Samstag, 31. Dezember 2011

Der letzte Tag

Eigenartig, seit gut einer Woche schmeckt mir kein Kaffee mehr. Erst dachte ich, dass vielleicht die Milch verdorben wäre, aber auch mit frischer Milch ist das kein Genuß mehr.
Vielleicht wehrt sich mein Körper dagegen. Ich werde darauf hören und auf Tee umsteigen.

Gleich gehts zum letzten, großen Spaziergang in diesem Jahr. Das tut mir zur Zeit sooo gut! Ich freu mich :-) Noch fallen dicke Schneeflocken, leider soll es später regnen...

Gestern wurde ich auch innerlich nochmal ordentlich gereinigt. Der Film Im Winter ein Jahr war etwas zu heftig für mich. Und ich hab viel geweint. Aber er ist auch wunderschön! Tolle Bilder, wunderbare Schauspieler, die Charaktere sind sehr klar und die Musik sehr schön:



Jetzt aber wünsche ich Euch allen ein

kraftvolles, abwechslungsreiches, tolles, gesundes, neues Jahr!

Möget Ihr wie die Raketen gen Himmel empor steigen und bunt leuchten !!!

Ich werd u.a. an der Münchner Freiheit feiern. Finde das sehr passend ;-)


Von einer lieben Freundin bekam ich den Spruch:

Glücklich ist, wer mit den Verhältnisse bricht

ehe sie ihn gebrochen haben.

Franz Liszt

2012 wird wunderbar! Lasse Dein Licht scheinen !!!

Freitag, 30. Dezember 2011

Träume

Die Nächte sind derzeit so richtig beschissen. Ich habe sehr heftige Träume, die sich ziemlich real anfühlen . Und nach jeden Traum wache ich auf. Also so ca. alle 2 Stunden. Trotzdem bin ich gut gelaunt und relativ fit.

Vielleicht liegts daran, dass ich seit 2 Tagen wieder EFT mache, die Klopftechnik. (Da will man jetzt dran glauben oder nicht, ob das was taugt). Hab das früher schon mal gemacht, mit mäßigem Erfolg und schaden kann es ja nicht. Ich denke mir: Sieht genauso bescheuert wie EMDR aus, da weiß man auch nicht sooo ganz warum es funktioniert, aber dass es für viele eine Hilfe ist.

Ein Traum ging mir besonders nah: Ich war in einer Art Heim oder Klinik in einem Mehrbettzimmer mit ca 8 Frauen. Alle Schickimickitussen. Sehr unsympathisch :-) Ich wollte im einzigsten Badezimmer in die Wanne. Natürlich alleine. Aber die Mode-und-Kosmetikfrauen drängelten sich auch mit rein. Ich sagte 3-4x sehr eindringlich, dass ich alleine sein mag und dass es doch möglich sein muss, für eine halbe Stunde. Nix tat sich. Bis auf eine Frau, die meinte ich brauche mich doch nicht wegen meines Körpers schämen, wenn den andere nackt sehen. (darum ging es ja auch gar nicht!) Gut dann anders: „Wenn ihr hier nicht bald verschwindet, gibt’s Blut!“ Dann war ich wach. Interessant war das Gefühl dazu: Keine Scham oder Schuldgefühle, ich war mir selbst so sicher und innerlich gefestigt, dass es eine wahre Freude war. Ich stand zu mir und meinen Bedürfnissen. Ich spürte, ich hätte wirklich zugeschlagen!

Und dann wollte ich heute mal wieder den Fahrdienst übernehmen. Ohne Nervosität, absolut entspannt und mit viel Vorfreude. Doch daraus wurde nix. Nunja, soll wohl so sein. Dafür genoß ich einen ausgiebigen Spaziergang bei Schneetreiben :-)

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Weihnachtsnachwehen

Ich schwebe gerade auf einer Wohlfühlwolke :-)

Anscheinend haben viele meiner Freunde/Bekannten tatsächlich mal sowas wie Urlaub. Hier klingelt fast ständig das Telefon und ich höre Stimmen, die ich seit teilweise 2 Jahren nicht mehr gehört habe. Soviel Freude auf einmal! Wie schön!

Die Leute waren tatsächlich im Streß, manche arbeiten einfach gerne (zu)viel und bei einer anderen ging es um Leben oder Tod.
Es freut mich, dass nach langer Zeit und trotz großen Entfernungen der Kontakt wieder auflebt. Ich hoffe dass die große Funkstille nun wieder vorbei ist. Denn eigentlich kenn ich das von den meisten Leuten so nicht.

Dann habe ich meiner Mutter einen Brief geschrieben. Mir war danach und ich kann loslassen in Bezug auf ihre Reaktion. Ob sie sich meldet oder nicht. Und wenn ja, was sie sagt.

Letztens genoss ich die körperliche Nähe zu einem Mann sehr. Das hatte gar nix sexuelles, sondern einfach pure Nähe und auch eine Art Liebe. Sehr schön! Das habe ich sehr vermisst. Aber ich weiß ja auch, dass ich zu 90% eher Angst davor habe und weglaufe.

Und jetzt war gerade das letzte mal schwimmen in diesem Jahr angesagt.
Auch sehr entspannend und wohltuend.


Weil es mir so sehr gut geht, habe ich die Therapie abgesagt. Ich hab keine Lust und keinen Bedarf. Ich schau mal nächste Woche, wenn es weiterhin so ist, werde ich mal eine Therapiepause von 2-3 Wochen einlegen. Hebe mir dann die Stunden lieber für Zeiten auf, in denen ich es brauche.

In diesem Sinne verteil ich mal ganz viel Wohlgefühl, Liebe und ein Lächeln!
;-)

Eine Sylvestergeschichte

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren als ich Sylvester noch mit meiner Familie verbrachte.
Alles in allem ging es da etwas entspannter zu.

Nur dass ich es nie leiden konnte (das ist bis heute so) wenn man mich aufweckt. Da half auch Mutters alkoholgeschwängerten Worte wie "Aber du hast doch gesagt ich soll dich wecken!" nicht. Erinnere mal ein 6-jähriges Kind daran, was es vor 10 Stunden gesagt hatte. Haha.

Mein Vater war als Mann natürlich ein eifriger Pyromantiker. Er bastelte seine eigenen Feuerwerkskörper. Zu einem Teil aus gekauftem Schwarzpulver und der Rest kam aus den Tiefen seiner Werkstatt. Leider hat er es gerne etwas übertrieben. Die Spannung davor war enorm. Wird es funktionieren? Wird es so toll aussehen wie mein Vater sich das gedacht hat? Meistens war dies nicht der Fall. Es verglühte, bevor auch nur ein Funken zu sehen war.
Große Enttäuschung.

Oder der Feuerball schoß übers Ziel hinaus und direkt in den Mirabellenbaum. Den gabs danach nicht mehr. Manchmal traf das gebastelte Unikum auch unsere Telefonleitung. Da kamen dann keine Neujahrswünsche von Opa, Oma, oder der Tante bei uns an.
Außerdem war es auch immer eine Sache mit viel Scham. Auf dem Land sieht man genau wer was abschießt. Und die Nachbarn hatten immer eine bessere Show als wir. Bei uns bruzzelte es nur.
Ich war als Kind schon ein Schisser und hatte viel Angst vor Fehlzündungen und der Knallerei. Das war alles so unkontrollierbar. Schrecklich.

Muttern war auch ruhiger, wenn auch manchmal etwas zu rührselig, was aber an den zahlreichen Sektverkostungen gelegen haben mag.

Am Neujahrsmorgen war es ein ungeschriebenes Gesetz der Nachbarskinder, dass man noch vor dem Frühstück raus geht und so viele Holzstäbe der Raketen aufsammelt, wie möglich. Auch hier waren wir nie Sieger. Egal, der Spaß war es wert.

Und jetzt? Die Angst, dass sich ein Böller in meinen Haaren verfängt, ist auch heute noch da. Ich halte großen Abstand zu den Knallern und würde nie selbst sowas kaufen oder entzünden (gibt ja genug andere die das tun).
Heute wollte ich Glückskekse und Wunderkerzen kaufen, die mag ich, die find ich schön. Und was sehe ich? Riesen Wunderkerzen! 1m lang!

Die musste mit und mein inneres Kind hüpft jetzt schon vor Freude! ;-)

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Menschlich, eine Wildsau!

Der Gruppenabend bzw. der Typ dort (siehe hier http://regenfrau.blogspot.com/2011/12/trigger.html ) zieht weitere Kreise.

Ich hab mich bei 2 Damen mal ein wenig umgehört. Beide sind meiner Meinung. Eine sagte eben: "Menschlich, eine Wildsau. Wenn ich SO einen Mann zuhause hätte, nee danke!"
Die andere ließ ähnliches hören.

Also stehe ich mit meiner Meinung schon mal nicht alleine da. Auch wenn die 2 Damen nicht soooo angepißt waren wie ich, weil es vielleicht nicht ihre Auslöser waren.
Alle schwiegen. Keiner sagte was. Alle fielen in den Tenor "wie toll und schön das doch war, dass dieser Mann sich öffnete" usw. Dies sagte eine Frau als erstes in der Abschlußrunde und alle äfften ihr nach. Ich nicht, ich fragte was organisatorisches und gab sonst kein Feedback zu diesem Abend.

Jetzt frage ich mich schon: Bin ich von Papageien umgeben, die immer genau das sagen, was eine vor sagte?
Es war toll --- ja es war toll!
Also ich fand das unmöglich --- stimmt er is ein Arsch.
Da kommt mir schon die uralte Frage in den Sinn:
Hat der Mensch wirklich einen freien Willen?

Ich sagte ja schon, dass es mich sehr geärgert hat, dass ich auch nicht mein Maul aufgemacht habe. Aber dass sich nach und nach die Damen vermehren, die auch am liebsten was gesagt hätten????

Ich glaube, das ist unser Problem. Nicht zu uns stehen zu können. Zu seiner eigenen Meinung und gegeben falls riskieren alleine damit da zu stehn oder gar angegriffen zu werden.

Sollen mich doch alle lieb haben. Und so machen wir uns klein, reden leise, sagen ja und amen, wenn das die Harmonie erhält.

Und fragen uns warum die psychosomatischen Krankheiten immer mehr werden.
Ja, ich zeige mit den Fingern auf die anderen UND auf mich. Warum? Warum tun wir uns das an?

In der Tagesklinik hörte ich von meiner Therapeutin: Ich spüre eine rebellische Ader bei ihnen und ich find das gut!
Ich glaub, das war das erste Mal, dass ich sowas hörte. Und es bestärkte mich, in meiner Kraft und in meinem Selbstvertrauen. Ich bekam den Mut meine Stimme zu gebrauchen um Stop und Nein, will ich nicht zu rufen!

Es wird Zeit. Höchste Zeit!

Montag, 26. Dezember 2011

Aussicht

Es war nicht das schlimmste Weihnachten.
Und auch nicht das schönste.
Ganz passabel sozusagen.
Ich hatte schöne Kontakte mit lieben Menschen und hab mich viel an der frischen Luft bewegt. (z.B. Schlittschuhlaufen, dabei gelernt: Man kann es verlernen! Ich bewegte mich vor 15 Jahren - na gut schon ne Weile her- sicher, anmutig und schnell auf dem Eis. Heute brauchte es oft die Bande oder die Hand. Egal, Spaß hat es gemacht und ich sah nur, ausnahmslos! in glückliche, strahlende Gesichter!)
Das macht schon mal die halbe Miete :-)

Die Gedanken waren weiter in Richtung Zukunft: Was mache ich?
Derzeit stehen 3 Projekte zur Auswahl, die mich interessieren.
Eines, was mir sehr viel Spaß machen würde und wo mein Herz hüpft.
Eines, das ein wenig für später hilfreich sein könnte (neues lernen) und der andere Teil ebenso mein Herz hüpfen ließe.
Das Dritte: Das nur für später hilfreich wäre (für evtl. Umschulung) den Spaßfaktor kenne ich kaum, da noch nie gemacht.
Bei allen wäre der Verdient sehr gering. Aber das wichtigste ist ja eh schon abgedeckt.
Im Moment tendiere ich für das Erste.
Vielleicht bin ich ein Mensch, der gerne seinem Herzen folgt und das tut was mir Spaß macht und weniger auf Verstand und Sicherheit und Voraussicht.
Vielleicht bleibe ich ein Flickenteppichmensch.

Aber egal was ich tue. Eins weiß ich schon mit Sicherheit:

2012 wird für mich das Jahr der Stimmigkeit.
Des Fühlens und des Schauens was ich wirklich will.
Weniger Kopf - mehr Herz.

Ich will Ja sagen, wenn ich wirklich Ja sagen will.
Und Nein, wenn ich es nicht will.
Ich werde atmen und weinen und lachen. Ich will das Alleinsein genauso genießen wie die Gemeinschaft. Ich werde mich so gut es geht um Körper, Geist und Seele kümmern und sooft als möglich mir selbst inneren Frieden bescheren.

Kurz: So gut es geht, das Leben zu leben und die gegebenen Situationen zu meistern.

Sonntag, 25. Dezember 2011

Fettes Geschenk

lag da gestern in meinem Briefkasten: Der R E N T E N B E S C H E I D

Und das am 24.12. Ulkig. Und ich bin immer noch der Meinung, dass dies eine große Ungerechtigkeit ist. Ich las in einem ELO-Forum (erwerbslosen) im Unterbereich: Rente. Gut ich las deren Biografien und Probleme nur und kenne sie nicht persönlich (das tat die entscheidende Amtsärztin bei mir auch nicht!). Ich las von Menschen, die sich kaum mehr körperlich bewegen können, die ganz viele unterschiedliche Krankheiten haben und somit auch unterschiedliche Probleme (und da mal einen passenden Arbeitsplatz finden!). Ich las, dass diese Menschen viel älter waren als ich und hart für ihre Rente kämpften, auch vorm Gericht!

Und ich? Ich bin 31 Jahre, bekam die Rente nach einem (!) läppischen Gutachten und den Bescheid für die Rente nach nicht einmal 2 Wochen nach der Antragsstellung. (Manche warteten bis zu 6 Monaten darauf!). Die Krönung: Ich wollte nicht in Rente. Wie ja schon mehrfach gesagt.

Und mir wurde sie direkt hinterher geschmissen.

Also ich sag mal so: Vor Jahren da ging es mir so dermaßen dreckig, dass ich (innerlich) nur nach Rente schrie. Keine Chef mehr, kein Mobbing mehr, kein 40 Std. auspowern und doch nicht mit dem verdienten Geld klar kommen. Keine Befriedigung durch die Arbeit. Keine Lust auf Umschulung, Weiterbildung oder irgendwas. Ich wollte nur meine Ruhe haben. Durch Rente. Oder eben sterben. Für mich hieß Rente gleich Paradies. (wer denkt hin und wieder mal nicht so?)


JETZT ging dieser Wunsch in Erfüllung. Ca. 5 Jahre später. Wo ich auf meinem Weg doch schon wieder ganz woanders stehe. Ich kann nur weiter den Kopf schütteln und lachen. Das ist irgendwie zu abgefahren, als das ich es begreifen kann.

Meine Therapeutin kommt ausnahmsweise mal mit so bescheuerten Sätzen wie: Klar, dass Sie so denken. Ach da würde ich mir keinen Kopf machen. Die nimmt das alles auf die leichte Schulter, so locker vom Hocker. Als wär Rente nur mal ein Lakritzbonbon, statt Schokolade.

In diesem Sinne: Paß auf, was Du Dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen.

Und dann...am frühen Abend, gingen mir 2 Lichter auf. Also sozusagen die Sterne von Betlehem. Also... mir fielen 2 Ideen ein, was ich nächstes Jahr machen könnte. Und es wäre wirklich ganz dolle, wenn wenigstens eine Idee davon klappen würde. Und bitte, nicht wieder erst in 5 Jahren!



Wer weiß …...... wozu das alles gut ist. :-)

Samstag, 24. Dezember 2011

Eine Weihnachtsgeschichte

Es war einmal vor vielen vielen Jahren als ich Weihnachten noch mit meiner Ursprungsfamilie feierte. Von einer Feier konnte man nicht direkt reden. Mal abgesehen vom stetig fließenden Alkohol.

Unsere Familie kennt den Umgang mit Gefühlen nicht. Seit Äonen wahrscheinlich. Es wird aber viel getan, als ob. Als ob man das jetzt schön fände, obwohl man sich schon lange nichts mehr zu sagen hat. Als ob man sich wirklich freuen würde, über das bescheuerte, peinliche Geschenk. Als ob wir eine richtige Familie wären und uns richtig wohl fühlen damit.

Das war nichts anderes als billiges Schmierentheater. Ein Geheuchel. Ein Geknutsche. Alles nur gespielt. Vatern versteckte sich hinter der Videokamera und tat als würde er gar keine Geschenke erwarten, linste aber doch auf die noch immer nicht ausgepackten Haufen. Muttern strich schon mal Geschenkpapier wieder glatt, da war es gerade mal frisch zerknüllt und füllte brav und unermüdlich Teller und Gläser auf. Jeder hatte seine Rolle. Und jeder wußte wie er sie zu spielen hatte. Daran zweifelte keiner.

Irgendwann waren wir das starre Geschenke verteilen leid und riefen aus: Konsumzwang weiche von uns! Weihnachten ist das Fest der Liebe, nicht des Geldes! Es wußte nur keiner was Liebe war. Alle waren sie so mangelhaft genährt worden. Jeder hatte nur Pseudoliebe in sich und die wollte er auf gar keinen Fall teilen. Auch wenn das keiner laut aussprach.

Natürlich, liebe ich dich!

Also gut, keine Geschenke. Das war ein Problem. Nun saßen wir um den heimelig scheinenden Weihnachtsbaum und hatten keine Ablenkung mehr. Wir wurden gnadenlos mit uns selbst konfrontiert. Wir mussten uns mit uns selbst beschäftigen. Darin hatte doch keiner Übung! Es war ein Desaster. Mutter war auswärts mit ihrem neuen Freund. Also blieben: Vater und zwei erwachsene Kinder übrig. Bis das Telefon klingelte und eine verheulte Mutter dran war: Ihr Lover hatte sie versetzt. Zu Weihnachten. Na bravo. Vatern sah seine Stunde kommen, ohne Videokamera, ganz live, direkt von ihm. Die wahre Geschichte. Was damals ablief. Mit Muttern und ihren Seitensprüngen, wie er einmal auf sie schoß, wie er Liebesbriefe fand in denen es hieß: Zum Glück nur eine Zyste und keine Schwangerschaft. Und noch vieles mehr, was kein Kind hören will. Auch kein erwachsenes. Und erst recht nicht an Weihnachten!

Da war mir klar: Ab sofort Weihnachten ohne mich. Beziehungsweise ohne leibliche Familie. Ich tanzte am 24.12. in Diskotheken, ich fuhr weg, zu Freunden oder auf eine Berghütte, ich blieb zuhause...alles besser als dieses alljährliche Drama.

Nun hatten sie wieder ein Weihnachtsthema: Die abtrünnige Tochter. Das Biest! Das schwarze Schaf! Das hat sich ja noch niemand getraut genau hinzusehen und die Wahrheit zu sagen! Und auch noch konsequent danach zu handeln! Frechheit.

Und mir ging es gut.

Diese Geschichte fängt an wie ein Märchen. Ist aber keins.

***

Soviel dazu. Dieses Jahr ist es etwas anders. Ich versuche seit ca. 10 Tagen meine Gefühle wegzuschieben. Ich habe Angst. Angst, dass es zu viele, zu große, zu überwältigende Gefühle sind. Wobei Angst ja auch schon mal ein Gefühl ist. Ich habe Angst, wenn ich loslasse und den Damm brechen lasse, dass ich verrückt werde. Ich habe zwar mal gehört, dass wenn man Angst vorm verrückt werden hat, kann man nicht verrückt werden. Ich glaube das nicht so ganz. Ich bin sehr mißtrauisch. Ich habe keine Lust an Weihnachten auf der Notstation der hiesigen Psychiatrie zu landen.

Doch je mehr ich weg schiebe, desto schlimmer wird es. Logisch.

Ich konnte mich durchringen eine sehr gute Freundin anzurufen. Mit ihr reden. Mich zeigen. Mich ein wenig zu öffnen. Endlich, nach gut 10 Tagen. Selbst in der Therapiestunde traute ich mich nicht. Von daher war die Stunde absolut für die Katz. Na egal. Darf auch mal sein.

Und zum ersten mal begreife ich, warum manch behinderter Mensch sagt: Bloß kein Mitleid! Genau, deswegen zeigte ich mich nicht. Ich will kein Mitleid. Oder gar noch eine Einladung deswegen. Weil man mich SO an DIESEN Tagen ja nicht allein lassen könne.

Ok, ich komme mir schon ein wenig näher. Der Freundin geht es auch nicht viel besser. Wir reden. Wir lachen. Ja, wir jammern auch mal. Weinen tun wir nicht, obwohl es uns beiden schon bis zum Hals steht. Die Tränen. Nicht das Gespräch.

Wir schauen uns unsere Gefühle an. An Weihnachten. Wenn das meine Familie wüßte! :-)

Wir beschließen: Die dürfen jetzt auch da sein. Und weißte was: Wir müssen nicht perfekt sein. Genau. Allerweltsweisheiten. Küchenpsychologie. Aber es hilft. Ein wenig Balsam auf die schmerzende Wunde.

Sie sagt: „Du kannst mich jeden Tag anrufen. Auch um 10 Uhr abends.“

Ich lache:“ Aber da schlafe ich doch schon!“

Sie:“ Ich auch!“

Nun lachen wir beide. Es ist ein Lachen voller Wärme und Freundschaft und Ehrlichkeit. Keine Spur von Unsicherheiten überspielen oder Mitleid heucheln. Nix ist einfach so daher gesagt.

Diese Freundin ist mir näher, als es je meine Familie war. Und sie wohnt 800km entfernt.


Schöne Weihnachten!

Feiert so, wie es Euch gut tut und nicht wie man es erwartet.

Freitag, 23. Dezember 2011

Rückblick - Vorschau

Die letzten Jahre saß ich um die Weihnachtszeit in der Stille und ließ das nun fast vergangene Jahr Revue passieren: Was habe ich erlebt? Mit Menschen, mit Tieren, mit der Natur? Was war besonders? Ein neuer Partner, ein neuer Job, eine neue Wohnung? Was habe ich gelernt? Über Freunde, über die Welt, über mich? Das alles schrieb ich auf schönstem Briefpapier und steckte dies in einem mit der aktuellen Jahreszahl beschrifteten Umschlag. Somit war für mich das Jahr abgeschlossen.


Heuer lief das im Schnelldurchlauf, ich hab wenig Lust mich mit dem vergangenen Jahr zu beschäftigen. So dolle war es ja auch nicht.

Ich guck nach vorne, schreibe mir auf was ich machen will (z.B. Schmetterlingsgarten besuchen) ,was ich machen muss (Impfauffrischung) und was ich mir wünsche (endlich wieder an das Meer am besten mit Lagerfeuerabend und einem lieben Mann)

Es liegt ein leeres Jahr vor mir. Ein Jahr Rente, das heißt: Finanzen sind geregelt, keine Unsicherheit ob mich das Arbeitsamt irgendwo hin schickt, kein Druck von außen, dass ich irgend etwas tun müsste. Ein Jahr bewußte Auszeit. Wer hat das schon? Wer kann es sich leisten? Ich schätze dieses Privileg (inzwischen, manchmal).

Früher hatte ich für so eine Zeit tausend Ideen parat. Wenn ich sie mir jetzt anschaue, sind sie entweder ausgeträumt, oder ich hab nicht das nötige Geld dafür übrig oder genug Nerven. Diese Träume von damals setzten ja voraus, dass ich gesund bin. Bin ich nicht. Also muss ich mich umschauen, was will ich in diesem speziellen Jahr erreichen? Ich muss doch die Zeit sinnvoll nutzen, etwas erreichen, etwas machen, was mir für die Jahre danach hilft (das klingt nach "Beta": Effizienz, Gewinne, viel Geld verdienen, Kampf und Krampf)

Oder geht es gar nicht so sehr um eine Planung, sondern darum mich auf das Leben einlassen und entspannt mit schwimmen? Und die Hürden die auftauchen möglichst gut zu meistern? (das klingt nach "Alpha". Was es damit auf sich hat, werde ich demnächst schreiben)

Das Loslassen fühlt sich für mich stimmiger an, weil es weniger Streß und Druck erzeugt. Doch die Angst und Unsicherheit der Zukunft ist sehr präsent.


3 Sprüche die mir dieses Jahr im Gedächtnis blieben, mich beeindruckten, mir halfen und die ich mir weiterhin gerne anschauen will:

Wenn du gegen etwas kämpfst, das bereits geschehen ist,

dann vergeudest du unnötig deine Energie.

Das was bereits geschehen ist,

bleibt von diesem Kämpfen völlig unbeeindruckt!

(hier gelesen:

http://tao-der-zustimmung.blogspot.com/)


"Wenn du immer wieder das tust, was du immer schon getan hast, dann wirst du immer wieder das bekommen, was du immer schon bekommen hast. Wenn du etwas anderes haben willst, mußt du etwas anderes tun! Und wenn das, was du tust, dich nicht weiterbringt, dann tu etwas völlig anderes - statt mehr vom gleichen Falschen!"

(Paul Watzlawick)


Alles was Du bekämpfst, wird stärker!





Was würdet Ihr machen, wenn Ihr ein Jahr frei gestalten könntet? Es so lassen, wie es ist? Nur ein bisschen verändern? Alles umwerfen und ganz was anderes machen?

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Wär ich eine Firma

hätte ich sehr viele Mitarbeiter (Zellen) und einen sehr hohen Umsatz (Energieverbrauch, ich staune immer wieder was ich esse und wie flott mein Körper das verbrennt).

Was würde meine Firma machen, produzieren, wozu wär sie da?

Zur Herstellung der Lebensfreude, Tränen und Lachtönen, außerdem um Liebe und Mitgefühl zu geben, um Neues zu entdecken, und kreative Lösungen in sämtlichen Bereichen zu entwickeln.

Leider ist sie manchmal politisch inkorrekt und nicht immer umweltfreundlich, dafür mit Frauenquote :-)

Weitere Filialen (Kinder) sind nicht geplant, jedoch einer Expansion im weitesten Sinne nicht abgeneigt.

Im Betriebsrat sitzt u.a. meine Therapeutin. Das gute Betriebsklima (mit den inneren Anteilen) soll ja erhalten bleiben, wobei das derzeit eh nicht gut ist und es kurz vor einem Streik steht. Der runde Tisch wird einberufen.

Das Firmengebäude ist derzeit im oberen Bereich (nicht im Hirn, aber bei den Zähnen) mal wieder sanierungsbedürftig (doofer Zahnarzt was hast du da gemacht?).

Dafür sind kleinere Betriebsausflüge für das nächste Jahr geplant.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Überraschung!

So die letzten Dinge vor dem langen, feierlichen Wochenende sind erledigt.
Kühlschrank ist voll, Tabak - und Kaffeevorrat sind auch gefüllt.
Müll ist weg, Wohnung sauber.
Morgen noch Therapie und Freitag einen klitzekleinen Einkauf und dann ist aber auch gut.

Noch schnell in den Schreibwarenladen gehuscht (den Schwerenöter hinter der Kasse macht mir schon lange keine Angst mehr, sondern ich find ihn nur noch lächerlich. Fortschritt!).

Dann noch rüber in die Bücherei, kleines Geschenk für ne Freundin und ein Buch abgeben, dass ich nicht wirklich fertig lesen wollte "Deutschland schafft sich ab!" kein Nerv für sowas. Und dann oh Wunder oh Wunder mein vorbestelltes Buch ist da, erfuhr ich eher durch Zufall. Im großen Trubel ging das unter, dass sie mir bescheid geben. Juhu Weihnachten ist gerettet!

Zuhause in den Briefkasten geguckt: Man ej, lauter Ämterbriefe. Ach ne, was ist das? Oh noch eine Weihnachtskarte...wie schön! Und das? Ahh mein Buch, das ich mir gönnte. So schnell kam es. *freu* Weihnachten ist doppelt gerettet!

Ich mache immer erst die unangenehme Post auf, um mich dreifach an den anderen, schönen Dingen zu erfreuen :-)
Was ist das? Im Umschlag des Sozialamtes lag tatsächlich ein Geschenk!
Eine kleine Weihnachtsspende über 25 € aus einem Spendenfond für gute Werke!
Sapperlot, sowas glaubt man kaum bei der trockenen Beamtenbürokratie.

Is ja wie im Märchen :-)))
Soviel gutes an einem Tag!
Ich brauch nen Kaffee!

Auch das wird vergehen

Da saß ich gestern: Gelangweilt, mürrisch, lustlos.

Ich kramte eine CD hervor, die ich hören und testen wollte, ob sie sich zum einschlafen (also ruhige Melodien) eignet. Ich zog auch das Booklet raus und wollte mal sehn was da so drin stan.

Ich empfand es wieder wie ein Wink vom Himmel, denn ich las:

„Auch das wird vergehen!“

Ein König fragte einmal einen Sufi-Meister:“ Kannst Du mir irgendeinen Rat geben, der mir in kritischen Momenten des Lebens eine Hilfe sein kann?“ Der Sufi nahm einen Ring von seinem Finger, gab ihn dem König und sagte:“Unter dem Diamanten ist eine Botschaft verborgen, ein kleiner Hinweis nur, aber entferne den Diamanten nicht bevor Du wirklich einer kritischen Situation gegenüberstehst, denn nur dann wirst Du diese Botschaft verstehen!“

Der König glaubte sich einige Male in solchen Situationen, konnte aber immer der Versuchung widerstehen, die Botschaft in Anspruch zu nehmen. Doch eines Tages kam der Augenblick: Sein Land wurde überfallen und er wurde verjagt. Er hat alles verloren, was er einst besessen hatte. Verfolgt von seinen Feinden, floh er auf seinem Pferd. In einer gebirgigen Gegend war sein Weg plötzlich durch einen tiefen Abgrund versperrt. Seine Feinde kamen immer näher und er konnte schon das Schnauben der galoppierenden Pferde hören. Im Bewußtsein, dass sie ihn in ein paar Minuten erreicht haben würden, erinnerte er sich plötzlich des Ringes. Er entfernte den Diamanten und las eine kleine Notiz, welche lautete:“ Auch das wird vergehen!“

Eine große Stille überfiel ihn, 'Auch das wird vergehen' …. und tatsächlich geschah es, dass sich langsam das Geräusch der nahenden Feinde entfernte. Sie hatten eine falsche Abzweigung genommen und eine andere Richtung eingeschlagen.

Einige Zeit später, als er wieder zu Hause war, sammelte er erneut seine Armee und besiehte den Feind. Bei seiner Rückkehr aus dem Schlachtfeld wurde sein Sieg überschwenglich bejubelt und er fühlte sich großartig und stolz. Auf den höchsten Wogen des Glückes seinen Erfolg auskostend, erinnerte er sich plötzlich wieder an die Botschaft des Ringes: 'Auch das wird vergehen'. Nachdenkliche Ruhe überkam ihn wieder und es wurde ihm bewußt, dass alles gleich ist – Niederlage oder Sieg, nichts verbleibt.

Nach diesen Ereignissen hat sich der König total verändert und die Leute wunderten sich über diesen anderen Menschen. Immer wieder fragte sie ihn:“ Was ist mit dir geschehen? Du wirkst nicht mehr so ruhelos und überarbeitet und es scheint, dass alle deine Sorgen und Ängste verschwunden sind. Du strahlst eine tiefe Ruhe aus und wirkst so gesammelt – was ist denn das Geheimnis deiner Veränderung?“

Schließlich rief der König seine Hofgesellschaft zusammen und erzählte ihnen die Geschichte des Ringes. Dann sagte er:“ Es gibt kein anderes Geheimnis, als diese einfache Botschaft: 'Auch das wird vergehen'. Das ist meine einzige heilige Schrift. Wann immer Ärger, Eifersucht, Haß oder Gier in mir aufsteigt, halte ich mir in Erinnerung, dass auch das vorübergehen wird und plötzlich ist es verschwunden. Ich warte einfach, bis ich wieder mit meinem natürlichen Selbst verbunden bin.“

Ich saß immer noch auf meiner Couch, nun aber ziemlich verdattert. Denn in der Depression gibt es fast immer die Befürchtung, dass es immer so bleiben wird. Und was dann? Das ist die Hölle, da werf ich mich lieber gleich vor einen Zug. Das ist das gefährliche.

Ich lächelte, erinnerte mich an meinen Vorsatz mindestens einmal am Tag das Haus zu verlassen. Es war 16 Uhr und ich war noch nicht draußen gewesen. Das holte ich nun nach. Die Geschichte hatte mir Mut gemacht.

Und ich finde, sie paßt auch gut in die Weihnachtszeit.

Also hinterließ ich meine Fußstapfen im frisch gefallenen Schnee, sog die klare Luft ein, besuchte kurz den Park und zuhause genoß ich die heiße Dusche. Und siehe da: Ein wenig Appetit kam auch auf.

Es kann jederzeit besser werden :-)

Dienstag, 20. Dezember 2011

Doodle

Du kennst das sicher, du lauschst deiner Freundin am Telefon...Minuten vergehen..sie holt aus..redet und redet...und du fängst an auf einem Stück Papier Kreise und wilde Muster zu malen. Oder Blümchen oder Tiere oder Sterne die du bei deinem letzten Rausch gesehen hast. Was auch immer.

Ich mach das auch, aber weniger am Telefon, sondern bei Hörspielen. Und erstaunlicherweise kann ich so viel konzentrierter zuhören, als wenn ich Löcher in die Luft starre. Mich entspannt das total. Als würde mein Gehirn nicht noch 1000 Sachen bedenken, sondern nur das tun, was ich gerade will.

Ein aufmerksames locker lassen und doch ganz bei der Sache sein.

Werde ich mir merken. Sollte ich jemals wieder bei einem Seminar oder gar in einer Umschulung hocken, werd ich doodlen. So heißt das jetzt. Nicht nur einfach kritzeln.

Dafür gibt’s dann ein extra Heftchen. Sonst sieht bald alles vollgeschmiert aus. Es sieht eh schon unhöflich aus, wenn man scheinbar gelangweilt vor sich hin malt. Aber man könnte ja dann den Lehrer eines besseren belehren, indem man auf eine Frage korrekt antwortet, weil man ja in Wahrheit völlig wach dem Vortragenden gelauscht hat :-)

Wer es etwas hübscher mag:

http://zendoodle-wege.blogspot.com/


Montag, 19. Dezember 2011

Zur Ruhe kommen

Ich merke wie schwer es mir fällt mich zu entspannen.
Ich habe keine Geduld dafür, mir diese Zeit zum runter fahren zu genehmigen.
Doch gestern abend gelang es mir, mit Wärmflasche, Tee und Buch ruhiger zu werden und konnte dann auch sehr gut schlafen. Ich hätte sogar richtig lange schlafen können, wenn der Wecker nicht losgegangen wäre. Naja.

Danach gings zur Blutentnahme, was für mich ein ziemlicher Stress ist. Heute nicht. Mir war eh schon alles wurscht. Aber ich war wach genug zu bemerken, dass die 3 Röhrchen zapfen wollte, ich aber nur den Eisenwert wollte. Konnten wir rechtzeitig klären. Uff.

Ich bin sehr erschöpft und hoffe, dass ich es mir heute nachmittag erlauben kann, mich nochmal hinzulegen und den inneren Antreiber in den Urlaub zu schicken.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Die alte Bekannte...

...hat sich bei mir wieder eingeschlichen.
Fängt mit Depres an und hört mit sion auf.
War irgendwie auch klar, nach der letzten Woche.

Da schaltet die Seele auf grau
und der Körper auf starr.
Und in diesem Modus soll man dann leben.

In dem nix Freude macht, kein Buch, kein Film, kein Freund, keine Schokolade, kein malen, kein Kaffee, kein Schnee...nix.

Sooft ich dies schon erlebte, es ist jedesmal wieder heftig, ungewohnt, grausam.
Aber eins hab ich dabei gelernt: Mich jetzt selbst nicht in die Spirale nach unten weiter schubsen.

Sondern die winzig kleinen Hoffnungsmomente sammeln, alles langsam angehen, akzeptieren, dass mal mal wieder Ausnahmezustand angesagt ist, wenig Zucker (der verstärkt das ganze im Turbogang!) zumindest die Minimalgrenze essen, wie der Körper es braucht, zu nix zwingen, mindestens einmal am Tag rausgehen und wenn es nur einmal ums Haus ist und die schwarzen Gedanken, so gut es geht, zurück in die Kiste schicken.


Samstag, 17. Dezember 2011

IRRE!

Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen.

Ja genau, das Buch von M.Lütz.

Nunja es ist wirklich sehr salopp und manchmal zu verallgemeinernd geschrieben. (was ich eher ungünstig finde, da er im Vorwort schreibt, dass dies Buch ideal für Menschen sei, die sich noch wenig in der Materie auskennen. Um dann ganz plumpe, vereinfachte, unvollständige Therapien und Krankheiten vorzustellen! Vorurteil ick hör dir trapsen.)

Aber das weiß der Doktore auch und sagt es auch. Ebenso verweist er, wer mehr einsteigen will, auf die zur genüge vorhandene Fachliteratur. Die dicken Wälzer.

Passend auch dazu, finde ich 'Arno Gruen - Der Wahnsinn der Normalität'. Wer es etwas fundierter, wissenschaftlicher, dafür aber auch trockener haben möchte.

Er macht ganz klar, dass nicht alles was ein wenig der Norm abweicht, gleich krank sein muss. Dies propagieren jedoch zunehmend die Medien, vor allem die Selbsthilfebücher (ja ich gestehe, ich tappte da auch oft hinein). Das fand ich das wirklich Gute an dem ganzen Buch. Vor allem weil ich mit Besorgnis immer mehr beobachte, wie diese krankhafte Schablone zu schnell den Kindern aufgedrückt wird!

Ein Zitat aus dem Buch: Normal ist leichter Schwachsinn. Auch recht. :-)

Ebenso prangert er den Kult um die Gesundheitsreligion an. Dass es immer mehr Menschen gäbe die nach dem Motto leben: Vorbeugend leben – gesund sterben. Man muss nur lang genug suchen, dann findet man bei jedem Menschen etwas krankhaftes.


Interessant fand ich die Geschichte über die Anfänge der Psychatrie.

Nach meinem Geschmack predigt er ein wenig zu oft über die wundersamen Psychopharmaka. Ebenso fand ich seine Verallgemeinerung eher schädlich, z.B. die „Borderliner“ die ja eh so schwierig sind, jedes Pflegeteam spalten und sich selber ritzen. Dieses Bild geistert doch schon genug herum.

Und wofür sind Diagnosen gut? Um die passende Therapie zu finden. Und natürlich für die Krankenkassen. Also wozu sollte es nützlich sein, einen verstorbenen Künstler einen Wahn, eine Manie, eine Sucht unter zu jubeln? Außerdem ist es unhöflich anderen ungefragt in eine psychiatrische Schublade zu verstecken. Lütz eigene Worte! Und dann erwischt man ihn doch, wie er genau dasselbe tut.


Eine Übung aus M. Lütz Buch gefiel mir noch sehr gut:

Es ist ja so, dass die Patienten die in Therapie gehen, meist sehr gut über die Dinge bescheid wissen, die nicht gut laufen. Und sich hauptsächlich damit beschäftigen.

Man kann aber auch den Blickwinkel ändern und Licht auf die Dinge scheinen lassen, die derzeit gut laufen. Also: Was kann so bleiben, wie es derzeit ist? Und was kann man selbst tun, damit dies erhalten bleibt? (und dies natürlich auch wirklich umsetzen und tun!) Beschäftigt man sich nur wenige Minuten mit diesen Fragen, geht es einem schnell spürbar besser (mir ging es zumindest so). Probieren kann man es ja mal.


In diesem Sinne: Sind wir nicht alle ein wenig Blunah?

Freitag, 16. Dezember 2011

Seniorenliga

So, auch diese Dame brachte ich heil zum lustigen Gelenke verrenken und wieder zurück.

Jede Fahrt ist ja für sich eine Herausforderung. Meistens kenn ich weder den Fahrgast (wie fit ist derjenige noch geistig/körperlich?) noch die genaue Strecke (nicht immer).

Und heute gabs sogar noch ein neues Auto obendrein, erst 1500km waren drauf und flitzte wie die Sau (testete ich natürlich erst als ich alleine fuhr *g*, will ja nicht noch für einen Herzinfarkt verantwortlich sein).

Alles lief wunderbar (wie fast immer, doch lieber sterb ich halb vorher vor lauter Nervosität, man weiß ja nie...)

Doch da ist etwas bei meinem Ehrenamt, was ich weniger gut kann: Small-talk führen. Belanglose, seichte Gespräche, während ich die Herrschaften abhole, während der Fahrt und wenn ich sie wieder zuhause abliefere.

Ich kann und mag das nicht. Beispiel: Dame A jammert über die Jugend (nix neues und ich kann es nicht mehr hören!!) Wo die das Geld herhaben zum besaufen und dass sie ja nicht so war. Ich möchte dann eine Grundsatzdiskussion starten, meine Meinung kund geben und so weiter. Dass Alkohol eigentlich recht billig ist (wenn man mal von den härteren Sachen absieht), dass sie persönlich vielleicht ein braves Ding war, aber die Jugend eben schon immer gerne getobt, randaliert, revoltiert hat und so fort.

Während ich aber Luft hole und los legen will, ist die Dame schon beim Wetter, ihren, Enkeln oder ihrer Hüfte. Oder ob es weiße Weihnacht gibt. Also muss auch ich die Allerweltsfloskeln runter leiern: Achja? Na sowas. Ich glaube schon. Oh das ist schlimm. Genau.

Ich hasse es. Aber sowas von.

Aber jetzt ist erstmal W O C H E N E N D E !!!!!!!!! Brauch ich auch. Dringend. Heute wird nur noch die Wäsche gemacht und dann: Musik an, Füße hoch, Augen schließen...Ruhe.

Für Ilana



Gestern las ich noch Deinen Post über Engel.

Heute bekam ich selbst einen geschenkt.

Den möchte ich gerne mit Dir teilen!

Und die grüne Kerze steht für Hoffnung.





Donnerstag, 15. Dezember 2011

Trigger!

Wenn ich wütend bin, dann BIN ich Wut. Durch und durch. Von oben bis unten. Da bebt alles in mir. Da ist nix mehr mit distanziert, sondern ich bin komplett mit dieser Wut identifiziert.

Und ich bin immer noch der Meinung, oder besser: Mein Bedürfnis ist es dann, den anderen anzuschreien, ihn zu verletzen, laut werden. Sonst implodiere ich. Und es gärt und schwelt in mir und nach und nach werd ich auf alles aggressiv was sich mir in den Weg stellt.

Beide Wege sind jetzt nicht der Hit. Das weiß ich. Also frage ich mich, was ist denn das überhaupt für eine Wut und ein Ekel? Ich schaue mir diesen komischen Typ (der von Montag)an:

  • alter, gebrechlicher Mann über 70 Jahre

    Alter Ärger, der eigentlich meiner Mutter gilt, weil sie alte Menschen pflegte und dafür mehr Zeit und Fürsorge aufbrachte, als für ihre eigenen Kinder.

    Der Mann zeigt große Angst und Unsicherheit (hab ich selber zur Genüge, brauch ich nicht noch im Außen).

    Zu oft erlebt, wie alte Männer sich an junge Mädls vergreifen/sexistische Witze reißen oder „nur“ rumbaggern. Alles unter dem Mantel: Is doch nur nett gemeint. Variante 2: Dem armen alten Mann trifft natürlich keine Schuld, der „weiß doch nicht mehr was er tut.“

    Ungepflegte Erscheinung, er sitzt mir zu nah.

    Seine frauenverachtenden Ansichten (alle anwesenden Frauen lächeln milde, empören sich gespielt auf „lustige“ Art...während mir der Kiefer herunter klappt. Ich sage leider auch nix).

    Seine Erzählung, dass seine Tochter doch seine einzigste Bezugsperson ist (mich würgts).

    Seine unhöfliche Art, bei Fragen nicht darauf einzugehen, sondern von was ganz anderem erzählen.

    Sein schleimiges/unechtes Getue.

Seine Selbstbeweihräucherung, wie ihn alle Frauen in der Klinik ja sooo herzlich fanden (???)

Ok, das ist ne ganze Menge, darunter für mich mehrere, handfeste Trigger. Ich muss da wirklich sehr auf mich aufpassen.

Jetzt wird mir auch klar, was mir helfen wird: Dem traumatisierten Teil, der völlig panisch reagiert, aus Angst ihm könnte noch einmal eine Grenzverletzung passieren, Schutz und Sicherheit vermitteln. Durch Imaginationsübung vom sicheren Ort (oder Wohlfühlort).

Es half! Sehr gut sogar!

Hinzu kommt ja noch, dass ich schon mehr als lädiert in die Gruppe kam (aufgrund des anstrengenden Termines wegen Rentenantrag).

Das letzte bisschen Kraft

Was fehlte für diese Woche noch?

Genau: Bahnverspätung. 10 Minuten wertvolle Therapiezeit am Bahnhof verbracht. Hmpf. Hätt schlimmer sein können z.B. 30 Minuten. Aber, dass nicht mal der Bahnhofflirtmann da war, zog mir echt die Mundwinkel runter.

Thema in der Therapie war der alte Sack. Bzw. meine Reaktion auf den (und warum) und welche Möglichkeiten es gibt zu handeln. Die wußte ich ja, ich konnt's nur nicht umsetzen. War leider viel zu durcheinander um da dran zu bleiben. Warum bleib ich am Stuhl kleben, obwohl alles in mir aus dem Raum will.
Das ganze Thema bleibt weiterhin als Gedankenschleife in meinem Hirn, was mich nicht wirklich zur Ruhe kommen lässt.

Aber trotz allem, was ich so derzeit wuchte, geht es. Besser als sonst. Ich kann Prioritäten setzen (Haushalt kann warten) und mir so Energie aufheben für Dinge, die ich brauche, mir gut tun oder die ich gerne machen möchte (Therapie, spazieren, Ehrenamt).
Ich weiß nun, dass ich nicht alles hintereinander ohne Pause einfach so machen kann. (auch wenn es mir schwer fällt, das zu akzeptieren, aber das Schuldgefühl ist weniger).
Und ich nehme mir weiterhin bewußt Auszeiten (kleine während des Tages, große am Wochenende).
Gerade der letzte Punkt ist glaub ich am wichtigsten. Das ist eine große Veränderung. Ich gönnte mir das früher nicht mal in Urlaubszeiten!

Irgendwie kein Wunder, dass ich vor 2,5 Jahren auf die Nase flog und alle viere von mir streckte.
Auch hier hätte das Stoppschild durchaus anders aussehen können...heftiger. Genaueres überlasse ich Eurer Phantasie.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Feierabend

Wenn ich gestern total ko war, was bin ich dann heute?
Halbtot!

Arbeit ist erledigt ( eine Stelle blieb mir ja netterweise).
Meine Wohnung gleicht einem Schlachtfeld (muss warten bis morgen).
Und der allmonatliche Frauenbesuch klopfte an die Tür, mit allem was dazu gehört.
Und jeden Monat denk ich mir: Dieses "was noch dazu gehört" hatte ich ja nicht immer. Im stationären Klinikaufenthalt vor 4 Jahren war rauchen (auch nicht außerhalb) Zucker, Alkohol und noch so einiges verboten. Dafür gabs reine Biokost und Wasser von der Quelle, viel Bewegung an der frischen Luft und viel Kontakt mit freundlichen Menschen.
Ich bekam meine Tage und? Nix. Kein Aua, kein Unwohlsein..usw.
Und ich glaube, dass ist die Normalität und dass all die anderen Begleiterscheinungen mit denen sich so viele Frauen plagen ein Zeichen von ungesunder Lebensweise ist.

Weiß ich, kann's aber trotzdem nicht ändern. Zum Teil will ich es auch nicht.
Also brauch ich mich über die Konsequenzen nicht zu beklagen.

Tu ich ja auch nicht.
Ich wollt's halt nur mal gesagt haben :-)

Dienstag, 13. Dezember 2011

Unter Dampf

Hab ich gesagt, dass ich mich auf diese Woche freue?
Wird hiermit revidiert.

1. Baustelle vorm Haus wurde in Angriff genommen. Seitdem: 10 Stunden am Tag Baggergeräusche, mit brummen und poltern. Wie hält das ein Baggerfahrer Tag für Tag aus? Woche für Woche? Jahr für Jahr? Mir schwant warum auf'm Bau soviel gesoffen wird. Hatte gehofft, dass das Haus doch nicht gebaut wird, wegen fehlender Käufer, wie auf der Nachbarwiese.
Einzigste Hoffnung: Irgendwann sind die ja auch fertig.
Realität: danach bin ich komplett einbetoniert.
Super.


2. Rentenantrag stellen ist nicht lustig. 1,5 Stunden saßen wir da und rekonstruierten meinen katastrophischen, beruflichen Lebenslauf. Was ich wo gemacht habe und wie lange. Satz der mich fast zum heulen gebracht hätte: "Aber das war doch 2004 das is doch noch gar nicht so lange her, wissen Sie da nix mehr?" Da weiß ich grad noch, wo ich damals gewohnt habe!
Aber die Frau war wirklich freundlich und bemüht.
Danach einfach nur beschissen gefühlt.

3. Irgendwie doch zur Gruppe geschleppt. Eigentlich schon bettreif. Ein Mann war da, der nur unregelmäßig kommt und den ich total unsympathisch finde. Sitzt genau neben mir. Blöd. Er labert immer mehr Scheiße. Ich werd immer aggressiver. Er löst sehr viel in mir aus. Ich schaffe es nicht, aus dem Raum zu gehen, was mich noch mehr ärgert. Versuche mich abzulenken, spiele mit einem Kuli, versuche mich auf meinen Atem zu konzentrieren, aber meine Ohren hören ja doch mit. 2 Stunden tue ich mir den widerlichen Kotzbrocken an. Und das ist das schlimmste. War auch schon öfter Thema, warum ich solche Situationen nicht verlassen kann und meine, das wieder einmal aushalten zu müssen.
Vorm einschlafen gebetet: Lieber Gott, bitte laß mich nie so werden, wie dieses Arschloch!
Und fest vorgenommen, das nächste Mal wirklich raus zu gehn, auch wenn mich dann alle anstarren und verwirrt reagieren. Und Busfahrplan mitnehmen, um evtl. ganz heim zu fahren.
Immer noch auf 180.

Was mich zum lachen brachte: Auf der Heimfahrt ein Satz von einer Mitfahrerin:" Naja, du bist ja jetzt auch schon im gesetzteren Alter!"
Meine entsetzte Antwort: "Gesetztes Alter? Ich bin 31!!! Aber moment, stimmt, ich bin ja bald Rentnerin, da ist man im gesetzteren Alter!" Großes Gelächter. Galgenhumor.

Und jetzt soll ich auch gleich noch Gutmensch spielen.
Am liebsten würde ich radeln bis zum umfallen, um die Wut rauszulassen. Bevor sie sich wieder schädliche Wege sucht.
So aber werd ich eine alte Dame zum Sitztanz fahren.
Jucheeee...

Nachtrag: Dame gesund und munter zum kessen Hüftschwingen gebracht und heile wieder zurück. Trotzdem alles irgendwie anstrengend, obwohl es eine goldige Frau war (und ich was gelernt habe! jaja).
Einzig der Blick in den Briefkasten rettete heute meinen Tag: Weihnachtspost von bester Freundin ever! Haachhh :-)

Montag, 12. Dezember 2011

Augen auf und durch!

Heißt es diese Woche.
Das Wochenende tat richtig gut, ich bin zwar nicht wirklich ausgeschlafen, aber man kann ja nicht alles haben :-)
Ich freu mich auf die kommenden Tage, es gibt einiges zu tun z.B. darf ich mal wieder Fahrdienst spielen, in meinem Ehrenamt. Ich hab es mir gewünscht und es ging in Erfüllung! Die große Angst und Verunsicherung ist gewichen, nur ein wenig Nervosität ist geblieben, aber ich glaube, das ist in einem normalen Maß, meine alten Zweifel und der Perfektionismus melden sich einfach nochmal. Ich kann mir aber auch sagen: Selbst als früher nicht alles glatt lief, konnte ich das gut lösen und es ist keine Katastrophe passiert :-)

Ich spüre den Unterschied: Bis vor wenigen Wochen fühlte ich mich sehr schnell von allem überfordert, jetzt packe ich es an, jetzt will ich das Leben wieder spüren!

Heute steht noch der 2.Termin zum Rentenantrag an, hab schon alles zusammen gepackt an Unterlagen und sehe dem gelassen entgegen.
Danach gehts mal wieder in die Gruppe, zu den Mädels, da freu ich mich auch, weil es nun einige Wochen ausgefallen ist.

Auf geht's! :-)

Und jetzt noch ein wenig Musik:







Ich werde diese "Herzensarbeit" nur am Anfang hier so ausführlich beschreiben, ich vermute mal, es wird sich immer ein wenig ähneln.

Vorhin drängelte sich die Wut in mein Bewußtsein und auch darauf hatte ich üüüüberhaupt keinen Bock, die jetzt anzuschaun. Nur konnte ich mich auf nix anderes mehr konzentrieren. Also sah ich mir die Wut mal an.
Die hatte ich auf eine Freundin (warum wieso - egal). Schon bald kam noch was anderes dazu, das Gefühl der Unzulänglichkeit, der Wertlosigkeit, der Ablehnung und die Traurigkeit darüber.

Es hilft mir, mir diese Gefühle als schemenhafte Wesen ganz bildlich vorzustellen. Traurigkeit war sehr schwarz und mit hängenden Flügeln und alles war schlapp.

Ich ließ alles da sein, spürte allerlei in meinem Körper u.a. ein brennen in meiner Kehle, erinnerte mich an ATMEN! und hatte auf einmal ein ganz dringendes Bedürfnis auf eine Zigarette und dass ich ja unbedingt JETZT SOFORT die Wäsche aufhängen muss (ne is klar, weg-rauchen, Ablenkung, wegdrücken...)
Ich konzentrierte meine Aufmerksamkeit wieder auf die Gefühle und *plopp* kam auch wieder die Resignation daher.
Mir schoß der Gedanke "boah Leute, das is jetzt echt ziemlich viel für mich, ich hol mir mal Unterstützung !" durch den Kopf und ich holte mir das hilfreiche Wesen, dass ich auch schon aus den Imaginationen von Reddemann kenne, zur Seite.


Und jetzt? Ich muss doch irgendwas tun! schrie mein Verstand. Ne muss ich nicht, ich kann das jetzt alles erstmal so da sein lassen und im Lauf des Tages immer mal wieder drauf gucken. Die Erlaubnis, dass sie einfach da sein dürfen haben sie. Denn die Wut hatte sofort das elterliche Verbot parat, dass sie doch gar nicht sein darf.

Nun ist mir auch klar: Ich kann mich um meine Gefühle kümmern und der Freundin sagen, was mich an ihrem Verhalten verletzt, ohne ihr die Verantwortung dafür zu geben. Ich vermute auch, dass ich es sehr viel ruhiger mit ihr klären kann.(muss dafür nur noch ein wenig den Mut hervor locken *g*)

Sonntag, 11. Dezember 2011

Gefühle fühlen

Heute morgen ging es um das Gefühl Einsamkeit.
Ich spürte sofort, dass es sehr schwer und sehr groß war und ich es nicht haben wollte. (wer ist schon gern einsam?),
also sah ich mir erstmal den Widerstand an, schrieb dazu was mir einfiel, fühlte, atmete.
Es kamen noch viel mehr Gefühle dazu: Trotz (die anderen sollen sich um mich kümmern!!!) und Resignation (ach is doch es alles für die Katz, is mir zu kompliziert mit den Menschen) und Schuldgefühle gegenüber meinen Eltern, dass ich sie nicht glücklich machen konnte, dass ich nicht verhindern konnte, dass sie sich trennten.


Schmerz kam auch, dass ich schon so früh allein gelassen - verlassen wurde.
Ich schrieb auch einen Brief, nein mehrere, an meine Mutter, Vater und Schwester, die ich natürlich nicht abschicke!
Es ging darum, dass ich ihre Päckchen mit trug und versuchte ihre Einsamkeit zu lindern, dass das zu viel für ein Kind ist...ohne Verurteilung, ohne Wut, einfach wie ich es sehe und dass ich ihnen ihre Päckchen nun zurück gebe, dass sie alt genug sind sich um ihr Leben (und auch ihre Einsamkeit) zu kümmern.

Das war jetzt nur die Kurzform. Es ist wirklich erstaunlich, wenn ich mir ansehe, was so los in mir ist. (natürlich ist das Thema nicht ganz gelöst, dafür ist es zu groß, aber der Anfang ist gemacht!)
Früher verhedderte ich mich dann in den Gefühlen und blieb drin stecken.

Jetzt kann ich das erstmal von außen beobachten: was ist eigentlich alles da?
Dies dann wahrnehmen. Das wirkliche fühlen klappt noch nicht so ganz, das macht aber nichts.

Wenn mir jemand sagte: Es ist doch nur ein Gefühl! Wurde ich fuchsteufelswild. Nur ein Gefühl, hat der ne Ahnung wie mich das rumschleudert! Jetzt weiß ich was gemeint ist. Sich nicht mit dem Gefühl zu identifizieren. Nur ein Gefühl, nicht die Realität! Ich bin mehr, als meine Gefühle. Sie sind nur Teile meiner selbst.

Mir ging es, wie gestern schon, danach wieder sehr gut. Ich fühlte mich freier und entspannter und machte, ebenso wie gestern, wieder einen sehr langen Spaziergang.
Echte Selbstfürsorge ist Gold wert :-)

(Eigentlich wollte ich auch erst am Montag wieder in den Briefkasten gucken, wegen Ämterkram usw. fühlte mich aber stabil genug um doch heute mal reinzusehen. Und tatsächlich, das was eigentlich am Freitag telefonisch geklärt werden sollte, kam nun schriftlich. Ich hatte Angst davor, weil ich nicht wußte, ob es doch noch Ärger gibt.
Gibt es nicht. Alles in Ordnung. Mir purzeln die (Domino)steine nur so vom Herzen :-)

Einen schönen 3.Advent Euch allen!!!!!

Samstag, 10. Dezember 2011

Freude, Leichtigkeit und Schnee

Juchu es schneit! Es schneit!!! Und alles ist schon weiß da draußen :-)
Werde gleich einen Winterspaziergang starten, vielleicht sogar mit Lieblingsmusik in den Ohren. Für maximales Wohlgefühl.

Wobei ich glaube, das läßt sich kaum mehr steigern (aber wer weiß das schon!).
Ich lasse immer mehr meine Gefühle zu. Beziehungsweise erkenne sie bewußt. Und das ist einfach unglaublich was da passiert.
Ich kann und will das jetzt gar nicht groß beschreiben/erklären. Jedenfalls hilft mir das Buch: *Herz öffnen statt Kopf zerbrechen* sehr dabei.

Sobald nur ein Hauch eines Gefühls da ist, schiebe ich es schon weg. Jahrelang trainiert, da flutscht das wie eine Eins. Leider. Denn der Schmerz, die Verspannung, die Angst ... usw. bleibt ja im Körper und braucht viel Energie.

Heute morgen sah ich mir die Angst vorm ausgelacht werden an. Ich ging es Stück für Stück durch und holte diese uralte Angst aus dem vermoderten, verstaubten Keller hervor. Ließ sie einfach da (und es ist gar nicht so schlimm wie man immer meint), gab ihr das was sie brauchte und nach einiger Zeit ging sie, löste sich auf. Wie im Film der Effekt, wenn etwas so zerbröselt, Stück für Stück.

Danach spürte ich das Bedürfnis mich viel und lange zu strecken und zu dehnen, was ich dann auch tat, verbunden mit tiefer Atmung und mein Gesicht wurde ganz weich. Es tut sooo gut!

Ich spüre eine große Dankbarkeit :-)

Freitag, 9. Dezember 2011

Das Motto dieses Wochenendes

R U H E !!!

Selbst ich hab endlich kapiert, wie wichtig Auszeiten sind.
Die letzten 10 Tage waren mehr als aufreibend.
Nun warte ich noch auf 2 Rückrufe vom Amt und vermute mal, dass die noch vor Mittag eingehen. Die machen doch Freitagnachmittags nix mehr.

Und dann heißt es:
- Telefon aus
- alle Unterlagen von Behörden aus meinem Blickfeld legen, das ist erst wieder am Montag dran
- mehr koffeinfreien Kaffee, besser noch Wasser + Tee
- schlafen wenn ich müde bin bzw. auf der Couch abgammeln
- spazieren gehen
- lesen
- viel Obst/Gemüse
- nur das nötigste im Haushalt tun (obwohl mir das schwer fällt, da im Winter ja die Wohnung verstaubter ist und auch mehr Wäsche anfällt)
- ärgerliche Gedanken wegpacken (z.B. warum mir keiner das medizinische Gutachten aushändigt, denn aufgrund der Diagnosen schein ich ja echt fit zu sein, liest sich zumindest so. Meine Paranoia diesbezüglich formte sich gestern zu einem hohen Gebirge: Dass die sich ein sadistisches Spiel geben, wer in Rente will, bekommt sie nicht oder erst nach hartem Kampf und wer nicht will, wird da rein geschickt. Den Rest dazu vergess ich mal ganz schnell wieder....)

So und Euch wünsch ich auch ein erholsames Wochenende, denkt dran:
es ist die staade (stille) Zeit! :-)

A
chso: Ich könnt grad noch ein paar Daumendrücker gebrauchen. Schrieb heut in aller hergottsfrühe eine Bewerbung. Ein Job der es mir ermöglichen würde, wieder etwas mehr unter Menschen zu kommen - in einem Umfang der mich hoffentlich nicht wieder überfordert, sondern in dem ich meine Sozialkompetenzen (doofes Wort) mehr ausbauen könnte und mit einer sinnvollen Tätigkeit.
Und damit ich den Anschluß ans Leben nicht komplett verliere.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Der Tag danach

Heute also alles der Thera erzählt, von dem Chaos mit dem Job und der Rente.
Die gute Frau wußte sofort welche Gedanken mir durch den Kopf schießen. Sehr amüsant fand ich das.
Und ich hab noch etwas gespürt: Dass sich mein extrem hoher Anspruch wieder meldet: Ich muss nach diesem Jahr topfit sein und alles ohne Probleme schaffen. Und überhaupt dieses Jahr muss schon sinnvoll/effektiv (ect.) bis unter die Hutkrempe gestaltet werden...ich muss ich muss ich muss.
Was macht so ein Denken? Druck. Und der führt zu Stress. Stress führt bei mir zu vermehrter Angst. Wie ich diese Tage mal wieder feststellen darf.

Und dann les ich in *Kraft zum Loslassen*:

Wenn die Zeit reif ist. (7.Dez.)
Dass es Zeiten der Ungewissheit gibt, in denen wir nicht wissen was wir machen sollen, wie es weiter gehen soll.
Akzeptiere die Ungewißheit.
Es macht nichts, vorübergehend ohne Orientierung zu sein.
Wir dürfen aber nicht während dieser Zeit unser restliches Leben auf Eis legen. Lasse die Angst los. Entspanne dich. Tue dir was gutes. Mache es dir schön. Unklarheit dauert nicht ewig.

Ich werde das tun, was in meinen Möglichkeiten liegt und den Rest gebe ich ab. Und irgendwann wird sich Klarheit ergeben. Ich vertraue darauf. (Zumindest will ich dran denken, wenn ich mir wieder zuviel Streß mache).

Einen Vorteil kann ich schon mal sehen, wenn man in Rente ist: Es gibt mehr Vergünstigungen, z.B. mein geliebtes schwimmen: statt 2,50 nur noch 1,20.

Der Typ von gestern fiel mir heut nacht wieder ein:
Auf seine Frage nannte ich ihm mein Geburtsdatum, er sagte, dass es komisch sei, dass ich keine Reha bekam (die Gründe weiß ich nun) und dann: "Ja...sind Sie KRANK?"
Nein mein Lieber, ich hab ein wenig beim Geburtsdatum geschummelt, eigentlich bin ich schon 70 und möchte nun endlich in Rente gehen.
Man oh man.
Gibts noch andere Gründe, außer Krankheit, in so jungen Jahren Rente zu bekommen?
z.b. weil es zu wenige Stellen gibt...oder weil der Sachbearbeiter seiner Freundin ein schönes Leben ohne Arbeit bieten will...oder??
(natürlich nurn kleiner Scherz)

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Und meine Nerven?

Mein Nervensystem fühlt sich derzeit auch an, als wäre es 3x durch den Fleischwolf gedreht worden.
Bis jetzt kam ich mit Ämtern immer gut klar, oder Telefonanbietern oder Vermietern oder irgendwelchen Behörden (Arbeitsamt ist ja auch schon lange Gast in meinem Leben.)
Heute dachte ich wirklich, ich flipp aus. Von Pontius zu Pilatus und zurück wurde ich geschickt.
Dabei wollte ich doch nur eine Beratung, ob ich den Rentenantrag irgendwie umgehen kann, ob es noch andere Möglichkeiten gibt.
Ich wollte kämpfen, für mich einsetzen, für das was ich jetzt brauche und mir gut tut: Eine Förderung, die mich zurück ins Arbeitsleben bringt.


Aber ich ahne, dass es nicht an den Warteschleifen lag und an dem herum geschoben werden, sondern:
Dass ich den Rentenantrag stellen muss! Da ich sonst ganz schlicht kein Geld habe.
Es verlief wohl so (was ich nun rekonstruiert habe) dass die Einschätzung der Amtsärztin (die mich 15 Minuten sah und untersuchte) auf dem Tisch einer Entscheidungsträgerin landete, die mich nie sah und nur durch diverse Schreiben und Unterlagen (also nach Aktenlage!) entschied, ich sei erstmal erwerbsgemindert. (den Begriff erwerbsunfähig gibt es nicht mehr und das ist gut so, klingt ja so als wär man für gar nix mehr gut, eben so unfähig).
Also nicht fähig 3 Stunden jeden Tag zu arbeiten.


Dann ging die komplette Akte zur Rentenversicherung und dort wurde es wiederum gesichtet und dasselbe entschieden: Nicht arbeitsfähig und auch nicht stabil genug für eine berufliche Reha. Denn eigentlich heißt es: Reha vor Rente. Logisch, die Rentenversicherung will ja auch unnötige Kosten vermeiden.

Heißt auf deutsch: Wenn ich jetzt den Antrag stelle, wird der bewilligt, ohne dass nochmal ein Gutachten oder sonstiges läuft. Man konnte mir sogar schon sagen, wie lange sie genehmigt wird: Bis 31.12.2012.

Ich bin platt. Aber sowas von. Zum einen ist es hart zu erfahren wie krank man wirklich ist (ich meine ja, dass ich es immer weniger bin oder will ich das nicht sehen ? mach ich mir was vor? ist es wirklich sooo schlimm?) Lohnt sich das alles noch? Der Sog zur Resignation ist im Moment unglaublich stark.
Und zynisch könnt ich auch grad werden,

zum anderen: Andere kämpfen so hart für ihre Rente, die wirklich kaum mehr laufen oder länger stehen können und mir wird sie "einfach so" hinterher geschmissen?
"Einfach so" natürlich nicht, womit ich wieder bei "es ist wohl wirklich schlimm bei mir" wäre.

Ich werde erst am Freitag ins Rathaus gehen und den Antrag holen bzw. kann man den gleich dort mit Hilfe ausfüllen.
Heute hab ich echt keinen Nerv mehr.

Moment mal!

Wenn die meisten Hochbegabten auch hochsensibel sind wie paßt es dann zusammen, dass
die Hochbegabten gerne viel Neues ausprobieren und öfter neue Reize brauchen,
während die Hochsensiblen darauf gerne verzichten, weil es ihr Nervensystem zu sehr aufputscht ?

Da ist der Knatsch im Inneren doch vorprogrammiert.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Problem? Lösung!

Problem gestern abend war:
Ich hatte mal wieder irres Herzrasen, als ich einschlafen wollte. Natürlich gepaart mit Unruhe und schwitzen.

Bei mir trifft meistens eins der drei Dinge zu:
1. ich hab ein Problem das mich belastet (das trifft derzeit zu, kann aber im Moment nix tun, außer abwarten.)
2. Magnesiummangel (den hab ich ebenso, vergaß die letzten Tage etwas einzunehmen. Is nach geholt)
3. ich hab mich schon länger nicht mehr körperlich richtig ausgetobt (auch das ist derzeit der Fall, den ich aber ändern kann)

Und somit war ich heut morgen bei Regen, Wind und Kälte radeln. Da wachen die Lebensgeister wieder auf!! :-)

Siehe da: 3 Lösungsmöglichkeiten von denen 2 in meiner Macht liegen!
Sehr schön. Und mir gehts wieder besser :-)

(es könnten natürlich auch andere Gründe sein, wie zuviel Nikotin, Koffein oder einfach verliebt-sein :-) )

PS: Seitdem ich kapiert habe, dass mehr vom selben (bei mir der Rückzug) nicht hilft, spüre ich die Veränderung. z.B. dass mich meine frühere Lieblingszeitschrift, in der es u.a. um die menschenleere Pampa geht, gar nicht mehr so interessiert! Spannend find ich das.

Montag, 5. Dezember 2011

In welcher Welt leben wir eigentlich?

http://de.nachrichten.yahoo.com/afghanisches-vergewaltigungsopfer-t%C3%A4ter-heiraten-184415069.html

Es reicht wohl noch nicht, dass diese Frau von einem Verwandten vergewaltigt wurde, dies als Ehebruch geahndet wurde und sie deswegen in den Knast musste, nein sie bekam von diesem Verwandten auch noch ein Kind und soll diesen Arsch auch noch heiraten.

Da bleibt mir echt die Luft weg.....

Nach Hause schwimmen

Dieser Buchtitel ließ natürlich gleich mein Herz höher schlagen.

Nach Hause...möchte ich auch gerne mal wieder. Die Sehnsucht nach Heimat schwelt schon zu lange in mir. Doch wo ist sie, diese Heimat?

Und schwimmen..ganz klar, liebe ich. Es war das einzigste das mir keiner wegnahm und eine tolle Fluchtmöglichkeit, wenn zuhause das Chaos wieder brodelte.

Worum es geht: Wilbur, genannt Will, ist ein wahrer Pechvogel.

Keiner wird gefragt, ob er geboren werden will. Aber Will trifft es besonders hart, er will nicht leben und muss doch irgendwie erwachsen werden. Seine Kindheit ist tragisch. Gehänselt von den Mitschülern, wegen seines schmächtigen und kleinen Körperbaus, klammert er sich an die wenigen Erwachsenen die sich seiner annehmen. Da seine Mutter bei seiner Geburt starb und sich der Vater davon machte. Doch Will hat wieder kein Glück und nach und nach sterben seine Bezugspersonen. Herum geschoben wird er ständig und landet auch im Kinderheim und einer Besserungsanstalt. Dass er zudem hochbegabt ist, erschwert ihm ebenso das Leben.

Dafür ist sein Erwachsensein eher komisch, weil er wirklich in jedes Fettnäpfchen tritt und er wegen eines Missverständnis als Suizidgefährdeter in die Nervenheilanstalt kommt. Auch genannt als die Stadt der Selbstmörder.

Man kann diesem jungen Mann so mitfühlen, der immer öfter verstummt und Angst vor Wasser hat. So sehr Angst, dass er auch die Menge der Flüssigkeiten die in seinen Körper soll, nur über einen Strohhalm aufnehmen kann.

So trist wie die Geschichte klingt, ist sie gar nicht, da immer wieder Hoffnungsmomente aufblitzen, es neue Menschen in seinem Leben gibt und er gewisse Gegenstände die ihm Trost geben, oft bei sich trägt und dann ist da noch Aimee.....

Sonntag, 4. Dezember 2011

Selbstachtung + mich spüren

Ich fand letztens einen wunderbaren Text, den ich gerne mit Euch teilen möchte.
Durch einen Blog, den ich ganz bemerkenswert finde:
http://tao-der-zustimmung.blogspot.com/ kam ich drauf, wie sehr ich im Widerstand bin. Gegen mich und das Leben kämpfe, gegen meine Gefühle, gegen meine Bedürfnisse.
Es ist so unglaublich erleichternd sie einfach nur wahr zu nehmen, ohne Bewertung und zu sagen: Ja sie sind jetzt da. Sie gehen auch wieder. Und das umso schneller wenn ich sie DA sein lasse.
Seit ich das tue, bin ich viel wacher und fitter! Es tut sooo gut, endlich nicht mehr so extrem erschöpft zu sein. Normalerweise bin ich zwischen 20 und 21 h absolut bettreif, gestern saß ich immer noch putzmunter um 23 Uhr auf meiner Couch.
Es geht mir gut! :-)

So und hier nun der Text:

Ich bin ich.
Auf der ganzen Welt gibt es niemanden, der genauso ist wie ich.
Manche Menschen gleichen mir in einiger Hinsicht, doch niemand ist ganz genauso wie ich.
Deshalb ist alles, was ich hervor bringe, völlig authentisch mein Eigenes, denn ich allein habe entschieden, dass es so ist, wie es ist.

Alles an mir gehört mir:
Mein Körper und alles, was er tut;
mein Geist und all seine Gedanken und Ideen;
meine Augen und alle Bilder, die sie schauen;
meine Gefühle, welche es auch sein mögen: Wut, Freude, Frustration, Liebe, Enttäuschung und Erregung;
mein Mund und alle Worte, die er hervor bringt: höfliche, angenehme und harte, zutreffende und unzutreffende; und alles, was ich tue, ob es sich auf andere oder auf mich selbst bezieht.

Meine Phantasien, Träume, Hoffnungen und Ängste gehören mir.
Meine Siege und Erfolge gehören mir ebenso wie meine Misserfolge und Fehler. Weil alles an mir mir gehört, kann ich mich mit allem völlig vertraut machen; indem ich dies tue, bin ich liebevoll und freundlich allen meinen Anteilen gegenüber und kann so mit meinem ganzen Sein zu meinem eigenen Besten wirken.

Mir ist klar, dass gewisse Aspekte meiner Existenz mich verwirren und dass ich andere gar nicht kenne.
Doch solange ich freundlich und liebevoll mit mir umgehe, kann ich mutig und hoffnungsvoll nach Lösungen für die Rätsel meiner Existenz suchen und nach Möglichkeiten, die mir helfen, mehr über mich selbst herauszufinden.

Wie auch immer ich aussehe und klinge, was auch immer ich sage und tue und alles, was ich in einem bestimmten Augenblick denke und fühle, all das bin ich.

Es ist authentisch und bringt zum Ausdruck, wo ich mich zum betreffenden Zeitpunkt befinde.
Wenn ich später überdenke, wie ich ausgesehen und geklungen habe, was ich gesagt und getan habe, wie ich gedacht und gefühlt habe, so mag mir einiges vielleicht nachträglich als unpassend oder unangemessen erscheinen.
Ich kann das, was ich als ungeeignet erkannt habe, fallen lassen, das Bewährte beibehalten und etwas Neues erfinden, das an die Stelle des Aufgegebenen tritt.
Ich kann sehen, hören, fühlen, sprechen und handeln.
Ich bin in der Lage zu überleben, anderen nahe zu sein, produktiv zu sein und die Welt der Menschen und Dinge um mich herum in einem sinnvollen und geordneten Zusammenhang zu erleben.
Ich gehöre mir und kann mich deshalb auch selbst steuern.
Ich bin ich, und ich bin okay.

Virginia Satir, Familientherapeutin, USA

***Einen schönen 2.Advent Euch allen!***

Samstag, 3. Dezember 2011

Alltagsmomente

- ich konnte die Nacht gut durch schlafen, muss aber noch paar Stunden nach holen. Habe mich innerlich wieder etwas beruhigt. Und anstatt die Ruhe zu genießen und mich einfach mal lassen, verspann ich mich schon wieder vorm PC. HMPF!

- beim einkaufen rast die Kassiererin an mir vorbei, huscht um eine Ecke und verheddert sich mit einem dort liegenden winzigen Karton, sozusagen ein Kartönchen. Sie schnaubt äußerst erbost: "Also welcher Depp lässt das denn da liegen? Der gehört von morgens bis abends durchgeprügelt!"
Puh, ich staune mit Entsetzen über so eine gewalttätige Sprache. Hoffentlich hat die keine Kinder!

- ein Freund fragt mich, ob mir viele Männer in die Augen sehn. Mein Gesicht wirft Fragezeichen. Keine Ahnung (denn ehrlich, ich bin zur Zeit diejenige die schlecht Blickkontakt aushalten kann!) da musste die Männer fragen.
Ich will schon das Thema wechseln, als der Freund weiter druckst und meint: "Naja du schaust oft so kühl, Dein Gesichtsausdruck ist manchmal so starr, aber wenn Du was lustig findest, geht mit einem Mal Dein halbes Gesicht hoch!"
Ich bin wiederum erstaunt und auch traurig. Zum einen hörte ich das in der Tagesklinik auch öfter vom Personal. Mangelnde Schwingunsgfähigkeit nannten die das. Also mit dem anderen oder der Situation angepasst, affektiv leicht "mitschwingen" durch Gestik, Mimik, Körperhaltung.
Es macht mich traurig, dass ich so wenig lebendig wirke (und ja auch tatsächlich irgendwie wenig bin).
Zum anderen bin ich dem Freund dankbar, weil es eine neutrale Rückmeldung war. Wie er mich wahr nimmt. Ohne Bewertung, ohne Beurteilung, in einem sachlichen Ton.

- habe festgestellt, dass mir schreiben derzeit sehr gut tut. Als Ausdrucksmöglichkeit. Eine Geschichte schreiben, in der ich meine Themen mit einbringe, ohne groß auf Grammatik, Abwechslung usw. zu achten. Sondern die Ideen einfach fließen lassen. Sozusagen mit dem Bauch denken, so zu schreiben, wie es mir gerade gefällt. Es liest ja keiner, außer mir. Also all die Zwänge und Bewertungen weglassen.
Früher war dies das malen. Einfach so wie es einem gerade in den Sinn kam und ohne Beurteilung wie: Bäume sind nicht rosa und Elefanten nicht grün.
Da spürte ich schon so etwas wie Freiheit!
Probiert es aus :-)

Und Achtung! Wenn 'Hot Chili' drauf steht, ist auch 'Hot Chili' drin!!
Das könnt ihr auch ausprobieren oder einfach glauben! :-))