Montag, 13. Juni 2011

Leben für Anfänger



Achso, dass muss einem ja gesagt werden, dass man irgendwann frei über sein Leben entscheiden kann. Ich kenn das nicht. Mir wurde beigebracht, nur auf die anderen zu achten, ihnen jeden Wunsch von den Augen zu lesen, ihre Probleme zu lösen und nie, wirklich niemals was anderes zu denken oder zu fühlen, als der Rest der Sippschaft!

Deswegen hat mein Leben keine Richtung.

Das erinnert mich an den dressierten Elefanten, der seit der Geburt an Ketten gefesselt ist und jeder Ausbruchsversuch scheiterte. Als er ausgewachsen war, hat er so verinnerlicht, dass er nicht weg laufen kann. So reicht es, ihn an einem dünnen Seil, das an einem ebenso dünnen Ast gebunden ist, weiter zu fesseln.Nun könnte er einfach weg laufen, doch er tut es nicht, weil er nicht weiß, dass er locker das Seil zerreißen oder den Ast abbrechen und die Freiheit genießen könnte. (Die Frage ist nur ob er in der freien Wildbahn lange leben würde, wenn er nie jagen, sich verteidigen, einem Rudel anschließen gelernt hat).

Letztens fand ich ein Buch, dass eine Mutter schrieb, die von ihrer Tochter "verlassen" wurde, sprich den Kontakt abbrach. Natürlich werde ich dies nicht lesen, da es mich viel zu sehr innerlich aufreiben würde. Denn auch ich hab den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen. Bewußt, nach langen Versuchen doch noch mit ihr klar zu kommen und vielem nachdenken. Die wenigsten verstehen das und ich habe keine Kraft und Lust mehr das zu erklären und daüber zu diskutieren. Jedes Gespräch das in diese Richtung geht, blocke ich ab.

Sie war mein Seil und der Ast. Ich konnte nicht frei werden. Jetzt schon. (vorausgesetzt ich überlebe die "freie Wildbahn"!). In einem Kommentar zu dem Buch schrieb eine Mutter, die sich aber auf die Seite der Tochter stellte und so schrieb, als würde diese vor ihr sitzen - sehr berührend. Vor allem sagte sie einen Satz, der seitdem in meinem Gehirn kreist:

Kinder die ihre Eltern verlassen, wurden schon viel früher von ihren Eltern verlassen!

Das stimmt. Absolut.

Passend dazu heute diese Karte gezogen:

Ich bin berechtigt heraus zu finden, was für mich gut ist.

1 Kommentar:

  1. Wie bei nahezu allen Themen, kann man auch hier nicht pauschalisieren. Manchmal ist es die einzige Lösung, konsequent den Kontakt abzubrechen, wie offensichtlich in deinem Fall.
    Manchmal kann aber genau das den Schatten vergrößern. Auch Töchter haben nicht immer recht und sind ganz sicher nicht immer Opfer ihrer Mütter. Aus der Opferhaltung rauszukommen, das ist der Schlüssel. Wer das schafft, kann jedem begegnen, auch der eigenen Mutter ;-)

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