Dienstag, 5. April 2011

Wenn nichts mehr geht...

...lässt man sich gehen.

Das ist auch das gefährliche in depressiven Phasen, da einem ja eh alles egal ist und man in nichts einen Sinn sieht, bleibt Haushalt, Ordnung & Co gerne mal liegen.
Oder einfach weil man schlicht keine Kraft mehr hat.
Zum Glück kann ich da immer gut dagegen steuern, weil ich mich sonst noch unwohler fühlen würde.
Also gings los: Jede Ecke wurde inspiziert, ausgeräumt oder weggeräumt und ein wenig geputzt. Oberflächlich, nur das Grobe.
Und oft hilft es auch, wenn ich äußerlich aufräume, dass sich auch innerlich was tut.
Heute nicht. Heute war nur der Gedanke: Na, immerhin wieder 2 Stunden rumgebracht.

Himmel is das zäh und schwer. Wie lebendig eingesperrt.
Was mir noch auffiel: Ich kann immer schlechter reden. Ich kann nicht, mir fallen keine Worte mehr ein, kein Thema und ich habe das Gefühl, dass das sprechen an sich soviel Kraft braucht, dass ich danach bestimmt tot umfalle.
Also ließ ich das Telefon klingeln. Bis es genauso verstummt ist, wie ich.

Scheißtag!

Vor einigen Monaten fragte ich mich, warum Mutter Theresa nicht depressiv wurde oder zumindest mal einen chicen Burn-out hatte. Die Bücherei versorgte mich mit allerhand Bücher über diese wunderbare Frau. Natürlich ging es ihr auch mal nicht so gut, aber schlicht aus Überarbeitung und weil sie sich nach Operationen/Krankheiten nicht genug Ruhe gönnte.
Was mir aber auch auffiel: Sie war satt, so satt und voller Liebe wie es wohl die wenigsten kennen. Sie wurde in ihrem Elternhaus seelisch gut genährt und hatte dadurch viel Kraft.
Und natürlich der Glaube, der ja bekanntlich Berge versetzen kann. Nun, da haperts bei mir gewaltig. Die Kirche ist mir höchst suspekt...

Kommentare:

  1. Der Glaube kann nicht nur Berge versetzen, er kann sogar vor sich hindämmernde Regenfrauen in Bewegung bringen.

    Die Kirche ist dir suspekt?
    Gut!
    Ich bin sogar davon überzeugt, dass die Kirche organisiertes Verbrechen in seiner unverschämtesten Form ist.

    Und?

    Was hat das mit dem Glauben zu tun?
    Nichts.
    Glaube ich.

    Nur weil ein Haufen von Schwerverbrechern und machthungrigen Soziopathen verkündet, im namen irgendeines "Herrn" zu handeln - muss das doch noch lange nicht heißen, dass es auch an dem ist?
    Oder glaubst du Zeitschriftenabodrückern ihre rührigen Geschichten, wenn sie bei dir an der Haustür klingeln?

    Vielleicht ist das deine Aufgabe für die nächste Zeit. Deinen - DEINEN - Glauben zu finden.

    Gott - oder wie immer du es nennen magst - ist weit mehr als das, was eine Organisation Namens "Kirche" dich glauben machen möchte.

    Verlass dich darauf.
    Dann ist das mit dem Glauben gar nicht mehr schwer ;)

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  2. Kirche und Glaube haben nichts miteinander zu tun :)

    Das mit dem "satt" - ist glaub ich ein ganz wichtiger Punkt.

    Nachholen was damals fehlte - kann man nicht - nur eben im heute für sich sorgen und sich da auch wichtig genug nehmen um sich das zu gönnen was man braucht.

    Aber eigentlich wollte ich das alles gar nicht schreiben - sondern nur, dass ich an dich denke :)

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  3. Danke, Ihr habt mich etwas zum schmunzeln gebracht...
    a) MICH zu versetzen is auch gar nich mal so schwer..lockerleichte 65kg!
    b) mich wurmte in letzter Zeit nur immer das Gesäusel: Und dann traf ich Jesus...oder: seit Gott in mein Leben getreten ist...usw. das is doch Wahn..oder Herr angehender Psychologe?
    Ja ich hatte auch mal nen Glauben, fern von kirchens...ich weiß nur nich wo der abgeblieben ist...
    c) JA ich bin tatsächlich mal so nem Abodepp auf den Leim gegangen *räusper*(zum Glück rechtzeitig geschnallt und Widerspruch eingelegt)

    d) das satt-sein find ich auch sehr wichtig und es fiel mir regelrecht in die Augen und deswegen schrieb ich es auch
    e)Selbstfürsorge..ähhjaaa...ging auch schon mal besser..püüh..
    f) Liebe Ilana Du darfst immer das schreiben, was Du eigentlich nicht schreiben wolltest :-)--Danke! Und *knuddel* an die Fellnasen ;)

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  4. Also ich finde, auch wenn es Dir heute schlecht ging, hast Du wenigstens versucht Dich aufzuraffen. Und nur das zählt.

    Irgendwie erinnere ich an einen Beitrag über Mutter Theresa, dass sie auch schwere Phasen hatte und dass es ihr mit Ihrer Arbeit geholfen hat, nicht so viel über sich selbst nachzudenken, abgelenkt war. Klar hat ihr natürlich auch ihr Glaube geholfen.

    Ich selbst habe meinen eigenen Glauben. Und das ist gut so. Und der hilft mir auch in besonders schweren Phasen. Ich glaube zum Beispiel, das alles gut für irgend etwas ist, auch wenn man sich manche Dinge lieber sparen würde.

    LG an Dich Ines

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  5. Hm...

    Jeder hat so seinen eigenen Wahn.
    Ist ja auch erstmal nichts schlimmes, wenn es in akzeptablen Grenzen bleibt.

    "Und dann traf ich Jesus" finde ich klasse. Klingt wie eine schlechte Hollywoodschnulze - und ist als Aussage vermutlich auch vom gleichen Wert. Lasst doch alle mal den armen Mann aus dem Spiel, der hatte damals echt nen scheiß Tag. Auf weiteren Ärger hat der nach seinem Date mit Pilatus bestimmt keine Lust mehr. Kann ich verstehen.

    "Gott trat in mein Leben" ist vielleicht eher die Aussage von jemandem, der glauben möchte.
    Der will.
    Aber es nicht tut.
    Wer glaubt, weiß, dass Gott (nennen wir es eben so) nicht in ein Leben oder sonst etwas hineintritt. Wozu auch? Er/Sie/Es ist doch eh schon da.

    "Gott hat mich verlassen" ist auch eine schöne Ausrede für alles mögliche.
    Wie auch immer, der Mensch versucht doch ständig, die Verantwortung für sein Scheitern anderen aufs Auge zu drücken.

    Doch "Gott" verlässt uns nicht.
    Nein, "Gott" lässt uns.
    Einfach machen lässt "Er" uns.

    Eine der wenigen Aussagen in diesem Zusammenhang, die ich gelten lasse, ist:

    "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott".
    Und damit hat Ines den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn auch mit anderen Worten.
    Punkt.

    Wenn du darüber diskutieren möchtest, sollten wir dafür aber nicht dein Blog mißbrauchen. Du weißt ja, wie du mich erreichen kannst...

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  6. Also, wir können gerne hier weiter diskutieren, mich störts nicht und vielleicht mag ja Ines oder jemand anderes auch mit weiter schreiben.
    Tja mit Arbeit (als Verdrängungsmechanismus) hats auch nich so geklappt, klar denkt man da weniger über sich selbst nach, ich dachte aber gar nicht mehr an mich..achja die Extreme...

    Wie seht ihr das mit: "Dein Wille geschehe"? auch ein Abschieben der eigenen Verantwortung?
    LG

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  7. "Dein Wille geschehe"...

    Als Verszeile aus dem Paternoster drückt es wohl die Ergebenheit vor den Entscheidungen "Gottes" aus.

    Jetzt sind wir aber an dem Punkt, wo mein Glaube an "Gott" eben von dem abweicht, was politisch korrekt ist.
    Ich glaube nicht, dass "Gott" entscheidet, weil ich "Gott" nicht als weisen, alten Mann sehe, der neben dem seeligen Münchner Fahrstuhlführer Alois (Luja, soag i) auf einer Wolke sitzt.
    DU triffst Entscheidungen - denn du bist ein Teil von "Gott". Und "Gott" ist ein Teil von dir.

    Und, so gesehen, ist "Dein Wille geschehe" eine tolle Aussage, mit ganz viel Wahrheit darinnen.

    Wenn DU etwas willst, wenn DU dein Denken und Handeln auf dieses Ziel ausrichtest und dir verinnerlichst, was du entschieden hast; dann wird dein Wille geschehen.
    Und da du von (oder aus) "Gott" gemacht, und "ihm" somit gleich bist, du somit göttlich bist - ist es im Endeffekt dann auch wirklich "Gottes Wille", was da geschieht.

    Abgehoben, oder? ;)

    Ich glaube, um zu verstehen, was "Gott" wirklich ist, sollte man erstmal loslassen. Die Bilder loslassen, die wir uns von "Gott" gemacht haben, im verzweifelten Versuch uns "Gott" als etwas gegenständliches begreiflich zu machen.
    Erstaunlicherweise bietet die Bibel hier Hilfestellung:

    "Du sollst dir kein Bildnis machen, keinerlei Gleichnis, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, noch des, das im Wasser unter der Erde ist." (Mose 5,8)

    "Gott" selber gebietet in seinem zweiten Gebot dem Menschen, gar nicht erst zu versuchen, sich bildlich vorzustellen, was er selber sei.

    Aber mit diesem Gebot ist es wie mit den anderen auch. Der Mensch pfeift drauf, verstößt munter gegen alles, was "Gott in der Höhe" ihm ernsthaftig vorgegeben hat - und ist ein guter Christ. Oder Mohammedaner, Jude, oder was weiß ich.

    Tja...

    Wenn du Gott in die Augen sehen willst - schau in den Spiegel. Und wenn du seinen Willen geschehen lassen willst, fang an, etwas zu zu wollen.

    Eigentlich ganz einfach, nicht?

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  8. Nur mal eine Frage am Rande, bin durch Zufall nur noch mal hier gelandet.

    Bekommt Ihr eigentlich eine Email wenn es weitere Beiträge zu den Kommentaren gibt (vom eigenen Blog bekommen ich eine Kommentar-Info, nur eben nicht, wenn ich auf anderen Blogs Beiträge hinterlasse).

    Und zur Frage "Dein Wille geschehe...":

    Wenn ich nicht mehr weiterkomme, und mir sage, dann mach doch, dann hol mich halt, geht es mir meist oder oft besser.

    Dann bin ich nicht mehr im Kampf gegen alles, akzeptiere den Zustand, den ich in dem Moment sowieso nicht ändern kann, steigere mich damit weniger in die Geschichte rein und entkrampf mich so scheinbar.

    Tja und wird man scheinbar erhört ;-)

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  9. Ja, weil es dann in dem Augenblick dein Wille ist ;)

    Ich meine du kannst durch klick auf "Per Email abonieren" eine Benachrichtigung für weitere Kommentare aktivieren.

    Ich selber bekomme keine, da ich eh dauernd bei Frau Regen herumturne ;)

    Die Änderung bei mir hast du mitbekommen?

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  10. Nachtrag: Dieses "per Mail abonieren" findest Du in dem Kästchen, wenn Du nen Kommentar schreibst.

    Jaaa Micha, das is abgehoben und da ich derzeit auch etwas neben mir stehe, wird das jetzt arg kompliziert...aber ich danke Dir für Deine ausführliche Antwort und schön, dass Du auch an den lieben Alois denkst ^^.
    Sag mal bist Du so bibelfest, dass Du die Hinweiszeilen oder wie man die nennt, einfach so weißt? Oder gibts da ein Bibel-Googel ;)

    So und wenn ich den Arsch erwische, der mal meinte, dass sich abends die depressiven meist besser fühlen..dann...dann...*peng*!!

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  11. Warum geht es dir eigentlich momentan nicht gut? irgendwas besonderes? hast du irgendeine Ahnung? Oder kommt sowas grundlos?

    Letztes Jahr hatte ich das Gefühl, es geht dir immer besser, bis du dann in die Klinik gingst.

    Du hattest es doch sehr gut drauf immer, dich selber immer wieder besser zu fühlen und aufzutanken. Hat die Klinik so viel hochgeholt? Oder einfach mal so ne Phase, die ab und zu kommt?

    Auf jeden Fall hat Ines recht und es ist schon gut, dass du dich aufraffst und aufräumst. Komischerweise räum ich auch meist nur dann richtig auf, wenn es mir nicht gut geht. Genau wie du sagst, eine Art, durch den äußeren Zustand den inneren beeinflussen zu wollen. Meist tut mir schon die Bewegung dabei ganz gut und das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

    Morgen soll es wieder sonnig werden, ich hoffe, das hebt deine Stimmung :).

    LG Tina

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  12. Ach liebe Tina, ich weiß es nicht, ich ahne nur. Ja seit der Klinik ging es stetig bergab, mit kleinen Höhenflügen-also guten Tagen. Und jetzt ist Ende.
    So tief gingen wir in der Klinik gar nicht, dazu war die Zeit zu kurz. Was mich aber wirklich wurmte war, dass ich eher gehen musste. Da war wieder dieses "Versager-wieder was abgebrochen!"Uralte Stimmen.
    Die Erinnerung und Trauer über die verkorkste Jugend is erst danach richtig aufgeplatzt und schwelt noch immer.
    Und dann kommt hinzu, dass ich mal wieder an einem Punkt bin, den ich zu gut kenne und der mir zum Hals raushängt: Die Erschöpfung ist so gut wie weg, also muss ich langsam weiter schauen, was ich mit meinem Leben und Job ect. machen will und da is einfach nur ein großes Fragezeichen.
    Vielleicht sind das alles die Gründe oder auch nicht...

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  13. Bibelfest?
    Hm...

    Ich bin katholisch erzogen worden, als andere Jungs Astronaut, Feuerwehrmann und Lokführer werden wollten, war es mein Berufswunsch, Priester zu werden.

    Zum Glück verging das irgendwann wieder ;)

    Ich finde aber trotzdem, dass - je nach Lesweise - verdammt viel Wahrheit in der Bibel verborgen ist. Googeln brauchst du übrigens gar nicht. Die Bibel gibt es komplett online.
    Heißt dann sogar so: bibel-online.de

    Ich habe aber auch andere Bücher gelesen ;)

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  14. Euch erst einmal tausend Dank, für den Tipp, wie man die Kommentar-Info erhält. Wer lesen kann ist klar im Vorteil :-)

    Liebe Regenfrau, Tina hat eine gute Beobachtungsgabe. Wenn man an alte Themen geht, kommt vieles hoch und dann heisst es das Ganze aufzuarbeiten. Das muss man erst einmal rauslesen, ab wann es bei Dir wieder mehr nach unten ging.

    Schade, dass Du eher gehen musstest. Und dann kommen die Gedankenfallen wieder.

    Man kommt da raus. Steht für mich jedenfalls fest wie das Amen in der Kirche (damit wir beim Thema Glauben bleiben;-)

    Morgen lese ich Deine neuen Postings, bin heute zu müde, dennoch der 2. Arzttermin ist auch schon geschafft).

    Mal liest sich
    LG Ines

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  15. Ich glaub, wenn man die Hoffnung aufgibt, dass es jemals besser wird, kann man sich sowieso einbuddeln.
    Die Aufarbeitung geht nun ambulant bei einer früheren Thera weiter :)

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  16. Hm.. vielleicht klappt es ja mit dem Job, wo du heute hingeschrieben hast.

    Mich beunruhigt das auch, dass ich nach der Weiterbildung wieder arbeiten muß. Kann ich gut verstehen. Aber letztendlich wächst man dran oder merkt, das ist nichts für einen oder einfach noch zu viel und lernt sich immer besser kennen.

    Und das mit dem Versagen ist eine Art, die früher von außen an einen herangetragenen Ansprüche jetzt verinnerlicht zu haben und sich selbst damit stellvertretend zu quälen. Kenn ich auch. Vertrau deinen Entscheidungen und Wahrnehmungen und wenn du sie mal bereust, verzeih dir das eben.

    Mir wurde auch schon klar, dass meine Panikattacken manchmal eine Art Selbstbestrafung sind. Wenn man sich erstmal bewußt wird, was von einem erwartet wurde, kann man das nun überprüfen und bestraft sich nicht automatisch selber durch irgendwelche Krankheiten.

    LG Tina

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  17. Wobei das erstmal ein mini Minijob wäre, aber das hab ich geöernt: einen Schritt nach dem anderen, sonst fall ich wieder auf die Nase :)

    Im Endeffekt wars eine gute Selbstfürsorge der Abbruch der Klinik und ich nahm trotz der kurzen Zeit einiges mit, seh ich nur ganz selten...

    Panikattacken eine Selbstbestrafung? Hmm wär mir neu, ne ich glaub bei mir is das nich.....

    Schönen Tag!

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