Montag, 6. Juni 2011

Jesus trommelt

Ok, ich bin nicht Jesus, hab aber trotzdem in einer Kirche getrommelt. Am Sonntag! Das geht auch nur bei den Evangelen. Vor 2 Jahren fing ich an...und ließ es wieder sein. Wie so vieles was ich anfange und mir Spaß macht. Aber hej, so schnell geb ich nicht auf, ich fang einfach wieder an. Und nehm meine Depression mit. Ich bin nicht die Depression, sie ist nur ein Teil von mir.

So einfach ist das :-)

Der Unterschied zwischen einem trommelnden Afrikaner und den Weißen ist: Der Afrikaner trommelt, als hätte er schon als Baby eine Djembe zwischen den Knien gehabt (oh wie süüüß), schaut lächelnd in die Runde und man meint, dass seine Finger nicht zu ihm gehören und wenn, dann ein Eigenleben führen, sanft und unglaublich beweglich tun sie einfach. Ganz einfach.

Der Weiße sitzt total verkrampft da, entlockt der Trommel nicht wirklich schöne Töne und starrt wie in Trance auf die gegenüberliegende Wand, weil er sich so sehr auf die Rhythmen konzentriert. Seine Hände sind genauso steif wie sein Rücken und patschen zusammengepresst auf das gespannte Fell.

Ehrlich, ich habs mit eigenen Augen gesehn und gespürt. Da is nix mit Flow und Lebenskraft! Wir sind zu verkopft. Sobald ich 3 Sekunden in dem natürlichen Fluß drin bin, habe auch ich das Gefühl meine Hände gehören nicht zu mir, die tun einfach das richtige! Doch schon überlege ich mir wieder ob nun Bass oder Seite dran ist und komme vollends ins schleudern.

Das Ganze ist auch eine sehr gute Übung für meine soziale Phobie und Versagerangst. Immerhin m̶̶u̶̶s̶̶s̶ darf ich hier mit Menschen etwas TUN, ich werde beobachtet, ich könnte einen Fehler machen, OHGOTT!

Tatsächlich werde ich immer nervöser, verhau mich ständig und werde immer verkrampfter. Nix mehr zu sehen von der Leichtigkeit einer trommelnden, afrikanischen Straßengruppe! (und wer meint, die trommeln halt einfach: irrt! Da gibt’s sauschwere Rhythmen! Soll ja harmonisch klinge! Und wo war eine klitzekleine Pause? Und wann muss ich einen Tick schneller spielen?)Halleluja!

Ein erfahrener Mitspieler setzt sich neben mich, damit ich mich an ihm orientieren kann. Anstatt mich über diese Hilfe zu freuen, denk ich mir: Toll, ich stell mich zu blöd an, die anderen „Neuen“ sind besser als ich, alle sehn dass ich Nachhilfe brauche..und werde rot. Ich höre nur den noch hilfreicheren Spruch: Bleib locker!

Du Arschkrempe! Das würd ich ja gern und funktioniert auf Kommando überhaupt nicht! Ich spiele einfach weiter, als ob nix passiert wäre und starre Jesus am Kreuz an. Der wird mir schon helfen. Immerhin machen wir einen Höllenlärm!

Am Ende angekommen, bin ich durchgeschwitzt und mir dröhnen die Ohren, während mich das tiefschwarze Gesicht des Lehrers selig angrinst. Kurz blick ich noch einmal zum fest genagelten Held und mir scheint als zwinkert er mir ganz kurz zu.

Okay Leute, ihr seht mich wieder, immerhin soll das eine Stunde Spaß und Lockerheit sein!

Kommentare:

  1. Wir sind uns so ähnlich. Trommeln - wie geil.
    Ich weiss auch nicht, warum wir Menschen ( in Deutschland) nicht mal locker und natürlich sein können. Ein Kopfausschalter wär gut.

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  2. Locker werden viele erst mit 2 Promille...leider.
    Und noch mehr "leiderer" is jetzt erstmal die Sommerpause vom Trommelclub..hach...aber ich hab ja selber eine Djembe *fg*...
    so nachts um 3 werd ich mal üben und meine Nachbarn erfreuen ^^
    Trommelwirbelnde Grüße :-)))

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  3. Oh Trommeln ist doll. Ich hatte mir damals sogar eine Djembe gekauft - aber mich dann zu Hause nicht getraut (und allein macht es eh keinen Spass gg).


    Ich hab die Erfahrung gemacht dass es sehr drauf ankommt - manche Workshops waren klasse - und ich konnte locker sein (meist die einfacheren, da fühlte ich mich "sicherer"), andere waren sehr anspruchsvoll aber es war trotzdem möglich locker zu sein, weil die Leiterin das toll gemacht hat (und ich kam immer raus wenn ich mich auf den Gesamtklang konzentriert hab - und dann musste ich nur zu ihr schauen und sie spielte meinen Rhythmus kurz bis ich wieder drin war) - das war sehr sehr anstrengend aber auch toll.

    Dann wieder war mal einer - da war das so verkopft und ich hatte das Gefühl gar nix zu können usw - und stellte später raus, dass es irgendwie an einem best. Mitglied lag (ohne dass mir das bewusst war - nur wenn der nicht da war ging es immer super).

    Trommeln ist trotzdem klasse - und ich find es schön dass du es durchziehst - und die Lockerheit - kommt mit der Zeit ;)

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  4. Ui noch eine Trommlerin ;) Schön!
    Der Leiter macht das schon ganz gut find ich, wenig reden, viel vormachen, schwieriges und leichtes wechselt sich ab, am schönesten find ich ja die Ruf-Antwort-Sachen :)
    Ja und allein spielen klingt blöd und macht wenig Spaß...

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