Montag, 20. Juni 2011

Drollige Familienangehörige

Mein Vater wußte bis gestern nichts über meine Arbeitsunfähigkeit. Ich verschwieg es, aus gutem Grund.

Gestern dachte ich bei dem Telefonat: Mir ist das jetzt zu blöd, immer über seinen Garten, Sonderangebote oder seine Arbeitskollegen zu reden. Ich möchte von mir reden und mehr von ihm erfahren. Ein wirkliches Gespräch und keine Plauderei. Wir sind uns eh schon so fremd.

Als ich also anfing, ihm zu erzählen, dass meine Arbeitsfähigkeit nun zum 2.Mal geprüft werde, nachdem ich nun schon ein halbes Jahr krank geschrieben bin, kam von ihm tatsächlich:

„Ui jetzt kommt die Sonne raus!“

???!?!?!???

Danke Papa. Vielen Dank für Dein Mitgefühl, Deine Aufmunterung, Dein Zuspruch.

Leider bin ich da so sprachlos, dass ich nie sowas sagen kann, wie: „Ah du scheinst dich ja wahnsinnig für deine Tochter zu interessieren!“ (würd ich das sagen, was in den Augen meines Vaters eine pure Frechheit wäre, käme als Antwort: Wieso, natürlich hab ich dir zugehört. Also: egal wie ich es mache, es ist falsch!)

Eigentlich müßte ich es gewohnt sein, so abgebügelt zu werden. Das oberste Gebot in unserer Familie lautet doch: Rede nie von Dir, Deinen Gefühlen und Problemen!

Meine Mutter pflegte in solchen Situationen ihre Katze vorzuschieben, ganz entzückt rief sie süßlich in den Hörer:“ach das müsstest du jetzt sehen, wie die da liegt!“

Bei meiner Schwester waren in solchen Situationen immer die Nudeln nun fertig und sie müsse nun leider, leider aufhören. Oder, als ich nachhause kam, nachdem ich 2 Tage von der Polizei gesucht wurde, war ihr einzigster Kommentar: "na jetz is se ja wieder da!" und ging.

Sowas nennt sich Familie....

Und wenn ich früher mal ausgetickt bin oder gar abhaute, waren alle völlig erstaunt und meinten später ganz vorwurfsvoll: „mensch Kind, warum hast du nie mit uns geredet?????“

Ja warum wohl....

Und jetzt sind sie noch viel erstaunter, dass ich mit der Hälfte der Sippschaft nichts mehr zu tun haben will und stattdessen zur Therapie latsche.

So ähnlich könnte meine Mutter auch reagieren:

Kind: MAMA!?
Mutter: Hm?
Kind: Ich bin schwanger.
Mutter: Hm.
Kind: Mein Freund gibt mir Drogen.
Mutter: Hm.
Kind: Er heißt Achmed & sitzt im Knast.
Mutter: Hm.
Kind: Ich hab die Schule geschmissen.
Mutter: Hm.
Kind: Ich bringe mich heute noch um.
Mutter Hm.
Kind: Ach was solls, ich hol mir Chicken McNuggets. Tschüss. -.-
Mutter: WAS?! Nein nein, das ist doch ungesund!

Kommentare:

  1. Du konfrontierst sie ja nicht nur mit dir, sondern auch mit sich selbst. Und das ist das eigentlich problematische.

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  2. vermutlich sind sie eben auch nur produkte ihres lebens, und können genau so wenig raus aus ihrer haut wie du (oder ich).
    wir sind eben doch alle ein bisschen bluna.

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  3. Ja das sagt mein Kopf auch, aber meine Gefühle sind anders und die lasse ich nun auch zum Zug kommen. Ich will nicht mehr alle anderen verstehen.

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  4. lol. Genau wie im unteren Text läuft es bei uns auch. Was ich sagen möchte und wo ich Probleme habe, dazu kommt nichts, aber wenn ich Cola trinke, wird mir stundenlang erzählt, wie ungesund das doch sein (und dass das wahrscheinlich der Grund für alles ist ;)).

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  5. Echt? Das gibts? Naja mich wundert gar nix mehr. Hab den unteren Text im Netz gefunden...
    Aber mein Vater meint auch immer: mit Arbeit lässt sich alles kurieren, das letzt mal schnaubte ich zurück und sagte ihm, dass es mir MIT Arbeit auch nicht besser ging. Da war lautes schweigen in der Leitung. Tzztzt

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