Mittwoch, 15. Dezember 2010

Stille Nacht...

nein, heilig ist sie nicht.

Gestern erfuhr ich den Termin, wann ich beim Amtsarzt zur Überprüfung meiner Arbeitsfähigkeit, antreten muss.
Da ich nun seit 18 Monaten zuhause bin und davon 9 Monate krank geschrieben war, möchte das Arbeitsamt nun wissen, wie es aussieht.

Zum Glück ist es schon mal eine Ärztin. Das fühlt sich für mich besser an.
Hab mir schon aufgeschrieben, wie die letzten 10 Jahre bei mir arbeitstechnisch und therapiemäßig aussahen. Könnte man auch als zusammen gewürfelten Obstsalat beschreiben.

Alles ist dabei. Aber gut, ich gab mein bestes und hab immer versucht wieder Fuß zu fassen. Mit selbst bezahlter Therapie, stationärem Aufenthalt, Selbsthilfegruppen, Umschulung, Minijobs, Umzügen...

Immer dachte ich: Wenn das im Außen stimmt, dann schaffe ich es.
Seit ich in der Trauma-Therapie bin, weiß ich: Es liegt an mir. Langsam merke ich, wie die Stabilisierungsübungen greifen, weniger Angst, weniger Druck so schnell wie möglich normal zu funktionieren, mehr Boden unter den Füßen.

Mehr in mir beheimatet.
Belastbar bin ich 0,0. Wenn ich 3 Termine in der Woche habe, plus Haushalt, plus Sport komme ich an meine Grenzen.
Oder wenn etwas außer Plan daher kommt, gerate ich auch schnell ins schwimmen.

Es ist 4 Uhr morgens und vor einer Stunde beendete ein Alptraum meine Nacht.
Ruhig ist es, nur ein kleiner Schneeräumer dreht seine ersten Runden.
Ich quäle mich nicht mehr in den Schlaf, bin ich halt wach. Alles ist gut.

Vielleicht dreh ich auch eine Runde draußen...
in der stillen, ruhigen Nacht.

Kommentare:

  1. Ich dachte auch mal, wenn das "Außen" stimmt, dann klappt alles viel besser. Dem ist aber tatsächlich nicht so. Diese Erfahrung musste ich (leider) auch machen.

    Wünsche dir gutes gelingen!

    AntwortenLöschen
  2. Belastbar bin ich innerlich auch nicht.
    2 Termine in der Woche + Job + Kind + Haus + Massage,da fühle ich mich auch gerädert.
    *
    Ich glaube aber immer, dass Arbeit - egal, wie wenig/viel Stunden man macht - hilft. Zu Hause hocken und denken, denken, denken, grübeln, grübeln, grübeln, das macht einen doch verrückt, oder ??

    AntwortenLöschen
  3. ging mir auch mal so - und zum Teil ist es auch so - das Außen muss nicht perfekt sein und es wird nicht den Rest ganz machen, aber ein kaputtes außen verhindert dass du dich um dein Innen kümmern kannst. Leidvolle Erfahrung - die alte Wohnung hat mich fast umgebracht - weil es kein Ort der Ruhe und Sicherheit war, und den brauchst du um dich dem Innen widmen zu können.

    @Schmedderling: kommt drauf an - es geht immer um die Grenze zwischen fordern und überfordern - fordern ist gut - doch das kann durchaus schon erreicht sein indem man aufsteht, sich anzieht, was zu essen macht und den Tag übersteht, überfordern ist schlecht - denn grade das ist ja das schwere - die eigenen Grenzen zu sehen, erkennen und RESPEKTIEREN

    Als alter Workaholic kann ich daher sagen, manchmal ist das zu Hause hocken das einzige was grade so geht - und man kann ja immer noch Spazieren gehen usw - da ist man auch außer Haus - Arbeit hilft leider nicht immer, sondern kann auch schaden (auch wenn ich seeeeeeehr lange brauchte um das einzusehen gg).

    Es geht darum auf die Belastbarkeit +/-0 oder vielleicht sogar noch +1 bis 2 rauszukommen :)

    Und Skills sind harte Arbeit!

    AntwortenLöschen
  4. Oh du machst eine Traumatherapie! Cool! würd mich ja mal interessieren, was das von einer reinen Gesprächstherapie etc. unterscheidet und wie es abläuft...

    Ich glaube auch nicht, dass Arbeit immer hilft. Ich war zuletzt einfach so erschöpft, dass keine Kraft mehr für irgendwas anderes blieb. (Das von TZ). Manchmal muß man einfach zuerst mehr Fähigkeiten erwerben oder es IST halt einfach zu viel. Wenn es schön ist, gibt es natürlich auch was und tut gut.

    LG und viel Glück für den Termin :)
    Tina

    AntwortenLöschen
  5. @Schmedderling: Für mich reicht derzeit wie es Ilana beschrieben hat: Nicht versumpfen, kleine Aktionen mit Freunden (oder allein)..allein der Kontakt kann mich manchmal sehr stressen.
    Innerlich arbeitet es heftig, das kann man kaum erklären.
    Das kostet Energie. Ich habe viele Interessen und muss lernen meine Grenzen zu erkennen, manchmal bin ich nach einem kurzen Spaziergang so ko wie andere nach 10 Std. Ziegel schleppen.
    Ich hab meine Montagsgruppe, hin und wieder die ehrenamtlichen Fahrten...
    Meine miserable Selbstfürsorge trieb selbst den erfahrensten Therapeuten Tränen in die Augen.

    @ Tina das is schwer das mal so kurz zu erklären. Ich mache demnächst den 2.Intervall Tagesklinik-Traumatherapie. Stationär kann ich nicht, aber so is es geballter und intensiver. Hauptsache ist das stabilisieren, Gefühlsregulation lernen, unschädlicher Streßabbau, Imaginationen lernen um z.B. Dinge wegpacken zu können oder um am sicheren Ort zu entspannen. Und die Erklärung wie sich Traumata auswirken, warum man sich manchmal so verhält. Für mich auch sehr hilfreich die innere-Team-Arbeit.
    Ich war froh, endlich mal nich dauernd über die schlimmen Dinge reden zu müssen (was mich oft noch mehr geschädigt hat). Ich darf bestimmen was geht, was nicht. Literatur von Reddemann is da auch bekannt.

    Danke Euch!

    AntwortenLöschen
  6. Ja Ilana mit der Wohnung hast Du recht. Das ist eine meiner schönsten Wohnungen die ich bisher hatte, der einzigste Nachteil: zu unruhig und laut. Aber ein Umzug wär derzeit viel schlimmer...

    AntwortenLöschen
  7. @Regenfrau: das muss man abwägen - damals war es so, dass die Wohnung mich umbrachte (abgesehen von flächendeckend Schimmel an den Wänden) - ich fühlte mich unsicher und verfolgt, wenn der Kühlschrank ansprang flackerte die Lampe, den Wasserkocher anzumachen bedeutete die Sicherung flog - und ich hatte keinen Sicherungskasten - musste also zum Vermieter laufen und bitten dass er sie wieder reinmacht, Herd ging auch nicht usw.

    In der Wohnung stieg der Stresspegel erheblich (und das bei mir, die ja schon Panik hatte einen Fuß vor die Tür zu setzen gg).

    Erst nach dem Umzug (drei Jahre hart erkämpft) merkte ich wie wichtig es ist sich sicher zu fühlen. Einen Ort zu haben, an den man sich zurückziehen kann und sich auf sich selbst besinnen und nicht in der ständigen Angst von "Gefahr".

    Hier ist es auch nicht ideal - aber kein Vergleich - und ein Umzug käme grad auch nicht in Frage - dort war der Umzug bei weitem das kleinere Übel ;)

    Und das mit der Traumatherapie - das mal "nicht drüber reden müssen" kenn ich auch - heute - wo die Stabilität da ist - geht es - damals war es nur Horror. Gott sei Dank hatte ich die letzten 10 Jahre nur Therapeuten, denen es um Stabilisierung ging und wo ich eben nichts erzählen oder erklären musste.

    AntwortenLöschen
  8. hallo,
    stöbere gerade in alten posts von dir- und lese gerade von deiner traumatherapie- jetzt weiß ich - warum ich mich hier zu hause fühle...mache selber seit vielen jahren traumatherapie- und nun auch seit 2 jahren schon eine ausbildung zur traumatherapeutin (MSP)...falls es dich interessiert...http://www.franz-ruppert.de/
    viele liebe grüße
    sabine

    AntwortenLöschen
  9. ach na da schau an ;) den Link schau ich mir mal an ;)

    AntwortenLöschen