmal ein vollständiges ICH!

In der Tagklinik wurde ich von einer Therapeutin gefragt, ob ich öfters dissoziiere.

Immer wenn ich davon hörte, wurde ich unsicher. Ich wußte es nicht. Was ist das? Ich informierte mich. Doch fand ich kaum etwas. Und das was ich fand waren verschwommene Beschreibungen von Betroffenen.

Dissozziation ist auch ein verschwommener Zustand, deswegen läßt er sich so schwer beschreiben.

Der Therapeutin damals antwortete ich:“ Also entweder habe ich das gar nicht, oder ständig.“

Ihre (inkompetente) Antwort war:“ Ah, dann haben Sie es nicht!“.

Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben und suchte weiter. Dass ich oft von meinen Gefühlen abgeschnitten war, wußte ich. Aber war es das ?

Und wurde fündig. In dem Buch: "Das Gefühl, ein No-body zu sein"

Es hat schon mal ein sehr handliches Format, nämlich etwas größer als normale Bücher. Es ist wissenschaftlich und somit für mich nachvollziehbarer/verständlicher (auch wenn ich nicht alle Begriffe kenne, aber die kann ich ja nachschlagen) und viel ausführlicher, als so manche Beschreibung in einem Forum.

Während der ersten Kapitel dachte ich: Hmm könnte man auch mit einer Depression vergleichen/verwechseln. Und tatsächlich, es gibt ein Kapitel darüber. Leider wurde ich daraus nicht sehr schlau.

Was mich gestört hat, war die für mich eher chaotische Reihenfolge. Logisch ist was anderes. Aber man kann ja vor und zurück springen. Einmal wurde es mir zu fachlich und kompliziert, da blätterte ich einfach vor zu dem Thema Therapie und sprang später wieder zurück.

Gefallen hat mir auch die Einbeziehung von emotionaler/psychischer Vernachlässigung und Mißbrauch. Denn das wird in psychologischen Fachbüchern kaum genannt. Da hört man eher von körperlicher und sexueller Gewalt. Auch die Beispiele der Kinder von Alkoholikern fand ich interessant (wenn auch für mich nicht viel neues dabei war, weil ich das Thema schon vor Jahren intensiv durch geackert habe).

Meine Vermutung bestätigte sich: Ich hänge sehr oft/fast ständig ( niedrig)in der Depersonalisierung drin. Das wohl schon sehr lange, denn es ist schon Normalität geworden. Ich merke es eher, wenn ich mal wirklich DA bin und meinen Körper spüre! Das ist dann wie Weihnachten und Ostern zusammen, ein schönes Gefühl. Deswegen konnte ich die Frage nicht beantworten. Wenn es sich steigert, merke ich das sehr wohl. Letztens bei einem Vorstellungsgespräch, aus dem ich wie hypnotisiert mit einem Robotergefühl heraus kam. Später löste sich der Trigger in Panik und heftigem weinen auf.

Es wird so vieles für mich erklärbar und verständlicher!

Zum Beispiel in Bezug auf den Körper: Ich liebe enge, breite Armbänder, sowie Fingerringe. Damit spüre ich, wo meine Haut endet, bzw. habe ein besseres Gefühl in der Hand. Oder Frotteesocken – herrlich! Meine Handtücher sind immer kratzig, ich verwende so gut wie kaum Weichspüler, weil ich den festeren Stoff auf meiner Haut brauche, um mich wirklich zu fühlen.

Weniger mag ich Sommerkleidung. Ich fühle mich eh schon so durchlässig, unsicher in meinen Körpergrenzen, ungeschützt, so dass ich durch eine zweite Haut mich geschützter fühle!

Und warum mir lange PC-Arbeit und Auto fahren gar nicht gut tut, obwohl ich beides sehr gern mache, und genau aus dem selben Grund vor vielen Jahren meinen TV abgeschafft habe.

Jetzt weiß ich auch, warum ich das Buch: Verlassenheit und Selbstentfremdung schon sooft las. Mir selbst fremd sein! Genau das ist es, worunter ich immer wieder leide.

Auch der Buchtitel: Phillip sucht sein Ich finde ich sehr passend (hab das Buch aber nicht gelesen).

Kommentare:

  1. liebe regenfrau
    die frage nach der diss.. habe ich mir selber auch schon gestellt, und ich wusste keine rechte eine antwort darauf. ich musste auch erst mehr darüber lesen um zu verstehen, was damit überhaupt gemeint ist. inzwischen kristallisiert es sich für mich aber immer mehr raus, dass ich da über lange zeit fast komplett drin war. es nur gab einzelne inseln, in denen ich mich als "ganz" und "in ruhe" erlebt habe. erst als diese inseln sich mit dem jahren ausgeweitet haben, konnte ich das ausmass des stresses erkennen, in dem ich bis anhin gelebt hatte. manches lässt sich erst rückblickend verstehen.

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  2. Danke Dir für Deine Rückmeldung.
    Tja fragt sich nur, wie man die Inseln vergrößern kann, innere Ruhe fehlt nämlich weit und breit.
    Ach und: das ganze Leben versteht man erst im nachhinein. Find ich doof. Wird aber seinen Sinn haben.
    Schönen Tag Dir!!!!

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