Sonntag, 12. September 2010

Waldausflug der 2.

In letzter Zeit hab ich wieder mal gemerkt, dass ich mich selbst verloren habe.
Ich wollte "mit mir selbst nichts zu tun haben".
Das ist traurig und wohl gefühlt habe ich mich erst recht nicht, in diesem Zustand.

Also, wie den Zustand ändern?
Meinen Blickwinkel um 180 Grad ändern: Wieder zu mir hin.
Und das geht am besten, wenn mich nichts ablenken kann. Kein Buch, kein Pc, keine Menschen.
Nur ich und die Natur.

So klingelte heute morgen mein Wecker.
Während andere noch schlummerten, saß ich auf meinem Drahtesel.
Ach ich liebe es manchmal azyklisch zu leben :-)
Alle Hintergrundgeräusche waren weg: Keine Autos, kein Geplapper, kein klingeln, kein dröhnen um mich herum.

Tausendfach glitzerte die Wiese voller Tautropfen,
junge Pferde ließen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen,
würzige, erfrischende Luft strömte in mich hinein.

Als ich den Waldrand sah, hüpfte mein Herz,
ich wußte was mich gleich erwarten würde
und genau so war es:

Nach den ersten 100m im Wald, spürte ich wie alle Anspannung von mir wich,
wie ich mich leicht und fröhlich fühlte,
wie ich es genoß die Natur in mich aufzunehmen,
das viele Moos, die ersten roten Blätter, hier ein Eichhörnchen, da die unübersehbaren Spuren der Wildschweine, ein in sich verdrehter Baum....

Ich stieg ab und schob mein Rad.
Noch langsamer werden.
Noch leiser werden,
erholsame Stille.

Grinsend dachte ich an all die Reaktionen, als ich von meinem letzten Waldbesuch schwärmte:
"Ob ich denn keine Angst hätte?"
Ich könnte mich ja verlaufen, ich könnte stürzen und tagelang würde mich keiner finden...usw.

Haben wir uns wirklich schon so weit von der Natur (von uns selbst!) entfernt???
Wir springen nur an ein Seil gebunden von Brücken,
wir vertrauen einem wildfremden Menschen, der das Flugzeug steuert in dem wir sitzen,
wir rasen mit 200 km/h über die Autobahn,
wir stopfen uns mit Chemie voll,

und haben Angst vor ein paar Bäumen??????????

Als ich wieder gen Heimat rolle,
kamen mir all die Sonntagsausflügler entgegen:
Stinkende Mopeds, kreischende Motorräder, Autos die sehr knapp an mir vorbei kriechen, sich anbrüllende Menschen, Jogger mit Musik in den Ohren...
ich wünsche ihnen allen viel Spaß,
wenn sie nichts von dem sanften Wind mitbekommen in ihren Karosserien,
wenn sie nicht die vielen Vögel hören, dafür lieber Konservenmusik aus den Ohrstöpseln
wenn sie auf überfüllten Parkplätzen noch eine freie Stelle suchen
sich mit Massen von anderen Menschen um einen See zwängen und alle im selben Lokal den Kaffe und Kuchen verspeisen,
um sich dann auf der Heimfahrt im Stau mit den genau gleichen Menschen wieder finden...

ja manchmal genieße ich es, kein Herdentier zu sein
und denke mir weiter: Sieh, denn das Gute liegt so nah.

Genieße meinen Kaffee alleine auf meiner ganz privaten Sonnenterrasse
freue mich über meinen gelungenen Sonntagausflug
und spüre erleichtert:

Ich bin wieder bei mir angekommen.
Ein tolles Gefühl!

Ein Hoch auf das Leben:

Kommentare:

  1. Ich mag es auch so.. möglichst keine Menschen und die Natur pur...die Geräusche des Waldes und so die kleinen Mikrokosmosse betrachten.. das ist für mich wahre Entspannung und Genuss... meine Freundin dagegen z.B. geht auch lieber ins 4 Sterne Hotel und läßt sich verwöhnen.. aber gut.. sonst wäre es ja total voll im Wald :).

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