Donnerstag, 9. Juni 2011

Wenn Träume platzen...

tut das weh...ganz enorm weh und es ist scheiße, aber sowas von!

Vor einigen Monaten fand ich eine interessante Homepage, von einem Verein der Assistenzhunde ausbildet und an Menschen weitergibt die entweder Diabetes haben (ja ein Hund kann Unterzuckerung riechen und dann melden) oder eine posttraumatische Belastungsstörung haben, hier kann der Hund auch einiges erlernen, um den Menschen zu helfen.(z.B. In einen dunklen Raum vorgehen und melden, wenn da jemand ist, Licht anmachen, in einer Dissoziation da sein, aufwecken bei Alpträumen ect.).

Wow, das isses! Dacht ich voller Freude, schrieb die Herrschaften an und kurze Zeit später hatte ich einen 6-seitigen Bewerbungsbogen vor mir liegen. Den ausgefüllt mit einem Attest meines Psychiaters, dass ich eine PTBS habe, schickte ich zurück. Ich überlegte gut und hinterfragte mich bei einigen Dingen intensiv, ließ mir Zeit und war sehr offen und ehrlich über meine Wünsche und Sorgen. Der Kommentar meines Doctores war ein kindlicher (was ihn mir umso sympatischer machte, weil die steife Arztmaske von ihm fiel):“Ui cool, ich will auch einen Therapiehund haben!“

Nun kam eine Absage. Ich würde die Anforderungen nicht erfüllen und noch weitere dubiose „Ausreden“. Bin ich zu krank dafür (nun, die sollten wissen, dass man mit einer komplexen PTBS nicht nur hin und wieder unter Kopfweh leidet) oder gar zu gesund????( dazu würde ich sagen, wer viel mehr an den Traumafolgenstörungen leidet, und gerade noch sich selbst versorgen kann oder gar noch öfter in Kliniken verweilt, weil er nicht mehr klar kommt, dem sollte man auch keinen Hund anvertrauen)

Alles war schwarz in diesem Moment, kein grau und schon gar kein bunt. Ich fühlte mich wie nach 5 Ohrfeigen und mindestens genau so viele Faustschläge in die Magengrube. Stehend ausgezählt....5..4..3..2...1 k.o! Nichts kann ich und nicht mal für einen Hund bin ich gut genug. Keine Differenzierung, alles an mir ist nicht gut.

Ich war sauer, aber sowas von! Eine unbändige Wut schäumte in mir und ich wußte, jetzt muss ich aufpassen, um nicht Amok zu laufen. Amok gegen mich selbst. Ich radelte wie eine besessene eine Strecke, die ich mir für solche Zwecke schon lange ausgesucht habe: Geteerte Straße, kaum Autos, schnurgerade. Es regnete, es war mir wurscht, es hätte Tennisbälle hageln können!

Diese Arschlöcher, was glauben die eigentlich! Ich hab die ganze Welt verachtet, ich wollt aufgeben. Warum? Warum strenge ich mich immer wieder so an? Geh in Gruppen, kauf mir selber Fachliteratur zu meiner Krankheit, ging von mir aus 3x in Kliniken und 2x in ambulante Therapie wovon ich eine selbst bezahlt habe! Warum diese ganze Scheiße, wenn ich doch immer wieder Niederlagen einstecken muss. Oh einsame Hütte in Skandinavien...wo bist du????

Mein großer Fehler war, dass ich nie mit einer Absage gerechnet habe, sondern schon geträumt habe, wie es wohl werden wird.

Eine erwachsene Stimme in mir meint ganz ruhig: wer weiß wozu das gut ist? Vielleicht hat die höhere Energie was anderes mit dir vor?

Schnauze! Ich will davon nix hören! Ich blute, mich hat es zerrissen, ich trauere, ich wüte, ich....

Ich kann kurz erkennen, dass ich total in der Opferhaltung eines kleinen Kindes bin,(immerhin ist es auch ein Kindheitswunsch, der wieder einmal verschoben wurde) verändern kann ich es noch nicht...das kommt als nächstes dran, ich kann nur ein Stück weit besser auf mich aufpassen, was ich in diesem inneren Ausnahmezustand tue.

Ich mache mich nur noch zu einem kleinen Teil „dicht“ (Gefühle wegschieben, exzessiv ablenken, immens viel rauchen, Kaffe und Süßkram), ich nehme mir Zeit für Trauer und Wut und mache eine Imagination zum sicheren Ort. Ich lasse den kindlichen, verletzten Anteil in mir schreiben und der darf sich auch unter einer Decke verkriechen. Ich nehme alles was ist wahr und atme.

Ein anderer Teil verweigert sich dem Leben. Schweigt, verstummt, resigniert, wird verbittert, zieht sich immer weiter in sich selbst zurück.

Der Treibsand hat mich wieder.

Natürlich heißt das nicht, dass ich nun nie einen Hund haben kann. Doch einen schon gut erzogenen Hund, mit Hilfe im Rücken und Nachschulungen, hätte für mich, einiges erleichtern.

Ich wollte die genaueren Gründe von diesem Verein wissen.... keine Antwort.

Ich mach mich mal auf den Weg zu meiner Therapeutin....

Kommentare:

  1. Sehr berührende Worte - lass dich nicht unterkriegen.
    Liebe Grüße
    Claudia

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Regenfrau,

    jetzt stecke ich in gemischten Gefühlen. Wir haben ja 2 Hunde. Und ich bin der Meinung, dass diese lieben Vierbeiner viele Dinge können, auch ohne dass sie speziell für PTBS ausgebildet wurden sind.

    Ich sage immer, unsere Hunde haben mir das Leben gerettet. Ich bin mit meinen ganzen Symptomen immer weniger raus, habe gedacht, wenn das so weitergeht, werde ich bald nach oben abberufen.

    Die liebst Hunde, das habe ich hier schon auf Deiner Seite mitbekommen und ich bin davon überzeugt, dass Du dafür auch Verantwortung tragen würdest.

    Man muss Rahmenbedingungen abklären, wer ist für das Tier da, wenn mal etwas mit Dir sein sollte. Und sie kosten natürlich auch Geld. Da trägt das Futter den geringsten Anteil. Schocken können einen unverhoffte Arztrechnungen.

    Aber ansonsten, wenn man sich solch ein Tier aus Liebe anschafft, wirst Du aufstehen und rausgehen. Weil Du weißt, dass es das Tier braucht. Und damit musst Du automatisch aus Deinem Coucon.

    Hol Dir Deinen eigenen Freund, kämpfe dafür. Geh gegen Deine Ängste in eine Welpengruppe oder zu einer Hundeschule. Wenn Du wirklich solch einen Kameraden willst, von ganzem Herzen für ihn da sein willst, ist es völlig egal, was dieser Verein für eine Meinung hat.

    Es ist ein kleiner aber auch großer Schritt, der sich meiner Meinung nach lohnt. Ein Wunsch der in Erfüllung gehen kann.

    Wenn Du Rad fahren kannst, bist Du also auch nicht ans Haus gebunden. Dann fahr zu einem Tierheim, die freuen sich, wenn jemand mit Hunden Gassi geht. Probiere aus, wie es Dir damit geht. Ob Du wirklich so schlimm dran bist, dass Du nur mit einem ausgebildeten Hund kannst.

    Versuch es.... es lohnt sich so sehr!

    So und nun darfst Du mir für den Text den Kopf abbreissen.

    Ganz liebe Grüße an Dich
    Ines :-)

    AntwortenLöschen
  3. Sie hätten mal einen Blick auf deinen Blog werfen sollen. Also ich hätt dir den Hund sehr gegönnt und bin überzeugt, er wäre gut bei dir aufgehoben gewesen und du bei ihm.

    Aber wer weiß, wo er hinkommt und wer sich da noch beworben hat.

    LG Tina

    AntwortenLöschen
  4. Danke für Eure Antworten, der innere Sturm hat sich ein wenig gelegt, zumindest ein wenig verdrängt, weil ich gestern und auch heut einfach noch funktionieren muss, dann is ja langes Weekend.

    Nene Ines, Dein Kopf bleibt mal schön dran! ^^ Natürlich hab ich mir auch über diese Dinge Gedanken gemacht, wer is in der Krise da, Geld usw...
    Und für mich wäre der Hund nicht nur ein "Therapieteil" wie gesagt, der Wunsch is schon lange da. Ich glaube für mich wär eher die Herausforderung mir nich zuviele Gedanken um den Hund zu machen, auch da können meine Ängste schön toben. Tierheim war ich, mehrmals, war aber eine nich so schöne Erfahrung aus versch. Gründen.

    Das Ganze wäre eh erst in 1-1,5 Jahren spruchreif gewesen, sprich nach der Ausbildung des Hundes.
    Ich weiß noch nicht was ich nun tue, das wird sich mit der Zeit zeigen :)

    Schönen Tag Euch allen!!!!!!

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Regenfrau,

    mein Bauch sagt mir, Du wirst so einen lieben Wegbegleiter haben. Aus Dir spricht sehr viel Verantwortungsgefühl. Für mich scheint es nur noch eine Frage der Zeit. Und ich glaube, Du kannst kannst so einem Tier ganz viel Liebe schenken und wirst sie genauso auch zurück erhalten.

    :-))))))) Ines

    AntwortenLöschen
  6. Danke liebe Ines :)
    Tatsächlich las ich in der Tagesmeditation folgenes:

    Heute will ich meine Bedürfnisse und Wünsche erkennen, dann bin ich bereit sie loszulassen. Ich werde meine Energie darauf verwenden,mein Leben heute zu leben, damitich meine Lektionen so schnell wie möglich meistere. Ich werde darauf vertrauen, dass das wünsche und brauche, auf mich zukommt.Ich werde mein Bedürfnis ablegen, Einzelheiten kontrollieren zu wollen.

    Ich glaub das wird schwer...übe ich mich schon 25 Jahre in Geduld.....
    LG

    AntwortenLöschen