Montag, 18. April 2011

Endlich frei

„Die depressiven Menschen haben sich von sich selbst entfremdet. Es ist Ausdruck der Selbstentfremdung wenn ein Mensch nie bei sich ist, nicht weiß wer er ist, was er empfindet oder will. Nur da sein in Bezug auf andere, nur wahrnehmen und intuitiv erfassen, was die anderen wollen, ist ebenso Ursache der depressiven Entwicklung wie das Resultat der Selbstentfremdung. Ein solcher Mensch lebt nicht wirklich, nimmt sich nicht wirklich wahr, oder dann, wenn er in sich hinein schaut, erkennt er nur eine Leere, ein Nichts oder dann bestenfalls ein Mischmasch von Gefühlen, Spannungen und diffusen Schuldgefühlen.

Deshalb ist einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Teil des Heilungsprozesses: Zu sich kommen – bei sich bleiben – Gefühle ernst nehmen und verstehen.

Die Echtheit und Ehrlichkeit der Gefühle ist die Legitimation, auf sie zu hören und sich auf sie zu verlassen. Je mehr die depressiven Menschen auf ihre Kopfstimme hören, dem Verstand und seine Argumenten vertrauen, umso weiter weg sind sie von ihren Gefühlen und von sich selbst.

Die Kopfstimme ist bei depressiven Menschen schneller als die Gefühle und das Handeln ist schneller als der Verstand. Diese Rangordnung umzustürzen, diese eingeschliffenen Mechanismen zu durchbrechen, darum geht es.“

Ich liebe dieses Buch von Josef Giger-Bütler: Endlich frei! Oft schlage ich irgendeine Seite auf und fange zu lesen an, das geht bei diesem Buch sehr gut. Es hilft mir, es ist tröstlich und so leicht verständlich ohne jeglichen verqueren Psychologiewörter und Zusammenhänge.

Abends las ich also wieder ein wenig darin und mir wurde wieder klar, wo mein Weg hinführt. Beruhigt schlief ich ein und als ich morgens aufwachte, erinnerte ich mich das erste Mal seit langer Zeit wieder an einen Traum:

Meine Familie und ich wir wollten alle in den Urlaub fahren. Ich sollte zum Flughafen nachkommen. Verzettelte mich aber in tausend Sachen, vergaß die Zeit und entschied mich dann, eben nicht mitzufliegen. Allein zuhause räumte ich die Wohnung auf, es tat mir etwas leid, da ich meiner Familie gar nicht bescheid gab. Einige Zeit später kam ich in die Küche und meine Schwester saß da, meine Mutter kam um die Ecke und mein Stiefvater ebenso. „Nanu? Warum seit ihr nicht im Urlaub?“ wollte ich wissen. Sie wollten keinen Urlaub ohne mich verbringen!

Wenn ich nicht „dabei“ bin, das heißt nicht mit mir in Kontakt, bei dem Gefühl oder der Wahrnehmung die ich jetzt im Moment habe, macht nix Spaß, kein Urlaub, kein Sport, kein Zusammensein mit Freunden. Dann hat nix Sinn.

Es ist auch nur logisch, dass im Traum das Thema Urlaub war. Plane ich doch derzeit meinen 1.Urlaub nach langer Zeit. Und stelle fest, dass ich mich in Ängste und Planungen verliere, die ich gar nicht steuern kann: Wie wird es sein, was mache ich, wenn es mir schlecht geht, was ist wenn...usw. Das einzigste was ich jetzt tun kann ist die organisatorische Planung, die ist in ca.2 Std. getan, danach kann ich mich doch einfach auf die Zeit freuen und offen werden für das was da kommt. Oder einfach im JETZT bleiben.

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In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Gestern beim Spaziergang einen Firmenwagen gesehn, mit der Aufschrift: Tsunamisushi!

Also sushi is ja schon bääääh, aber in Zusammenhang mit tsunami, das find ich echt geschmacklos!

Kommentare:

  1. Deine Traum finde ich genial. Du hast Dir selbst eine Antwort gegeben und zwar, dass Deine Lieben um Dich gern mit Dir schöne Momente teilen möchten.

    Und was die Urlaubsplanung betrifft. Bei mir ist das so. Flaues Gefühl, schnell ja sagen, schnell vorbereiten, dann nicht dran denken, kurz vor der Fahrt Notfallplan abchecken, Fahrt überstehen und dann Urlaub genießen.

    Wenn ich gerade meine eigenen Woete lesen, denke ich wie doof bin ich eigentlich ;-)

    Ich hoffe, Du machst das besser.

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  2. Nein nein, es ging eben genau nicht um die Lieben im richtigen Leben. Die Familie war im Traum ich selbst und wenn ich nicht DA bin, also mit mir im Kontakt, macht nix Spaß.

    Wieso? Ich find die Planung gar nich mal so übel, besser als sich 1000 Gedanken zu machen und somit ganz irre zu werden. Hauptsache ist, Du kannst genießen!!!!!
    Liebe Grüße

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