Samstag, 7. August 2010

Unsichtbar krank

Leuten die mich weniger kennen, erzähle ich natürlich nicht alles.

Und so hört sich mein Tagesablauf schon mal traumhaft an:

Dass ich nach dem Frühstück an den See fuhr, danach mein Mittagessen kochte und dann lesend auf dem Balkon den Abend verbrachte.

Da höre ich dann schon mal ein neidisches: Boah DU hast ein Leben!

Bitte sehr, wir können gerne tauschen:

Dann gehst du schon mal mit Panik aus dem Haus. Ohne besonderen Grund, du hast diese riesen Angst einfach.

Du fühlst dich immer etwas unsicher und nervös.

Du siehst die Sonne, schwimmst im Wasser, liegst im Gras und all das berührt dich nicht. Es ist dir schlicht egal.

Der kurze Einkauf wird fast zum Horrortrip, weil dir alles zu eng wird, der Schweiß rinnt dir runter und du betest nur, dass niemand vor dir an der Kasse steht.

Du hast das Gefühl, dass jeder um Dich herum ein tolles Leben führt, nur Du bist der absolute Versager..

Das Essen musst du so einplanen, wie es das wenige Geld zu lässt. Extrawünsche werden nur ganz selten erfüllt.

Du schaust in den Briefkasten und ziehst eine Rechnung heraus, deren Betrag dir schier die Luft abdrückt und du dich ganz verzweifelt fragst, wie du die bitte bezahlen sollst.

Nach dem kochen und essen fällst du wie tot ins Bett, es ist erst 14 Uhr, aber du fühlst dich als hättest du 10 Stunden auf dem Bau Steine geschleppt.

Du liest eigentlich nur, damit dir die Öde und Langeweile nicht so bewußt wird. Das Telefon hat schon lange nicht mehr geklingelt und immer willst du auch nicht die anderen anrufen. Du fragst dich warum das so ist, du bist doch eine hübsche und nette Person.

Und wieso hast du keine Arbeit? Du bist doch noch so jung...

Wenn du abends dein Medikament vergisst, freue dich wie blöd auf die nie enden wollenden Alpträume.

Fühle diese ganze Verzweiflung, die Geldsorgen, die Depression, die Erschöpfung, die Angst und Panik.

Und ich frage nochmal: Wollen wir tauschen?

Kommentare:

  1. Ja, so isses. Psychisch kranken Menschen sieht man das meist nicht an. Ich erlebe das auch oft in meinem Umfeld, dass Menschen in Schubladen gesteckt und nur nach dem äußeren Anschein ver- und beurteilt werden. Ist ja auch einfach.

    Vielleicht braucht man die Erfahrung am eigenen Leib oder bei einem nahestehenden Menschen, damit einem die Augen geöffnet werden? Mir ging es so!

    Ich wünsche dir einen wärmenden Sonnenstrahl, der dich mitten ins Herz trifft und wirklich berührt.

    Liebe Grüße vom Schäfchen

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  2. Als ich nicht mehr arbeiten konnte - die ersten 6 Wochen waren toll - als typischer Workaholic - war das noch Urlaub - zwar auch hibbelig und arbeitsgefüllt (wenn auch dann mehr so das was sonst wegen der Arbeit liegenblieb) - und dann - nur noch Probleme - die Decke die da manchmal auf den Kopf fällt, und vor allem dieses Gefühl zu versagen, nicht mal das Mindeste hinzubekommen, usw.

    Aber weißt du - du hast Panik und gehst dennoch aus dem Haus - meidest das nicht aus Angst vor der Panik - kämpfst - um dein Leben. Das ist harte Arbeit.

    Und ja - auch ich würde jederzeit und sofort tauschen - wieder ein gesundes und normales Leben führen zu können.

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  3. Danke liebes Schäfchen! ;) Mal was off-topic: Hast Du irgendwo nen Shop..diese Taschen vom 18.Juli sind ja ein Traum! *auch haben will* ;)

    Liebe Ilana, ich war immer sehr viele Monate daheim und dann wieder in Arbeit, das is bei mir wellenförmig, ich probiers halt imemr wieder *nu gehts aber..*
    Tja was da so innerlich durcheinander purzelt sieht man nicht..und manchmal glauben einem nich mal die Ärtze "ach gehn se mal mit Freunden weg!"...is dann doppelt deprimierend..
    Manchmal hege ich dann einfach die Hoffnung:
    Im nächsten Leben haste auch nen Job, Mann, Haus, Kinder, Tiere und noch tolle Freunde ;-)

    Wie Du schon mal geschrieben hast: Entweder man bringt sich um, oder kämpft.

    Liebe Grüße

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  4. Kämpfen heisst meine Devise.
    ich habe manchmal das gefühl ich bin geboren um mir alles zu erkämpfen. es könnte schaden mir auch mal einfach ein unbeschwertes Leben zu geben. tztztz
    nun hatte ich ja grade den psychischen stopp!
    depression. nun beisst sich der fuchs in den schwanz.
    depression, eigenvorwürfe, selbsthass und fetter werden wo ich eh schon unzufrieden war.arbeiten gehen um zu überleben, denn ich bin vor 2,5 jahren ausgewandert, lebe nicht mehr im schlaraffenland deutschland. zurück ? nein will ich nicht, also was bleibt ? ausländerhass zu spüren bekommen von selber eingereisten und durchhalten.
    ich will ! ich will leben...
    ich will eine gute arbeit,
    ich will einen partner,
    ich will einfach spass haben ,
    ich will!
    möchten ist nun vorbei und nun kommt, ich nehme :.......
    steh auf, geh weiter raus, kämpfe weiter für dich, für DEIN leben, kämpfe, denn ich bin der meinung , das jeder kampf irgendwann belohnt wird.
    sei es weniger panik, mehr mut, mehr liebe, freunde .......leben !
    hab dennoch nen schönes we

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  5. Ohje, da wünsche ich Dir gaaaaaaanz viel Kraft!!!

    Manchmal denke ich mir auch: weniger kämpfen, mehr annehmen und akzeptieren spart Energie...denn man kann sich auch selber total aufreiben.

    Dir auch noch einen gemütlichen Sonntag!

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  6. Deine Worte kann ich gut nachvollziehen...viele Menschen sehen eben nur das, was sie vor Augen haben...

    Ich wünsche dir in deinem Kampf immer wieder Augenblicke des Lichts, der Wärme und auch der Akzeptanz....

    Herzlichst
    artista

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  7. Ja, die Perspektive ist es worauf es ankommt, und psychisch kranke Menschen haben ihre Perspektive die nicht weniger richtig ist, weil der Betroffene nun mal darunter leidet....ich wünsche dir alles Gute und ich denke das du dir die Zeit nehmen solltest die du brauchst.

    Liebe Grüße Daniel

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