Montag, 13. Dezember 2010

Hochsensibilität

Hin und wieder schreib ich über meine Hochsensibilität. Weil es für mich ein wichtiges Thema ist und ich es immer mehr annehmen und damit umgehen kann, dass ich mehr fühle und wahrnehme und anders die Reize verarbeite, als so manch dickfelliger Mensch...


Als Kind wurde ich nicht verstanden.(Die meisten Menschen schließen von sich auf andere)

Sobald ich die Haarbürste nur sah, sank ich schon tief in den Stuhl, es ziepte und zog ganz fürchterlich! Es kam: nu sei halt nich so empfindlich! (Liebe Leute, lasst euch gesagt sein, man kann das nicht einfach so abstellen).

Beim Arzt war es auch nicht angenehmer, jeder Piekser war ein halber Weltuntergang für mich, die fremden Leute, die Atmosphäre, die Angst, die Gerüche, das berührt-werden ,war Streß! Blöderweise landete ich oft im Krankenhaus, was dann wirklich ein Weltuntergang war.

Den Fernseher verschmähte ich schon damals. Die schnellen Bildwechsel, Hintergrundmusik, eine spannende Handlung, eine Ungerechtigkeit zog so an meinen Nerven, dass ich sämtliche Taschentücher zerwuselte. Es sah dann immer wie frisch verschneit um mich herum aus. Bis ich auf einmal verschwunden war und man mich suchte und wo fand? Selig schlummernd im Bett.

Kindergarten war auch so ein Horror: fremde laute Kinder, kein Rückzug möglich, alles so hektisch, die Turnstunde ein Graus...ich war sehr lange unselbstständig und brauchte immer Hilfe beim anziehen, Fleisch schneiden usw.

Oder die festlichen Veranstaltungen: Lärm, Rauch, ein Gewusel, ein Durcheinander, Angst Muttern zu verlieren, Männer die sie so komisch ansahen...ne das war mir auch nicht geheuer.

Zur Verzweiflung brachte ich meine Mutter auch mit zu enger/kurzer/kratziger Kleidung. Da wurde ich zum Teufel. Das waren minimale Sachen, die ich aber so sehr spürte, dass meine Behaglichkeitszone in weite Ferne rückte.

Geliebt habe ich die Zeit mit meinem Vater (ebenso ein hochsensibler): die Fahrten ins Grüne, das gemeinsame schweigen, das Finden und Bestaunen von Kleinigkeiten und am schönsten: wenn er sein Werkzeug heraus holte und an irgendwas bastelte, in sich versank und ich saß neben ihm und sah einfach zu!

Herrlich diese Ruhe....

Kommentare:

  1. Ja, Ruhe kann so sehr beruhigend sein. :)

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  2. Hihi, kann ich gut nachvollziehen. Meine Traummann Vorstellung war auch lange einer, dem ich beim Bügeln zusehen kann und er sagt nichts. Oder mein peruanischer Freund hat an Prothesen gewerkelt und ich hab zugesehen. Einfach da aber will nichts von mir. Perfekt :).

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  3. @ Fabelhaft: das war DER Satz des heutigen Tages ^^

    @ Tina, achja schweigen is halt auch eine schöne Sprache :)

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  4. Ich kann dich sehr gut verstehen!!
    Mit fünf hab ich mir nach einem Armbruch den Knochen ohne Betäubung reponieren lassen, weil ich mich so sehr vor Spritzen fürchtete :/

    Und ich liebte es früh ins Bett zu gehen, damit ich für mich war, Ruhe hatte und meinen Tagträumen und Fantasien nachhängen konnte.

    Das Erlebnis mit deinem Vater finde ich sehr schön bechrieben, ich kann mir genau vorstellen wie es für euch in diesen Momenten gewesen sein muss.

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  5. Und Deine Eltern haben da nix gesagt, wegen dem Arm?
    AUTSCH!

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