Mittwoch, 8. September 2010

Heimat...oh Heimat...

Damals stand ich auf der Straße und wußte nicht mehr weiter mit mir...
ich war jung und voller Tatendrang.
Doch weit und breit war kein Job in Aussicht.

"Irgendwo wird es doch irgendetwas für mich geben"!! schrie ich schon voller Verzweiflung.
Es war mir schon fast egal WAS ich tun sollte und fast ebenso das WO.
Also bewarb ich mich einmal quer durch ganz Deutschland.
Fuhr nach Österreich zum Vorstellungsgespräch und das Ergebnis war:
Nichts!

Also blieb ich da hocken wo ich eh schon saß:
Im wunderschönen Oberbayern.
Heute bin ich dankbar, dass es damals nicht geklappt hat, denn ich spüre immer mehr:
HIER ist meine Heimat.
Durch viele Umzüge, Ausflüge, Freunde und Familie kenne ich die Umgebung sehr gut und das hat viele Vorteile.
Ich lebe da, wo andere Urlaub machen.
Ich liebe die bayrische Gemütlichkeit, den trockenen Humor und das Grantige.
Am meisten genieße ich es, mit Freunden und Familien im tiefsten Dialekt zu reden!

Da fällt mir eine kleine Geschichte ein:

Damals als ich noch im Kindergarten arbeitete, wurde ich zu einer anderen Einrichtung gerufen, weil die personellen Notstand hatten.
So saß ich da und fühlte mich mal in die Gruppendynamik ein und beobachtete die Kids.
Half hier und dort, erklärte das und jenes, sprach mit der Kollegin,
bis ein kleiner Junge mich am Ärmel zupfte und mir seine Hand entgegen hielt.
Es war noch Morgenzeit und er wurde gerade von seiner Oma gebracht.
Dahinter stand ein Mädl das ich auch noch nicht kannte. Beide hatten dunkelbraune krausige Haare und eine leicht hellbraune Hautfarbe.
Ich im allerfeinsten hochdeutsch:“ Ja hallo und guten Morgen, wie heißt Du denn?“
Seine Antwort ließ mich etwas zusammen zucken, denn da kam im tiefsten bayrisch zurück:
„Moing, i bin da Tom und des (eine Handbewegung nach hinten) is mei Schwesdda die Sandra!“
Ahja alles klar.

Das sah ungefähr so aus:
http://www.youtube.com/watch?v=mcRdnLB2qQM
Während ich mich innerlich sortierte, immer noch mit großen Augen die zwei anschauend,
kicherte und lachte neben mir die Kollegin: „Jeder, jeder reagiert so wie du jetzt!!“

Nunja so eine Mischung ist ja auch selten zu treffen.
Diese zwei Menschenkinder brachten mich im Lauf der Tage immer wieder herzlich zum lachen!
Karl Valentin hätte da sicherlich noch was lernen können :-)

Wie siehts bei Euch aus?
Redet Ihr im Dialekt? Wenn ja, welchen? Oder soll man nicht hören woher ihr kommt?
Pflegt ihr Traditionen aus Eurer Region? (mein letztes Dirndl hatte ich vor 18 Jahren an...)
Was ist für Euch Heimat?
...

Kommentare:

  1. Sind die Bayern wirklich so grantig? Mein Laminat-Freund ist ja Bayer und ich höre oft die Wutausbrüche und das Geschimpfe kämen daher...also diese Aneinanderreihung von bayrischen Schimpfworten ist erstaunlich. Ich war noch nie in Bayern und hab das nicht geglaubt.

    Ich bin Hamburgerin und hab hier immer gelebt. Heimat..hm. Da ich immer hier gelebt habe, geht mir das eher bei Stadtteilen so, wo ich mich heimisch fühle oder nicht....und nein, ich spreche hochdeutsch.

    Schönen Morgen :)
    Tina

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  2. *lach* tja scheint so ;)
    Wobei ich auch oft gemerkt habe: So ernst is das nicht gemeint. Nach dem Motto: Hunde die bellen, beißen nicht.
    Und es befreit einfach...

    Ich fahr auch gern in den Norden, weil mir die Weite und das Flache den Kopf wieder schön frei macht ;) Leider zu selten...

    Nice day!
    oda: hob an scheena dog! Ne keenen Hund *g*

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  3. Ich hätte deine Geschichte genauso, nur in norddeutsch schreiben können! Bei uns gibt es auch den trockenen Humor und es gibt noch einige, die plattdeutsch sprechen. Ich kann leider nicht ganz flüssig plattdeutsch sprechen, obwohl ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin. Damals hieß es, man hätte es in der Schule schwerer, würde man plattdeutsch aufwachsen.
    Selbst die Kindergarten-Geschichte hätte von mir sein können (auf plattdeutsch dann nätürlich) hab ja auch schon im KiGa gearbeitet.

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  4. Super Lebensausschnit. Hihi
    Ich komme ja aus Berlin und rede aber Hochdeutsch, denn der Westberliner Dialekt ist hier nicht so leicht für die anderen.
    Hier redet man ja Dialekt : En guete Morge , kanscht mir nit a mal da Zitig gebe ?
    (Guten morgen kannst mir mal die Zeitung geben ')
    Ein zu Hause ist eher in der Schweiz vorhanden, aber noch nicht zu 100%, das Wetter nervt fast wie in D, daher wirds irgendwann noch woanders hin gehen :-)

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  5. Ja Tilli das stimmt, ich hatte einige Schulkameraden und wenn die wenig hochdeutsch gelesen haben, haben die ziemlich viel im Wortlaut geschrieben *g*

    Ach die Schwiizzer :-)
    Drollig zum hören!
    Aber im tiefsten Tirol stand ich auch da wie der Ochs vorm Berg ich hab NULL verstanden, zumindest die ersten Tage, dann wurds besser :-)

    Liebe Grüße!

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