Sonntag, 12. Juni 2011

Werdet wie die Kinder

Es gibt Menschen, die sind vom Alter her erwachsen, aber nicht in ihrem Verhalten.

Ich bin so eine. Ich muss mein inneres Kind nicht hervor locken und kennen lernen, nein das ist schon da und übernimmt die Führung meines Lebens. Ich muss lernen als Erwachsene mit diesem kindlichen Anteil umzugehen.

Wer zu sehr mit dem inneren Kind identifiziert ist, hat eine geringe Frustationsschwelle, braucht sofortige Bedürfnisbefriedigung ( was oft in Sucht ausartet!), kann seine emotionalen Affekte schwer kontrollieren, kennt kaum Grenzen -die eigenen und die der anderen (zu wenig Schlaf, zu ungesundes Essen, zuviel Geld ausgeben/Schulden machen), Probleme mit Autoritäten, ist risikofreudig, sucht sich im Partner weiter Vater/Mutter, kann schwer „nein“ sagen und noch so einiges. Oft sind es auch innere Jugendliche die das Steuer in der Hand haben und so sieht man 40-jährige die immer noch mit Baseballcaps, Kapuzenpulli und stark gepierct herum laufen. Das ist keine Bewertung, nur eine Feststellung, die ich auch bei mir erkannte!

Diese Menschen glauben, wenn sie tun was sie wollen, dass dies Freiheit heißt. Dabei ist es mangelnde Affektkontrolle.

Ich bin schon seit Jahren dabei meinen Erwachsenen-Anteil oder das „bewußte Selbst“ (wie es die Autorin in: mit der Kindheit Frieden schließen) nennt, zu stärken. Gut geht das ganze mit dem inneren Dialog und Imaginationen. z.B. wenn ich weiß ich muss etwas tun, wovor mein inneres Kind angst hat (oder ich angst habe, dass es quer schießt und den Behördenmann ein blödes Arschloch nennt) beruhige ich es und wir suchen gemeinsam einen Ort aus, an dem es bleiben kann, natürlich muss es da wieder imaginär abgeholt werden.(klingt bisschen gaga, aber es hilft und das zählt)

Als mich diese Woche diese intensive Wut überschwemmte, war da ganz viel „Kind“ dabei. Und ich war als Erwachsene noch mehr als sonst gefordert nun aufzupassen. Was braucht ein wütendes Kind? Meins braucht: Dass die Wut sein darf, Anerkennung, ernst-nehmen, Verständnis. Kein schnelles trösten und mit dem Verstand argumentieren (man teste dies mal bei einem wütenden 6-jährigen!). Sondern: Einen sicheren Rahmen geben, wo es erstmal toben darf: Hassbriefe schreiben, Kissen verprügeln, schreien, heulen, stampfen, nicht allein lassen. Aber auch Grenzen setzen, gerade in solchen aufwühlenden Zuständen esse ich nicht richtig und rede mir gut zu, dass ich zumindest ein Käsebrot und ein paar Tomaten zu mir nehmen kann, weil der Körper was braucht. Ich habe die Pflicht mir und meinem Leben, meinem Körper und meiner Seele Grenzen zu setzen! Dann kann ich auch leichter anderen mir gegenüber Stop und nein sagen.

Ich als Erwachsene kümmere mich um mein Leben, das Kind hat es schon viel zu lange tun müssen und ich richte Plätze ein, in dem man noch getrost Kind sein darf und nicht in Selbstschädigung endet. Diese selbstschädigenden Aktionen wurden ja nur gemacht, um Gehör zu finden und weil es sich nicht anders zu helfen wußte.

Hart ist es trotzdem und manchmal ist der Sog des Kind-Ich zu stark, dann werd ich wieder Pippi Langstrumpf und such mir Peter Pan!

Das blöde is ja, dass die Infantilität von den Medien immer mehr als toll hingestellt wird: Sei immer jung, sei immer hipp, wenn was nicht klappt lass es, Du brauchst ein Navi weil du dich nie und nimmer selber orientieren kannst, Falten sind bäh, alte Leute erst recht, hier ein neues s̶̶p̶̶i̶̶e̶̶l̶̶z̶̶e̶̶u̶̶g̶ Handy, Generation Praktika, du brauchst nicht mehr an Mamas Brustwarze nuckeln, nimm Zigaretten, du kannst dir alle Wünsche sofort erfüllen dank unseres Kredites, gib schnell auf, lass dich scheiden, tröste dich mit der neuen Playstation oder einer Tafel Schokolade!

Ich bin also in guter Gesellschaft mit meinen regressiven Tendenzen

http://www.medienobservationen.uni-muenchen.de/artikel/gesellschaft/Infant.html

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau,
    ich finde es toll, was Du alles über Dich selbst heraus findest und schon längst herausgefunden hast. Noch besser finde ich, dass Du Dir gute Strategien bastelst (wie den inneren Warteplatz), wie Du mit den täglichen Herausforderungen gut zurecht kommst.
    Vielen Dank dass Du dies mit mir und Deinen anderen Lesern teilst.
    Ich denke, dass sich Dein inneres Kind sehr wohl bei Dir fühlen kann, weil auch ein liebe- und verständnisvoller Erwachsener in Dir wohnt. (Das nehme ich aus Deinen Worten wahr). Vielleicht dauert es halt ein wenig, bis das Kind dem Erwachsenen vollständig vertrauen kann, aber Zeit ist subjektiv und spielt (so finde ich) überhaupt keine Rolle.
    Ich wünsche Dir alles Liebe und viele gute Gefühle auf Deinem Weg.
    Viele liebe Grüße aus dem Isartal,
    besser und besser,
    Gaba

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  2. das mit den beruhigen und wut rauslassen musst du mir noch erklären. da sind sich meine beiden garnicht einig..
    hab ne schöne pfingstzeit
    lg

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  3. Danke liebe Gaba ;) Oh ich finde Zeit da schon sehr wichtig, einfach weil ich ungeduldig bin *g*. Ich erkenne das ja an meinen Träumen, wenn ich gut auf mich aufgepasst hab, so war heute mein Schulschwarm von früher wieder da und hat mich ganz lieb umsorgt und in den Arm genommen. Das fühlt sich so real an, dass ich morgens immer stutzig werde. Liebe Grüße zu Dir! Das Isartal is ja nich soo weit weg von mir :-)

    Liebe Binaca, mal sehn ob ich das in der kürze hinbekomm. Einig sind sie sich bei mir auch wenig, aber es wird. Ich rede innerlich mit dem Kind-Anteil als wäre es real da, rede gut zu, sage dass es nicht lange dauert,dass wir uns auch mal ein Eis zur Belohnung gönnen, dass ich es beschütze usw. Oder ich stelle mir vor, wie ich es hinter meinen Rücken schiebe und somit schütze. Bei Wut war es immer gefährlich, das Kind agierte pur aus, sei es sich besaufen, riskant Auto fahren...Jetzt gehe ich ein Stück zur Seite und schaue diesem wütenden Kind zu, das bin zwar auch ich-aber nur ein Teil, der andere Teil (erwachsene) schaut, dass es sich nicht weh tut, bietet einen ungefährlichen Platz zum austoben an. Das sollte man sich in einem ruhigen Moment überlegen, was da gut wäre und aufschreiben, so hat man das eher zur Hand.
    Und es gibt nicht nur EIN inneres Kind, je nach Alter-siehe Jugendliche, manchmal kann ich nur weinen, weil was getroffen wurde, das ich erlebt habe, aber damals noch gar nicht reden konnte.

    Dieser Umgang gilt natürlich auch für weitere Gefühle: Trauer, Sehnsucht, auch Freude und Spaß, Verzweiflung..ect.

    Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen, ansonsten frag einfach :-)
    Liebe Grüße!

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  4. Das hast du gut beschrieben, ich werde versuchen ab und zu daran zu denken. bei mir ist es leider schneller da als ich reagieren kann, oft jedenfalls.eine situation die eine lawine frust zum ausbruch bringt und schwupps kommt die aggression. eine wut die unbeschreiblich gross ist, ich hasse mich dann selbst, aber ach was schreibe ich, ich kanns kaum in worte fassen, es ist der zweite teil von mir den ich überhaupt nicht mag, aber ich muss lernen ihn zu akzeptieren oder zumindest zu erkennen und das nicht erst wenn er da ist sondern wenn er brodelt...
    hab nen schönen nachmittag...

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