Sonntag, 13. Juni 2010

Wie lebt es sich mit einer sozialen Phobie?

Kurzantwort: es ist enorm anstregend und nervig.

Scheinbar ohne Grund überfallen mich in sozialen Situationen unangenehme Gefühle: Von Anspannung bis zur ausgewachsenen Panikattacke war schon alles dabei.
Mal in einem Geschäft beim bezahlen, mal bei Freunden, mal auf offener Straße wenn Menschen an mir vorbei gehen.
Feinmotorische Tätigkeiten im beisein von anderen fallen mir ebenso schwer z.B. essen und trinken, Kleingeld suchen...

Bis jetzt konnte ich das nie fest machen, wann ES wieder los geht.

Aber jetzt weiß ich es!

Vor wenigen Tagen einige Videos von Samy Mulcho
http://www.youtube.com/watch?v=HjvFndSjp8g zum Thema Körpersprache gesehen.

Da gingen mir sämtliche Lichter auf:
Wenn also jemand was aggressives (inhaltlich) aber freundlich (in Stimme) sagt.
Oder wenn das was er sagt und tut nicht zusammen passen (Doppelbotschaften!).
Oder mich abschätzend, grimmig ansieht, anspricht.
Mich versucht zu manipulieren oder für seine Bedürfnisse benutzen will,
mich demütigt, lächerlich macht,
mir mit Spott,Sarkasmus und verletzender Ironie kommt

dann gehts los.
Das alles geschieht im Unterbewußtsein, denn:
Der Körper erinnert sich
und gibt mir somit ein verläßliches Alarmsignal!

Als ich das erste mal mich über meine Angststörung informierte, hieß es:
Angstauslösende Situationen so oft als möglich aufsuchen.
Ich fand das für mich nie richtig.
Und das wurde mir von einer sehr guten Therapeutin bestätigt.
Denn diese Angst fühlt sich existenzbedrohend an, wenn wieder jemand einen Angriff auf mein Selbstwertgefühl startet.

Wenn ich auf dieses Signal höre und mich schütze,
in dem ich z.B. den Raum verlasse, bestimmte Geschäfte meide,
wird die Angst nicht größer! (wie oft behauptet wird)
Sondern ein innerer Teil fühlt sich beschützt und die Stärke in mir wächst.

Wenn dieses Signal sich wieder massiv sich meldet,
in Weinkrämpfen oder Panikattacken, dann frag ich mich wie ich mich jetzt schützen kann.
Später dann: Was stimmte in der Situation für mich nicht?

Das schönste:
Das wurde in der Klinik unterstützt!
Da durfte ich auf mich hören:
- mal Räume verlassen
- mal nur zu sehen ( bei Körperübungen)
- mal die Körperuntersuchung verneinen
- mal eher nach Hause fahren
- während einer Therapiestunde einen Spaziergang machen
usw.
Seitdem wächst mein Selbstvertrauen: Mir selbst vertrauen, dass ich schon richtig fühle und danach handeln darf!

Je stabiler ich werde, desto eher kann ich mich auch in der Situation schützen,
indem ich z.B. dem gegenüber sage: Das will ich nicht, darüber will ich nicht reden, mich abwenden...

Für mich gibt es da "draußen" soviele Trigger, die ich erst nach und nach erkenne und benennen kann und aber auch lerne adäquat damit um zu gehen.
z.B. mir zu sagen, dass ich heute Erwachsen bin und nicht mehr das hilf-und machtlose kleine Kind. Dass ich heute das anders meistern kann und darf!!!

Ich muss mir kein unverschämtes, gewalttätiges, mißbrauchendes, destabilisierendes Verhalten von anderen mehr gefallen lassen!

Kommentare:

  1. Wirklich bewegend, was du schreibst! Wie belastend das Leben mit sozialer Phobie sein kann, davon macht sich mancher keine Vorstellung. Aber schön, dass du bereits Orte (die Klinik) und Menschen gefunden hast, die dir helfen, auf dich zu achten!
    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!!!

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  2. Dankeschön für Deinen Kommentar! ;)
    Ja manchmal *vergesse* ich selbst, dass es so belastend ist und ich mich dann trete und schimpfe, warum ich nicht so erfolgreich und mit vollem Schwung durchs Leben sause...aber es wird besser, ich werde nachsichtiger und gütiger mit mir selber ;)
    Liebe Grüße!

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