Donnerstag, 26. August 2010

Im Wald

Erstmal ein herzliches Willkommen an meine neuen Mitleser! ;-)

Ich war heut Gretel und gut, dass Hänsel nicht dabei war.
Dann hätt ich womöglich noch mit dem reden müssen oder mit ihm rumzanken wo wir nun hinfahren.
Und ich wollt doch nur schweigen und Stille
und bekam es :-)
Und ich genoß es!

Ich merke, ich muss nicht mehr so sehr polarisieren.
Ich finde meine Wohnumgebung recht laut und das streßt mich enorm, aber ein Umzug wär derzeit noch stressiger.
Also schaue ich: Wo finde ich meine Ruhepunkte.
Ich wurde in den letzten Monaten wieder handlungsfähiger und das find ich einfach wunderbar!

Ca.6 km entfernt gibt es so einen großen Ruhepunkt:
9000 Hektar Wald ohne von einer Siedlung unterbrochen zu werden. Ein Traum!
Ein schöner Mischwald, mit viel Unterholz und Moos. Ganz ursprünglich gehalten.
Wie ein darüber gelegtes Gitter durchziehen die Schotterwege den Wald, also man kann sich schwer verlaufen, vorrausgesetzt man merkt sich die passierten Kreuzungen.

So fand ich sogar ein hübsches Bänkchen, beschienen von einem kleinen durchgedrungenen Sonnenstrahl,
Zitronenfalter umflatterten mich, riesige Waldameisen eroberten meine Schuhe, Fliegen, Vögel, Eichhörnchen und Spinnen durfte ich bei ihrem Tagwerk beobachten und mir wurde klar:
Ich bin nun in deren Lebensraum, die Waldbewohner sind in der Überzahl, ich hab mich nun ordentlich zu verhalten (eh klar). Aber ich wurde schon leicht demütig.

Mich störte kein
*klackklack* (Nordic-Walker)
*knirschknirsch* (Jogger)
*blabla* (lautstark redende Menschen)
*brruumm* (Auto)
nur hoch über mir, flog ein Flugzeug dessen Motorenlärm man gerne ausschalten würde.

Ich war allein und genoß die würzige Luft von Brennesseln, Blüten, frisch geschlagenem Holz, Harz und was weiß ich noch allem. LECKER!!!
Ich war so euphorisch, dass ich mich dann doch etwas verfranste und nicht mehr recht wußte, in welche Richtung ich nun muss. Verfluchte mich mal kurz, dass ich die Karte nicht mit genommen habe,
aber: ich hab eine gute Intuition und eine gute Orientierungsfähigkeit, das werd ich schon schaffen. Natürlich hab ich es geschafft, ich kam genau da raus, wo ich auch wollte. ;-)

Zwischendurch die umgepflügten Wegesränder bestaunt, die Wildschweine sind hier sehr aktiv.

Da fiel mir eine kleine Begebenheit ein:
Vor Jahren war ich mit dem Auto unterwegs. Ich machte eine Pause an einem Waldesrand,
vor mir das Wildgatter im Boden eingelassen.

Während ich also mein Käsebrot verdrückte und meinen schmerzenden Rücken durchdrückte
sah ich etwas im Augenwinkel. Ich sah genauer hin und Hunger und Schmerz waren sofort vergessen:

Ein dicker schwarzer Brummer namens Eber mit riesen Keilern schnüffelte keine 5 Meter neben mir am Boden herum. Zwar hinter dem Gatter, aber man weiß ja nie.
Meine Augen weiteten sich auf das dreifache.
Von hinten kam seelenruhig ein Radfahrer und fuhr ebenso seelenruhig an diesem Tier vorbei, als wärs ne Katze.
Ich dachte ich träum.
Ganz langsam (nur ja nich hektisch werden) verzog ich mich Richtung Tür. Öffnete diese, ließ mich langsam hinter das Lenkrad gleiten und starrte weiter auf dieses Wild.
Man ej, wenn der mich jetzt angreift und das Auto demoliert! Im Geiste sah ich schon wie ich meiner Chefin versuche zu erklären, warum das Auto so verbeult und verkratzt ist:

Ein geiler Eber griff mich an!!
Ja...is klar...glaubt mir ja keine Sau!
Ich machte mich vom Acker...wie gesagt..man weiß ja nie...

Heute ließ sich kein größeres Wildtier blicken,
aber ich kletterte auf eine riesen Aussichtskanzel, legte die Füße hoch und lauschte dem flüsternden Wind und spürte die warme Luft auf meiner Haut...
den Frieden...um mich herum und in mir drin...

3 Stunden später wieder zuhause
und sehe gerade noch wie unsere super korrekter Hausmeister mit seinem ewig lauten Rasenmähertraktor um die Ecke saust.
Zum Glück hab ich die 3 Stunden in Ruhe verbracht!

Lieber Wald, bald komm ich wieder :-)

Kommentare:

  1. So einen Ort suche ich auch schon lange vergeblich... der Nachteil am Stadtleben. Rückzug, Natur und Ruhe gibts hier einfach nicht.
    Schön, dass du deinen Platz gefunden hast und die Tiere ihn dir gönnen :-)

    LG

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  2. Alleine auf 9000 Hektar Wald? "Ein Traum"???
    Das würd' ich mich ja nie trauen!

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  3. Ich bin nicht so der extreme Natur-Typ. Ich würd manchmal einfach gern allein und ruhig in meinem Bett liegen.

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  4. PS:
    Hast Du mal Walter Moers "Ensel & Krete" gelesen?! Das spielt auch im tiefen dunklen Wald...

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  5. Vielen Dank, dass ich in durch deine exakte Beschreibung kurz die Stille des Waldes einatmen konnte. Komm leider im Moment selbst nicht dazu.

    Hat sehr gut getan :-)

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  6. Stimmt, gut, dass mich die Tiere nicht verjagt haben, eigentlich sind die schon sehr tolerant, was die sich so alles gefallen lassen...

    Wieso nich trauen? Meinste der böse Wolf kommt doch noch irgendwo raus? :-) Ich bin nicht religiös aber ich dankte heute Gott, dass mir kein Mensch über den Weg lief!!! Was ne Wohltat *g*...
    Das Buch kenne ich nich...mal sehn..äh lesen.

    Eben: In Ruhe und Stille im Bett liegen is auch hier kaum möglich. Außer an einem Regensonntag.

    Na Simone, das freut mich, wenn es Dir eine kurze Auszeit beschert hat :)

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  7. ui, schön solche Orte. Ich wohne direkt neben den Rheinfall , das ist nachtrs soooo schön. fenster auf und rauschen lauschen. leider ist hier tagsüber auch zu viel los, so das ich nächstes jahr wieder die stilleren ecken durchforste nach ner schönen wohnung für mich ;-)
    Hab nen schönen Abend

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  8. Ich liebe Wald und Meer, beides hab ich hier in der Nähe. Aber allein ist man da leider nie. Obwohl - vielleicht nachts, das habe ich noch nicht probiert. Werde ich wohl auch nicht..

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  9. Ja Wasser mag ich auch sehr...
    und erst das Meeerrrr...achja *seufz*
    Nice day Euch allen!

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