Sonntag, 6. Juni 2010

Feuer und Flamme



FREITAG:

Mir geht es sehr schlecht.
Voll bis obenhin depressiv, Leere und Langeweile gesellen sich dazu, kein Appetit, keine Hoffnung, Einsamkeit...wieder mal alte Gefühle.
Ich reiße mich selber tiefer und tiefer, irgend ein Sog in mir macht sich ans Werk,
bis nur noch ein Wort, nein zwei übrig sind: selbstmitleidiges Opfer.

Ich habe aber in letzter Zeit etwas gelernt,
daß ich immer wieder vergesse und noch eingeübt werden darf:
Jetzt, hier und heute, habe ich mein Leben in meiner Hand.
Ich kann heute mein Leben verbessern.
Ich habe die Macht dies zu tun.
Ich bin nicht mehr handlungsunfähig, wie ein erstarrtes Kanickel vor der Schlange.

Nächster Schritt:
Was könnte mir gut tun?
Was möchte ich gerne machen?

Ergebnis:
Ich rufe eine Freundin an und frage ob sie am nächsten Abend Zeit und Lust hat mit mir in der Innenstadt den Feuerspielern zu zu schauen.
JA sie hat!
Mir geht es gleich um 80% besser :-)

Vor 12 Monaten brach ich zusammen.
Nichts ging mehr. Kaum Schlaf, kaum Essen, kein Lachen.
Diagnose: Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

Dann habe ich mich sehr zurück gezogen.
Ich musste mich sortieren, mich spüren, in mich schauen.
Mich neu orientieren
und deswegen ist für mich der Leuchtturm so wichtig geworden, als Symbol.
Ich habe auch einen selber gemalt auf den ich sehr stolz bin.

Viele Tränen flossen, viele Schmerzen brachen auf.
Smalltalk interessierte mich nicht.
Vor anderen Menschen bekam ich Panik.

Langsam habe ich mich wieder stabilisiert
auch mit Hilfe einer guten psychosomatischen Klinik, in der ich 10 Wochen war.
Jetzt geht es zurück ins Leben:

SAMSTAG:

Ich sitze mit der Freundin am Ufer eines Flußes,
wir köpfen eine Flasche Wein,
erzählen uns von den letzten Monaten, lachen,
bewußt ließ ich meine Schreckenszeit eher im Hintergrund.

Heute wollte ich keine Probleme hören. Ich hab genug davon!
Wir fotografieren.
Um uns herum haben es sich ebenso viele Leute gemütlich gemacht:
Grillen, trinken, lachen, spielen.
Ein milder Abend, ich genieße es voll und ganz bewußt.
Ich bin dankbar, dass ich sowas scheinbar Kleines und Normales wieder erleben darf!
Und auch, dass ich diesen "Schuß vor den Bug" in jungen Jahren von meiner Seele geschickt bekam. Denn nun kann ich noch mein Leben besser gestalten, gnädiger und liebevoller mit mir umgehen
und das HEUTE mehr genießen, da ich nun weiß, wie schnell das Leben vorbei gehen kann.

Später wandern wir ein Stück weiter und sehen in der dunklen Nacht, die ja in einer Stadt nie ganz dunkel ist, die ersten Flammen.
Feuerjongleure, Feuerspucker, kleine Lämpchen im Kreis aufgestellt,
daneben einige Trommelspieler und einfache Gesänge werden angestimmt.

Mich überkommt eine Gänsehaut.
Meine archaischen Ur-Gene jubeln begeistert auf.
Ich bin ergriffen und fasziniert. Ich genieße diese Leichtigkeit, diese Schönheit!



Kurz vor Mitternacht begebe ich mich auf den Heimweg.
Die Stadt ist voll von jungen Nachtschwärmern.
Das Nachtleben ist bunt, die Leute sind entspannter, alles ist offener.
Das beobachte ich ebenso fasziniert: dass ich daran wieder teilhaben darf.

Zufrieden gehe ich zu Bett.
der Spuk vom Freitag ist schon wieder halb vergessen.

Es geht weiter.....
auf der spannenden Lebensreise!

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