Sonntag, 15. August 2010

Hochsensibilität

Etwa 15-20% der Menschen besitzen diese Hochsensibilität.
Egal aus welcher Schicht, aus welchem Land, Mann oder Frau, jung oder alt...

Vermutlich ist sie schon angeboren.
Und auch bei den höheren Säugetieren vorhanden.
Diese Menschen kommen schneller aus ihrem Wohlfühlbereich und schneller in den unangenehmen Streßzustand.
z.B. empfinden die meisten Menschen eine Massage als angenehm.
Nach einer gewissen Zeit jedoch, kann es nerven, es kann unangenehm werden, ja bis zur Unerträglichkeit (3Std. Massage wirkt dann eher wie eine Folter). Diesen Zustand erreichen Hochsensible schneller als andere Menschen.

Als hochsensible Person nehme ich mehr Reize von innen und außen wahr.
Deswegen bin ich häufiger und schneller überstimuliert oder einfach überreizt.
Andere können das oft nicht verstehen und sagen dann schon mal flappsig:
„Ach da war doch gar nichts, nimm Dir nicht alles so zu Herzen, sei nicht so emfpindlich...“

und natürlich vor allem:“Stell dich nicht so an!“

Diese Aufforderung hat die tiefsten Wunden in mir gerissen.
Ich stelle mich nicht so an, ich bin halt so, ich fühle mehr und tiefer als so manch andere.
Das ist nicht besser oder schlechter sondern nur anders!

Jemand der auf Nüsse allergisch ist, dem sagt man ja auch nicht: „Nu krieg da mal nicht so rote Pickelchen...hab dich halt nicht so.“
Derjenige kann das auch nicht einfach so abstellen.
Er kann aber gut auf sich achten, indem er wenig oder nichts isst, wo Nüsse drin sind.

Als Kind war ich manchmal völlig überfordert: Den ganzen Vormittag in der Schule, ich musste dauernd aufmerksam sein, das Geschrei der Kinder aushalten, dann die Busfahrt nach Hause mit vielen visuellen Eindrücken, vielleicht war das Wetter noch heiß und ich war sehr hungrig und dann ist sehr schnell meine Belastungsgrenze erreicht.

Mein Vater tat damals genau das richtige: Er steckte mich ins Bett.
Und zwar nicht böse gemeint oder als Strafe, sondern weil ich meine Reizüberflutung am besten durch viel Schlaf minimiere.

Und ich brauche heute noch viel Schlaf, was oft mit den gesellschaftlichen Begebenheiten kollidiert.
Spätabends noch unterwegs sein, viele Leute, Lärm, das alles läßt mich noch mehr angespannter und gereizter werden, auf der anderen Seite steht der Wunsch nach Kontakt, nach Festen, nach einem Kinofilm und allein diese Widersprüchlichkeit ist schon wieder eine Stimuli und das kann dann schnell das Faß zum überlaufen bringen.

Inzwischen habe ich es gelernt, rechtzeitig meine Mitmenschen zu warnen, wenn es mir zuviel wird und sie mich einfach in Ruhe lassen sollen.

Was mich sehr anstrengt sind kleine Menschengruppen im Gespräch:
geht’s um das Thema Gesundheit, höre ich zu, reflektiere, überlege was ich dazu sagen könnte und wann (ich achte auf eine Gesprächslücke) doch ehe dieser Vorgang abgeschlossen ist, wird schon zum nächsten Thema gehüpft, nun geht’s um Politik, ich höre wieder zu...reflektiere...aber schon geht’s zum nächsten Thema. Das frustriert und deswegen bin ich da gerne still.
In 2er Gruppen mit Zeit für tiefere Gespräche, da blühe ich auf und beteilige mich aktiv.

Langsam lerne ich mich so annehmen, wie ich nun mal bin.
Dass ich viele Pausen im Lauf des Tages brauche.
Und auch, dass ich oft schon um 21 Uhr im Bett liege, weil ich einfach nicht mehr kann.

Ich hülle mich aber nicht in Watte, weil ich nichts aushalte, ich bilde mein Selbstmanagement besser aus, was ich tun kann, damit ich meine Grenzen sanft erweitere.
z.B. viel Wasser trinken, mich drauf vorbereiten wenn es ein längerer Tag mit ungewöhnlichen/neuen Orten/Abläufen wird, rechtzeitig mich zurück ziehen: Nicht erst wenn ich nicht mehr kann, sondern schon, wenn es unangenehm für mich wird.

Anerkennen,
dass ich eine Art Kleinkindkörper habe. Der Schmerzen, Druck, Hitze, Kälte, Lärm, schlechte Luft sehr schlecht aushält und der den Aufschub der Bedürfniserfüllung kaum erträgt (jetzt und sofort-wenn`s brennt)
Dass ich es liebe,wenige Gegenstände um mich herum sind (weniger visuelle Reize)
dass mir manchmal schon das reden zu anstrengend ist
dass es bei mir eine gaaanz kleine Mitte zwischen Langeweile und Überforderung gibt
dass ich Kopfschmerzen bekomme, wenn ich länger mit dem Handy telefoniere
dass mir ganz kleine Dosen von Medikamenten schon reichen
dass auch viele positive, schöne Sachen zur Überstimulierung führen können
dass es mich sehr nervös macht, wenn ich im beisein von anderen mich mit Objekten beschäftige oder etwas tun soll, in etwas worin ich eher schlecht bin.

Dass Hochsensibilität keine Krankheit ist, sondern einen Sinn in dieser Welt hat. Viele Künstler, Schriftsteller, Bibliothekare, Bildhauer, Forscher und Erfinder sind eher sensibel und introvertiert.


Es muss sie auch geben...diese stillen und leisen....

PS: Gestern mir was gutes gegönnt: Meinem Wunsch nachgegangen (früher schob ich das einfach weg, überhörte mich)
a) zu radeln
b) zu fotografieren
und c) Tiere besuchen.
So streichelte ich eine Horde Esel, redete mit ihnen und rupfte ihnen frisches Gras. Dafür standen sie mir 1a Model als ich meine Kamera zückte *grins-freu*.

Kommentare:

  1. ich hab das auch schnell, diese Reizüberflutung... nicht ganz so extrem wie du aber. Früher war mein Puls auch den ganzen Tag extrem hoch deswegen, aber ich nehm deswegen nun Betablocker.

    Dieses "Stell dich nicht so an" nervt wirklich. .. als wenn man nicht selber auch wollen würde, dass es anders wäre. Selbst nach 3 h Pilze sammeln bin ich fertig und meine Mutter ist über 70 und schafft das locker und will danach dann noch Essen gehen.. (und versteht nicht, dass mir das zu viel ist).

    Aber jetzt hab ich mal eine Arbeitspause (vorher auch nur 4 h) eingelegt und ich merke, es wird besser. Ich hab mehr Energie für Neues und kann wieder Sachen machen, die mir Spaß machen und erweitere so auch mein Umfeld und bin nich mehr immer gleich auf 180, sondern gewöhne mich.

    Man muss halt oft stur bleiben, bleibt einem ja auch nichts anderes über und immer sagen, ist halt so, Ende der Diskussion..und irgendwann hat man dann auch Menschen um sich, die das annehmen.

    Ich könnte da noch ewig drüber schreiben, aber will hier nicht deinen ganzen Blog vollkritzeln. Aber wir sind uns einig glaube ich: mit dem Annehmen wird es besser.

    Ich wünsch dir alles Liebe und denk dir immer, wieviel du hinbekommst... andere haben keine Ahnung, wie schwer das wirklich ist :). !!!!

    Tina

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Liebe Regenfrau
    Da sind wir uns gleich, mit der Hochsensibilität. Zuweilen ist es einfach nur anstrengend. Undmanchmal einfach schmerzhaft, das Laute, das Schnelle, das Viele.Aber dafür sind wir offen für die Wunder des Alltags. Eine hübsche kleine Blume, das besondere Licht des Morgens oder der Duft der Berge. Es ist eben auch eine Bereicherung des Lebens.

    Ich habe irgendwann den Wunsch fallengelassen, von allen verstanden zu werden.

    Ich kann zum Beispiel bis heute nicht Auto fahren, was die meisten Leute kaum fassen können. Weil ich in dieser fahrenden Kiste die Umweltreize erst recht nicht verarbeiten kann. Und das wäre beim Autofahren doch noch recht wichtig. :-)

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, gefüllt mit den kleinen Wundern, für die du offen bist.

    Herzgruss

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  4. Volltreffer!
    Ich bin schon immer jemand, dem sprungartig alles zuviel werden kann. Auch Dinge (wie z.B. Shoppingtouren), die sonst Spaß machen.
    Zuviele Menschen... zuviel Lärm... das alles stresst mich irgendwann ganz extrem.

    Und seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass all meine Sinne überscharf sind. Ich rieche und höre die kleinsten Fitzelchen, die z.B. der Mister überhaupt nicht wahrnimmt.

    Ich empfinde das als anstrengend und kräfteraubend. Und ich brauche noch mehr Ruhe, Stille und Zeit ganz alleine für mich, um wieder runterzukommen. Ehrlich gesagt dachte ich, dass ich einfach "nur" einen an der Klatsche habe... dass es auf meine Depri und meine Angstattacken zurückzuführen ist... aber ich sollte es wohl ernst nehmen und vor allem akzeptieren und vernünftig damit umgehen.

    Danke für diesen Gedankenanstoß!

    Liebe Grüße vom Schäfchen

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  5. Ohje ja Auto fahren, sehr übel, wenn man alles wahrnimmt und sich alle paar Sekunden das Bild um einen ändert UND man sich noch sehr konzentrieren muss. Derzeit fahr ich auch nicht. Hatte aber mal ne Zeit mit 2000km in der Woche! Albtraum!

    Shopping! Unmöglich! :-) Vor allem wenn ich dann noch in den Unterzucker rutsche und schlechte Luft um mich is. Grauenhaft.

    Und JA es gibt auch die vielen kleinen Begebenheiten die wie ein Wunder für mich sind und oft Tränen der Bewegtheit kommen lassen oder Gänsehaut :-)
    Und wie wenig man eigentlich braucht um Glück und Zufriedenheit zu spüren.

    Was ich noch empfehlen möchte, wegen Erschöpfung und Depri, hoher Puls ect: Schilddrüse genau untersuchen lassen, beim Facharzt!

    Und: Das Buch *Zart besaitet* hilft mir immer wieder mich zu verstehn und besser anzunehmen und mit guten Vorschlägen wie man Streßsituationen besser händelt.

    Liebe Grüße an Euch alle! ;)

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  6. Hi Du,

    bin wieder da. 3 Tag ohne Blog - komisch.

    Auch ich bin hochsensibel - beim riechen und vor allem beim hören. Randgeräusche, wenn ich mich konzentrieren will/muss, höre ich wie ein lautes Orchester.
    Und ich brauche viel Zeit für mich allein. Neben Beruf, Haus, Mann und Kind nicht einfach.

    Deine Tini

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  7. beim Riechen, beim Hören - groß natürlich.

    Kannste jetzt gern löschen, wollte ich nur loswerden ;o)))))))

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  8. Huhu Tini
    schön dass Du (hoffentlich wohlbehalten) wieder da bist ;)
    Soviel Raum darf sein für Verbesserung der Rechtschreibfehler, nicht dass einer denkt: Na der Schmedderling kann ned schreiben ^^ ;-)

    Allgemein macht es mir schon oft zu schaffen, das ich nicht so fit bin wie die "normalen 30-jährigen" die da ein Tagesprogramm haben, wo mir schon vom zuhören schlecht wird...

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  9. Ja Hochsensibel ist ja nicht negativ besetzt finde ich.
    Ich bin leider Hochsensibel wenns um Gräusche geht und um Düfte ( leider auch die ekligen).
    Ich liebe Kinder , doch ich arbeite zur Zeit in einem Geschäft und es bläken etwa 5 Stunden am Tag kleine Kinder ohne das die Eltern mal wenigstens versuchen sie ruhig zu bekommen.
    Das löst bei mir eine Aggression vom Feinsten aus.
    Ich liebe Düfte, aber wenn ich den Alkohol vom Vortag bei einem Kunden rieche oder den schlechten Atem, obwohl der Mensch nen Meter Entfernung zu mir hat, dann ist Sensibilität keine Freude.
    Aber es ist schön wenn man Freunden sensibel gegenüber treten kann, man die sogenannten Antennen für Verfassung des anderen hat.Leider unterdrücke ich oft was ich selber an mir bemerke, weil ich kein Gefühl zu mir habe, also kein gutes zumindest.
    Ich versuche meine sensibilität in Fotos und Bildern auszudrücken. Bei den Fotos gelingt es mir oft. Ich sehe Dinge an die Leute vorbei rennen, ich fotografiere anders als andere.Mir gefällts. Bei liebeszaube@overblog sind meine fotografischen Sichtweisen deutlich zu sehen.
    Ach und übrigens mal was anderes.Dürfen wir hier mal eins deiner "Models" sehen ? Hihi

    Horsche weiter in Dich hineien, ich finde Du bist auf einen guten Weg Dir gerecht zu werden, zu lauschen und zu verstehen was Dein ICH möchte und ob Du es mit Deinem Hirn vereinbaren kannst.

    Hochsensibel sind Menschen die für sich sorgen, für andere da sind und eigentlich auch wissen was gut für sie ist, wenn sie irgendwann gelernt haben damit umzugehen. Meine Sichtweise zumindest.
    Ich wünsche Dir enne entspannten Sonntag Nachmittag

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  10. Deine Sichtweise hast Du sehr schön ausgedrückt! :) Gefällt mir.
    Jau ich hab als Kinderpflegerin mir immer die stillen und leisen, die die gern untergehen zu Herzen genommen und meine Kollegen konnte besser mit den Rabauken und lauten stürmischen Kids.
    Manchmal hab ich aber auch eindeutig zuviel gefühlt und konnte mich nicht abgrenzen.

    Das einfühlen in andere brachte vom anderen schon mal ein erstauntes "woher weißt du???"..tja wie das erklären *g* ;)

    Ich hab analog fotografiert und das dauert noch bissl bis ich die digital hab, weil ich immer mehrere Filme einschick. Aber sie kommen!!!! Vin den I-ahs ;)
    Ach ich weiß heut nich so recht wohin mit mir...vielleicht sollt ich einfach mal bügeln, dann wär was geschafft. ;)

    Achja die ekligen Gerüche...schrecklich, wobei ich eher mit Lärm zu kämpfen habe.

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  11. hihi, ja genau diesen satz höre ich auch öfter vom gegenüber eines zweiergesprächs.
    ich wusste heute auch nicht wohin mit mir, habe mich mit essen betäubt und auf der couch gesessen, gelegen, wie auch immer.

    so, dann bin ich aber noch mehr gespannt auf die fotos. die alte variante hat einfach noch mehr flair ;-)
    gute nacht dann gleich mal ;-)

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