Sonntag, 6. Juni 2010

Heimatgefühl

Mit 12 Jahren erlebte ich einen ziemlichen Bruch in meiner Lebenslaufbahn.
Meine Eltern ließen sich scheiden,
wir zogen um,
ich verlor meine vertraute Umgebung,
meine Freunde und Schulkameraden.
Ich war regelrecht entwurzelt und das vollzog sich ziemlich gewaltsam.

Seitdem streune ich durch die Gegend.
Zog dann alleine immer wieder um.
Immer mußte was neueres, was besseres (anscheinend) her.
Und nirgends fühlte ich mich wohl.

Ich knüpfte lose Kontakte,
nie wurden Beziehungen tiefer,
oft war ich schon wieder am Koffer packen mit dem Gedanken: Nur weg!

Ebenso mit meinen Arbeitsstellen,
das längste waren mal 5 Jahre bei einer Firma,
aber selbst da, wechselte ich alle 1-2 Jahre die Filiale - auf eigenen Wunsch.

Ich konnte mich nirgends mehr voll und ganz ein lassen.
Mit allem was dazu gehört:
Mich zeigen, vertrauen, andere in meinen Bereich lassen.
Es war zu gefährlich, immer die Angst im Hintergrund:
Es kann jederzeit wieder weg sein und wieder weh tun.

Dieses Leben war vielfältig, ich erlebte unterschiedlichste Sachen in sehr kurzer Zeit. Dafür bin ich dankbar.
Aber es war auch einsam. Sehr einsam.
Und es kostete mich Unmengen an Kraft.

Vor einem Jahr spürte ich wieder den Drang:
Weg, weiter, Zelte abbrechen.
Aber so recht wollte ich nicht mehr.
Und überlegte mir: Wie wäre es, wenn ich einfach mal nicht mehr umziehe und schaue was passiert ? es spielerisch einfach mal ausprobiere?...

Einfach war das nicht. Oft wechselte meine Meinung und Launen innerhalb von Stunden, ich bekam Wohnungsangebote, haderte sehr mit mir: Wie soll ich mich entscheiden?

Und immer wieder: Nein, ich bleibe erstmal hier.
Der Lohn dieser Mühe zeigte sich mir letztens:
Ich ging über eine große Straße, sah ein wunderschönes Denkmal und fühlte den Frieden in mir:
Ja hier ist meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl. Hier kenne ich mich aus. Ich wird der Dialekt gesprochen, mit dem ich aufgewachsen bin. Hier gehöre ich dazu.
Hier ist meine Heimat.

Diese Sicherheit, diese innere Ruhe gibt mir sehr viel Kraft für den alltäglichen Kauderwelsch mit dem man sich so rum zu schlagen hat.

Prompt begegnen mir Menschen auf der Straße, die ich oberflächlich kenne.
Wir winken uns zu, reden kurz, gehen weiter.
Ich werde erkannt und gesehen.

Der Kioskbesitzer weiß welchen Tabak ich will und stellt ihn schon auf die Theke, wenn ich noch gar nicht *Hallo* gesagt habe.

Ich fühle mich als Menschin in dieser Stadtgemeinde gut aufgehoben
und nicht mehr wie ein außerirdischer Alien.

Ich schlage zarte Wurzeln,
neue Wurzeln,
die ich hege und pflege
und sie liebevoll anschaue.

Meine Heimat!

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