Samstag, 16. April 2011

E.T.: nach Haauuse telefonieren

Hätte ich ein liebendes Elternhaus, würde ich jetzt zu ihnen fahren.

Nach Hause. Nur so für 2 Nächte. In ein warmes, gemütliches Nest. Ich würde mich umsorgen lassen. Meine Mutter würde mir mein gewünschtes Essen kochen, mich in den Arm nehmen und einfach schweigend mit mir sein. Wir würden fernsehen oder spazieren gehen und ich hätte das Gefühl, dass sie einen Teil meiner Last mit mir trägt, dass es ok ist, wenn ich gerade mit dem Leben nicht mehr zu recht komme. Dass sie mir Zuversicht gibt, dass ich das schon schaffen werde. Dass sie mir Taschentücher reicht und mir einfach nur zuhört, wenn ich rumjammern würde.

Mein Vater würde mir hübsche kleine Bilder zeichnen, mich fest drücken und sagen, dass er mich lieb hat. Er würde mit mir an den See fahren und kleine Schiffe fahren lassen und als Überraschung bringt er ein kleines Picknick hervor, mit Brezen und gekochten Eiern, Äpfel und Schokolade.

Einfach ein bisschen auftanken, nachreifen....

Doch das können sie nicht. Sie sind und waren immer selbst kleine Kinder, auf die ich aufpassen musste. Mutter würde sich in Haushaltsarbeit verstecken und weiter heimlich trinken. Papa würde einen Witz nach dem anderen erzählen und mir zum Schluß verschämt 100 Euro zustecken. Beide würden mir ihre Sorgen erzählen und davon laufen, wenn ich in Tränen ausbreche. Es gäbe keinen Platz für mich, da Mutter ständig irgendwelche Männer aufnimmt und sie pflegt, während ich mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen kann. Vater würde entsetzt aufschreien, dass er erstmal putzen müsse und mich fragen würde, wo ich denn schlafen solle, denn er hat keines seiner 5 Zimmer frei, alles vollgestellt mit Müll.

Und so lasse ich diesen Plan sein. Bleibe daheim, liege im warmen Bett, weine und koche mir selber etwas. Ist ja auch ganz nett.

Aber ehrlich, manchmal ist das nicht genug. Manchmal bräuchte ich mehr...

Kommentare:

  1. Nach Deinem Text bin ich erstmal in mich gegangen und habe überlegt, warum ich mich noch nie, danach gesehnt habe, mich bei meiner Mutter und meinem Vater (den es ja nicht mehr gibt) ins kuschelige, heimige Nest begeben zu wollen.

    Vielleicht weil ich es nie kannte. Dafür bin ich Künstler, mir solche Momente hin und wieder selbst zu schaffen.

    Ich hoffe, Deine Kuscheldecke hat Dir dennoch ein wenig gut getan.

    LG Ines

    AntwortenLöschen
  2. Also meine Eltern sind auch nicht so bzw. meine Mutter. Mein Vater ist schon tot und kannte ihn eh nicht. Und ich kenne auch niemanden, leider, der es so hat mit seinen Eltern. Aber das selbst kochen ist schon richtig. Verwöhne dich selbst mit genau dem, was du dir wünscht. Und gib dir selbst diese Liebe. Immerhin weißt du ja sehr konkret, was du denn gerne hättest. Ein schönes Wochenende :).

    AntwortenLöschen
  3. Ich hatte so bewußt noch nie so eine große Sehnsucht nach solchen kuscheligen Tagen. Unbwußt hatte ich das oft, fuhr hin und holte mir prompt ne fette Enttäuschung.
    Jetzt sehe ich das klar und das tut gut, denn es kam dabei auch raus, dass ich derzeit schon wieder viel zuviel an meinem Vater hänge, in der Hoffnung, dass der mir endlich mal das gibt, was ich bräuchte.

    Naja, die Eltern die sich so um ihre Kinder kümmern hören dann bestimmt oft: Laß mich doch, ich bin erwachsen.
    Da muss ich schon fast lachen, Eltern-sein is bestimmt auch nicht einfach.
    LG an Euch zwei ;)

    AntwortenLöschen
  4. Du hast einen richtig schönen Stil, zu schreiben :-)

    AntwortenLöschen