Montag, 11. April 2011

Denkst Du noch...

...oder fühlst Du schon?

Ich merke immer wieder, wie sehr ich meine Gefühle wegdrücke, mir nicht erlaube, sie übersehe.
Das geht in Bruchteilen einer Sekunde: ich spüre einen Hauch Schmerz oder sehne mich nach etwas oder meine Intuition meldet sich und *klapp* ist der Deckel drauf. In Form von wegschauen, rauchen, ständig ablenken, essen obwohl ich satt bin, Alkohol usw.

In unserem Kulturkreis ist das rationale Denken das goldene Kalb. Und so wird mal von klein auf, darauf hingezüchtet. Du darfst nicht fühlen!

Gestern saß ich also da und fragte mich: Wie komme ich jetzt wieder ins fühlen? Musik ist ein guter Schlüssel und Bewegung. Also legte ich mit dem "freien tanzen" los. Mich so bewegen wie es mir gerade taugt. Das kann total bescheuert aussehen (haaa!Verstand!) aber es tut gut, außerdem sieht's ja keiner :-)
Auch hilfreich ist, mich immer wieder zu fragen: wie fühle ich mich jetzt?
Und nicht weiter stolpern was ich jetzt TUN müßte. Nur fühlen, wahrnehmen, achten, atmen.

Das "freie malen" ist auch ein guter Schlüssel bei mir: Der Kopfschalter geht auf AUS und los gehts, egal welche Farben, Formen, einfach malen, zeichnen, nach was einem gerade ist, ohne Bewertung, ohne denken. Das Ergebnis sieht ja keiner (wenn man will)...

Weiter fragte ich mich, ob die bald beginnende Therapie so gut ist, denn dort bleibe ich ja wieder nur im Kopf und rede. In Kunst-und Körpertherapie kam immer der größte Schmerz heraus und genau davor habe ich Angst und will das nicht. Es wäre aber hilfreicher.

Das Telefonat mit der Freundin am Samstag ging mir auch noch nach, weil sie eine Herzensfrau ist. Das kommt manch coolem Mitmenschen etwas komisch vor wie sie redet, sich verhält und auch ich verzog manchesmal das Gesicht. Inzwischen finde ich unseren Austausch sehr bereichernd und schaue immer wieder staunend zu ihr hinüber: Wie sie lebt, wirklich lebt und fühlt! Da ist kein Roboter!

Schöne Videos fand ich von Safi Nidiaye:

Kommentare:

  1. Gefühle sind körperlich und ich bin auch der Meinung, dass Tanzen und Malen dich dem Fühlen näher bringt, als reden. In meiner Tanztherapieausbildung wurde relativ wenig geredet. Die Therapeutin gab verschiedene Impulse, die man dann mit Bewegung verfolgte, ergründete. Der Prozess, der damit in Gang gesetzt wird, ist äußerst heilsam.

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  2. Ja das sehe ich auch so, das Problem ist:
    - die Thera würde ich schon kennen und auch Vertrauen zu ihr haben und wir könnten EMDR machen
    - Körperthera wird selten von den Krankenkassen bezahlt und ich fand bis jetzt im Umkreis von München nur 1 Ergotherapeutin die sich gut mit traumatisierten Erwachsenen auskennt...*hmpf*

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  3. Es gibt Gesprächstherapeutinnen, die eine Körpertherapiezusatzausbildung haben, bzw. sich da fortgebildet haben. In meinen Gruppen sind immer wieder Therapeutinnen dabei, die sonst nur Gesprächstherapie machen, aber ein paar Anregungen haben möchten, wie man das mit Körperarbeit "auflockern" kann. Psychotherapeutinnen müssen sich ständig fortbilden. EMDR ist ja auch eine gute Sache und auf jeden Fall sinnvoll in der Traumatherapie. Und wenn du Vertrauen zu deiner Thera hast, dann ist das auch schon mal gut. Frag sie doch, ob sie sich auch in körperorientierter Psychotherapie auskennt.

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  4. Bevor ich mich zu einer Therapie entschlossen habe, ging es mir wie Dir. Ich wollte nicht nochmal alles durchkauen.

    Finde es gut, dass Du Deine Gefühle bein Malen ausdrücken kannst. Ist ja auch eine Form Angestautes herauszulassen.

    Jeder muss da wohl seinen Weg suchen und finden.

    Wünsche Dir viel Glück mit Deiner Therapie.

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  5. Nun das weiß ich, dass die Thera da nix mit Körper am Hut hat. Bei der letzten Gesprächsthera (war da nur 5x) der zeigte ICH eine Übung kopf-->tisch...man kann wohl nich alles haben...

    Danke Ines, Dir auch, EMDR scheint bei Dir ja schonmal gut gewesen zu sein.

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