Freitag, 8. April 2011

Eigen und unartig

Also, irgendwie habe ich ja schon autistische Züge an mir.

Körperliche Berührungen mag ich in den seltensten Fällen. Irgendwann um mein 20. Lebensjahr herum, fragte mich ein guter Kumpel, ob man mich denn nicht berühren darf?!?!

Nö sagte ich, das darf nur mein Freund (also Lebenspartner). Dass es unter Freunden mal vorkommt, dass man sich z.B. zur Begrüßung umarmt, wurde mir erst vor ca.3 Jahren klar und versuche es nun auch umzusetzen.

Auch in anderen Situationen bin ich oft überfordert: Gibt man nun die Hand? Soll ich ein kleines Geschenk mitbringen? Duzen, Siezen?

Auch dass es nicht immer angebracht ist, die Wahrheit zu sagen, musste ich erst lernen. Dass man lügen darf, rein aus Höflichkeit (damit habe ich heute noch Schwierigkeiten, was andere natürlich oft vor den Kopf stoßt oder gar verletzt).

Da ist meine Mutter ein Paradebeispiel. Wenn wir jemand auf der Straße trafen, war Muttern die Süßlichkeit in Person und wehe wir waren nur 3 Schritte wieder entfernt, ging die Lästerei los. Verstand ich nicht, wie man nur so schauspielern kann.

Auch das „sich für andere interessieren“ ist so ein Thema. Dass man das auch zeigen sollte durch nachfragen wie die Prüfung, Wohnungsbesichtigung, der Tag usw. war. Ich dachte mir oft: Merkt der doch, wenn ich mit dem rede und ihn anschaue...oder so ähnlich. Heute läuft das nicht von allein, ich muss das ganz bewußt und mit Anstrengung mit in meine Kontakte einbauen.

Ebenso zu sagen: „Schön dich zu sehen/hören“, gab es früher nicht, reichte doch wenn ich das fühlte! Überhaupt Komplimente verteilen...ahhhh! Ich mach das nicht, weil ich am anderen nix finde, sondern weil ich mir einfach blöd vorkomme das laut auszusprechen.

Und dann gibt es noch die Sätze die was beinhalten, aber was ganz anderes meinen. Tolle Stolperfalle! Gut, ich nehm mal ein positives Beispiel: „Deine Wohnung ist sehr gemütlich“ kann übersetzt heißen: „ich fühle mich bei dir wohl!“

Ein negatives Beispiel: Die berühmte Frage nach einem Date:“ Kommst noch mit hoch auf eine Tasse Kaffee?“ nahm ich sehr lange, sehr wörtlich und setzte mich fein und anständig an den Tisch!

(heute kann ich darüber nur schmunzeln)

Sowas verwirrt mich. Dann sag es doch so, wie es ist, man!

Mit der Gastgeberei haperts bei mir auch etwas. Ich hab genug mit mir zu tun, da kann ich nicht auch noch drauf schauen, ob dem Gast vielleicht was fehlt. Naja das kommt auch nicht sooft vor.

Der Kindergarten war schrecklich: Lauter fremde Kinder die sich zwanglos bewegten, sich ganz selbstverständlich mit anderen zusammen schloßen und sich über ein großes Zimmer voller Spielzeug freuten. Ich konnte das nicht. Mir war sehr unwohl zumute und spielte lieber allein.

Und deswegen steh ich manchmal schweigsam in einer Menschengruppe und beobachte, krieg ganz große Augen und schaue: Wie machen die das, was geht in dem vor...usw.

Die Menschen sind schon ein komisches Volk...

Daraus habe ich viel lernen können und auch aus Büchern, das war ja jahrelang nur meine Welt. Auch habe ich daraus erfahren, dass andere ähnlich wie ich ticken, oder eben auch nicht.

z.B. das Buch: No&ich, gefiel mir sehr gut!

Blog einer autistischen Dame

Kommentare:

  1. Ich zeige auch NUR Interesse, wenn es mich wirklich interessiert. Aber ich mache gerne, ehrliche Komplimente. Wenn eine Kollegin eine tolle Bluse an hat, sage ich ihr: "Die Bluse steht Dir total gut". Dann freut sie sich und ich freue mich, dass sie sich freut. Fühlt sich gut an. Aber ich mache das NUR, wenn es wirklich echt ist und stimmt.

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  2. Anfassen nur wer mir vertraut ist. Recht so, das muss nämlcih auch nicht anders sein, finde ich. Komplimente geben kann ich gut aber annehemen nicht. ich sag brav danke und denke mir dabei das das gegenüber schleimen will, lügt oder oder oder...
    ich freu mich auch wenn andere sich an meinem lob, kompliment oder was auch immer erfreuen können. ein lächeln bedeutet mir mehr als worte !

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  3. http://blog.geekgirls.de/mela/archives/176-Cartoon-Autisten-Artisten.html

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  4. Liebe Regenfrau,

    ja man sollte authentisch bleiben. Auch wenn man damit mal aneckt. Man muss nicht von jedem gemocht werden. Das kann ich komischerweise sehr gut.

    Allerdings habe ich keine Angst vor Berührungen von Menschen die ich mag.

    Ich kenn ja Deine Vorgeschichte nicht so gut, weiss nur von meiner Schwester, das sie auch der Meinung ist, man muss dem anderen nicht sagen, dass man ihn mag, das spürt er von allein.

    Denke mir immer, dass andere sich darüber genauso freuen wie ich (natürlich nur, wenn es auch ehrlich gemeint ist).

    Aber letztendlich sind wir alle verschieden. Und wenn jemand die Distanz braucht, sollten wir das auch akzeptieren.

    Ich wünsch Dir einen sonnigen Sonntag
    Ines

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  5. Natürlich ist ein Lob, Kompliment ect. was schönes und es is auch schön, wenn man sieht, wie der andere sich freut.
    Ich merk nur, dass ich da eine große Scheu habe, mich irgendwie verletzlich mache...
    es ist wie es ist und für mich ein Schritt weiter, dass ich es überhaupt bemerkt habe, was ich für ein Stoffel sein kann ;)

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