Samstag, 23. April 2011

Gewissen; [das schlechte]

Der erste Schritt lautet ja immer: Was will ich? Und wenn ich das heraus gefunden habe, heißt es: das auch gegenüber anderen klar durchzusetzen. Ersteres gelingt schon zunehmend besser. Letzteres (noch)überhaupt nicht. Einmal nein sagen geht auch schon etwas besser, zweimal noch überhaupt nicht. Ich konnte das schon mal sehr gut, nur wurde mir das von ganz lieben Menschen ordentlich ausgetrieben. Stimmt, man hat ja auch nicht auf sich zu achten, sondern nur das zu tun was die Herren und Damen wollen! Recht haben sie! Die Vollidioten!

Fies ist es, wenn der andere das spitz kriegt, dass man so leicht wieder umlenkt. Naja keine große Kunst, das zu merken. Da heißt es: Standfest werden. Hilft alles flehen und betteln nix, kommen härtere Geschütze: Beleidigungen, Abwertungen, Manipulationen und Vorwürfe von anno dazumal. Bis jetzt war das sehr häufig so. In meiner Familie war dieser Umgang Standard und leider suchte ich mir später Leute in meinem Umfeld, die es genauso handhaben. Gelernt ist eben gelernt und lieber was unangenehmes aber dafür bekanntes, als was neues mit offenem Ausgang.

Langsam kommen Leute in mein Leben, die mich so lassen wie ich bin. Ein Nein ist kein Drama und eine Absage auch kein Weltuntergang. Diese Leute machen ihr Wohlbefinden eben nicht von der Reaktion anderer abhängig (*seufz* so wie ich) und das finde ich reichlich gesund (klar geht nicht immer).

Aber so ganz glauben kann ich das nicht. Und so hatte ich einen riesen Schiß, wie wohl die Freundin reagiert, wenn sie liest (ich konnte vor lauter Angst ihr das nicht mal sagen), dass ich den Urlaub bei ihr verschieben muss. Zittrig öffnete ich die Mail und brach in Tränen aus. Alles gut, kein Drama, sie versteht und ich sei jederzeit bei ihr willkommen, wenn es mir wieder besser gehe.

Halleluja! Ich bin dankbar. Sehr. Und stopfe mein schlechtes Gewissen wieder in die hinterste Ecke. Da wo es hingehört.

Kommentare:

  1. Also in "wohin mit meiner Wut" sind diese Abwehrreaktionen genau beschrieben, mir hilft es, weil es erklärt, dass es kein Zeichen mangelnder Zuneigung ist und wieso es kommt und man dadurch gleich diese Reaktionen auf die eigenen Verhaltensänderungen erwartet, mit einplant und lernt, damit umzugehen und bei seinem Weg zu bleiben.

    Ich hab jedenfalls dadurch gelernt, es nicht mehr persönlich zu nehmen und dass die anderen mir das Leben schwer machen wollen, sondern zu sehen, ah erstmal diese Phase, dann die und gemocht werde ich trotz alledem. Das Problem liegt eher im anderen und er muß nun sich erstmal einstellen auf mein neues Verhalten. Die Ursache für diese Art Drohung "bleib bei deinem alten Verhalten oder kehr dahin zurück, sonst haben wir dich nicht mehr lieb" ist sehr komplex, würde hier zu lange dauern. Es ist eine Art stillschweigendes gemeinsames Abkommen, wo jeder seine Rolle hat und was natürlich insgesamt ins Wanken kommt, wenn einer ausbricht, so dass auch alle anderen ihre Rollen verändern müssen in Folge, was eben Ängste und deshalb diese Abwehrreaktionen hervorruft und Zeit braucht.

    Neue Leute haben es da natürlich leichter, weil sie dich so kennenlernen, wie du jetzt bist und kein Verhalten von dir erwarten. Die Rollen sind noch nicht verteilt sozusagen ;).

    Freut mich sehr, dass du so liebe Freunde hast, die dich verstehen und immer willkommen heißen.

    Einen schönen Ostersamstag :).

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  2. Also um es nochmal besser zu erklären, wenn du deine Rolle änderst, ZWINGST du die anderen, ihre Rolle auch zu ändern, sie können nicht weitermachen wie bisher. Andere Umgangswege werden aufgezeigt (z.B. mit Alkoholproblemen etc. etc.). Das was immer galt (es geht nur so...), gilt nicht mehr. Lebenslügen, die durch dieses Abkommen verschleiert wurden, kommen zu Tage. Ein Stein (dein Nein) bringt das ganze Gefüge Schritt für Schritt zum Wackeln. Das ist beängstigend, war es doch lange so und diese Rollenverteilungen dienen gerade zur Reduzierung von Ängsten. Enstehen genau, um Ängste zu reduzieren und um nicht genau hinzusehen (ich rede hier von Familie). Also es ist klar, dass erstmal alles versucht wird, damit du wieder in deine Rolle zurückkehrst.

    Ich weiß jetzt nicht, wie es bei dir ist, aber z.B. wenn eine Tochter immer Mittelpunkt war und Sorge der Eltern und sie wird selbstständig, müssen diese sich in Folge um sich selbst kümmern und z.B. ihre Ehe unter die Lupe nehmen und ob sie selbst zufrieden sind. Das kann zu ganz neuen Konstellationen führen. Dieses ist wirklich nur ein Beispiel zum Verständnis. vielleicht kriegt in Folge einer Depressionen oder sie trennen sich.

    Es soll nur zeigen, warum es diese Abwehrreaktionen gibt und dass sehr starke Ängste dahinterstehen und nicht dass man nicht gemocht wird.

    LG Tina

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  3. Ja ich weiß schon, mir sind die Zusammenhänge auch klar.Und das es auch noch ein wenig dauert bis z.B. mein Pa checkt dass ich nun alleine klar kommen möchte.
    Wie ein Mobile, zieht man an einem Ende, kommt das ganze Ding ins wanken. Das sieht man auch sehr gut, wenn z.B. der Alki aus der Familie trocken wird, dann verändert sich auch vieles und jeder muss sich neu ausjustieren.
    Wird scho ^^

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  4. Liebe Regenfrau,

    manchmal meint man etwas nur gut und bekommt trotzdem eine saftige Retourkutsche. Das habe ich sehr oft als Kind erlebt und dann hieß es eher, den Mund zu halten.

    Was ich immer schade finde ist, wenn jemanden eine Meinung nicht gefällt und er es dann nicht an Ort und Stelle raus läßt, sondern Dritte mit einschaltet.

    Man sollte schon sagen, was man möchte, denkt und empfindet. Es gelingt mir allerdings nicht immer entspannt damit umzugehen, wenn mir andere dann mit Ablehnung begegnen. Aber wie Du schon schreibst, das ist ein Lernprozess.

    Und lieber Dinge ansprechen, als sie in sich gären zu lassen als etwas zu tun, was man nicht kann oder möchte.

    Und manchmal passieren dann Dinge wie mit Deiner Freundin, dass man völlig überrascht ist, Verständnis zu erhalten.

    Ich wünsche Dir ein schönes und erholsames Osterfest.

    GGLG Ines :-)

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  5. Ich bekomme auch gerade Ecken und Kanten.
    Viele finden es doof, dieses "Nein", aber es ist definitiv gesünder...

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