Dienstag, 31. August 2010

Sei so, wie ich Dich haben will!!!

"Sei so, wie ich dich haben will" war die Botschaft an mich von meinen Eltern.
Meine Aufgabe war es, die Bedürfnisse meiner Eltern zu befriedigen. Dies ist Mißbrauch und passiert tagtäglich in vielen "ganz normalen" Familien. Jedoch ist es nicht so offensichtlich und nicht so schockierend, als dass es auf die Titelseite der BLÖD kommen würde.

Fatal ist es allemal. Die Auswirkungen ziehen sich weit bis ins Erwachsenenalter.
Ich habe einen ausgeprägten Abhängigkeits-Autonomiekonflikt.
Meine Eltern wollten meinen Willen brechen, um ihn so formen zu können, wie es ihnen passt.
Ansonsten gabs Liebesentzug und Vernachlässigung auf allen Ebenen.
Ich ließ mir aber meinen Willen nicht brechen, sondern er wurde nur stärker,
was ebenso mit Verachtung bestraft wurde und immer noch wird!

Zu meiner Mutter habe ich schon lange keinen Kontakt mehr.
Mein Vater will mich an der kurzen Leine halten und bejaht und fördert nur das, was ihm in den Kram passt. Das ist anstrengend mich immer wieder abzugrenzen!

Wenn ich heute also merke, jemand will mich unterdrücken, manipulieren oder lässt eine Handlung nur so zu, wie er sich das denkt und haben will: nehm ich reißaus. GANZ schnell!
Unwissende schimpfen mich da schon mal mit: Na du musst dich auch mal unterordnen können, dich fügen, es kann nicht immer nach deiner Nase gehen...
haben sie einerseits recht, andererseits KANN ich es (noch) nicht anders.
Denn: Ich spüre die pure Vernichtungsangst als ginge es um meine Existenz, als ob ich noch das kleine Kind wäre, das von den Eltern abhängig ist. Ich komme so in Panik, dass ich nur noch mit Flucht reagieren kann, was damals ja nicht möglich war, um mein (seelisches) Überleben zu retten.

Wenn man mir meine Selbstbestimmung läßt, sozusagen an der langen Leine, kann ich wunderbare Ergebnisse bringen. Da macht es mir auch nichts aus, wenn man mir erklärt, dass es leichter wäre, den Hammer so und nicht anders zu halten (als Beispiel). Da halte ich mich freiwillig und gerne an Vorschriften und Regeln und gebe mein Bestes.
Diese Problematik sah ich bei vielen Anarchisten, Aussteigern, Hippieleuten. Und verstehe sie bestens :-)

Meine Mutter wirft mir heute vor, ICH hätte SIE im Stich gelassen. Was ihren kranken Narzissmus sehr deutlich zeigt.
Es ging nie um mich, um meine Eigenständigkeit, um meine Wünsche und Bedürfnisse.
Wie sollte ich da eine Identität entwickeln können?
Wie heraus finden, was ich mag und machen will?

Ich erspüre blind sämtliche Bedürfnisse anderer, ich fange mir deren Gefühle sofort und exakt ein und früher erfüllte ich die auch sofort und ohne Aufforderung. Perfekt für andere (die das natürlich weidlich ausnutzten)...schädlich für mich.
Es wird auch "vorauseilender Gehorsam" genannt,

denn das war früher für mein Überleben das wichtigste, was ich tun konnte.

Sehr schön beschrieben wird das auch hier:
http://www.vaeternotruf.de/narzisstischer-missbrauch.htm

Heute versuche ich, mich an mir selbst zu orientieren:
was denke und fühle ich? Was will ich?

Das ist sehr schwer, wenn man das nie durfte
und dafür steht für mich der Leuchtturm, mein innerer, der mir Hilfe ist, bei meiner Orientierung auf dem wilden Meer namens Leben...

Kommentare:

  1. Bei so viel Trubel um einen herum ist es sowieso schon schwer auf sich zu hören ;-)
    Die lieben Eltern, es ist schön das sie nur das Beste fürs Kind wollen, nur leider übersehen viele das sie das fürs Kind wollen was sie nicht geschafft haben und vergessen ganz das das Kind Bedurfnisse und wünsche hat.
    Ist viel einfacher zu Diktieren als selber zu leben ;-)
    Schönen Dienstag Dir

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  2. Denselben Protest habe ich auch in mir gespürt. Ja, ich kleiner Rotzbengel von 13 Jahre habe die "Erwachsenen" kritisiert und hinterfragt. Und weist du was? In vielen Dingen hat sich meine Meinung bis heute nicht geändert. Allerdings, und das rate ich auch dir: Vergebe ihnen, denn sie wollten wirklich nur das Beste.
    Lieben Gruß Daniel

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  3. Nene meine Eltern verboten mir genau das zu tun, was sie auch nicht schafften! Ich sollte nur ja nicht besser werden als sie.

    Nein Daniel, Vergebung bekommt nur der, der sich dessen auch würdig ist: Der Fehler einsieht und sich um Wiedergutmachung bemüht!!!! So eine Scheiße was die fabrizierten kann ich nicht unter "Probleme gibts überall" ablegen.

    Und das ist ein urururaltes Märchen: Das die Eltern immer nur das Beste wollen.
    DAS STIMMT NICHT! Es gibt genügend LEute, die bewußt ihren Kindern schaden.
    Das will nur keiner glauben und wahrhaben, denn:
    Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
    Also: Schnell den Deckel drauf werfen, bevor all der Dreck (und die WAHRHEIT) raus kommt.

    Zumal DU das auch nicht beurteilen kannst, da Du sie ja nicht kennst.

    Und Pubertät ist ein eigenes Kapitel in Bezug auf Abhängigkeit-Freiheit-eigener Willen...
    bei mir fing das jedoch schon ab der Geburt an

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  4. Ich gebe Daniel in soweit Recht, als das Vergebung wirklich hilft und zwar dir. Das ist sehr sehr schwer, aber wer es schafft, ist erleichtert.

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  5. Zu frühe Vergebung kann mir mehr schaden als sonst etwas.
    Und ich finde: Vergebung passiert, das kann man nicht TUN.
    Vielleicht kommt mal dieser Moment, vielleicht in einem Jahr, vielleicht aber auch erst, wenn meine Eltern schon 20 Jahre unter der Erde liegen.
    Noch sind da viel stärkere andere Gefühle vorherrschend und die wollen ihre Beachtung und gelebt werden.

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  6. Ich stimme Regenfrau zu und behaupte: Vergebung ist kleineswegs die Straße, die immer zum Ziel führt. Manche Routen verlaufen über Umwege. Und manchmal braucht so was wie "Vergebung" erst einmal einen ganz besonders weiten Umweg, um Berge zwischen sich und seine Herkunft zu setzen, die man dann v i e l l e i c h t, wenn die Zeit dafür kommen sollte, (übrigens von beiden Hangseiten her) Stein für Stein abtragen kann.

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  7. Und möglichst noch unter dem Deckmäntelchen "ich mein es doch nur gut".

    Narzismus kann so viel zerstören. Ist ja grade auch mein Thema.

    Vergeben - für mich gehört zum Vergeben eine Einsicht. Wie kann ich vergeben und zusehen, wie sie das immer und immer wieder macht?

    Vergeben ist auch erst möglich, wenn man selbst mit den Verletzungen abgeschlossen hat, wenn die Wunden vernarbt sind - noch bluten sie (zumindest bei mir - eher weil sie auch jetzt erst bluten dürfen)

    Verstehe dich sehr gut :)

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  8. Ja genau das denke ich auch...ich SEH erstmal all die Wunden..lang hats gebraucht.
    WUAAHH "ich habs ja nur gut gemeint" da krieg ich die Flitze...

    Für mich ist der Kontaktabbruch der pure Schutz, da keinerlei Änderungen im Verhalten da sind, und kein vernünftiger Mensch geht ständig zu jemand, der ihn doch nur schlägt und demütigt...

    Und ja mit Leuten die ihr Verhalten reflektieren, mir ihre Situation erklären, die auch ihren Anteil daran sehen, mit denen setze ich mich gerne zusammen und da ist auch Vergebung möglich.

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  9. Dafür, dass Du eine "schreckliche" Kindheit hattest, kannst Du Dich mit Worten wunderbar ausdrücken. Eine tolle Gabe. Du bist super !

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  10. Ich kenne das auch... was andere wollen, praktisch mit der Luft aufnehmen, weil davon das Überleben abhing und von dem was ich selber will... tja... hat nie einer beachtet außer mir selbst...teilweise muß ich erstmal unterscheiden, was ist für mich. Bei Beziehungen ist das ein echtes Problem...ich hab auch Nähe-Distanz Probleme.. als wenn der andere einen auffrisst und es ist zu anstrengend.. weil man eben nicht mehr man selbst ist...wenn man dem anderen zu nahe ist, stört der "Funkverkehr" der Bedürfnisse des anderen meinen eigenen Sender ..so ungefähr. Dann hab ich den Impuls, mich daraus zu befreien, um wieder atmen zu können.

    Früher hab ich das nie verstanden, ich hatte teilweise echt süße Freunde, die das auch nie verlangt hätten... ich mache es einfach von mir und es war mir nicht mal bewußt. Und hab mich dann gewundert, wieso ich immer wieder alleine sein wollte zwischendurch und die Nähe nicht lange abkonnte.

    Andererseits wird mir auch ständig vorgeworfen, ich mache nur, was ich will.... keine Kompromisse etc.. immer nur genau so wie ich es brauche und wann ich es brauche.

    Sehr schwieriges Thema.

    Ich lese deinen Blog wirklich gerne, du fasst die Dinge toll zusammen :).

    LG Tina

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  11. Ich meinte nicht damit, zu ihnen zu gehen und ihnen offiziell zu vergeben, sondern nur innerlich für dich. Aber ich weiß natürlich nicht, was bei dir alles passiert ist und wie schwer das somit ist.
    Wünsche dir nen schönen Mittwoch!

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  12. @ Schmedderling: *erröt* danke ;-))))
    Tja die einzige Fluchtmöglichkeit waren: raus gehen und LESEN!!! Wird wohl abgefärbt haben ^^

    @Tina: Danke auch Dir!
    "Funkverkehr" jo passende Metapher! Ach herrje Nähe-Dis-tanz..auch bei mir immer eher ein Eier-tanz ;)
    Ich glaube, das mit den keinen Kompromissen ect. kommt genau von den Leuten die einen gerne für sich selbst in Anspruch nehmen. Denn WENN man dann mal auf sich schaut, paßt das denen ja nich und sie meckern.
    Und es gibt auch viele Neider, die lieber das arme Opfer spielen und eine Selbstfürsorge (wenn sie es bei jemand anderen sehn) gnadenlos abwerten.

    @Tilli: Für mich bleibt sich das gleich: Ob hingehen oder nur für mich, beides derzeit unvorstellbar.
    Solange meine Mutter nicht mal ein Fünckchen Zweifel zeigt oder mich deswegen anspricht, gibtds da nix.
    Sie is ja der Meinung sie hätte alles für uns getan (jaja..) und natürlich hat sie auch kein Alkoholproblem (nein sicher doch...)

    Happy Day an Euch alle!

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