Mittwoch, 30. Juni 2010

Ein Traum

In den letzten zwei Jahren lernte ich viele Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren kennen, die nicht mehr (oder nur noch ganz wenig) arbeiten gehen können.

Und was mir auffiel:
Die soziale Isolation ist schlimm und das ohnehin schon große Leid, wird noch größer.
Auch ich kenne das.
Auch wenn ich mich von Menschen eher fern halte.
Trotzdem leide ich oft genug unter dieser Einsamkeit.
Da ist eine elendige Zerrissenheit in mir: Nicht können--aber wollen. Angst und Sehnsucht zugleich.

12 Jahre lang lebte ich als Kind in einem sehr großen sozialen Umfeld.
Irgendwer war immer da.
Ich denke das half mir enorm. Zuhause war wenig Geborgenheit, viel schweigen und Manipulation.
Draußen unter den vielen Kindern und Erwachsenen, gabs immer Ansprache, Spiel, Spaß, ein offenes Ohr, ein Lachen....
Deswegen konnte ich mein Zuhause gut ertragen, weil es noch zusätzlich einen Stabilisator gab. Der dann von heut auf morgen wegbrach.

Heute sieht es so aus, dass wenn ich mich mit jemand treffen will,
das groß geplant werden will.
- welcher Termin?
- wo?
- was machen wir?
- ich oder derjenige muss meist eine halbe Std. fahren, weil wir nicht nah beieinander wohnen, also mehr Zeit einplanen, mich schick machen, Fahrkarte kaufen usw..

Mir fehlen die kleinen Zusammenkünfte:
- mal kurz ein Plausch im Garten
- ein: hej kommst rüber zu nem Tee
- ein spontaner Spaziergang zusammen
- ein helfen im Haushalt
- ein kurzes vorbei schauen: alles ok bei dir?

Ich wünsche mir ein *Lebenshaus*:
Kleine Wohnungen (ich brauche mein eigenes Bad und zumindest eine Minikochecke).
Mit Menschen die nicht mehr 100% "funktionieren".
Eine Hausgemeinschaft, wo jeder weiter für sich selbst verantwortlich bleibt, aber man sich besser kennt und gegenseitig hilft und gemeinsam etwas machen kann.
Ohne einer Ideologie oder eines Programmes.
In denen man an guten Tagen anderen helfen kann (meine Leistungsfähigkeit schwankt enorm) oder im Garten was tut..ect.
Vielleicht mit einem Gemeinschaftsauto.

Und ein schwarzes Brett, auf dem man sich melden kann:
z.B. wer hilft mir die nächsten Tage beim Gassi gehn?
jemand Lust am Wochenende ein Lagerfeuer zu machen?
wer mag mit an den See?
fahre morgen einkaufen, wer mag mit?

Vielleicht kann der eine den anderen unterstützen, in Dingen wo der andere Angst hat.
Oder:
Bücher austauschen, in Behördendingen helfen, etwas schneidern, gemeinsam musizieren, kreativ sein (in einem kleinen Nebengebäude) gemeinsam putzen...
Nach dem Motto:
Man kann zusammen sein, muss aber nicht.
Nur soviel wie jeder will.

Immer wieder komme ich auf solche Gemeinschaftsideen.
Ich habe mich dazu viel informiert, einige Leute getroffen, einige Häuser angesehn und meistens war ich davon abgeschreckt.
Weil es zu nah war. Zuviel gemeinsam. Nur mit bestimmten Regeln (z.b. Alkohol-Nikotin-Handy-frei), auch wanderten viele eher in sektenähnlichen Bereichen ab (mit einem Leiter, *Herrscher* oder Halbguru), oder ganz streng Öko-alternativ.
Da war der Schein immer toll. Und wenn ich genauer hin sah, müffelte es aus allen Ecken. Da war nix mehr mit achtsam und frei und selbstbestimmt leben!

Es geht mir um die kleinen Begegnungen, die ich immer mehr vermisse.
Um kleine Hilfeleistungen: Ich kann das, der andere kann das.
Zu erfahren: Es kann mit Menschen auch schön sein und ich kann mich schützen und für mich sorgen, auch IM Kontakt...

Ich weiß nicht, ob ich mich so etwas wirklich trauen würde....
....aber träumen darf ich. ;-)

Allerlei

Der Satz:
*Bei dir piepts wohl...*
bekommt für einen Tinnitus-Patienten eine völlig neue Bedeutung. ;-/

Hiermit biete ich meinen Tinnitius zum Kauf an,
an den Höchstbietenden.
Er ist etwas gebraucht, aber noch gut in Schuß.
Ist immer da, verlässt einen nie.
Funktioniert völlig synchron auf beiden Ohren gleichzeitig.
Und weil ich so ein guter Mensch bin: Das ganze portofrei...

Sorry, manchmal hilft einfach nur noch Sarkasmus.
Weil ich aber auch gelernt habe, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann (wann weiß man das denn bitteschön?)
werde ich nicht mehr gegen dieses pfeifen kämpfen.
Ich akzeptiere. Ich nehme ihn an. Er ist da. Nunja, so ist es.

Dafür durfte ich heute mit sanftem plätschern und zaghaftem Donnergrollen aufwachen.
Erst dachte ich, ich träume noch.
Ein einäugiger Blick gen Fenster ließ mich grinsen:
Es regnete! Und wie! Ein Traum!
So riß ich erstmal alle Fenster auf und kühlende 19 Grad wehten durch meine Wohnung!
Herrlich ;-)

Und dann,
dann fand ich ein Gedicht, das mich schier von den Socken riß:

*Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
(von Dietrich Bonhoeffer 1944 im Wehrmachtsgefängnis Berlin-Tegel)*

Genau so geht es mir auch!!!! Unglaublich...

Wer ich bin?
Das werd ich dir im Himmel zuflüstern, dann weiß ich wer ich war.

Dienstag, 29. Juni 2010

Selbstliebe

Wie begrüßt Du Dich selbst am Morgen?

Eher so:
Guten Morgen liebe(r)....ich wünsche Dir einen wundervollen Tag! Du bist gut und wundervoll, einfach liebenswert, Du kannst...(einsetzen was man gut kann) und bist...(positive Eigenschaften).

Oder so:
Oh nein, wie seh ich nur aus? Was soll ich anziehen? Ohje ein Gespräch mit meinem Chef hab ich heut auch noch, tanken muss ich , mein Partner nervt...
und im Hintergrund läuft das Radio voller Meldungen mit Mord und Totschlag, Korruption und Umweltverschmutzung. Oder man liest die Zeitung, was ja auch nicht viel besseres an Neuigkeiten bringt.


Menschen, die sich lieben,

feiern sich an guten Tagen,
verwöhnen sich an schlechten Tagen
und trösten sich in traurigen Zeiten.

Schon lange versuche ich einen Frieden in mir zu finden.
Den suchte ich immer im Außen:
Ich hatte einen Partner--dann keinen.
Ich verdiente viel Geld--dann fast nichts.
Ich wohnte in WG's--ich wohnte alleine.
Ich arbeitete viel--ich war lange arbeitslos.
Ich hatte kurze und mal lange Haare.
Ich war auf Partys--und viel zuhause.
Ich trieb Sport, ich rauchte und las Unmengen an Büchern...

und immer fehlte etwas in mir.
Ich fühlte mich mit mir nie ganz wohl.
Und das ist der Weg:
Mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe für mich zu entwickeln.

Obwohl ich keinen Kontakt mehr zu meiner Familie (und anderen Tätern) habe,
wuchern deren Einstellungen und Verhaltensweisen in mir weiter.
DA werde ich ansetzen:
Darauf zu achten: Wie spreche ich innerlich zu mir selbst?



Lächel Dir selbst zu.
Schreibe Dir selbst einen Brief.
Sei gut zu Dir!

So und deswegen ist heute See-Tag mit dem Buch:
Die Kunst des Liebens von Erich Fromm ;-)

Montag, 28. Juni 2010

Arbeit, Maloche oder doch die Erfüllung?

Ich schimpfe wirklich selten
und lautstarkes fluchen liegt mir fern.

Heute aber..
heute könnte ich loslegen, dass es selbst dem größten Schimpfwörtersammler die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.

Grund: mein Berufsleben.

Es ist zum Haare ausreißen. Einerseits habe ich viele Kompetenzen, lerne schnell und leicht, habe ein gewisses Allgemeinwissen usw....und so fort.

Andererseits: will ich nur jobben? Will ich mehr Erfüllung, Verwirklichung meiner Selbst, meine Phasen schrecklichster Depressivität, starke Erschöpfungszustände, fehlende Konzentration, bin ich fit für eine weitere Ausbildung?
Will ich das wirklich? Bedenke meinen sehr hohen Streßpegel, der in Wettbewerbssituationen oder unvorhergesehenen Problemen oder bei zuvielen Menschen mich in die pure Panik versinken lässt, meinen enorm hohen Anspruch an mich selbst (an dem ich zwangsläufig immer wieder scheitere)...
was kann ich ändern...was muss ich lernen anzunehmen...?!
Was will ich wirklich? Und was lasse ich mir von anderen einreden?
Wo funkt mir mein verängstigtes inneres Kind dazwischen?
.
.
.


Also ehrlich: Ich hab nich nur 2 Wölfe in mir, sondern mindestens 10!

Ich werd einfach Leuchtturmwärter....ne warn Scherz.

Nur für heute, muss ich nichts entscheiden.
Und werde erstmal Siesta halten, die Hitze schafft mich.

PS: Schon wieder in der Stadt nach dem Weg gefragt worden....
Langsam wirds unheimlich....

Sonntag, 27. Juni 2010

Gefühlswende

Wie sehe ich die Welt?
Und für was entscheide ich mich?

Waren heute 2 Fragen an mich selbst gerichtet, während ich am See lag und in einem Buch las, daß einem helfen soll, sein Leben kreativer und sinnvoller zu gestalten.

Und ich ertappte mich dabei, wie ich voller Feindseligkeit war!
Igitt!!
Aber: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung :-)

Das erinnert mich an die Geschichte mir den 2 Wölfen (die in einem selbst hausen).
Und welcher gewinnt?
Den, den ich füttere.

Also gut: Was will ich vermehren: die Depressivität, den Groll, den Ärger, die Probleme
oder die Leichtigkeit, den Spaß, die Freude ...?
Es war, als würde sich ein Schalter in meinem Inneren umlegen und ich konnte die Menschen und deren Aktivitäten ganz anders sehen.

Das erinnert mich an eine Geschichte von meinem Vater:

Er hatte lange Zeit sehr viel Angst, vor allem möglichen.
Irgendwann war es so schlimm, dass er das Haus nicht mehr verlassen konnte und wenn, dann nur, wenn er mit dem Auto weg fuhr.
Er konnte keine Geschäfte mehr betreten, keine Feste mehr besuchen und seinen Job hatte er schon ganz früh dadurch verloren.
Er *schonte* sich immer mehr, las alles über Gesundheit was er bekam, es gab kein anderes Thema mehr in seinem Leben.
Irgendwann hatte er so die Schnauze voll davon, dass er etwas erstaunliches tat:
Er sagte sich: Ich steige nun aufs Rad und fahre damit ins nächste Dorf (ca. 3 km) und wenn ich umfalle und ins Gebüsch fliege: scheiß egal, irgendwer wird mich schon finden!

Er stieg aufs Rad und fuhr.
Natürlich versagte sein Kreislauf nicht und auch sonst passierte nichts, was er davor befürchtet hatte.
Ab da war der Bann gebrochen: Er fuhr nun öfter, er ging in Geschäfte und bald schon hatte er auch wieder einen neuen Job.

Im weiteren Kapitel ging es um den Humor!
Das bestärkte meine neue Einstellung zur Welt und zu meinem Leben!
Ich grinste...
ich lächelte...
und fuhr pfeifend und in Schlangenlinien nach Hause....

Nur für heute,
nehme ich mich selbst, weniger ernst. ;-)

(ich meine damit nicht: ständig positiv zu denken oder alles auf die leichte Schulter zu nehmen und immer witzig zu sein, aber wie immer: Der gesunde Mittelweg machts ;))

Samstag, 26. Juni 2010

Gefühlssensor

Gestern habe ich mich noch etwas mit Thorsten Havener befasst.
Ein Mentalist und (scheinbarer) Gedankenleser.
Spannende, interessante und unglaubliche Dinge sah ich da.
Er *liest* sehr viel von den Bewegungen, Mimik, Stimme seines Gegenübers ab und deutet diese dann.
Ähnlich wie (vor kurzem hier schon erwähnt): Samy Molcho.

Diese zwei Herren machen das bewußt und erkennen (und benennen) es mit dem Verstand.
Ich fühle es. Und manchmal wird mir das zuviel und ich habe noch nix gefunden, wie ich mich besser abschirmen kann.

Als Kind war es für mich enorm wichtig, meine Eltern in Sekundenbruchteilen *lesen* zu können, also waren meine Aufnahme-antennen immer ausgefahren:
Hat Mama wieder getrunken?
Darf ich jetzt stören?
Schafft es Papa mit dem Auto wieder heim?
Holt er mich überhaupt ab?
Muss ich jetzt gut gelaunt sein oder darf ich jetzt weinen?
Es war alles unberechenbar!
Heute läuft dieses Programm weiter.
Sowie ich die Bahn besteige bin ich sofort bei den anderen (gefühlsmäßig).
Oder im Supermarkt oder irgendwo.

Im Sea Life spürte ich sehr gut, dass sich mein Begleiter nicht wohl fühlt.
Ich weiß nicht an was es lag. Aber ich übernahm keine Verantwortung.
Ich ließ ihn für sich selber sorgen.
Normalerweise springt sofort der "vorauseilender Gehorsam" an und ich richte mich vollkommen nach dem anderen. Das minimiert Streit, Verlassenheit ect..
Dieses mal konnte ich mich innerlich abgrenzen und mir den Spaß nicht verderben lassen.

Es ist ein Fluch und Segen zugleich.
Im sozialen Beruf kann das sehr hilfreich sein, sich so in andere Menschen einfühlen zu können.
Andererseits raubt es sehr viel Energie, wenn man zu engagiert ist.
Und oft stieß ich manchem Kollegen schon vor den Kopf, weil ich was von ihm fühlte und ihn drauf ansprach, aber er sich doch so große Mühe gab, es zu verstecken ;)

Außerdem verwirrt es mich gänzlich, wenn ich etwas vom anderen fühle, seine Körpersprache wahr nehme und sein Gesagtes und alle 3 Dinge nicht zusammen passen: Nach was soll ich mich dann richten?
Das passiert sehr sehr oft!
Authentisch ist: Wenn alle 3 Bereiche dasselbe sagen.
Dann ist auch der Kontakt sehr entspannend.

Freitag, 25. Juni 2010

Fremdwahrnehmung

Ich möchte ja zu gern mal wissen, wie ich auf fremde Menschen wirke.
Was die so als erstes denken, wenn ich ihnen auf der Straße begegne.

Als Sozialphobikerin habe ich ja einen riesen Schiß vor negativer Beurteilung.
Mit einer früheren Arbeitskollegin hatte ich mal einen Running-Gag, der Satz: Ja was sollen denn da die Nachbarn (Leute) denken?
Ständig und immer wieder, bei den (un)passendsten Momenten sagten wir den Spruch. Und kicherten wie Pubertierende.

Bis ich später merkte: Mist, für mich is das kein Gag, sondern enorm wichtig.
Womit ich mir natürlich selber riesen viel Streß mache, denn mir kanns ja wurscht sein, was die anderen von mir denken. Tuts aber nicht. Ich glaube, nur ganz wenigen Menschen is das vollkommen egal.

Jedenfalls fällt mir seit einigen Monaten was auf:
Ich werde sehr sehr oft von fremden Menschen angesprochen und nach einer Info gefragt: Wissen Sie, wo die X-Straße, der Lidl, der Bauhof, die Apotheke is?
Oder: Welche Bahn/Fahrkarte muss ich nehmen?...usw.
Heute wurde ich sogar vom Rad gewunken, um anzuhalten und einem Herrn Auskunft zu geben.
Mich stört das nicht, ich mache das gerne und oft ergibt sich noch ein netter Plausch.
Es wundert mich nur: Was strahle ich aus?
Trage ich gar ein Schild mit *INFO* drauf?
Was denken die Leute?
Werde ich gar nicht sooft negativ beurteilt, wie ich oft denke?

In der Klinik hielt man mich 2x als Ärztin!
Ich sah anscheinend nicht so aus, als bräuchte ich selbst Hilfe...

Bei dem Gespräch für die Rehamaßnahme meinte der Herr,
dass ich in der Gruppe wohl sehr auffallen würde, weil ich doch selbstständiger bin und die meisten Leute *etwas einfacher gestrickt sind* und starke Lernschwierigkeiten hätten.
Ich hörte mich prompt sagen: Ach das kann bei mir auch sehr täuschen.
AAAAAHHHHHHH!!!!!!!

Im Job bekam ich immer neue Aufgaben mit viel Verantwortung, anscheinend trauen mir andere mehr zu, als ich mir selber....
Bei einem (Zwischen-)job als Kassierin fragten mich dann mal Stammkunden, was ich eigentlich studiere?
Ich? Studieren? Äh nein...das tue ich nicht, ich arbeite hier nicht nebenberuflich.

Warum in Gottes Namen halte ich mich selber weiterhin so klein?
Warum kann ich nicht zu mir stehen und annehmen, dass ich viel kann?
Warum buddel ich nicht endlich mein ungenutztes Potential aus und nutze es?

Ich bin echt erschüttert über mein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl.
Das werde ich jetzt weiter pflegen und füttern!
Und mich aus dem alten Familienkorsett befreien, die mir sooft sagten und zeigten, dass ich ja ein Niemand sei, nix kann und nie nach höherem greifen darf!

Wochenende :-)

Hiermit leite ich mit einem dünnen Milchkaffee mein Wochenende ein.
Ich merke ich bin mit meinen Kräften am Ende.

Erst am Mittwoch das Gespräch wegen der Reha, mit einer Busfahrt in einer fremden Gegend, was mich einfach streßt, obwohl ich weiß, dass ich in solchen Sachen sehr fit bin.
Ich sagte mir zum Glück, dass es ganz normal ist, wenn man vor einer Art Vorstellungsgespräch nervös ist. Habe mich soweit beruhigt, ansonsten wäre mal wieder eine Panikattacke dran gewesen.

Dann gestern, trotz des schönen Ausfluges, auch dass war für meinen Körper enorm anstrengend und ich merke ich habe einen ziemlichen Schlafmangel.

Und jetzt ein Werkstattbesuch, weil mein Fahrrad einen Platten hatte und ich mich am Hinterrad wegen der Gangschaltung nicht selber dran traute.
Allein die Hinfahrt war unangenehm, weil ich mit einem kaputten Fahrrad durch die Gegend marschiere. Also unperfekt. Tjaja so ticke ich leider.
Weiter die Unsicherheit: Muss ich es nachmittag abholen, oder wird das gleich erledigt?

Zum Glück war es ein ganz netter Herr, der es sofort machte und ich freudestrahlend nun heim fuhr:
Die nächsten 2 Tage keine Termine, absolut freie Zeiteinteilung und endlich viel schlafen.
Obwohl mein innerer Kritiker schon meckert:
Es is schönes Wetter, fahr an den See!
Nein ich merke, ich brauche ganz ganz dringend den Schutz meines Schneckenhauses und höre auf mich und verbanne den Kritiker aufs Dach, da kann er schmoren.

Auch wenn immer wieder die Traurigkeit durch bricht, dass ich nicht so unterwegs sein kann, wie andere junge Leute, mit Party und dauernd draußen sein und den Sommer genießen.

Nunja, ich bin eben anders.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Ein Ausflug


Heute gönnte ich mir mal einen schönen und fast sorgenfreien Tag.
Ich traf mich mit einem Kumpel und wir picknickten in einem Park in einer wunderschönen Wiese voller wilder Blumen.

Dann ging es in die Unterwasserwelt. In's Sea-Life.
Ich besuche keinen Zoo und keinen Zirkus mit Tieren, weil ich diese Haltung der Lebewesen nicht akzeptiere. Wenn dann nur artgerechte Haltung.
Heute machte ich eine klitzekleine Ausnahme.

Mein inneres Kind konnte staunen, sich an der bunten Vielfalt satt sehen, sich entspannen, sich voll und ganz drauf einlassen, wie herrlich!
Sanfte Musik umplätscherte mich, wenig Menschen waren da und man konnte von einem Becken zum anderen schlendern.

Dann kamen wir in einen Glastunnel, nun schwammen die Fische über uns hinweg, man hatte das Gefühl zu tauchen und nach oben zu sehen und das glitzern der Sonne erahnen.
Am liebsten hätte ich mich an Ort und Stelle hingelegt und wär für heute nicht mehr da aufgestanden.

So beruhigend, so entspannend.
Eine riesen Schildkröte zog über mir ihre Bahnen und 3 kleine Haie jagten sich über meinem Kopf gegenseitig.

Ich musste grinsen und fühlte so eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, mit den Tieren, ja wir alle sind eins. Auch wir sind Natur. Nur haben das leider leider schon viel zu viele vergessen.

Der BP-Chef sollte sich mal diese Wasserwelt live ansehen und nicht großkotzig mit der Jacht rumschippern, während weiter das Öl diesen wunderschönenen Lebensraum zerstört.

Zum heulen.

Ein Fühlbecken gab es auch und ein netter Mann stand dabei um Fragen zu beantworten und Infos zu geben.
Ich durfte ganz sanft eine Seeanemone streicheln. Doch dann war da auf einmal was hartes, natürlich erschrak ich enorm, weil ich eh schon Angst hatte, dass ich dem Tier schade.
Ich schrie auf und zog blitzschnell meine Hand wieder aus dem Wasser.
Ein Besucher neben mir: Oh Gott jetzt is der halbe Finger weg was?

Nunja so schlimm wars nicht :-)

Und irgendwann sperren uns die Tiere ein und dann müssen wir uns begaffen lassen, an uns Experimente durchführen lassen, wir werden gejagt, ausgestopft, aufgegessen, gequält und schließlich ausgerottet.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Eine Begegnung

Die Bahn fährt mir vor der Nase weg.
*schulterzuck* der Tag is eh schon hinüber, wart ich halt 20 Minuten, davon geht die Welt nun auch nicht unter.

Zünd mir eine Kippe an und reck mein Gesicht in die Sonne.
Bis ich angesprochen werde, Mutter und Tochter stehn vor mir:
"Wo fährt denn die Bahn hin?" (im nachhinein is mir klar, dass das nur eine Ablenkungsfrage ist um mich während dessen zu mustern)
aber noch beantworte ich brav die Frage.

Mutter (mit osteuropäischem Akzent): "Wollen Sie, dass ich ihnen aus der Hand lese?"
Ach herrje.
"Äh nein danke"
Mutter:"Wieso nich? Ich bin keine Bettlerin, ich bin Medium!"
Ahja..is klar...
wieder mein: NEIN!!

Sie überhört meine Antwort und legt mal probeweise los:

Ich sei da (Fingerzeig auf Brustbereich) nervös (soso, ich rauche und dünne Menschen sind nun mal nervös, weil ihr Körper dauernd auf Hochtouren läuft und deswegen kein Gewicht hängen bleibt:meine Theorie)

und da (Fingerzeig auf Bauch) blockiert (aha wundert mich nicht, sieht jeder weil ich gekrümmt da stehe)

und letztes Jahr sei nicht gut bei mir gelaufen (ach echt? Dass ich nicht grad glücklich aussehe, sieht auch jedes Nicht-medium)

aber es gäbe 2 Männer in meinem Leben, die *schwafelschwafel* (ich trage keinen Ehering, also mal fluchs was positives einschmeißen)

und ein Mensch ärgert mich derzeit sehr ( EINER NUR????? hatte ich schon gesagt, dass ich eh total grantig, also echt zwider war, weil die Begegnung vor dieser Begegnung so total blöd war?).

Inzwischen schaue ich nur noch stumm an ihr vorbei.

Medium-Mutter: "Ob mir diese 20 Euros denn zuviel wären?"
"JAAAAAAAAA!!!!!!!"
Schimpfend zogen beide von dannen.
Na bitte, warum denn nicht gleich.

Das bisschen Menschenkenntnis bring ich auch noch zusammen, was die mir da erzählte. Außerdem weiß ich ja, was in meinem Leben wie und ob überhaupt läuft.
Dumpfbacke die.....

Jetzt is mir erst recht nach heulen und schreien und meine Möbel vermöbeln, aber ich muss noch brav und ruhig eine Stunde mit der Bahn heimfahren.
GGGGGGGGRRRRRRRRR!!!!!!!!

Scheiße, das war heut nicht mein Tag:
http://www.youtube.com/watch?v=6WETYDeVqs4&feature=PlayList&p=23B8124D596B3AAC&playnext_from=PL&playnext=1&index=9

Dienstag, 22. Juni 2010

Welcome...

...auch an Sternenzauber!! :-)

Selbstfürsorge

Ich hörte einmal folgendes:
„Pflege ein Jahr lang eine Pflanze,
wenn sie dieses Jahr gut übersteht,
lege dir ein Tier zu,
wenn du es ein Jahr gut pflegst und es weiter bei dir lebt,
dann erst, bist du reif für eine Partnerschaft.“

Ich denke:
Noch vor der Pflanze kommt die Beziehung zu Dir selbst.
Liebst Du Dich?
Achtest Du auf Dich?
Pflegst Du Deinen Körper, Deine Seele und Deinen Geist?
Gibst Du Dir, dass was Du brauchst?


Umdenken-umlernen:

Oft esse ich nicht, wenn ich Hunger habe.
Oft trinke ich nicht, wenn ich Durst habe.
Oft ziehe ich mir nichts wärmeres an, wenn ich friere.
Zu oft wurde mir das verweigert.

Oft schlafe ich nicht, wenn ich müde bin.
Oft mache ich keine Pause, wenn ich erschöpft bin.
Denn zu oft hörte ich: Sei keine Lusche, das packst du schon!

Oft wehre ich mich nicht, gegen sexistische Witze, Kommentare, Blicke oder unangenehme Berührungen.
Aus Angst verstoßen und ausgelacht zu werden.
Denn zu oft wurde mir gesagt: Stell dich nicht so an.

Oft erdulde ich unangemessene Schmerzen und Leid.
Zu oft wurde mir gesagt, dass es nicht weh tut, dass es nur ein kleiner Piks ist und wenn ich Oma bin, schon alles vergessen habe.
Doch der Körper erinnert sich...

Oft weine ich nicht,
oft schreie ich nicht, wenn mir danach wäre.
Mir wurde gesagt, dass ich tapfer sein soll und mich nicht so aufzuregen habe!

Ich will keine materiellen Statussymbole,
denn zu oft wurde ich damit abgespeist, wenn ich doch Ansprache, Nähe, emotional versorgt werden wollte.

Ich traue mich nicht, mir eine eigene Meinung zu bilden,
weil mir zu oft gezeigt wurde, dass diese sowieso falsch sei.

Ich traue mich nicht, mich zu beschweren,
weil mir zuviel Scham und Schuld aufgeladen wurde.

Doch dann kamen Menschen auf mich zu und sagten:
Iß! Trink! Entspann Dich! Sage Nein! Wärme Dich! Wehre Dich! Stehe zu Dir! Weine, schreie, sei wütend!
Mit großen Augen sah ich mich um: Ich darf das?
Sie antworteten mir: Du hast nicht nur das Recht gut für Dich zu sorgen, sondern es ist Deine Pflicht!

Ich konnte es nicht glauben.
Doch ich musste es ausprobieren. Was hatte ich schon noch zu verlieren?
Zaghaft testete ich die ersten Schritte der Selbstfürsorge, voller Angst und bitteren Tränen.
Tobender Applaus empfing mich und alle riefen mir zu:
Bravo! Super, machst Du das! Weiter so!

Ich lächelte, es fühlte sich so gut an. Diese Annahme meiner Person.
„Was Hänschen nicht lernt, lernt er nimmermehr“
stimmt nicht.
Jeden Tag gibt es eine neue Chance.
Eine Chance für ein würdigeres, freieres, friedlicheres LEBEN!

Doch was, wenn man ein starkes Grundbedürfnis nach körperlicher Nähe, nach schmusen und kuscheln hat
und gleichzeitig einen schrecklichen Horror davor????
Denn mir wurde zu oft...
….ach ich denke, das kann man leicht erraten.

Ich übe und lerne noch...

und solange muss ich mir noch jedes Jahr eine neue Pflanze kaufen......

Montag, 21. Juni 2010

Welcome...

für eine neue Mitleserin:
Lauffrau! ;-)

Chronisch depressiv

Tztztz, da steckt man mitten in der Depressionsphase und merkt es selber gar nicht....
...aber wozu geht man sonst zur Therapie...

Dafür bin ich jetzt wieder etwas beruhigt, denn ich weiß: Ich muss jetzt nicht alles in meinem Leben in Frage stellen, nur weil es gerade eine dunkle zähe Zeit ist.
Ich weiß auch: dass diese auch wieder vorüber geht.
Und ich mich nicht treten muss, dass derzeit nicht alles möglich ist und ich wieder etwas langsamer fahren muss.

Manchmal is es wahrlich zum davon laufen und denkt sich: Nicht schon wieder...es ist so zermürbend...*augen-verdreh*

Sonntag, 20. Juni 2010

Welcome...

geht diesmal an:
Daniel ;-)

und an: Wolle-Natur-Farben-Raum! :)

(Juchu noch eine Sonnenblume :-))

Buddhismus

Den Film *Buddha's verlorene Kinder* gesehen.

Die Idee ein Kloster aufzubauen und verwahrloste, elternlose, drogensüchtige Kinder aufzunehmen, sie auszubilden, ihnen Wissen beizubringen, auch Thai-Boxen, ihnen Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken, sowie ordentliche Nahrung zu geben, ist an und für sich natürlich sehr schön und lobenswert.

Die Dokumentation ist auch schön anzusehen: ruhig und mit sagenhaften Landschaftsbildern.

Jetzt kommt das große ABER:
- ich wurde traurig, als ich hörte, wie der Abt sagte, dass man störrische Kinder eben schlagen müsse. Wie bei den Pferden.
- er Kindern, die sich stritten und schlugen, dass weinen verbot. Man sah deutlich wie verwirrt, geschockt und verletzt sie selber von dem Streit waren.
- er Jugendliche anschrie und wie ein wildgewordener Stier sich auf sie stürtze und am Kragen packte, die sich ebenfalls stritten: sie sollen sich hinsetzen und sagen was ihnen nicht paßt.
(Herr Abt sie waren wirklich ein *tolles* Vorbild!)
- er alle nachts um 2 Uhr in der erbärmlichen Kälte des tibetischen Hochgebirges antreten ließ, zum Gebet.
(was für mich nur dazu dient, allen zu zeigen, wer der Herr im Hause ist: unwürdige Machtspiele)

So traurig es ist, aber selbst der Buddhismus hält die einfachsten Menschen-und Tierrechte nicht ein. Was auch sehr gut Colin Goldner in "Die Psychoszene" deutlich macht. (Sowieso ein absolut lesenswertes Buch!).

Mich gruselts immer wieder vor irgendwelchen Religionen, ideologischen Gruppen und der esoterischen Szene. Zu viele haben den Hauch des faschistischen anhaften und unterdrücken, manipulieren und verletzen unter dem Mantel der "Heilung, der Liebe und der Wahrheit".

Samstag, 19. Juni 2010

Blitzlicht

Ausgemachtes Treffen mit einer Freundin--Stunden vorher immer mehr Unbehagen, Unlust--sage ab--fühle mich noch schlechter--innere Eltern und Kritikerstimmen toben:Na vielleicht wärs ja ganz nett geworden, nur rumhocken, hättst es mal probiert, wasn nu wieder los..usw.--Zerreißprobe, bin mit mir selber unzufrieden--lege absolute Deprimusik auf-- in Massen Kaffee,Kekse,Zigaretten *genossen*--Nachbarn räumen mal wieder lautstark ihre Bude um, was die ungefähr alle 3 Wochen machen*nerv!*--kurzerhand gemalt


bitte nicht kopieren

...auch dieser Tag wird vorbei gehen......

Welcome...

...Juliane, als neue Mitleserin! :-)

Supergute Tage

Ein Buch von Mark Haddon.

Geschichten von Außenseitern lese ich gerne. Egal ob erfundene oder wahre.
Wahrscheinlich weil ich diese Gefühle und Gedanken so gut kenne.

Diesmal handelt es sich um einen 15.jährigen Jungen, der ziemlich in seiner eigenen Welt lebt, denn er hat das Asperger-Syndrom, eine leichtere Form des Autismus.

In folgenden Eigenheiten erkannte ich mich wieder:
- Fremde Menschen machen mir Angst.
- Fremde Menschen in einem engen Raum machen mir Panik.
- Ich mag es nicht, wenn man mich anfasst.
- Dass ich selten lächle und es nicht mitbekomme, wenn jemand ärgerlich auf mich ist.
- Ich kann schlecht lügen.
Und: (ein Zitat) „Ich fand es schrecklich, dass all diese Leute um mich herum waren und soviel Krach machten, denn das waren zu viele Informationen in meinem Kopf und ich konnte kaum noch denken.“ (also:schnelle Reizüberflutung).

Dafür mag ich keine abstrakten Dinge und mit Mathe und Physik kann ich auch nix anfangen und ich flipp auch nicht aus, wenn mein Tag nicht minutiös geplant is (das würd mich ja völlig irre machen) und etwas Unordnung um mich herum stört mich auch nicht.

Alles in allem: Eine wunderbare schöne, warme und auch lustige Geschichte.
Und eins der Bücher, wo man sich wünscht, dass es nie enden möge.

Freitag, 18. Juni 2010

Das Ende ist ein neuer Anfang

Heute vor einem Jahr war mein Zusammenbruch.
Daten von bestimmten Anlässen konnte ich mir noch nie merken, aber DAS Datum, werde ich nie vergessen!
Es war so gruselig und grauenvoll.

Ich hatte eine Arbeit die mir riesigen Spaß machte, endlich endlich hatte ich diese gefunden.
Vorher wußte ich nie was ich machen wollte und probierte vieles aus und immer ging es irgendwann nicht mehr. Kein Antrieb, keine Lust mehr. Ich kündigte oft. Und oft war ich lange arbeitslos.
Es hieß immer nur: Da müsse ich halt durch, lernen mich unterzuordnen, das Leben ist nun mal mit Arbeit verbunden, wie soll das weiter gehen, denk an deine Rente...
Ich spürte immer nur Vorwürfe und Druck. Und ich zog mir den Schuh an, ich gab mir die Schuld, dass ich ES nicht schaffte.

Das sollte mir nun nicht noch einmal passieren.
Ich ackerte wie blöd. Ich hielt durch. Ich nahm innerhalb weniger Monate 8 Kilos ab (was zu gefährlichem Untergewicht führte).
Ich wollte allen zeigen, dass ich sehr wohl leistungsfähig bin!

Später wurde mir bewußt, dass ich immer 100% gab, überall.
Nie erlaubte ich mir eine langsamere Gangart, einen Fehler, ein Aufschub.
Meine arbeit, mein Haushalt, mein Aussehen waren getrimmt auf Perfektion!

Nun hörte ich:
Das geht so nicht. Du machst dich ja kaputt, das hält keiner lange aus und überhaupt DEN Job kann man doch nicht sein Leben lang machen.

Wieder war es verkehrt, was und wie ich es machte. Zum wahnsinnig werden. Und davor hatte ich Angst. Dass der Wahnsinn in mein Haus einzieht.
So wie ich mich fühlte: Zittrig, ängstlich, extrem angespannt, appetitlos, freudlos, schlaflos.
Die Nerven zum zerreißen gespannt!

Immer wieder fand ich neue Möglichkeiten, um nur irgendwie durch zu halten: Kaffee mitnehmen, mehr Pausen, Medikamente, jegliche Freizeitaktivität meiden, weil ich schon gar keine Kraft mehr hatte. 2 Wochen Urlaub halfen überhaupt nichts. 6 Wochen Urlaub am Stück auch nicht.

Ich wurde immer verzweifelter. Und wollte nicht schon wieder aufgeben!
Heftige Scham- und Schuldgefühle beutelten mich.
Jedes laute Geräusch jagte mein Herz wie blöd.

Bis ich in jener Nacht wirklich zusammen klappte. Das endgültige Aus.
Ich wollte und konnte nicht mehr. Doch ich wollte schon noch und das war das schmerzliche an der Sache, weil ich diese Arbeit so sehr liebte.

Dann kam ein Notfallprogramm der Seele zum Einsatz, worüber ich sehr sehr dankbar bin:
Alle Gefühle wurden ausgeschalten. Ich konnte noch 2 Tage alles regeln (Behördenkram, Firmenwagen abgeben, Kunden bescheid geben...) ohne ständig in Tränen auszubrechen.
Wie ein Roboter erledigte ich noch alles.
Dann war endlich Ruhe.

Ich war ein halbes Jahr krank geschrieben. War ständig müde, aber selbst da, trieb ich mich immer zur Eile und Hetze an, obwohl kein Termin mehr auf mich wartete. Ich hatte „nur“ mich zu versorgen und das war gar nicht so einfach...

Ging auch für 10 Wochen in eine Klinik und seitdem spüre ich wieder mehr Freude, mehr Lust am Leben, ich habe wieder an Gewicht zugenommen.
Und mir wurde klar: Ich war nie faul, nie bockig oder sonst was, wie die Leute oft meinten.
Ich konnte wirklich nicht so wie die anderen.
Ich bin nicht so belastbar wie der normale Arbeitnehmer!
Der chronische Streß aus meiner Kinder-und Jugendzeit hinterließ sichtbare Spuren!

Das fällt mir schwer, das anzunehmen.
Ich las immer wieder das Buch: ENDLICH FREI von Josef Giger-Bütler. Hier wurde mir sovieles klar, außerdem lernte ich: Langsam zu machen, ganz langsam.
Und jetzt werd ich schauen, was und wie lange ich arbeiten kann. Mit Unterstützung des Sozialdienstes.
Wahrscheinlich werd ich länger auf staatliche finanzielle Hilfe angewiesen sein, weil ich nicht Vollzeit arbeiten kann.

Aber mir ist es kein Geld der Welt mehr wert, dass ich meine Grenzen so heftig und ständig übertrete, dass ich mich selber so herunter wirtschafte.

Heute möchte ich achtsam und liebevoll mit mir umgehen!
Heute höre ich auf mich und nicht auf die anderen!
Heute lebe ich mein Leben, ob das jemandem paßt oder nicht, ich muss mit mir gut auskommen!
Heute lerne ich langsam durch den Tag zu gehen, auch mal Aufgaben liegen zu lassen, mir Freiheiten gönnen und endlich aufhören, so knüppelhart mit mir umzugehen!

Inzwischen denke ich einfach gerne an meine letzte Arbeit, ohne Bedauern ohne Trauer.
Sie hat mich viel gelehrt, über Menschen und über mich.
Ich bin dankbar, dass es mir heute wesentlich besser geht,
als vor 12 Monaten.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Ein Buch

Von Helen Keller, einer tauben UND blinden Autorin:

Licht in mein Dunkel (Eingemauert von Schweigen und Dunkel habe ich Licht).


Teilweise fand ich das Buch sehr anstregend zu lesen, zu vergeistigt und schwer verständlich, spricht sie begeistert über Swedenborgs Werk. Und natürlich über ihr Leben und Leid.


Ich las das Buch aber weiter, denn ich war fasziniert, wie ein taubblinder Mensch ein Buch schreiben konnte und sich überhaupt mit seiner Umwelt verständigen konnte.


Zum Ende des Buches fand ich aber doch bemerkenswerte Absätze:

Nicht die Umgebung, sondern Kräfte, die in ihm (den Menschen) zur Wirkung kommen, wandeln den Menschen...


Man kann sein Leben so gestalten, dass man dabei dem Ziel seiner Wünsche näher kommt, gleichgültig unter welchen äußeren Umständen man leben muß.


Ich kämpfe gewiß ebenso sehr gegen unnötige Armut und entwürdigende Umstände wie irgend jemand, aber zugleich bin ich davon überzeugt, dass wir erfahrungsgemäß auch in einer anderen Lebenslage keinen Erfolg hätten, wenn wir in der gegenwärtigen versagen.


Weil wir aber noch soviel kindlich-Unreifes in uns haben werden wir leicht ungeduldig und sagen: wenn ich nur, das Geld meines reichen Freundes besäße, so täte ich gern mein Teil zur Besserung der Welt.


Das finde ich bemerkenswert, denn je. Diese Frau lebte von 1880-1968.


Und weiter:


Die entscheidende Frage ist nicht, wie unsere Umgebung beschaffen ist, sondern welche Gedanken wir täglich denken...

Menschliches Glück setzt sich aus zahllosen kleinen Freuden zusammen, wie die Zeit aus Minuten und Sekunden, aber wenige Menschen mit gesunden Sinnen denken darüber nach...


Die Welt ist so voller Sorge und Kummer, dass es zu einer schönen Pflicht der Nächstenliebe wird, einander die lichten Kristalle der Freude zu entdecken...


Ach wenn doch alle Menschen, die dem Glück nachjagen, nur eine Minute inne hielten und nach dächten, so würden sie die Freuden erkennen, die sie wirklich erleben: sie sind so zahlreich wie die Gräser zu ihren Füßen und die funkelnden Tautropfen auf den Blumen in der Frühe..


Das Beispiel eines eben erblindeten Menschen ist so sinnfällig, dass es uns als Modellfall für jegliche Lebensschule dienen kann:


Nachdem er sein Augenlicht eingebüßt hat, meint ein solcher Mensch erst, es bleibe ihm nun nichts anderes übrig, als Leid und Verzweiflung. Er fühlt sich von allem ausgeschlossen, was menschliches Leben heißt.

Das Feuer seines Ehrgeizes ist erloschen, das Licht der Hoffnung untergegangen.


Die Dinge die ihm einst Freude bereiteten, scheinen nun mit scharfen Kanten nach ihm zu stoßen.

Versucht schließlich ein weiser Lehrer und Freund ihm klar zu machen, dass er ja noch mit seinen Händen arbeiten kann und dass er auch sein Gehör ausbilden kann, so glaubt es der Unglückliche oft nicht und deutet es in seiner Verzweiflung gar als Spott.

Wie ein ertrinkender schlägt er blindlings nach jedem, der ihn zu retten sucht.

Dennoch muss man den Leidenden auf irgendeine Weise vorwärts drängen und wenn er erst einmal erkannt hat, dass er wieder mit der Welt in Verbindung treten und menschenwürdige Aufgaben zu übernehmen vermag,

dann kommt in ihm zur Entfaltung, was er vorher nicht einmal geträumt hatte!


Dies alles sind auch meine eigenen Erfahrungen.

Oft hatte ich mich schon aufgegeben, vor Depression und Ängsten ausgezehrt und hoffnungslos.

Im Außen hatte ich alles was das Herz begehrt. Oder was vermeintlich für das Glück nötig war. Doch dem war nicht so und in mir war es so schrecklich leer und lieblos.

Das mag sich jetzt theatralisch anhören: Aber ich musste sehr viel Materielles (auch meine Wohnung) verlieren, um zu erkennen, dass ich die Arbeit in mir erledigen muss, um zufriedener leben zu können.

Ich bin heute um so vieles dankbarer, für Dinge die früher für mich selbstverständlich waren.

Auch das heilt meine Seele immer mehr.


Frau Keller interessierte mich auch noch wegen einem weiteren Grund:

Ich arbeitete selbst mit blinden und mehrfach behinderten Kindern.

Was die mir vom Leben zeigten, war wunderbar!

Ihre Sicht auf die Welt! Ihr frohes Gemüt, ihre Freude an Musik und zwischenmenschlichen Beziehungen! Selten hörte ich sie jammern und klagen und wenn, dann aus den ganz normalen Gründen, den viele Schulkinder plagen: Noten, Prüfungen, Streß mit den Eltern.


Diese Kinder zeigten mir, auf was es im Leben wirklich ankam.


Möge Dich heute viel Hoffnung, Kraft und Mut durch den Tag begleiten!

Mittwoch, 16. Juni 2010

Wohlfühltag

Ich wache erholt und entspannt auf... (was wirklich selten ist)
genieße ein kurzes Frühstück, denn mich treibt es hinaus.
Ich brauche Bewegung und frische Luft.

Wolken hängen tief, ein stürmischer Wind erfrischt mich.
So spaziere ich eine Stunde lang über Feldwege,
rieche Heu, nasse Erde und wilde Kamille.

Ich strecke mich, atme tief ein, schlendere mit den Armen und genieße den weiten Blick über Kornfelder, Graswiesen und hinüber zum kleinen Wäldchen.

Ich übe *schlendern*,
da ich eher immer in Fluchtposition unterwegs bin (selbst in meiner Wohnung!):
Schultern hoch, Bauch verkrampft, Atmung flach, eher auf Zehenspitzen gehend, den Kopf gesenkt, Blick auf den Boden, hastend-eilig.

Nun also das Gegenteil (erst in der Wohnung üben, dann auf einsamen Feldwegen):
Schultern und Knie locker lassen, langsam gehen, Bauch entspannen, tief atmen, Kopf hoch, fest und mit der ganzen Sohle auftreten.

Was für ein Unterschied!
Sofort fühlbar und mir geht es bei weitem besser!
Ich verbrauche weniger Kraft und bin entspannter, somit hat auch die Panik weniger Zugang.

Mein Körpergefühl wird immer besser dadurch.
Ich fühle mich heimischer in mir.
Ach, Worte sind manchmal wirklich unzureichend, um so etwas zu beschreiben.
Was mir noch hilft: Enge weiche Armbänder ums Handgelenk, irgendwie spüre ich mich da besser und weiß: Da höre ich auf, da ist meine Körpergrenze.
Genauso mit Fingerringen oder eng anliegenden Tops.
Ich fühle mich da eher *in Form* gehalten...

Ich drehe noch eine Runde durch die Schrebergärten.
Was für eine Fülle! Überall Farben, Blüten, Gemüse, Grünes sprießt und wuchert überall!
Dazwischen diese kleinen Holzhäuser. Zu gemütlich :-)

Zuhause angekommen, genieße ich eine Dusche
und so vollgepumpt mit Sauerstoff, frisch gewaschen, in neuen Klamotten,
erfreue ich mich an der 2.Tasse Kaffee,
lege die Füße hoch,
schaue dem Regen zu
und fühle mich einfach rund herum wohl und sehr zufrieden.

In *Kraft zum Loslassen* von Melody Beattie gelesen:
Üben Sie spontan zu sein, üben Sie Spaß zu haben!
Viele von uns bewegen sich in festgefahrenen Bahnen der Inflexibilität, der Qual und der Entbehrung.
Wir halten uns so sehr im Zaum...
Wir dürfen uns hin und wieder gehen lassen. Wir können locker lassen.
Wir müssen nicht so verkrampft sein...

Ich bin dankbar.
Und wünsche allen einen entspannten, freudigen Tag! ;-)

Dienstag, 15. Juni 2010

Berufliche Reha



Gestern ein Telefongespräch mit einem sehr netten Herrn geführt, wegen der Wiedereingliederung.

Nächste Woche habe ich dort einen Termin, ich freu mich schon so und bin auch sehr gespannt, ob das was für mich ist....

Der nette Herr suchte mir die Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heraus und meinte nach kurzem nachdenken:"Ach, ich hol sie gleich an der Haltestelle ab!"

Früher hätte ich gesagt:"Nein nein, das brauchen sie nicht, das werd ich schon finden."
Aus Angst meine Eigenständigkeit zu verlieren.

Und hätte mir ganz bockig gedacht:" Kann ich alleine! Meint der Schnösel, nur weil ich krank bin, dass ich ein wenig plem-plem im Oberstübchen bin??"
Ich hätte gemauert, aus Angst, dass diese Nettigkeit irgendwas Unangenehmes nach sich zieht....

Gestern aber blieb ich still, bedankte mich aber natürlich.

Heute morgen, beim ersten Kaffee auf meinem Balkon, dachte ich mir:

Es ist in Ordnung, wenn mir jemand helfen will.
Es tut auch gut, wenn ich mal so umsorgt werde.
Ich möchte das gerne annehmen.
Ich muss nicht mehr die Superstarke spielen und dann wieder zusammen brechen.

Alles ist gut........

Montag, 14. Juni 2010

Kommunikationsverhalten

Ich hatte letztens einen kleinen Konflikt mit einem Bekannten.
Der beschäftigt mich heute noch.
Und ich merke, wie ich mein Rückzugsverhalten wieder ausbaue:
Vergiß alle Menschen, wirst eh nur immer verletzt, am besten ich bleibe alleine usw..

Ich falle ins Extrem und übersehe komplett, dass es
a) in jeder Beziehung mal Unstimmigkeiten gibt
und
b) ich in letzter Zeit sehr schöne Momente und Erlebnisse MIT Menschen hatte.

Aber so bald die alte Wunde wieder aufgerissen wird
(indem ich verbal angegriffen werde) tobt der verletzte Teil in mir so stark,
dass ich nicht mehr klar sehen und denken kann.

Dieses Verhalten:
Wenn Du nicht so bist, wie ich es will
oder: so wie Du bist, bist Du nicht in Ordnung und deswegen verweigere ich Dir jegliche Ansprache und Ansehen,
ist in meiner Familie ein ganz normaler Brauch.
So habe ich das gelernt.

Natürlich könnte ich jetzt sagen: Pff kann ich ja nix für, dass ich mich selber heute so verhalte, so kenne ich es eben nur...
und überhaupt sind immer die anderen Schuld,
wäre einfach und bequem, aber auch Stagnation in meiner Opferrolle
und das wiederum fühlt sich überhaupt nicht gut an.

Sondern erinnert mich eher an Menschen, die voller Groll und Bitterkeit sind und nur noch Tiere um sich haben, weil das ja der bessere Mensch ist.
Dahin will ich auf gar keinen Fall!

Was kann ich nun aber tun?
Mich dem verletzten Teil in mir zuwenden, dem zuhören, da sein. Die Gefühle die hoch kommen, sein lassen dürfen.
Ein Teil ist sehr klein, der voller Schock und Schmerz ist und auch ganz viel Angst zeigt
und der andere ist eher in den Jugendjahren, der dann bockig und trotzig NIE mehr Menschen an sich ran lassen will.

Dann kommt der schwere Teil *puuh*:
als Erwachsene mit dem Bekannten reden, dass ich verwirrt über seine heftige Reaktion war, dass mich das verletzte hat.
UND auch: Das ich auch einen Teil dazu bei trug.

Das fühlt sich gefährlich an, nach Schwäche und: *jetzt kann der andere erst recht auf mich einhacken*.
Das ist dann der Seilakt: Nicht in den kindlichen Teil wieder abrutschen sondern in der Erwachsenen bleiben......

Gar nicht so einfach mit den zwischenmenschlichen Beziehungen...
... meint wohl auch die Krähe auf dem gegenüber liegenden Dach, die grad wie bejahend schreit,
aber vielleicht will sie mir auch einfach nur Mut machen,
dieses neue Verhalten aus zu probieren.......
Erstmal ein Herzliches Willkommen an meine neuen Leser:
Rachel und artista !!!
;-)

Sonntag, 13. Juni 2010

Ziele? Wünsche? Träume?

Letztens fragte ich einen Freund, was er diesen Sommer/in diesem Jahr noch unbedingt erleben/erreichen/machen will.

Er war erstaunt über diese Frage.
Und erzählte mir dann langsam und nachdenkend doch, was er so vor hat.

Dann kam die Gegenfrage: Und DU?

Ich..tja..also...solche Fragen stellte ich mir selber noch nie.
Da ich eher immer chronisch suizidal war und froh war, wenn ich den nächsten Tag überstand!
Bis vor kurzem:
Was möchte ich dieses Jahr und überhaupt noch im Leben machen? (lag vielleicht doch am Erreichen des 30. Lebensjahres *grins*).

Also:

Dieses Jahr:
- Ein Schuldenkonto ausgleichen! Das wär schon eine enorme Erleichterung, denn 2 andere warten noch (ich bin schon ein komischer Kauz, als ich 2 gut bezahlte Jobs hatte, machte ich Schulden und nun mit Hartz4 bezahl ich diese ab...tztztzz).
- Weiter an der Freizeitgestaltung bleiben, z.B. die Feuerspieler wieder besuchen, meine 500km per Rad schaffen (sieht gut aus: 380km hab ich schon), Ausstellungen, Vorstellungen ect. besuchen, die wenig kosten (z.B. open air Kino demnächst) und das ganz möglichst mit Bekannten/Freunden, nicht immer alles im Alleingang!
- gucken wie es beruflich weiter geht, Eingliederungsmaßnahme oder erstmal Arbeitsfähigkeit testen lassen
- weiter in Therapie gehen und das umsetzen, was ich in 2 stationären Aufenthalten gelernt habe

Das reicht erstmal, denn ich neige auch sehr gerne zur Überforderung.....

Und allgemein:
Was möchte ich im Leben noch sehen/machen/erreichen?
- Gerne hätte ich mal einen eigenen Hund (ich bin da noch zu unsicher und muss erstmal weiter für mich Verantwortung übernehmen lernen, bevor ich mir ein Tier ins Haus hole)

- einen lieben Partner an meiner Seite (naja eher ein Wunsch, aber ich denke, wenn ich selbstsicherer werde und nicht mehr so bedürftig, kommt der von ganz allein)

- einen langen Schwedenurlaub, mit wandern und im Kanu paddeln :-)

- einen Sinn in meinem Leben finden und eine Aufgabe

- mit lieben, mir nahe stehenden Menschen einen Aufenthalt auf einer spartanischen Almhütte
oder: nochmal im Freiwilligendienst in einer Bergbauernfamilie helfen (mit Heuernte, Kinderpflege, Haushaltsaufgaben usw.)
Machte ich schon mal 2 Wochen lang und dieses Erlebnis klingt immer noch nach: voller Zufriedenheit, Glück, Annahme, Befriedigung, Freude, Gemeinschaft, körperlichen Arbeit, Natur....

Und nicht zu vergessen: Die einzelnen Tage und Wochen strukturieren, was ich nie lernte. Nur ich kann meinem Leben Richtung geben und habe es in der Hand wie und ob ich meine Zeit selbst bestimmt gestalte.

Nächste Woche:

Montag: Therapie und *Mädelsabend*
Mittwoch: Ins riesige Indoor-aquarium (Sea Life) gehen
Sport, Entspannung, Behördenkram, Haushalt zwischendrin
Freitag: Eine Bekannte besuchen oder zumindest telefonieren....

Es geht weiter.... ;-)

Wie lebt es sich mit einer sozialen Phobie?

Kurzantwort: es ist enorm anstregend und nervig.

Scheinbar ohne Grund überfallen mich in sozialen Situationen unangenehme Gefühle: Von Anspannung bis zur ausgewachsenen Panikattacke war schon alles dabei.
Mal in einem Geschäft beim bezahlen, mal bei Freunden, mal auf offener Straße wenn Menschen an mir vorbei gehen.
Feinmotorische Tätigkeiten im beisein von anderen fallen mir ebenso schwer z.B. essen und trinken, Kleingeld suchen...

Bis jetzt konnte ich das nie fest machen, wann ES wieder los geht.

Aber jetzt weiß ich es!

Vor wenigen Tagen einige Videos von Samy Mulcho
http://www.youtube.com/watch?v=HjvFndSjp8g zum Thema Körpersprache gesehen.

Da gingen mir sämtliche Lichter auf:
Wenn also jemand was aggressives (inhaltlich) aber freundlich (in Stimme) sagt.
Oder wenn das was er sagt und tut nicht zusammen passen (Doppelbotschaften!).
Oder mich abschätzend, grimmig ansieht, anspricht.
Mich versucht zu manipulieren oder für seine Bedürfnisse benutzen will,
mich demütigt, lächerlich macht,
mir mit Spott,Sarkasmus und verletzender Ironie kommt

dann gehts los.
Das alles geschieht im Unterbewußtsein, denn:
Der Körper erinnert sich
und gibt mir somit ein verläßliches Alarmsignal!

Als ich das erste mal mich über meine Angststörung informierte, hieß es:
Angstauslösende Situationen so oft als möglich aufsuchen.
Ich fand das für mich nie richtig.
Und das wurde mir von einer sehr guten Therapeutin bestätigt.
Denn diese Angst fühlt sich existenzbedrohend an, wenn wieder jemand einen Angriff auf mein Selbstwertgefühl startet.

Wenn ich auf dieses Signal höre und mich schütze,
in dem ich z.B. den Raum verlasse, bestimmte Geschäfte meide,
wird die Angst nicht größer! (wie oft behauptet wird)
Sondern ein innerer Teil fühlt sich beschützt und die Stärke in mir wächst.

Wenn dieses Signal sich wieder massiv sich meldet,
in Weinkrämpfen oder Panikattacken, dann frag ich mich wie ich mich jetzt schützen kann.
Später dann: Was stimmte in der Situation für mich nicht?

Das schönste:
Das wurde in der Klinik unterstützt!
Da durfte ich auf mich hören:
- mal Räume verlassen
- mal nur zu sehen ( bei Körperübungen)
- mal die Körperuntersuchung verneinen
- mal eher nach Hause fahren
- während einer Therapiestunde einen Spaziergang machen
usw.
Seitdem wächst mein Selbstvertrauen: Mir selbst vertrauen, dass ich schon richtig fühle und danach handeln darf!

Je stabiler ich werde, desto eher kann ich mich auch in der Situation schützen,
indem ich z.B. dem gegenüber sage: Das will ich nicht, darüber will ich nicht reden, mich abwenden...

Für mich gibt es da "draußen" soviele Trigger, die ich erst nach und nach erkenne und benennen kann und aber auch lerne adäquat damit um zu gehen.
z.B. mir zu sagen, dass ich heute Erwachsen bin und nicht mehr das hilf-und machtlose kleine Kind. Dass ich heute das anders meistern kann und darf!!!

Ich muss mir kein unverschämtes, gewalttätiges, mißbrauchendes, destabilisierendes Verhalten von anderen mehr gefallen lassen!

Samstag, 12. Juni 2010

Nachtrag

WIE ungern es gesehen wird, wenn man seinen ureigenen Weg geht,
durfte ich (leider) letztes Jahr sehr deutlich erfahren:

Ich hatte zum Ende des Jahres viel um die Ohren
und entschloß mich dann eben, Weihnachten ausfallen zu lassen.
Also in dem Sinne, dass ich es alleine verbringen wollte.
Ohne Streß, Familientralala, Geschenke, Postkarten, Deko usw.

Ich informierte darüber einige Freunde und Bekannte
(diese respektierten meine Entscheidung und boten mir an, sollte es doch zu trübselig oder langweilig werden, könne ich mich melden)

und eben auch meine Familie
diese reagierte so:

Meine Schwester ignorierte mein Bedürfnis schlicht und rief wenige Tage nach dem Festabend an, um mich zu fragen, wann ich denn vorbei käme um meine Geschenke abzuholen.
(von mir gedachtes: ?!&%$§XY?!?!)

mein Vater war so beleidigt, als ob ich ihn persönlich beschimpft hätte mit:
eisigem schweigen.....

.....bis heute......

Wer bin ich?

Und was will ich im Leben?
Was gibt meinem Leben Sinn?

Diese Fragen tauchen bei mir sehr sehr oft auf.
Mir fehlt eine Richtung, ein Rahmen, meine Identität!

Ich habe so viele Interessen, möchte alle taglang (wo)-anders wohnen, was anderes arbeiten, mich anders kleiden usw...
Diese Zerrissenheit kostet Unmengen an Kraft.
Selbst wenn jemand Fotos von mir ansieht, die noch gar nicht so alt sind, höre ich oft:
"Das bist DU?? Du hast so viele verschiedene Gesichter..."
Inzwischen traue ich mich kaum noch, mich auf was neues einzulassen, aus Angst, dass es das wieder nicht war.
Oder es macht sich einfach lähmende Resignation breit.

"Wissen Sie, die Masse der Menschen lebt glücklich dumm dahin. Wer aber ein wenig tiefer eindringt in die Frage nach dem Sinn des Lebens, für den gibt es eigentlich nur eine Alternative: entweder ein Leben in Genusssucht, ein exzessives Leben also oder Selbstmord." (von: http://www.humanistische-aktion.de/humasinn.htm)

Dazu fällt mir Sylvia Plath ein, von der ich gerade ein Buch lese.
Oder Romy Schneider, die so rastlos war und sich immer gegen die aufgedruckten Vorstellungen wie sie zu sein habe, wehrte.

Ein Original, ein Unikat zu sein und sich nicht blind der Norm fügen, kann eine Erfüllung sein.
Ist aber auch sehr anstregend und einsam, denn gegen solche *Ausreißer* wird oft scharf vor gegangen, sei es von den Eltern, der Gemeinschaft oder der Religion. Alles was fremd oder anders ist, wird erstmal ausgegrenzt.

Die Mühe lohnt sich aber, auf seinem Weg zu bleiben (sofern man ihn mal gefunden hat), denn dann wachsen einem Kraft und Stärke zu und der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten.
Denn das was man gerne tut, tut man in der Regel sehr motiviert und gut.

Schon ein schlauer Mensch meinte mal: "Gib keinem einen Job, den er nur des Geldes wegen macht."
Genau, das Herz muss dabei sein.

Auch interessant zum Thema Identität:
http://www.humanistische-aktion.de/identi.htm#ide
Ich bin definitiv kein Herdentier.

Wenn alle von einem neuen Film reden, interessiert mich der schon mal nicht und ich gehe dann auch nicht ins Kino.

Alle fiebern der WM entgegen, ich verdreh die Augen.

Einen regnerischer Sonntagmorgen verbringe ich am liebsten spazierend draußen, während sich die meisten nochmal in die Federn kuscheln.

Die neueste Mode entlockt mir nur ein Schulterzucken.
Die Panik über irgendeine neue Grippe ebenso.

Mit 16 Jahren, als sich meine ehemaligen Klassenkamerden um Ausbildung kümmerten, ihre ersten Liebschaften hatten und ihre Jugendzeit mit Partys und viel Alkohol genossen, zog ich zu meinem damaligen Freund in eine biedere Wohnung, spülte jeden Abend das Geschirr, besuchte Oma im Altersheim und sah Sonntag abends brav die Lindenstraße.

Ich lebe sozusagen asymetrisch.....
manchmal ziemlich sonderbar.

Freitag, 11. Juni 2010

Die Zeit

Wie oft hört man an einem Tag:

"Dazu komme ich nicht!"
"Dafür habe ich keine Zeit!"
"Wann soll ich das denn bitte machen??"
usw.

Wir sind eine Streßgesellschaft
und der Streß begegnet uns nicht nur in der Arbeit,
sondern auch (und erst recht?) in der Freizeit!

Wie schön wäre es doch,
wenn wir mal
*ich werd mir dafür Zeit nehmen*
hören würden!

Trotzdem JA zum Leben


Wenn über die Postttraumatische Belastung informiert wird, dann oft im Zusammenhang mit Soldaten die im Krieg waren, dann nach Hause kommen und andere Menschen sind, als sie vorher waren.

Doch was, wenn der Krieg in zwischenmenschlichen Bereichen tobt?
Wenn der Kriegsort genau da ist, in dem man eigentlich Liebe und Geborgenheit erwartet: In der eigenen Familie und in der Partnerschaft???

Stell Dir vor, es ist Krieg und Du bist mittendrin.
Viele Jahre 10 oder 20 kämpfst Du. Du kämpfst um das pure überleben!
Du willst - Du musst dauernd irgendwie Deine Haut retten.
Du spürst Deine Grenzen (noch!). Du kannst nicht mehr, aber Du musst weitermachen, denn wenn Du zusammen brichst ist alles vorbei.
Dann stehst Du nie mehr auf. Dann bist Du erledigt.

Also treibst Du Dich an, immer lauter, immer vehementer .
Du ignorierst Gefühle und Gedanken, Deine Bedürfnisse sind Dir nicht mehr wichtig. Du prescht vor und funktionierst absolut und total.

Irgendwann ist der Krieg vorbei.
Das merkst Du lange nicht.
Und wenn Du es merkst, kannst Du nicht einfach umschalten.

Du kämpfst weiter, gegen andere aber vor allem gegen Dich selbst!
Deine Kraft schwindet, Du strauchelst, nimmst Dich aber weiter zusammen.
Keiner soll Deine Notlage bemerken, das wäre zu peinlich!
Und schämen tust Du Dich ja eh schon dauernd, weil nichts gut genug ist.

Immer weiter, immer höher, Deine Nerven flattern, Dein Puls rast.
Wer Du wirklich bist und was Du wirklich willst weißt Du nicht. Das war auch nie wichtig.
Ruhe und Entspannung sind Dir fremd. Gelassenheit ebenso.
Jederzeit könnte ein neuer Angriff losgehen, da muss man immer bereit sein.
In ständiger Anspannung.

Du hilfst Kameraden, zerrst sie aus Gräben, reparierst hier und da etwas, munterst schwerst verletzte auf, pflegst Kinder, tröstest alte Menschen,
doch für Dich selbst bleibt kein gutes Wort.
Kein Lob, keine Berührung - Du könntest das auch gar nicht annehmen, denn Du
bist ja der Starke.
Aber der Rücken krümmst sich immer mehr. Die Last ist zuviel.

Da der Krieg schon lange vorbei ist, gibt es keine Verletzten mehr,
aber Du hast das Verhalten, dass Dir damals das Leben gerettet hat so perfektioniert, es ist so tief eingegraben, dass Du es ganz automatisch immer wieder machen musst!

Du hast weiter das Gefühl, dass es um's reine Überleben geht und für Pausen und Spaß kein Platz ist, denn wenn Du Dir das einmal gönnen würdest, würde alles wie ein Kartenhaus zusammen brechen, zu Pulver zerbröseln.

Du schreckst weiter bei jedem Flugzeug zusammen, ein Bombenangriff!
Du gehst in Deckung, machst Dich ganz klein und wirst still.
Oder Du läufst, läufst wie eine Wahnsinnige um Dein Leben.
Irgendwer sagt Dir dann mal, dass heute dieses Flugzeug keine Gefahr mehr bringt, sondern dass da drin Menschen in den Urlaub fliegen.

Dein Kopf weiß das nun, aber Dein Körper reagiert weiter, als ob Lebensgefahr besteht!

Im Krieg bleibt keine Zeit für Besinnung, für Gefühle und Heiterkeit.
Da muss man funktionieren, reibungslos.
Du denkst weiter, dass jeder Dein Feind sein könnte und bist sehr mißtrauisch und voller Angst.
Keiner darf Dir zu nahe kommen!
Du ziehst Dich weiter zurück. Das ist sicherer.

In Dir strömt immer noch das Adrenalin.
Du kannst sehr schlecht schlafen.
Du bist dauern in Bewegung.
Die innere Unruhe macht Dich fast wahnsinnig.

Irgendwann nachdem Dir Dein Körper duzend Halteschilder gezeigt hat und Du das ignoriert hast (denn Du bist ja jung und kannst viel erreichen!) kommt ein dickes fettes STOP! egal ob Dir das gefällt oder nicht.
Alles um Dich herum wird schwarz.
Du liegst am Boden. Fertig. Erledigt.

Du siehst in den Himmel, hörst die Vögel, spürst das Gras.
Weit und breit kein Panzer, außer in Dir.
Der löst sich in einem Meer von Tränen.
Keine Bomben, keine Raketen. Ab und zu wird noch auf Dich geschossen. Leichte Treffer, aber sie tun sehr weh, weil sie von den Menschen kommen, denen Du vertraut hast.

Du schaust Dich um und erkennst wirklich: Der Krieg ist vorbei.
Nun machst Du Dich auf den Weg: zu Dir.
Wie lebt man denn im Frieden?
Was ist denn das Leben?
Was fühle ich?
Was will ich?
Was ist mir wichtig?
Wo sind meine (körp.-seel.) Grenzen?

Du überlegst, denkst nach.
Du musst erstmal Dich finden, nachdem Du Dich jahrelang ignoriert hast.
Es ist Deine letzte Chance!
Es ist gar nicht so einfach.
Du brauchst Ruhe, ganz viel.
Keine Fragen von außen, keine Ratschläge, keine Zweifel, keinen Druck.
Das alles nagt eh schon viel zu viel in Dir.

Du merkst: Hej ich mach das schon, Schritt für Schritt, Stück für Stück.
Du fällst hin, stehst auf, schaust Dich um, gehst weiter.
Erkundest Dich und Dein Leben.
Es ist anstrengend und auch wunderschön.

Du schließt Frieden mit Dir selbst......

...... der Krieg ist vorbei......

Mittwoch, 9. Juni 2010

Mein Weg zurück ins Leben!

Heute hatte ich eine Therapiestunde, nach 2 Wochen Urlaubspause.

Ich konnte viel positives berichten, wie ich unterwegs war in letzter Zeit, wie ich bewußt meine Gedanken ändere, wie ich immer mehr mir selber gut, aufmunternd oder tröstend zuspreche und wie tröstlich die Imaginations-CD von L. Reddemann, die ich von meiner Therapeutin bekam, ist.

Wie langsam aber stetig mein Selbstwertgefühl wieder steigt.

Wir unterhielten uns darüber und ich sagte:
Ich merke auch, wie gut mir das immer noch tut, seit ich absolut keinen Kontakt mehr zu meiner Ursprungsfamilie habe.

Vor einiger Zeit kam da schon mal die Frage in mir hoch:
Darf man das?
So egoistisch sein? Nur gucken, was mir gut tut?

JA! Es ist ein absolutes MUSS für mich, wenn ich noch ein paar Jahre angenehm leben will.
Natürlich will ich bewußt keinen verletzen.

Ich merke jetzt erst, wie sehr mich meine Familie immer klein hielt.
Nichts war gut. Wenig Lob. Viel Demütigung, Manipulation und viele andere verletzende Verhaltensweisen.
Sehr subtil, sehr versteckt, oft nur eisig gemurmelte Worte.

Ich war eine zarte Pflanze und immer trat man auf mich drauf.
Ich lasse mir das nicht mehr gefallen und nahm Abstand zu den Leuten die mich so erniedrigten.

Jetzt werde ich stärker, wachse, richte mich auf
und das fühlt sich sagenhaft an!

Natürlich sehne ich mich nach einer Familie.
Meine Neffen vermisse ich sehr.
Der Halt der einem in so einer sozialen Gruppe gegeben wird, ist nicht zu verachten.

Aber ich muss zu Menschen gehen, die für mich nahrhaft sind.
Die mich aufrichten.
Die ehrlich sind.
Die sich mit mir freuen.
Die mich anspornen, mich fordern.

Dann kann ich eine starke wunderschöne Pflanze werden....
mein Garten ist bestellt ;-)

100 Jahre nach dem Menschen

WIE die Menschheit ihr Ende erlebt, kann man zur Genüge in den Filmen sehen,
oder sich von Weltuntergangsfanatikern erzählen lassen.

Doch was ist, nach dem die Menschheit nicht mehr auf der Erde existiert?
Diese Frage geht weiter

und was dabei raus kam fand ich höchst spannend, interessant und auch irgendwie beruhigend zu sehen.

Mich entspannte der Film:
http://www.youtube.com/watch?v=PLvQKwHZ5K8&feature=related
jedenfalls total!

Nach dem Motto:

Begegnen sich zwei Erden, fragt die eine:
"Und wie gehts Dir so?"

"Ach" meint die andere "ich hab Homo sapiens"

"Keine Sorge, das geht vorbei, hatte ich auch mal."

;-)

Montag, 7. Juni 2010

Normal???

Was ist schon normal?

Vor 50 Jahren galt Homosexualität noch als Krankheit.

Was wenn wir nicht mehr Krankheit sagen, sondern Andersheit?
Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nah beieinander.
Und von vielen *Anders-Menschen* entstand wunderbare Kunst!

Wie langweilig wäre es auf unserem Erdball, wenn jeder der Norm entspricht.
Alles gleich geschalten ist.
Auf das bewegen wir uns leider zu, alles ist genormt, alles gleich, egal ob in Spanien oder Norddeutschland.
Wo sind die Eigenheiten, die Besonderheiten, wo der ganz normale Apfel mit Dellen und matter Oberfläche?

Ich stehe zu meinen Eigenheiten, Verrücktheiten, Besonderheiten und meiner Andersartigkeit.
Denn jeder Mensch ist einzigartig!
Außer wir werden bald geklont......

Ich finde wir sollten mehr den Blick auf das richten, was geht, was derjenige gut kann, wo es läuft, was einfach geht
und nicht (oder weniger) auf die schlimmen Defizite ...

Etwa jeder 3.Mensch leidet einmal während seines Lebens an einer psychischen Krankheit!
Hinschauen, nicht wegsehen!
www.verrueckt-na-und.de
www.irrsinnig-menschlich.de

Sonntag, 6. Juni 2010

Feuer und Flamme



FREITAG:

Mir geht es sehr schlecht.
Voll bis obenhin depressiv, Leere und Langeweile gesellen sich dazu, kein Appetit, keine Hoffnung, Einsamkeit...wieder mal alte Gefühle.
Ich reiße mich selber tiefer und tiefer, irgend ein Sog in mir macht sich ans Werk,
bis nur noch ein Wort, nein zwei übrig sind: selbstmitleidiges Opfer.

Ich habe aber in letzter Zeit etwas gelernt,
daß ich immer wieder vergesse und noch eingeübt werden darf:
Jetzt, hier und heute, habe ich mein Leben in meiner Hand.
Ich kann heute mein Leben verbessern.
Ich habe die Macht dies zu tun.
Ich bin nicht mehr handlungsunfähig, wie ein erstarrtes Kanickel vor der Schlange.

Nächster Schritt:
Was könnte mir gut tun?
Was möchte ich gerne machen?

Ergebnis:
Ich rufe eine Freundin an und frage ob sie am nächsten Abend Zeit und Lust hat mit mir in der Innenstadt den Feuerspielern zu zu schauen.
JA sie hat!
Mir geht es gleich um 80% besser :-)

Vor 12 Monaten brach ich zusammen.
Nichts ging mehr. Kaum Schlaf, kaum Essen, kein Lachen.
Diagnose: Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

Dann habe ich mich sehr zurück gezogen.
Ich musste mich sortieren, mich spüren, in mich schauen.
Mich neu orientieren
und deswegen ist für mich der Leuchtturm so wichtig geworden, als Symbol.
Ich habe auch einen selber gemalt auf den ich sehr stolz bin.

Viele Tränen flossen, viele Schmerzen brachen auf.
Smalltalk interessierte mich nicht.
Vor anderen Menschen bekam ich Panik.

Langsam habe ich mich wieder stabilisiert
auch mit Hilfe einer guten psychosomatischen Klinik, in der ich 10 Wochen war.
Jetzt geht es zurück ins Leben:

SAMSTAG:

Ich sitze mit der Freundin am Ufer eines Flußes,
wir köpfen eine Flasche Wein,
erzählen uns von den letzten Monaten, lachen,
bewußt ließ ich meine Schreckenszeit eher im Hintergrund.

Heute wollte ich keine Probleme hören. Ich hab genug davon!
Wir fotografieren.
Um uns herum haben es sich ebenso viele Leute gemütlich gemacht:
Grillen, trinken, lachen, spielen.
Ein milder Abend, ich genieße es voll und ganz bewußt.
Ich bin dankbar, dass ich sowas scheinbar Kleines und Normales wieder erleben darf!
Und auch, dass ich diesen "Schuß vor den Bug" in jungen Jahren von meiner Seele geschickt bekam. Denn nun kann ich noch mein Leben besser gestalten, gnädiger und liebevoller mit mir umgehen
und das HEUTE mehr genießen, da ich nun weiß, wie schnell das Leben vorbei gehen kann.

Später wandern wir ein Stück weiter und sehen in der dunklen Nacht, die ja in einer Stadt nie ganz dunkel ist, die ersten Flammen.
Feuerjongleure, Feuerspucker, kleine Lämpchen im Kreis aufgestellt,
daneben einige Trommelspieler und einfache Gesänge werden angestimmt.

Mich überkommt eine Gänsehaut.
Meine archaischen Ur-Gene jubeln begeistert auf.
Ich bin ergriffen und fasziniert. Ich genieße diese Leichtigkeit, diese Schönheit!



Kurz vor Mitternacht begebe ich mich auf den Heimweg.
Die Stadt ist voll von jungen Nachtschwärmern.
Das Nachtleben ist bunt, die Leute sind entspannter, alles ist offener.
Das beobachte ich ebenso fasziniert: dass ich daran wieder teilhaben darf.

Zufrieden gehe ich zu Bett.
der Spuk vom Freitag ist schon wieder halb vergessen.

Es geht weiter.....
auf der spannenden Lebensreise!

Heimatgefühl

Mit 12 Jahren erlebte ich einen ziemlichen Bruch in meiner Lebenslaufbahn.
Meine Eltern ließen sich scheiden,
wir zogen um,
ich verlor meine vertraute Umgebung,
meine Freunde und Schulkameraden.
Ich war regelrecht entwurzelt und das vollzog sich ziemlich gewaltsam.

Seitdem streune ich durch die Gegend.
Zog dann alleine immer wieder um.
Immer mußte was neueres, was besseres (anscheinend) her.
Und nirgends fühlte ich mich wohl.

Ich knüpfte lose Kontakte,
nie wurden Beziehungen tiefer,
oft war ich schon wieder am Koffer packen mit dem Gedanken: Nur weg!

Ebenso mit meinen Arbeitsstellen,
das längste waren mal 5 Jahre bei einer Firma,
aber selbst da, wechselte ich alle 1-2 Jahre die Filiale - auf eigenen Wunsch.

Ich konnte mich nirgends mehr voll und ganz ein lassen.
Mit allem was dazu gehört:
Mich zeigen, vertrauen, andere in meinen Bereich lassen.
Es war zu gefährlich, immer die Angst im Hintergrund:
Es kann jederzeit wieder weg sein und wieder weh tun.

Dieses Leben war vielfältig, ich erlebte unterschiedlichste Sachen in sehr kurzer Zeit. Dafür bin ich dankbar.
Aber es war auch einsam. Sehr einsam.
Und es kostete mich Unmengen an Kraft.

Vor einem Jahr spürte ich wieder den Drang:
Weg, weiter, Zelte abbrechen.
Aber so recht wollte ich nicht mehr.
Und überlegte mir: Wie wäre es, wenn ich einfach mal nicht mehr umziehe und schaue was passiert ? es spielerisch einfach mal ausprobiere?...

Einfach war das nicht. Oft wechselte meine Meinung und Launen innerhalb von Stunden, ich bekam Wohnungsangebote, haderte sehr mit mir: Wie soll ich mich entscheiden?

Und immer wieder: Nein, ich bleibe erstmal hier.
Der Lohn dieser Mühe zeigte sich mir letztens:
Ich ging über eine große Straße, sah ein wunderschönes Denkmal und fühlte den Frieden in mir:
Ja hier ist meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl. Hier kenne ich mich aus. Ich wird der Dialekt gesprochen, mit dem ich aufgewachsen bin. Hier gehöre ich dazu.
Hier ist meine Heimat.

Diese Sicherheit, diese innere Ruhe gibt mir sehr viel Kraft für den alltäglichen Kauderwelsch mit dem man sich so rum zu schlagen hat.

Prompt begegnen mir Menschen auf der Straße, die ich oberflächlich kenne.
Wir winken uns zu, reden kurz, gehen weiter.
Ich werde erkannt und gesehen.

Der Kioskbesitzer weiß welchen Tabak ich will und stellt ihn schon auf die Theke, wenn ich noch gar nicht *Hallo* gesagt habe.

Ich fühle mich als Menschin in dieser Stadtgemeinde gut aufgehoben
und nicht mehr wie ein außerirdischer Alien.

Ich schlage zarte Wurzeln,
neue Wurzeln,
die ich hege und pflege
und sie liebevoll anschaue.

Meine Heimat!