Montag, 23. August 2010

Lohnarbeit

Irgendwie ist das schon seltsam:

Oft genug höre ich die Jammerei über die verhasste Arbeit.
Wahrscheinlich traut sich keiner zu sagen:"Juchu freu ich mich morgen wieder auf meine Arbeit!"
Da wird man ja gleich schief angeschaut und als Streber eingestuft und abgehakt.

Hat man keine Arbeit, wird genau so gejammert.
Wahrscheinlich traut sich keiner zu sagen:" Boah endlich bin ich die Maloche los!"
Da wird man ja gleich schief angeschaut und als fauler Sack eingestuft und abgehakt.

Na was denn nun?

Es geht aber auch anders:
Mein Vater kann zu mir ehrlich sagen, dass er nach dem Urlaub/Krankheitsstand wieder froh ist, in die Arbeit zu gehn. Mit Kollegen ratschen, was zu tun zu haben, Struktur im Tag usw.

Und es gibt auch dieses hier:
http:
//www.diegluecklichenarbeitslosen.de/dieseite/seite/glueck.htm


Dann hab ich letztens einen Menschen kennengelernt, der seinen Job vor mir und vor sich selber runter spielte, nach dem Motto:"Naja nurn Job, nix weltbewegendes!"

Und genau in diese Falle tappte ich auch mal!
Es musste ein richtiger Job sein, gesellschaftlich hoch angesehn, meine Intelligenz und Kompetenz bestmöglich zeigen usw..blaaa
Es gab eine Zeit, da war ich sauglücklich als Teilzeitkraft an einer Tankstelle zu kassieren.
Und was lass ich mir einreden? "Na das kann man ja auch nicht ewig machen!"
"Nein," meinte daraufhin ein Freund, ewig nicht, aber so die nächsten 40 Jahre!" ;-)
Er hatte die richtige Einstellung, ich nicht und kündigte.

Ich bin in diese Falle unserer Zeit getappt: Höher, weiter, besser!
Was hat es mir gebracht? Zusammenbrüche noch und nöcher!

Immer wieder großes Thema derzeit:
Meinen Weg finden!
Ich will mich nicht mehr über einen Beruf profilieren und bestätigen!
Es gibt immerhin noch mehr Bereiche im Leben, wo dies möglich ist.
Ich komme sehr gut mit wenig Geld klar und trauere der 40Std. Arbeitswoche keinerlei nach.
Ich versandel nicht, weil mir Mr. Boss nicht meinen Tagesablauf vorschreibt, das kann ich schon selber, bin ja groß genug ;)

Ganz langsam, soweit es mir gut geht, werde ich wieder stundenweise anfangen mein eigenes Geld zu verdienen, wo und was wird sich zeigen.
Eins habe ich mir vorgenommen: Nicht mehr in die alte Falle zu tappen, nur damit ich protzen kann: Ej ich arbeite als Superwoman bei Firma Himmelblau.
ICH muss mit meiner Arbeit und mit meinem Leben zufrieden sein und wenn das etwas unkonventionell sein wird, dann werd ich mich von Blödquasslern da nicht mehr einschüchtern lassen.
Alles nur Schall und Rauch.

Ich entlasse hiermit das goldene Kalb der Lohnarbeit!

Kommentare:

  1. Mir fällt immer viel ein zu dem, was du schreibst. Doch bin ich mit meinen Kommentaren vorsichtig...
    Dieses "etwas darstellen müssen" in der Gesellschaft, das ist wohl die Hauptursache vieler psychischer Krankheiten (und auch körperlicher). Schade finde ich, dass man heutzutage kaum noch jemanden fragen darf: "Und was machst du so?" weil das zum Teil aggressive Reaktionen auslöst, wenn die Leute arbeitslos sind. Dabei ist mir eine Antwort wie: Ich lese, oder ich gehe mit meinem Hund spazieren oder ich stricke Socken lieber, als ich bin Zahnarzt - naja, die Menschheit wird sich mit der zeit vielleicht ändern - mit der Zeit, es kann dauern.
    Was du schreibst in deinem Blog ist sehr offen. Schön finde ich das!

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  2. Ich gebe zu:
    Ich mag meinen Job und ich gehe gerne hin. Während meine Mitbewohner jeden Sonntag Abend ihren "MontagsKoller" kriegen, freue ich mich auf den nächsten Morgen.
    Bei mir kommen aber auch einige Faktoren zusammen:
    - nette Kollegen
    - aussergewöhnlich schöne Büroräume
    - interessantes Arbeitsthema
    - sehr sozial eingestelltes Management.
    Und das haben leider die wenigsten Arbeitnehmer.

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  3. Ich gehe auch schon mein Leben lang sehr gern arbeiten. Aber im Moment habe ich auch dieses "Ich arbeite unter Wert", was unheimlich an mir frisst. VOR meinem Kind war ich beruflich sehr erfolgreich, hatte tolle Kollegen - diese Firma "Himmelblau" eben. Jetzt arbeite ich aus der Not heraus als Sekretärin, obwohl ich Handelsfachwirtin bin. Ich bin auch noch nicht an dem Punkt, wo ich denke "Hey, ich bin toll, ich muss mich nicht über größer-schneller-weiter profilieren."
    Wir lernen !!!!!!!!
    Und wenn Du an der Tankstelle glücklich warst - fuck off, was die Gesellschaft sagt.

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  4. Danke liebe Lebenskünstlerin ;)
    Jau das mit den Krankheiten hab ich hautnah selbst erlebt. War mir eine Lehre.
    Ich werd manchmal aggressiv bei der Frage an Kids: Und was willst du mal werden?
    Als wär man noch nix, ohne Beruf. Die Formulierung is etwas unglücklich, vielleicht bin ich da aber nur pedantisch.

    Jaaaaaaa liebe Juliane, bei DEM Chef inkl. Gouda-Kollegen glaub ichs Dir *g*.
    Schön, wenn Du Dich dort wohl fühlst!

    Das glaub ich Dir lieber Schmedderling und wünsche Dir, dass Du mit Dir in dem Punkt Arbeit wieder ins reine kommst.
    Yeah fuck auf die Meinung der anderen....ach das schreib ich mir mal groß an den Spiegel ^^

    ..Arbeit hab ich ja genug...Haushalt, Hobbys, Seelenarbeit..alles was ich tue ist Arbeit...aber nich in dem Sinne, wie es heute definiert wird.

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  5. Ich würde mich sooo freuen über einen Job, der mir wirklich Spaß macht! Hatte ich noch nie - die Bezahlung wär mir nicht so wichtig - angemessen halt.

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  6. Dazu kann ich das hier empfehlen :)

    http://www.uni-flensburg.de/asta/pol_kultur_anekdote.htm

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  7. Genau! Die Geschichte fiel mir später auch ein :-)))

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  8. Also ich kann Dir nur teilweise zustimmen. Denn als ich hier in der Schweiz 44 Stunden die Woche als Servicekraft in einer Bar arbeitete habe ich ganz offen gesagt dieser Job ist angekommen sein, weil :
    Du bekommst positive Aufmerksamkeit,
    bekommst zum Lohn noch zusätzlich Geld was man sparen kann und gratis Getränke und stets gutgelaunte liebe (grösstenteils) Menschen um Dich herum.
    Was kann es da besseres geben. Dort war ich auch nicht einen Tag krank im Gegensatz zu anderen Arbeiten.
    Das Dumme ist nur die Arbeitszeit in dieser Branche, aber sonst ists mein Job ;-)
    Nun geh ich arbeiten um zu Leben, also der Umkehrschluss und bin nicht glücklich. Gut ich arbeite 42 Stunden die Woche aber:
    Ich verdiene für mehr Arbeit weniger,
    habe nen dämlichen Chef der sein Fach nicht versteht und eine Kundschaft, bei der es selbst die Kunden oft zugeben , das sie dort nicht arbeiten könnten.
    Naja, ich lebe...so vor mich hin.
    Ich hatte eine Freundin die war seit ca. 15 Jahren arbeitslos, was nicht in meinen Kopf geht. Es gibt Menschen die können nicht , wie Du z.B. aber sie , war in meinen Augen einfach nur Faul und das wird vom Staat belohnt, was ich nicht gut heisse.
    Wenn ihr Umfeld ihr Vorschläge machte hat immer was nicht in ihrem Kram gepasst, wie Arbeitsweg, Arbeitszeiten.... Sie feiert mehr als ich und bekommt Hartz4 und geht schwarz arbeiten. Das ist nicht gerecht..
    Alles hat somit seine Vor- und Nachteile, doch um zur Arbeit zu gehen muss man immer ein wenig Spass haben, sei es auch nur durch die Kollegen.
    Ich habe 13 Jahre als Politesse / Ordnungsamtmitarbeiterin gearbeitet, habe dies aber immer aus der Sicht eines Autofahrers getan, denn knallhart kann jeder, herz zeigen war emien Devise. Ich habe es nur so lange ausgehalten weil die Kollegen toll waren bis es zum Ordnungsamt ging.
    Boh jetzt habe ich so viel geschrieben und vergessen was ich schreiben wollte. Lach.
    Wünsche Dir nen schönen Dienstag

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  9. Es gefällt mir, was Berlingöre dazu schreibt.

    Für mich ist Arbeit auch ein Stück weit Lebensinhalt. Nicht der einzige Lebensinhalt, bloß nicht, aber auch die Arbeit, das Schaffen, hat Anteil daran. Wie diese Arbeit in der Realität aussieht, steht auf einem anderen Blatt mit tausend Facetten.

    Die Umstände der Arbeit sollten wenigstens so viel Freude machen, dass man immer mal wieder eine Erfüllung daraus ziehen kann. Andererseits wäre es unrealistisch zu glauben, dass Arbeit nahezu immer nur glücklich machen kann und nicht auch Belastungen, Überforderungen oder sonstige Unannehmlichkeiten mit sich bringen würde. Es kommt auf das Maß an.

    Arbeit hat auch was mit Frustrationstoleranz zu tun. Erst dann, wenn man durch dunklere Abschnitte geht, weiß man auch die hellen Pfade des Arbeitens zu schätzen. Gibt es nur noch dunkle Abschnitte, ist eine Umorientierung zu überlegen.

    Ich bin übrigens selbständig. Beziehe keinen Lohn, sondern Honorare. Akquiriere selbst neue Aufträge. Bin mein eigener Chef. Mache weitgehend Arbeiten, mit denen ich mich thematisch mehr oder weniger identifizieren kann. So weit, so gut. Es gibt Phasen, in denen auch mir Dinge über den Kopf wachsen oder in denen ich kein Lust auf Disziplin habe oder in denen andere Wünsche stärker werden oder in denen mir Konkurrenzgebahren und gesellschaftliche "Zwänge" auf den Keks gehen. Manchmal ist man als Selbständiger unfreier denn als angestellter Lohnarbeiter. Manchmal nicht.

    Vieles, nicht alles, ist Einstellungssache. Manche Träume verwirklicht man sich als Teilzeitkraft einer Tankstelle, manche als Unternehmer, manche als Hartz4-Empfänger - it depends.

    Viele arbeiten bei uns eher zu viel. Man sollte überlegen, generell auf 25-30 Ah pro Woche zu begrenzen. Die Modelle dazu fehlen. Aber man kann es individuell versuchen.

    Naja, und blabla halt, mir würde noch vieles Ungeordnetes dazu einfallen. Aber... auch von mir einen schönen Tag allen, ob Dienstag oder Dienst-Tag ...

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  10. Vielen Dank für Eure Kommentare!
    Ja es ist ein großes Thema und mir würd auch noch gaaaaanz viel einfallen ;))

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