Samstag, 4. September 2010

Ein kontemplatives Leben

Manchmal fürchte ich mich vor der Frage der anderen: „Und?Was hast Du heute so getan??“

Ich habe mich meiner Seele gewidmet.

Ich genoß ein Bild/Gedicht/Lied.

Ich ließ mich SEIN.

Ich atmete. Ich aß. Ich genoß die Ruhe bei einem Waldspaziergang.


Diese Antworten lassen einem Menschen mit einer 60-Stunden Arbeitswoche das pure Entsetzten oder ein Fragezeichen im Gesicht erscheinen.

Es zählt nämlich nur das sichtbare Ergebnis. Ein produktives Ergebnis.

Wir sollen bitte alle Ameisen sein: Geschäftig, hektisch, roboterhaft, arbeiten bis zum Umfallen.

Inzwischen ist es chic zu stöhnen: Ich bin im Streß. Ich bin ausgebrannt. Ich habe keine Zeit!


Das innere Tätig-sein wird nicht mehr ernst genommen.

Schade, in einem Land der Dichter und Denker. Oder war das einmal und ist nicht mehr?

Habe ich was verpaßt?


Normal ist, was derzeit gesellschaftlich akzeptiert wird und der Großteil tut.

Nun, Arbeit war einmal eine Strafe! Das taten nur Sklaven.

War das wirklich einmal oder ist es noch immer so?

Homosexualität galt bis vor wenigen Jahren noch als Krankheit!

Heute dürfen diese Menschen ganz offiziell heiraten!


Ein aufrüttelndes Buch bietet Arno Gruen: Der Wahnsinn der Normalität.

Der traut sich was, der Herr Gruen, solch Wahrheiten laut in die Welt hinaus posaunen ;-)

Wo es doch gern gesehen wird, von den Oberen, wenn wir mit Scheuklappen auf Augen und Ohren brav uns ergeben und tun was die da wollen.

Selber denken kann gefährlich werden!


Mit einem Augenzwinkern meint da der Herr Lütz ebenso:

Irre! Wir behandeln die falschen!

http://www.youtube.com/watch?v=GQbVb_ltG78


Krank wird man, wenn man nicht im Einklang mit der menschlichen Natur denkt/handelt/ist.

Wie sieht denn die menschliche Natur aus? Für was ist sie gedacht? Sind wir wirklich so weit der Tierwelt entfernt, wie wir immer meinen?

Ist man gleich krank oder einfach ein bißchen sonderbar, eigenwillig, anders als die Anderen?!!?


Vielleicht wird in 100 Jahren ein Menschlein zu einem anderen Menschlein sagen:

„Du, stell dir mal vor, damals,

da gab es wichtige große Menschen die sogenannte Gesetze entwarfen und wer sich nicht dran hielt wurde bestraft.

Diese Menschen, durften andere Menschen einsperren, wenn diese jemanden die Freiheit raubten. Der eine tat es, ganz legal unter dem Gesetzesmantel, der andere wurde dafür bestraft. Das ist doch verrückt!“


Oder:

„Damals kauften sich die Menschen für viel Geld, das sie bei einer unliebsamen Tätigkeit verdienten, ein lautes stinkendes Monstrum, sie nannten es Auto. Und für was brauchten sie es? Um eben zu jener ungeliebten Tätigkeit zu kommen. Sowas blödes!“


Das wird der Lacher des Tages!

Und wir? Wir gehen todernst, mit hängenden Mundwinkeln und massenhaften Sorgen und Ängsten durch diese wunderbare Welt!

Schade...

Kommentare:

  1. Was hast du heute so getan? Dabei fühle ich mich auch immer ertappt. Was soll ich schon besonderes getan haben? Bin kein Sportler, kein Künstler nichtmal Gärtner, ich sage dann meistens: "so dies und das und du?" Da kommt dann normalerweise auch nichts besonderes zurück.

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  2. Wieso sagt ihr nicht einfach, was ihr gemacht habt? so wie hier im Blog? ich denke, da kommen eher Reaktionen wie: ich beneide dich.. das möchte ich auch mal wieder gerne....

    Nur, es kann sich halt nicht jeder leisten und wenn niemand arbeiten würde, würde unser System zusammenbrechen (was es eh schon tut allmählich). Also, ich arbeite derzeit auch nicht und genieße es sehr, also fühl dich bitte nicht angegriffen :).

    Und ich denke nicht, dass es irgendwelche Oberen gibt, die wollen, dass wir mit Scheuklappen durch die Welt gehen. Wer soll das sein? Unsere Politiker? Die Wirtschaftsbosse? Das sind auch nur einzelne Menschen, die Familienväter und Ehemänner sind und eine verantwortungsvolle Position innehaben. Und man sieht ja, dass auch die genauso sagen, ich will nun nicht mehr und sorge nur für mich, wie letztens unser Bundespräsident und so einige andere...

    LG Tina

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  3. Nun natürlich erzähle ich das was ich gemacht habe, aber meist nur jenen Menschen die auch damit was anfangen können, also jenen die mir eh näher stehen.

    Es ging mir auch nicht darum, dass gar keiner mehr arbeiten soll ;-) es geht mir ums Extrem, dass Lohnarbeit an allererster Stelle steht und "Du bist was du arbeitest" so in der Art...

    Es wird nicht gern gesehn, wenn sich jemand anders verhält, nicht gesellschaftskonform.(egal ob das der Arbeitsamtfuzzi is oder der Nachbar)
    Ein ängstliches Volk kann man besser formen und einschüchtern. Wer geht denn hier noch auf die Straße?
    Was hat der zu erwarten, der sagt: mit mir nicht mehr?!
    Er wird gemieden, gemobbt, gar rausgeschmissen.
    Der Bundespräsident konnts sich ja auch leisten ^^

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  4. Grundsätzlich ein schöner Gedanke, nur Denken, Dichten, Träumen, Leben.

    Aber Geld verdienen gehört nun mal zum Leben. Sich selbst versorgen können. Für mich ist das wichtig.

    Wenn keiner mehr arbeiten gehen würde, könnten wir - utopisch gedacht - gleich das Geld abschaffen. Und alle würden sich friedlich ihr Essen vom Stapel nehmen.

    Aber da wir Menschen nunmal ziemlich unfriedlich sind, brauchen wir Rahmenbedingungen.

    Deine Tini

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  5. Verstehe Dich aber grundsätzlich. Ich "schäme" mich auch dafür, dass ich "nur" Halbtags arbeite, ein Kind betreue und "nur" Sekretärin bin, obwohl meine Bildung höher ist.
    Und das ich so denke - daran ist definitiv das leistungsbezogene Deutschland schuld !!

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  6. Nein auch Du hast mich falsch verstanden, es geht mir um das AUCH (träumen, dichten usw.) nicht NUR!
    Das es Vollbeschäftigung so schnell nich mehr geben wird.
    Das wir neue Modelle brauchen...
    Es wird immer nur berichtet von den Arbeitslosenzahlen (die ALG-1 bekommen) die derzeit gesunken sind, dass aber die Hart4-Bezieher steigen (über 6 MIO!!) sagen die wenigsten...

    Und um das zu hinterfragen, was als "normal" angesehen wird.Auch bezgl. Krankheiten-Anderssein ect.(Du bist nicht wie 80% der Bevölkerung oder so wie wir Dich haben wollen? Hier sind paar Pillen) Das Buch von Gruen is ein guter Denkanstoß...

    Das individuelles sein darf und nicht nur das, was in die Form äh Norm paßt.
    Und ja, leider wird Kindererziehung noch nicht genug geschätzt!
    Sorry, aber für Deine Denke bist nur Du allein verantwortlich, steh zu Dir, dass Du was kannst und tust...mach Dich nich selber nieder! Ich konnte "meine" Kids nach 8 Std. abgeben oder mal der Arbeit fern bleiben..welche Mutter kann das??? Die hat eine riesen Verantwortung...von Geduld, Kraft, schlaflosen Nächten will ich mal gar nich reden :-))

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