Freitag, 17. Juni 2011

Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden

Diesen Spruch kann man nun allerorts lesen. Die Werbung des Bundesfreiwilligendienst.

Mein Gut-Menschentum habe ich vor einiger Zeit abgelegt. Ich habe mich zu sehr überall eingesetzt, mich total vernachlässigt und kaputt gemacht. Meine soziale Ader wurde etwas dünn. Nur mein Ehrenamt mache ich noch, das ist aber so selten, dass es nicht ins Gewicht fällt. Wenn ich schon schufte, will ich davon wenigstens meine Miete und mein Essen bezahlen können und vielleicht noch ein paar Annehmlichkeiten, ich brauch ja eh nicht viel.

Aus Neugierde besuchte ich nun doch die Homepage, stöberte in den Platzbörsen. Viele Stellen wurden früher von den Zivildienstleistern besetzt, aber die gibt es ja bald nicht mehr. Also im Altenheim, Behindertenbetreuung, Kultur und Sportbereich. Ich fand tatsächlich eine Ausschreibung die mich bannte. Wow, das klingt toll, das könnte ich, das würde mir wahrscheinlich Spaß machen.

Nun. Nach meinem Empfinden gehörte diese Stelle zum regulären Arbeitsmarkt! Das ist nicht mal eben Omas spazieren fahren oder im Garten buddeln, also Dinge auf die man auch verzichten könnte. (Diese Kritik wurde ja auch bei den 1,-€-Jobs laut, dass dies eigentlich ganz normale Stellen sind-aber so billiger für den Arbeitgeber-Stichwort: Arbeitsmarktneutral!). Zudem sie eine 39 Stundenwoche wäre! Freiwillig, is klar, nä? Was bekommt man dafür? Ein gutes Gefühl nützlich und wichtig sein, einen feuchten Händedruck und Taschengeld: höchstens 330 Euro. Im Monat.(wer weniger bekommt und warum steht nirgends) evtl. noch Fahrtkosten (wenn man ganz lieb ist?).

Hartz-4 Empfänger dürfen 60 Euro behalten. *PENG*, sorry mir ist grad die Hutschnur geplatzt! Wenn ich einen 400 Euro Job hätte, dürfte ich 120 Euro davon behalten. Das kann ich noch akzeptieren, weil ich zu einer kleinen Selbstlüge greife: Angenommen ich bekomme 800 Euro vom Amt, plus die 120 € aus dem Job, wären 920 Euro für 40 Stunden Arbeit im Monat. Ich denke mir, dass ich ja Gehalt bekomme, aber eben nicht vom Chef, sondern von der ARGE. Andere sagen sich, da geh ich lieber für die 120 Kröten schwarz arbeiten und hab den Rest frei. Jeder wie er will.

Aber für 860 Euro an die 156 Stunden arbeiten (Stundenlohn: 5.50€)-mal davon abgesehn, dass ich derzeit kaum 39Std. die Woche leisten könnte - ist mir aber echt zu blöd, verarschen kann ich mich auch selbst. Hauptsache die Leute sind aufgeräumt und denken nicht zuviel nach und schuften für die Gemeinschaft. Blablabla.

Warum unterstützt die Regierung solche Arbeitgeber/Träger nicht, indem sie sagt: Die früheren Zivildienststellen bezahlen wir zur Hälfte, damit mehr Stellen geschaffen werden, wovon die Leute auch leben können?

Dumme Frage, ganz klar. Es muss ja gespart werden und der Rotstift wird immer zuerst bei den Schwächsten angesetzt: Kinder, Alte und Kranke.

Ein interessanter Beitrag liest sich auch hier: Für das deutsche Vaterland

Amen.

Kommentare:

  1. liebe müssiggängerin...

    deine gedanken und beobachtungen finde ich sehr wichtig. da wird verlagert und vertuscht, billige arbeitskräfte müssen her. ich finde es krass, wie es auf dem arbeitsmarkt läuft. und nun anscheinend auch bei der ehrenamtlichen arbeit.

    selber zwischen erstem und zweitem arbeitsmarkt schwankend, gerade in der rehaphase, kann ich nur sagen: viele von denen die nicht mehr können, der "gesellschaft auf der tasche liegen" haben bereits zuviel (des guten) getan. entweder in der regulären arbeit, zu hause oder in der "frewilligen" arbeit.

    die grenzen der belastbarkeit sind immer persönlich.

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  2. Manchmal frag ich mich echt, ob ich mir nicht zuviele Gedanken mache und mehr zum Arschlochtum wechseln sollte. Die Ellenbogenkandidaten und widerlichsten Mobber haben nie Burn out und konsorten.
    Mir wird auch schlecht bei den derzeitigen Begebenheiten.
    Und ich kann mich damit so schlecht annehmen, ich bin doch erst 31 und schon am Ende der Fahnenstange????
    Der 2.Arbeitsmarkt ist bei uns (in diesem Landkreis) eher mau. Das was ich mir ansah war Blumentöpfe bekleben, Kerzen herstellen oder Schrauben abzählen. da fällt einem nix mehr ein.
    Darf ich fragen welche Möglichkeiten es bei Dir gibt oder was Du da machst?

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