Mittwoch, 30. März 2011

Alte Wunden...

...die einfach so *plöpp* wieder aufreißen, also ehrlich, ich würd mir heute schöneres wünschen...

Normalerweise wächst man langsam in einen neuen Lebensabschnitt.

Die Jugendzeit ist eine große Umbruchzeit, Abschied von der Kindheit und hinein wachsen in das Erwachsene. Stück für Stück über einige Jahre.

Bei mir war das nicht so. Das ging von einem Tag auf den anderen:

Heute noch mit Puppen gespielt, morgen mit Teenagern konfrontiert, die mit anderen zusammen „gehen“, rauchen und die Pille nehmen.

Heute noch auf weiten Wiesen getobt, morgen schon in der Stadt aufgewacht.

Heute noch einen lieben Vater der immer da war, morgen einen saufenden, gelangweilten Stiefvater.

Heute noch mit Schwesterlein gespielt, morgen war sie nicht mehr da.

Heute noch viele Freunde gehabt, morgen schon überall eine Fremde.

Heute noch Kakao getrunken, morgen schon Alkohol.

Alles, wirklich alles, änderte sich von einem Tag auf den anderen, nichts blieb so wie es einmal war. Das Neue war genau das Gegenteil vom Alten.

Und ich? Ich trauere immer noch. Ja. Der Schmerz ist noch genauso frisch, wie an jenem Abend, als wir den Umzugs-LKW starteten und in eine neue Welt fuhren.

Irgendwas ist an diesem Abend und danach ist in mir zerbrochen und nicht wieder heile geworden.

Alles hab ich versucht, um diese alte Zeit wieder neu zu beleben. Aber es geht nicht. Und die Trauer wird noch größer.

Alles hab ich versucht, um diese alte Zeit zu vergessen. Aber auch das geht nicht.

Keine 4 Jahre nach diesem schicksalhaften Abend, gab es erneut einen Umzug, nun sah ich mich als Hausfrau und Sexgefährtin einem älteren Mann gegenüber. Zu schnell erwachsen werden...

Warum steckt in dem Wörtchen „Verlust“ das Wort „LUST“???

Loslassen. Wie soll das gehen?

Zeit heilt alle Wunden. Das ich nicht lache, das Ganze ist nun über 18 Jahre her!

Nach vorne sehn und nicht in der Vergangenheit leben. Jaja leicht gesagt...

Mein Vater meinte einmal: „Wenn ich noch um die alten Sachen trauern würde, würde mir die Kraft für das Heute fehlen!“ Ja, er hat recht. Nur, ich kann es derzeit noch nicht, das nicht-trauern. Vielleicht trau ich mich noch nicht, zu trau-ern.

Innere Heimatlosigkeit, wurzellos.

Selbst Michael Jackson trauerte um seine verlorene Kindheit. Er baute sich selbst ein Kinderparadies. Doch ob das seinen Schmerz gelindert hat? Wohl kaum...

Jasmin Tabatabai ist mir sehr sympathisch, egal ob als Sängerin oder Schauspielerin, erkenne ich mich selbst in ihrer rebellischen, burschikosen Art und siehe da: Auch sie verlor mit 12 Jahren ihre Heimat.

Einsamkeit ist Unabhängigkeit, ich hatte sie mir gewünscht und mir erworben in langen Jahren.
Sie war kalt,
o ja, sie war aber auch still, wunderbar still und groß wie der kalte stille Raum, in dem die Sterne sich drehen.
Hermann Hesse (Der Steppenwolf)

Mir ist kalt.

Draußen ist es warm, aber diese Wärme erreicht mein Innerstes nicht.

Draußen spielen 4 Kinder im Garten. Ich schließe meine Balkontüre, ich ertrage es nicht.

Ich wünsche mir eine Zeitmaschine...

und jammere noch ein wenig weiter, bade mich in Selbstmitleid und kotze heiße Tränen.

Kommentare:

  1. Vielleicht hilft dir das wenig, aber das Leben ist einfach nicht gerecht. Das weiß zwar eigentlich jeder, aber als Kind wird einem eher beigebracht, es sei gerecht. Verhalt dich so und so, sei brav, dann wird dir nichts passieren. Lerne und sei fleißig, dann kriegste nen guten Job. Ernähre dich gesund, dann wirste nicht krank. Etc. Also als wenn man Einfluß hätte und einem was zustände. Als wenn man ein Recht hat auf eine heile, einen liebende Familie, Gesundheit, genug zu essen und darauf alt zu werden und einen Partner zu haben.

    Aber in der Realität.. ich kenne so viele, deren Eltern starben, sich scheiden ließen, die wirklich schlimme Dinge erlebt haben. Man muß sich nur Japan ansehen. Oder die Kinder, die da am verhungern in Afrika aufwachsen. Natürlich interessiert einen das eigene Leben und man trauert über seinen eigenen Kram. Mach ich auch. Das meine ich nicht. Sondern dass vieles einfach daher kommt, dass man DENKT, man hat ein Recht darauf und es ist ungerecht. Man hat nichts falsch gemacht, also das nicht verdient. Und so ist es auch. Aber .... das Leben ist eben nicht gerecht. Und nichts bringt das zurück und macht es nachträglich gerecht. Und wenn man nur trauert, verpasst man das, was man vielleicht jetzt beeinflussen kann. Wenn man sich wie ein Kind in die Ecke stellt und schmollt, kommt leider keiner und holt einen daraus und nimmt das Böse und Schwere wieder von einem. Leider....

    LG Tina

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  2. Ja ich weiß schon und ehrlich mich nervt das, ich will das Thema abhaken und fertig *seufz*...
    Tja ber immerhin hab ich es raus geschafft, ne Runde mit dem Rad tat gut :)
    und hej, egal ob zeitversetzt oder nicht: hauptsache wir werden so doofe Verhaltensweisen überhaupt los!!

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  3. Oje, das klingt wirklich schlimm. Mich berührt Deine Geschichte sehr, denn ich habe etwas ähnliches erlebt durch mehrere abrupte Umzüge – nur im Vergleich zu Dir wesentlich weniger kraß in den äußeren Veränderungen. Aber sich mit anderen zu vergleichen ist schonmal ganz falsch. Das kommt nur aus dem Kopf, das hilft dem verletzten inneren Kind überhaupt nicht.

    Du kannst nicht die Vergangenheit wiederbeleben, aber Du kannst vielleicht die alten Verletzungen heilen. Und natürlich wäre es schön, wenn Du auch in der Gegenwart eine Lebensweise finden könntest, die Dir entspricht und die vielleicht auf irgendeine Art die Lebensqualität Deiner Kindheit in Dein jetziges Leben holt.

    Aus eigener Erfahrung würde ich Dir empfehlen: lasse die alten schmerzhaften Gefühle zu, soweit Du es ertragen kannst, gib dem vernachlässigten Kind in Dir eine Stimme. Oft hilft es schon, einfach nur JA zu sagen zum Schmerz und ihn nochmal voll und ganz zu durchleben und anzunehmen.

    Für mich klingt es so, als sei Deine Seele einfach nicht mitgekommen mit dem hyperschnellen Wechsel. Geh zurück und schau Dir den Seelenteil an, der immer noch im kindlichen Paradies lebt. Frag es, was es Dir zu sagen hat. Für das Kind war es schrecklich, was passiert ist. Werte das nicht ab, sondern akzeptiere es so, wie es sich damals angefühlt hat. Nimm das Innere Kind an die Hand und nimm es mit in Dein heutiges Leben.

    Meine verlorene Kindheit hat viel mit Naturkontakt zu tun – deshalb suche ich diesen jetzt gezielt. Was ist es bei Dir? Vermißt Du die Puppen, mit denen Du damals gespielt hast? Dann könntest Du Dir z.B. eine Puppe kaufen oder basteln und Dich davon berühren lassen. Suche etwas, daß Dich in guter Weise an früher erinnert: vielleicht bestimmte Gerüche oder Lieder oder spezielle Orte, die Du nochmal aufsuchen könntest. Das wird den Schmerz lösen und aus Dir herausholen. Du mußt heute die Tränen weinen, die Du Dir damals verkniffen hast, weil Du dann schnell „erwachsen“ werden wolltest oder mußtest (das ist kein Selbstmitleid, sondern absolut notwendige Trauerarbeit).

    Im Leid liegt ein Schatz verborgen: Du hast wohl einen Teil Deiner Lebenslust im Schmerz vergraben und dann lange verdrängt. Du kannst den Schatz wiederfinden, wenn Du den Schmerz zuläßt. Das wünsche ich Dir. :-)

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  4. Danke liebe Louise für Deine lieben Zeilen! :)
    Ich arbeite schon länger an der Sache und spüre: ich muss meinen erwachsenen Teil mehr stärken, denn der stecken gebliebene Teil ist sehr kraftvoll und aktiv und meint immer noch alles tragen zu müssen und mein Leben heute zu bestimmen. Was schon arge Probleme gab. z.B. zog ich später selber immer viel um, hab alle Brücken hinter mir abgerissen, alles widerholt in der Hoffnung das es diesmal ein besseres Ende gibt.
    Ich werfe mir das nicht vor, ich bin froh das erkannt zu haben und dieses Muster nun zu unterbrechen.
    Ja Natur fehlt mir sehr, überhaupt viel draußen sein. Aber alleine ist es langweilig und immer nur spazieren auch. Ich möchte mehr draußen tun, spielerisch, aktiv, handwerklich. Da kommt die Aktion Hund :-)
    Und heute gehts ins Nachbarsdorf, Esel besuchen *freu*.
    Und hauptsächlich möchte ich dies nun in der kommenden Therapie verarbeiten, dauert noch ein paar Wochen.
    Liebe Grüße

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  5. Ich meinte übrigens nicht sowas wie jammer nicht, anderen gehts noch schlechter. Auf keinen Fall. Das sollte nur zeigen, dass das Leben eben nicht gerecht ist. Also mir geht es so, dass ich immer erwarte, das Leben sei gerecht. Trotzdem man tagtäglich sieht, es ist nicht so. Ich gucke mir die Nachrichten an und alle diese Leute müßten doch traumatisiert sein und sind es vielleicht auch und es ist ungerecht. Aber helfen tut das nichts. Sie leben so traumatisiert weiter, das Leben geht weiter. Sie müssen damit leben oder schaffen es eben nicht. Im Grunde interessiert es niemanden. In anderen Ländern hat man dazu auch die Einstellung: so ist eben das Leben. Ein Überleben für viele. Aber ich denke, wenn man so festhängt, dann ist da schon ein Teil in einem, der da möchte, dass es irgendwie wieder gut gemacht wird. Der Schmerz anerkannt. Wahrgenommen. Eben dieses innere Kind, was sich in die Ecke stellt und wartet. Dass jemand kommt und sagt, tut mir leid, ich hab das nicht gesehen, ich mach es wieder gut oder wenigstens nur tut mir leid und mitfühlt und es an der Hand nimmt und da rausholt. Und da hat Luise wohl recht, dass du das nun mit deinem Erwachsenen-Ich machen mußt. Es fühlen lassen, wahrnehmen und aus der Ecke an der Hand nehmen und abholen....

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  6. Tina, ich denke was Du meinst. So ist das Leben eben..das klingt für mich auch sehr nach Resignation ...oder Annahme..ach ich weiß nicht...und ich weiß nicht wie ich das schaffen soll, ein Erwachsener Teil is im Moment überhaupt nicht da, nur Kind und ganz viel AUA!!!!
    Mal sehn was mir heut noch gut gut.
    LG

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