Donnerstag, 23. Juni 2011

Reise im Mondlicht...

...war mal wieder ein Buch, das mir sehr gefiel.

Der Held will endlich ein ernster, richtiger Erwachsener werden und heiratet. Doch die Dämonen aus seiner Jugend lassen ihn nicht in Ruhe und so scheitert die Ehe schon auf der Hochzeitsreise.

Geplagt von Erschöpfungszuständen, voller Angst und Depressionen irrt er durch Italien. Ein kurzer Stop im Kloster ist auch dabei (Kloster spricht mich immer wieder an: die Einfachheit, der feste Rahmen, die Gemeinschaft, jedoch lese ich lieber Geschichte darüber, weil ich weiß, dass ich spätestens nach 1 Woche genau deswegen dort durchdrehen würde, außerdem hab ich es mit dem religiösen Tamtam eh nicht).

Der melancholische Eigenbrötler lernt langsam das bei-sich-sein und denkt an seine Studienzeit in England zurück, dessen nasses und nebliges Klima er innig liebte (ha!). Voller Scham und mit viel Schwindel begibt er sich weiter auf die Suche nach Abenteuer, denn das bürgerliche Leben mit Büroarbeit, Ruderclub und Feste mit feinsten Damen erzeugte in ihm nur Überdruß. Nervenschwach wie er ist, wünscht er sich nichts sehnlicher als seine Kindheit wieder zu haben, von der Zukunft hat er eh nichts zu erwarten.

So traurig und schwer sich diese Geschichte anhört, ist sie gar nicht. Im Gegenteil ist sie recht locker und gut zu lesen und irgendwie ist es manchmal zu komisch wie der Held durch sein Leben stolpert :-)

„Ein Mensch dem das Unmögliche gelungen ist, dachte er neidisch, während sich Waldheim mit Rohschinken vollstopfte und Erklärungen abgab. Ein Mensch dem es gelungen ist, sich in der ihm entsprechenden Lebensphase zu fixieren. Denn ganz sicher hat jeder Mensch eine nur ihm entsprechende Lebensphase. Es gibt solche die ein Leben lang Kinder bleiben, und solche die ihr ganzes Leben lang linkisch, unbeholfen, fehl am Platze sind, bis sie sich als schöne, weise Greisinnen und Greise wiederfinden, endlich zu Hause in ihrem Element.“

Kommentare:

  1. "Reise im Mondlicht" habe auch vor längerer Zeit gelesen. Hatte mich damals sehr beeindruckt. Dieses Nichtlösenkönnen von der Vergangenheit, der Skeptizismus gegenüber der Zukunft, überhaupt dieses melancholische Lebensgefühl...

    Gerade dein Zitat macht mir Lust das Buch noch einmal zu lesen. Hoffe ja auch immer noch, die mir entsprechende Lebensphase zu finden. Warum nicht als in sich ruhender Greis? Danke für den Anstoß.

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  2. Ui freut mich ;) Haben anscheinend einen ähnlichen Lesestoffgeschmack.
    Ja die Hoffnung stirbt zuletzt, auch meine passende Lebensphase noch zu finden...

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  3. Oder, vielleicht ist die beste Zeit auch schon vorbei....

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  4. Ich glaube wenn ich die Zeit gerade dafür hätte, dann wäre das Buch schon bestellt.

    Du hast es zumindest so gut beschrieben, dass man sich da gern mal festlesen möchte.

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