Donnerstag, 21. Juli 2011

Therapie

Der beste Kaffee ist immer der nach der Therapie. (oder morgen nach dem Zahnarzt).
Das Gefühl: geschafft! Erholung! Frei! Innerliches nachbearbeiten geht nun mal am besten mit Kaffee und einer Zigarette.

Wenn man in einem verrückten Elternhaus aufgewachsen ist, in dem einem beigebracht wird, dass man falsch denkt, fühlt und handelt und man eigentlich eingestampft und neu geformt gehört,
wundert es nicht, dass ich mit Rhabarberblätterohren meiner Therapeutin zuhöre.

Die mich spiegelt, mir mit ihren Worten (sehr bildreich was mir gut gefällt und manchmal übertrieben, damit ich es auch verstehe, was auch gut ist) sagt, wie sie das ganze sieht und mich wieder gerade rückt (oder mir zumindest hilft das selbst zu tun).

Im großen und ganzen geht es immer wieder um Selbstakzeptanz, für mich einstehen und mir das Beste und Schönste zukommen lassen, was es gibt. Scham-Schuldgefühle usw.

Genug Beispiele der letzten Woche hatten wir ja.
z.B. Job: Ich mich schon wieder geißelnd, weil ich wieder mal mit so Kleckerjobs anfange, wovon ich weder ganz leben kann, noch Rente einzahle (das ist Papas Punkt, aber ich übernehm ja gern alles) noch, dass der Job gesellschaftlich angesehen ist. Es soll doch bitte sofort der passende Beruf mit allem drum und dran morgen vor der Tür stehen und meiner Erschöpfung kündige ich fristlos.

Sieht Thera natürlich ganz anders: Sie sieht das als gute selbstgemachte Eingliederung: 6-8 Std. die Woche. "was meinen Sie warum es das gibt, für Menschen die lange krank waren? Keiner kann von 0 auf 100 durch starten?!"
(da kennt sie mich aber schlecht, was ich alles von mir verlange!!!!!!!!!)
Außerdem: "Sie haben das Recht für sich die besten Jobs auszusuchen, wenn Sie 3 Zusagen haben und einer gefällt Ihnen sehr gut, nehmen Sie den! Warum quälen! " (frei wiedergegeben von mir).

Aber noch ein weiteres Steinchen kam dazu: mich spüren und diese Gefühle lassen. Nicht wegdrücken. Einfach wahrnehmen. Und wenn es angebracht ist (und manchmal gut überlegt) danach handeln.
Aber erstmal lieber: Stop! Was mir in dieser Woche mehrmals unterkam...

Somit wächst meine innere Kompetenz, mein Selbstgefühl, das spüren geht leichter, das mir-vertrauen ebenso. Alles gut! *schulterklopf*

Für all die, denen es ähnlich geht und für alle anderen natürlich :-)

TEXT DER VERFASSUNG VON UŽUPIS (U. Ist ein Stadtteil am Rand von Vilnus)

1. Jeder Mensch hat das Recht, am Fluss Vilnelė zu wohnen, und die Vilnelė hat das Recht, an jedem vorbei zu fließen.
2. Jeder Mensch hat das Recht auf heißes Wasser, Heizung im Winter und auf ein Ziegeldach.
3. Jeder Mensch hat das Recht zu sterben, ist jedoch hierzu nicht verpflichtet.
4. Jeder Mensch hat das Recht, sich zu irren.
5. Jeder Mensch hat das Recht, einzigartig zu sein.
6. Jeder Mensch hat das Recht zu lieben.
7. Jeder Mensch hat das Recht, nicht geliebt zu werden, jedoch nicht unbedingt.
8. Jeder Mensch hat das Recht, weder berühmt noch bekannt zu sein.
9. Jeder Mensch hat das Recht, faul oder untätig zu sein.
10. Jeder Mensch hat das Recht, eine Katze zu lieben und für sie zu sorgen.
11. Jeder Mensch hat das Recht, für seinen Hund zu sorgen bis einer von beiden stirbt.
12. Jeder Hund hat das Recht, Hund zu sein.
13. Keine Katze ist verpflichtet, ihren Hausherren zu lieben, aber in schweren Momenten muss sie ihm beistehen.
14. Jeder Mensch hat das Recht, manchmal nicht zu wissen, ob er Verpflichtungen hat.
15. Jeder Mensch hat das Recht zu zweifeln, ist jedoch hierzu nicht verpflichtet.
16. Jeder Mensch hat das Recht, glücklich zu sein.
17. Jeder Mensch hat das Recht, unglücklich zu sein.
18. Jeder Mensch hat das Recht zu schweigen.
19. Jeder Mensch hat das Recht zu glauben.
20. Kein Mensch hat das Recht, Gewalt auszuüben.
21. Jeder Mensch hat das Recht, seine Nichtigkeit und seine Größe zu begreifen.
22. Kein Mensch hat das Recht, nach der Ewigkeit zu trachten.
23. Jeder Mensch hat das Recht zu verstehen.
24. Jeder Mensch hat das Recht, nichts zu verstehen.
25. Jeder Mensch hat das Recht, verschiedenen Nationalitäten anzugehören.
26. Jeder Mensch hat das Recht, seinen Geburtstag zu feiern oder nicht zu feiern.
27. Jeder Mensch ist verpflichtet, sich an seinen Namen zu erinnern.
28. Jeder Mensch darf mit anderen teilen, was er hat.
29. Kein Mensch kann mit anderen teilen, was er nicht hat.
30. Jeder Mensch hat das Recht auf Geschwister und Eltern.
31. Jeder Mensch darf frei sein.
32. Jeder Mensch ist für seine Freiheit verantwortlich.
33. Jeder Mensch hat das Recht zu weinen.
34. Jeder Mensch hat das Recht, unverstanden zu bleiben.
35. Kein Mensch hat das Recht, einen Anderen schuldig zu machen.
36. Jeder Mensch hat das Recht auf Persönlichkeit.
37. Jeder Mensch hat das Recht, keine Rechte zu haben.
38. Jeder Mensch hat das Recht, keine Angst zu haben.
39. Besiege nicht.
40. Wehre dich nicht. (wieso nicht? Den Punkt streiche ich für mich raus)
41. Gib nicht auf.

Kommentare:

  1. hmm vielleicht "wehre dich nicht gegen deine Rechte"?

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  2. Ahh sehr interessante Vermutung! Das könnte so sein ;)

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