Dienstag, 22. Juni 2010

Selbstfürsorge

Ich hörte einmal folgendes:
„Pflege ein Jahr lang eine Pflanze,
wenn sie dieses Jahr gut übersteht,
lege dir ein Tier zu,
wenn du es ein Jahr gut pflegst und es weiter bei dir lebt,
dann erst, bist du reif für eine Partnerschaft.“

Ich denke:
Noch vor der Pflanze kommt die Beziehung zu Dir selbst.
Liebst Du Dich?
Achtest Du auf Dich?
Pflegst Du Deinen Körper, Deine Seele und Deinen Geist?
Gibst Du Dir, dass was Du brauchst?


Umdenken-umlernen:

Oft esse ich nicht, wenn ich Hunger habe.
Oft trinke ich nicht, wenn ich Durst habe.
Oft ziehe ich mir nichts wärmeres an, wenn ich friere.
Zu oft wurde mir das verweigert.

Oft schlafe ich nicht, wenn ich müde bin.
Oft mache ich keine Pause, wenn ich erschöpft bin.
Denn zu oft hörte ich: Sei keine Lusche, das packst du schon!

Oft wehre ich mich nicht, gegen sexistische Witze, Kommentare, Blicke oder unangenehme Berührungen.
Aus Angst verstoßen und ausgelacht zu werden.
Denn zu oft wurde mir gesagt: Stell dich nicht so an.

Oft erdulde ich unangemessene Schmerzen und Leid.
Zu oft wurde mir gesagt, dass es nicht weh tut, dass es nur ein kleiner Piks ist und wenn ich Oma bin, schon alles vergessen habe.
Doch der Körper erinnert sich...

Oft weine ich nicht,
oft schreie ich nicht, wenn mir danach wäre.
Mir wurde gesagt, dass ich tapfer sein soll und mich nicht so aufzuregen habe!

Ich will keine materiellen Statussymbole,
denn zu oft wurde ich damit abgespeist, wenn ich doch Ansprache, Nähe, emotional versorgt werden wollte.

Ich traue mich nicht, mir eine eigene Meinung zu bilden,
weil mir zu oft gezeigt wurde, dass diese sowieso falsch sei.

Ich traue mich nicht, mich zu beschweren,
weil mir zuviel Scham und Schuld aufgeladen wurde.

Doch dann kamen Menschen auf mich zu und sagten:
Iß! Trink! Entspann Dich! Sage Nein! Wärme Dich! Wehre Dich! Stehe zu Dir! Weine, schreie, sei wütend!
Mit großen Augen sah ich mich um: Ich darf das?
Sie antworteten mir: Du hast nicht nur das Recht gut für Dich zu sorgen, sondern es ist Deine Pflicht!

Ich konnte es nicht glauben.
Doch ich musste es ausprobieren. Was hatte ich schon noch zu verlieren?
Zaghaft testete ich die ersten Schritte der Selbstfürsorge, voller Angst und bitteren Tränen.
Tobender Applaus empfing mich und alle riefen mir zu:
Bravo! Super, machst Du das! Weiter so!

Ich lächelte, es fühlte sich so gut an. Diese Annahme meiner Person.
„Was Hänschen nicht lernt, lernt er nimmermehr“
stimmt nicht.
Jeden Tag gibt es eine neue Chance.
Eine Chance für ein würdigeres, freieres, friedlicheres LEBEN!

Doch was, wenn man ein starkes Grundbedürfnis nach körperlicher Nähe, nach schmusen und kuscheln hat
und gleichzeitig einen schrecklichen Horror davor????
Denn mir wurde zu oft...
….ach ich denke, das kann man leicht erraten.

Ich übe und lerne noch...

und solange muss ich mir noch jedes Jahr eine neue Pflanze kaufen......

Kommentare:

  1. Oh ja - wie gut ich das kenne....

    Das ist ein langer Weg sich das zu erlauben, wenn es so lange verboten war...einem verboten wurde....

    Vieles fällt auch mir immer wieder noch schwer...

    Herzlichst
    artista

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  2. Du Liebe,

    eine Lebensgärtnerin bist du, ich wünsche dir wirklich einen guten grünen Daumen, vor allem für dich...du weißt, wie ich es meine...

    herzlichst, Rachel

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  3. Lebensgärtnerin...was für ein schönes Wortspiel ;)

    Danke!

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