Montag, 27. Juni 2011

Muttersöhnchen + Vatertöchter

Zum Glück bekam ich gestern noch die Kurve. Innerlich. Mir wurde klar, dass mein extremer Rückzug mit der erneuten Verletzung durch meinen Vater ausgelöst wurde (vielleicht auch daher meine Zittrigkeit). Und irgendwie rutschte ich dann wieder in mein Erwachsenes-Ich und sagte mir: verdammt nochmal nu reichts, wie oft will ich mir eigentlich noch die (verbalen) Watschn holen? Aus, Schluß und vorbei, in Zukunft wird er, wie früher schon , nix wirkliches mehr von mir erfahren, wir verstricken uns zu schnell, zu sehr miteinander. Es tut weh, ich würde mir auch ein anderes Verhältnis wünschen, aber es geht nicht.

Ich kann das schwer beschreiben, was da innerlich passiert. Es ist ja eine innere Ablösung und lange, viel zu lange stand mein Vater auf Platz Nr.1. Muttersöhnchen hört man oft. Aber Vatertöchterchen? Ich bin weiter die Ansprech-und Bezugsperson Nr. 1 für ihn. Oft sind die Rollen auch verkehrt (was früher noch extremer war), er Kind, ich Mutter/Ehefrau. Da kann ich inzwischen rechtzeitig stoppen.

Natürlich kann er mir in vielen Dingen helfen, mir Rat geben, materielles günstiger besorgen oder schenken. Finanziell ist das billiger. Seelisch zahl ich drauf. Ich muss mich weiter lösen und meine eigenen Erfahrungen machen. Vor allen Dingen aber: mein Leben leben und nicht seines nachmachen!

Jetzt ist es mir gefühlsmäßig wieder ein Stück weit gelungen. Und das fühlt sich unglaublich frei und leicht an, ich nahm mein Radl (was ich nachmittags sehr selten mache, ich fahre fast nur vormittags) und düste frisch und munter 20km durch die Gegend, fand eine hübsche Bank unter einem riesen Eichenbaum und konnte das Hier und Jetzt vollkommen genießen!

Oft gibt’s Rückfälle, oft viel Wut und Trauer. Ich muss nur dran bleiben, dann wird das schon. Irgendwie erinnert mich das ganze an das Thema Beziehungsabhängigkeit.

Und da hab ich leider zu viele Erfahrungen gemacht. Ich "spiele" oft den sich unterwerfenden Part und suche mir Menschen (egal ob weiblich oder männlich) die den dominanten Teil spielen. Ich werde da dem anderen regelrecht hörig. Bis ich kurz vor der Selbstaufgabe stehe und die Notbremse ziehe. Dann aber gehts erst richtig los: Der andere will mich ja nicht aufgeben, er hat ja nur Vorteile davon, derjenige braucht mich, wie die Zecke das Blut.

Dominante Leute rauben mir nicht das Blut, aber meine Energie! Und immer wenn ich es geschafft habe mich aus solch einer Beziehung zu lösen (einmal Flucht bei Nacht und Nebel, die folgenden Tage unter Polizeischutz verbringend) geht es mir wunderbar:

Ich hab wieder mein Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Frische, Stärke, voller Mut und lebe mein Leben mit mir und mit anderen, aber nicht mehr mit Energievampiren.

Meiner Therapeutin wurde somit heute auch klar, dass das ablösen von Herrn Papa als erstes dran sein wird. Ich geh mich schon mal warm anziehen, denn was mein Vater auf Lager hat, hab ich leider auch schon zu oft erfahren.

Trotzdem ich weiß, dass das der richtige Weg ist!

Abhängigkeit - Autonomie ist immer wieder ein Thema bei mir.

Kommentare:

  1. ich hoffe von herzen, dass dir das niederschreiben hilft.

    bei mir otfnet es die gedanken.

    für mich ist schreiben gerade auch während meiner chemo sozusagen

    das fenster zur welt :))

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  2. Ja sicher hilft mir das schreiben, sonst würde ich es ja nicht tun :-))
    Liebe Grüße

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