Donnerstag, 17. Juni 2010

Ein Buch

Von Helen Keller, einer tauben UND blinden Autorin:

Licht in mein Dunkel (Eingemauert von Schweigen und Dunkel habe ich Licht).


Teilweise fand ich das Buch sehr anstregend zu lesen, zu vergeistigt und schwer verständlich, spricht sie begeistert über Swedenborgs Werk. Und natürlich über ihr Leben und Leid.


Ich las das Buch aber weiter, denn ich war fasziniert, wie ein taubblinder Mensch ein Buch schreiben konnte und sich überhaupt mit seiner Umwelt verständigen konnte.


Zum Ende des Buches fand ich aber doch bemerkenswerte Absätze:

Nicht die Umgebung, sondern Kräfte, die in ihm (den Menschen) zur Wirkung kommen, wandeln den Menschen...


Man kann sein Leben so gestalten, dass man dabei dem Ziel seiner Wünsche näher kommt, gleichgültig unter welchen äußeren Umständen man leben muß.


Ich kämpfe gewiß ebenso sehr gegen unnötige Armut und entwürdigende Umstände wie irgend jemand, aber zugleich bin ich davon überzeugt, dass wir erfahrungsgemäß auch in einer anderen Lebenslage keinen Erfolg hätten, wenn wir in der gegenwärtigen versagen.


Weil wir aber noch soviel kindlich-Unreifes in uns haben werden wir leicht ungeduldig und sagen: wenn ich nur, das Geld meines reichen Freundes besäße, so täte ich gern mein Teil zur Besserung der Welt.


Das finde ich bemerkenswert, denn je. Diese Frau lebte von 1880-1968.


Und weiter:


Die entscheidende Frage ist nicht, wie unsere Umgebung beschaffen ist, sondern welche Gedanken wir täglich denken...

Menschliches Glück setzt sich aus zahllosen kleinen Freuden zusammen, wie die Zeit aus Minuten und Sekunden, aber wenige Menschen mit gesunden Sinnen denken darüber nach...


Die Welt ist so voller Sorge und Kummer, dass es zu einer schönen Pflicht der Nächstenliebe wird, einander die lichten Kristalle der Freude zu entdecken...


Ach wenn doch alle Menschen, die dem Glück nachjagen, nur eine Minute inne hielten und nach dächten, so würden sie die Freuden erkennen, die sie wirklich erleben: sie sind so zahlreich wie die Gräser zu ihren Füßen und die funkelnden Tautropfen auf den Blumen in der Frühe..


Das Beispiel eines eben erblindeten Menschen ist so sinnfällig, dass es uns als Modellfall für jegliche Lebensschule dienen kann:


Nachdem er sein Augenlicht eingebüßt hat, meint ein solcher Mensch erst, es bleibe ihm nun nichts anderes übrig, als Leid und Verzweiflung. Er fühlt sich von allem ausgeschlossen, was menschliches Leben heißt.

Das Feuer seines Ehrgeizes ist erloschen, das Licht der Hoffnung untergegangen.


Die Dinge die ihm einst Freude bereiteten, scheinen nun mit scharfen Kanten nach ihm zu stoßen.

Versucht schließlich ein weiser Lehrer und Freund ihm klar zu machen, dass er ja noch mit seinen Händen arbeiten kann und dass er auch sein Gehör ausbilden kann, so glaubt es der Unglückliche oft nicht und deutet es in seiner Verzweiflung gar als Spott.

Wie ein ertrinkender schlägt er blindlings nach jedem, der ihn zu retten sucht.

Dennoch muss man den Leidenden auf irgendeine Weise vorwärts drängen und wenn er erst einmal erkannt hat, dass er wieder mit der Welt in Verbindung treten und menschenwürdige Aufgaben zu übernehmen vermag,

dann kommt in ihm zur Entfaltung, was er vorher nicht einmal geträumt hatte!


Dies alles sind auch meine eigenen Erfahrungen.

Oft hatte ich mich schon aufgegeben, vor Depression und Ängsten ausgezehrt und hoffnungslos.

Im Außen hatte ich alles was das Herz begehrt. Oder was vermeintlich für das Glück nötig war. Doch dem war nicht so und in mir war es so schrecklich leer und lieblos.

Das mag sich jetzt theatralisch anhören: Aber ich musste sehr viel Materielles (auch meine Wohnung) verlieren, um zu erkennen, dass ich die Arbeit in mir erledigen muss, um zufriedener leben zu können.

Ich bin heute um so vieles dankbarer, für Dinge die früher für mich selbstverständlich waren.

Auch das heilt meine Seele immer mehr.


Frau Keller interessierte mich auch noch wegen einem weiteren Grund:

Ich arbeitete selbst mit blinden und mehrfach behinderten Kindern.

Was die mir vom Leben zeigten, war wunderbar!

Ihre Sicht auf die Welt! Ihr frohes Gemüt, ihre Freude an Musik und zwischenmenschlichen Beziehungen! Selten hörte ich sie jammern und klagen und wenn, dann aus den ganz normalen Gründen, den viele Schulkinder plagen: Noten, Prüfungen, Streß mit den Eltern.


Diese Kinder zeigten mir, auf was es im Leben wirklich ankam.


Möge Dich heute viel Hoffnung, Kraft und Mut durch den Tag begleiten!

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