Dienstag, 3. August 2010

Innere Anteile




Es gibt immer wieder eine Zeit, in der geht es mir gut:
Ich fühl mich authentisch, bin fit und fröhlich, meine Sozialphobie ist so minimal, dass sie quasi nicht mehr vorhanden ist, ernähre mich regelmäßig und gesund, schlafe tief und fest...
und dann plane ich mein Leben...ein normales Leben...mit Job, na erstmal noch einer Ausbildung, male mir aus, wie es ist einen Partner an meiner Seite zu haben, wie ich Freunde treffe und so ohne große Sorgen und Probleme mein Leben lebe...

doch dann knallt mir meine Seele volle Kanne gegen das Schienbein.
Klingt fies, aber im Grunde bin ich dankbar, denn so werde ich auch geschützt...z.B. vor weiterer Selbstverleugnung oder Überforderung.
Dann kommt der andere Teil in mir hoch, in dem es mir sehr schlecht geht:
Keinen Appetit, total müde aber nicht schlafen können, Hoffnungslosigkeit, Trauer, Kopfweh, unruhig, ängstlich...
und keiner kann sich vorstellen, dass ich doch gestern noch die quirlige, anpackende, lustige junge Frau war!
(was mein Umfeld natürlich auch verunsichert und ängstigt)

Wieviel Spaltung im ICH ist normal und ab wann ist es krankhaft?
Jeder hat ja verschiedene Anteile in sich und meist harmonieren die auch miteinander gut.
Ich hab das Gefühl bei mir übernimmt ein Anteil sehr stark die Führung und die anderen können nichts dazu sagen, der führende ist so mächtig, dass z.B. das Erwachsene-Ich nicht einlenken kann:("nein du sagst jetzt dem Polizisten nicht, dass er ein Volltrottel ist...)alles schon gehabt.

Auslöser waren gestern aufwühlende Gespräche und das sehr spät abends.
Nicht gut für mich, denn so scheinbar harmlose Sachen können mich komplett umwerfen.
Streßtoleranz gleich null.

Dann im Bett gelegen und mich gefragt:
Was will ich im Leben?
Und wieder die erschütternde Erkenntnis: Das wechselt so oft und so schnell, dass da keiner mit kommt,
ich am allerwenigsten und das frustriert.
Da ist ein Sack Flöhe hüten oder 10 Kinder zum einschlafen bringen wesentlich einfacher!

Ich weiß, dass ich keine feste Identität habe, dass für mich Werte und Einstellungen wechseln können, wie das Wetter...

denn in der Zeit, als sich so etwas herausbildet, eben in der Jugendzeit,
hatte ich handfeste andere Probleme.
Läßt sich so etwas nachholen?

Ich durfte eine kurze aber intensive Zeit die Ego-State-Therapie machen,
die mir sehr half
und sehr gut tat.
Warum mache ich das nicht mehr? Weil ich auch einen Teil in mir habe, der sich gerne selbst schädigt und nichts gutes für sich ertragen kann.

Kommentare:

  1. Zulassen können heisst hier die Devise !
    Du schaust Dir zu beim Lebensversuch. Du scheiterst weil Du alles auf einmal wolltest und nur ein kleiner Teil sich mit Deinem Denken vereinbaren konnte.
    Ich selbst habe eine Depression an der ich grade die ersten positiven Schritte wage und es geht mit Geduld,Mit ab und zu auf sich hören und auch mal alle 5 grade sein lassen.
    Ich hasse Ruhe, ich hasse langeweile und Einsamkeit, dennoch ists mir zu viel wenn lauter Menschen um mich rum sind.Das verunsichert.
    Ixch denke Du änderst grade Dein Leben und das erfordert Kraft.
    Drei Schritte vor bedeutet leider oft 5 zurück um wieder vor zu laufen. Hab Geduld mit Dir und trau Deiner Umwelt ruhig was zu, denn echte Freunde haben Geduld und sind da, wenn man sie braucht und bleiben im Hintergrund wenn man sie eben nicht braucht.
    Gute Besserung wünsche ich Dir

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  2. Ich kann Deinen Bericht wieder nur unterstreichen. Kenne ich alles. Ich bin völlig unberechenbar. Gefühls-Achterbahn im Stundentakt.

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  3. Danke liebe Berlingöre ;)
    Nun mein Leben ändere ich eher weniger, aber die Einstellung dazu...
    Ich bin so schnell auf der Schiene: Du sollst...und: du mußt. (nämlich: Vollzeitjob, Partner, Haus mit Garten, Hund, ect..) also das *normale Leben*.
    Aber ich hab mein Leben, mein ureigenstes und da zu gucken: was tut mir gut, was will ich? und nich mein Umfeld...ach manchmal gar nich so leicht alles....
    Jo Geduld..ich mein ich bin ja eh flott...für das das ich letztes Jahr komplett zusammen brach, gehts mir heute schon wieder recht gut.
    Und Depressionen kenn ich zur genüge..manchmal mein ich, dass ich damit schon auf die Welt kam.
    Egal, das HEUTE zählt...
    Liebste Grüße!

    Tja lieber Schmedderling..manchmal is das auch recht interessant, so wirds einem mit sich selbst kaum langweilig...kostet aber auch Unmengen an Kraft.
    Ich nannte mich in der Klinik schon Chamäleon...

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