Mittwoch, 30. Juni 2010

Allerlei

Der Satz:
*Bei dir piepts wohl...*
bekommt für einen Tinnitus-Patienten eine völlig neue Bedeutung. ;-/

Hiermit biete ich meinen Tinnitius zum Kauf an,
an den Höchstbietenden.
Er ist etwas gebraucht, aber noch gut in Schuß.
Ist immer da, verlässt einen nie.
Funktioniert völlig synchron auf beiden Ohren gleichzeitig.
Und weil ich so ein guter Mensch bin: Das ganze portofrei...

Sorry, manchmal hilft einfach nur noch Sarkasmus.
Weil ich aber auch gelernt habe, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann (wann weiß man das denn bitteschön?)
werde ich nicht mehr gegen dieses pfeifen kämpfen.
Ich akzeptiere. Ich nehme ihn an. Er ist da. Nunja, so ist es.

Dafür durfte ich heute mit sanftem plätschern und zaghaftem Donnergrollen aufwachen.
Erst dachte ich, ich träume noch.
Ein einäugiger Blick gen Fenster ließ mich grinsen:
Es regnete! Und wie! Ein Traum!
So riß ich erstmal alle Fenster auf und kühlende 19 Grad wehten durch meine Wohnung!
Herrlich ;-)

Und dann,
dann fand ich ein Gedicht, das mich schier von den Socken riß:

*Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
(von Dietrich Bonhoeffer 1944 im Wehrmachtsgefängnis Berlin-Tegel)*

Genau so geht es mir auch!!!! Unglaublich...

Wer ich bin?
Das werd ich dir im Himmel zuflüstern, dann weiß ich wer ich war.

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