Dienstag, 12. Oktober 2010

Gefühlsstau Teil2

Nach 40 Jahren DDR,

nach all dem, was dort geschah,

wundert mich überhaupt nicht, dass dort die Arbeitslosenquote so hoch ist!

Wenn einem alles vorgeschrieben wird, was man zu tun und zu lassen hat, wie soll man da Eigenständigkeit entwickeln?

Wenn jede eigene Idee oder Vorstellung argwöhnisch beäugt wurde (es könnte ja aus dem Westen sein!), wie da nun eigene Lebensentwürfe gestalten?

Wenn man kaum eigene Entscheidungen treffen durfte, das dauert bis man spürt: Hej aber nun darf ich das!

Wie sich etwas neues trauen? Wenn Kreativität und Eigenwille hart bekämpft wurde?

Wie nun auf einmal auf seine Gefühle achten? Das war doch immer verpönt?

Woher das Vertrauen für ein autonomes, selbstbestimmtes Leben nehmen?


Diese Menschen wurden in einer Versorgungsmentalität gehalten. Das sitzt tief! Und wird noch lange brauchen, bis das aufbricht und sich diese Menschen den Mut nehmen, ihr Leben nun so zu leben und zu gestalten, wie sie es sich selbst vorstellen und wünschen!

Dort wird ganz praktische Hilfe gebraucht!

Wie sehr wurde die Ich-AG im Osten eigentlich umgesetzt?

Wie oft der Gründungszuschuß für die Selbstständigkeit in Anspruch genommen?

Was machen heute eigentlich die tausenden STASI-Mitarbeiter?

Das würde mich mal wirklich interessieren!

Es braucht Ideen und Phantasie was man selber vor Ort machen könnte.

Schmeißt die Resignation weg! Die lähmt nur!


Hartz 4 schreibt den Menschen wieder haar genau vor, was sie zu tun haben und was nicht!

Man darf nicht einfach umziehen und die Kontoauszüge werden genau durch sucht!

Bei einer Freundin wurde letztens sogar die Wohnung unangekündigt inspiziert, ob sie auch ja keine wertvollen Gegenstände besitzt! Das ist wieder ein harter Eingriff in die Privatsphäre

und die Menschen werden wieder klein gehalten und ihre Würde mit Füßen getreten!


Man verhungert nicht und ist nicht obdachlos, man hat das allernötigste was man zum Leben braucht. Extrawünsche wie Urlaub, Auto, neue Kleidung brauchen länger bis zur Erfüllung. Man wird wieder in den Mangel-Zustand gedrängt.


Und auch die Lebendigkeit, Lebensfreude und der sprießende Tatendrang bei Kindern, wird wieder nicht gerne gesehen, nicht umsonst ist die Diskussion um ADHS-Kinder so hitzig.

Es kann sein, daß einige Kinder Probleme haben, sich zu konzentrieren (warum?) aber ich glaube eher, dass es sehr aufgebauscht wird und die Eltern, Lehrer, Erzieher sich bedroht fühlen und an ihre eigene unterdrückte Lebenslust schmerzlich erinnert werden und das endgültig auslöschen mögen (Abwehrhaltung). Ganz einfach: Mit Ritalin – Psychopharmaka!


Der Herr Hartz, der diese 'glorreiche' Idee hatte, wuchs im Saarland auf (im übrigen wie Honecker..seltsam) aber es wäre ja zu passend gewesen, wenn er aus dem Osten käme...


Das es da bei den Menschen nicht klingelt, dass da keiner aufschreit:

Hej das hatten wir schon mal!


Andererseits, die Menschen aus dem Osten..kennen es ja nicht anders.

Unselbstständig und abhängig.

Ängstlich und unsicher sich ergebend (dies ist keine negative Bewertung)

Denn: Was kann man denn schon machen. Die Oberen haben zu sagen, zu befehlen, zu entscheiden. Denn die eigene Intuition galt lange lange als Nichts.

Wessen Entwicklung und Entfaltung so massiv behindert wurde, der lernt erst langsam sich selbst wieder zu vertrauen!

Mit gebrochenem Rückgrat lässt es sich schwer aufrecht gehen und handeln...


Früher hieß es:

Sei angepaßt und du wirst versorgt.

Und von einer Sekunde zur anderen heißt es:

Kümmer dich um dich selbst, sonst kannste sehn wo du bleibst!


Eine traumatisierte Gesellschaft.

Erschreckend, dass sich der faschistische Charakter sehr dem stalinistischen ähnelt:

Feinbilder werden geschaffen, Massenaufmärsche, Verherrlichung von Stärke, Beherrschung, Disziplin, Gehirnwäsche, Normung des Menschen, alle Andersdenkenden und -fühlenden wie Homosexuelle, Punks, Quertreiber aber auch Behinderte werden verwahrt, entsorgt und nicht selten zwangssterilisiert oder schon vorhandene Kinder werden in Heimen und in fremden Pflegefamilien untergebracht (Zwangsadoption).

Daher war die Entnazifizierung eher ein Witz und eine Augenwischerei.


Dass ich diese Unterdrückung aus meiner Familie kenne, schrieb ich ja schon.

Umso mehr erschrocken war ich über einen Buchtitel, den ich mal fand:

"Du kannst mich ruhig Frau Hitler nennen!"


Auch in der Bundeswehr geht es nicht anders zu:

Drill, Disziplin, Unterordnung, Märsche werden hier perfekt ausgelebt.

Wer im wahrsten Sinne des Wortes aus der Reihe spaziert, bekommt harte Strafmaßnahmen zu spüren, von fahnenflüchtigen Dissidenten ganz zu schweigen.


All dies kranke Verhalten lebt munter weiter, wird weiter gegeben, an die Kinder und Frauen, an junge Männer.

Und wir wundern uns über so viele Depressiven, Raucher, Alkoholiker, Drogenkranke.

Wer all die Demütigungen und Kränkungen hat hinnehmen müssen, brodelt innerlich, er will Rache und seiner Wut freien Lauf lassen.

Vorsicht vor den Unterdrückten!


Wenn man kein gesundes Ventil findet, um mit seinem Schmerz, seiner Trauer umzugehen, der explodiert (Gewalt in jeglicher Form) oder implodiert (Krebs, weitere Krankheiten), beißt die Zähne zusammen (Zähne knirschen) oder schluckt alles brav weiter (heisere Stimme, Magengeschwür, Essucht)...


Wir müssen verdammt aufpassen, dass wir unsere Geschichte nicht ständig weiter wiederholen!


Kommentare:

  1. oh, sowas zu lesen macht mich einfach nur traurig.

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  2. ja find ich auch...traurige Realität...

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  3. nein, weils damals nicht überall so war bzw es auch ganz andere meinungen dazu gibt.

    und in meinem bekanntenkreis ist keiner auf hartz4 angewiesen, alle gehen arbeiten und fahren mitunter fast 2 stunden bis zur arbeit. das meine ich.

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  4. hmm mir scheint Du fühlst Dich da persönlich angegriffen
    oder Du erträgst die Wahrheit nich und musst weiter verleugnen, is ja auch nicht verwerflich.

    Dem Autor ging es darum zu gucken, wie eine Gesellschaft sich entwickelt, warum es heute so ist, wie es ist und wie es dazu kam.
    Und ich fand mich in seinen Ausführungen wieder und stimme ihm zu.
    Die Hefte die ich dazu las, sahen sich auch die Psyche dieser Gesellschaft an und kamen auf dieselben Punkte.

    Is doch schön, wenn es Dir und Deinen Freunden anders ergeht, Ausnahmen bestätigen die Regel ^^ ;)

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