Freitag, 21. Mai 2010

Zerstreuung

*Nur eins könne unsere Verzweiflung mindern,
und das sei die Zerstreuung: sie jedoch sei das größte unserer Mißgeschicke,
denn die Zerstreuung hindere uns daran, über uns selbst nachzudenken,
und stürze uns nach und nach ins Verderben.*

Wie sieht ein alltäglicher Tag eines Durchschnittsmenschen aus?
- Der Wecker klingelt und er springt aus dem Bett,
schaltet das Radio an, wird bombadiert mit schlechten Nachrichten.
Macht sich im Bad frisch, frühstückt (wenn überhaupt), springt in aller Eile zur Bahn, dort verstopft er sein Gehirn weiter mit Zeitungen oder Musik in den Ohren.
In der Arbeit ist der Lärmpegel hoch, ständig geht das Telefon oder Kollegen wollen was von einem.
Man überfliegt nebenbei seine Emails und checkt die neuesten Nachrichten.
Oder andersrum.
Nach getaner Arbeit springt er noch beim Supermarkt vorbei, dort wird er überflutet von den verschiedensten Farben und zig Auswahlmöglichkeiten, auch hier dudelt die Musik.
Er denkt an den nächsten Tag, an den letzten was passiert war.
Zuhause läßt er sich berieseln vom Fernseher, schneller Bildwechsel, viele Informationen auf einmal, belanglose Dialoge.
Um ihn herum stapeln sich Dinge, von Zettel über Zeitschriften, verschmutzes Geschirr, Schuhe, Stifte, CDs.....

Alles in Massen. Selbst die Wände sind nicht mehr leer.
Sein Geist ist so voll, seine Seele so aufgewühlt, er kann das gar nicht aufeinmal verarbeiten.
Wo war hier Stille und Ruhe?
Wo war die Einfachheit?

Als er sich ins Bett legt, soll er bitteschön sofort einschlafen können.
Wenn das nicht geht, holt er sich beim Arzt Schlaftabletten.
Denn sein Körper soll bitte schön einwandfrei funktionieren.
Das geht aber nicht. Er kann nicht von 100 auf 0 in 3 Minuten herunter fahren.

Schau Dich um,
wieviele Dinge umgeben Dich?
Wo sind leere Fläche?
Wo sind leere Zeiten, des nichts tuns?
Der Ruhe, zur Betrachtung einer Blume, einer Wolke oder einfach nur langsames gehen.
Wie gehts Deiner Atmung? Eher flach und angespannt? Oder tief und frei?

Natürlich bin auch ich nicht gefeit vor all dem Zeug.
Und manchmal packt mich einfach der Rappel und ich hätte am liebsten nur
2 Stifte
1 Block
2 Teller-Tassen-Besteck
2 Garnituren Bettwäsche
usw.
also wirklich nur das aller nötigste.
Dafür mehr Platz, mehr Freiraum.
Denn all das Zeug muss ja auch gepflegt werden, aufgeräumt, gewaschen...

Ist das Leben?

Sortiere gnadenlos aus.
Immer wenn ein neues Teil gekauft wird, sortiere ein altes aus.
Lasse immer öfter TV,Radio, PC aus!
Ich kann Dir versichern, Du bleibst trotzdem bestens informiert.
Das wichtigste bekommst Du schon mit.
Schaffe freie Flächen!
Achte auf die Nischen (und Keller!) in denen sich gerne unnützes sammelt.

Manchmal hilft es auch alle to-do-Listen radikal weg zu werfen.

Wieviele verschiedene Lebensmittel kaufst Du?
Muss es ständig was anderes sein?
Denk dran, ein Großteil der Weltbevölkerung ernähren sich nur von 1-3 Gerichte.
Mach es Dir einfach!

Wenn etwas aufgebraucht ist,
frage Dich: Muss ich es wirklich wieder kaufen?
Oder komme ich auch ohne zurecht?

Höre auf Dich!
Auf Deine innere Stimme!
Nicht auf die Werbung, nicht auf andere Leute, nicht auf irgendwelche billigen Selbsthilfebücher.
Was ist für Dich wichtig? Und dann tue das.

T.S. Eliot:
Die Menschen sind immer mehr zerstreut von der Zerstreuung, die sie zerstreuen.

Zuviele Dinge, zuviel Auswahl verwirrt den ganzen Menschen!
Dann wird er halt-und orientierungslos. Er weiß nicht mehr was er will, worin der Sinn des Lebens liegt.
Der Körper wird krank, damit die Seele sich erholen kann.
Doch der Mensch überhört seinen Körper und seine Seele
und wird noch kränker...

Deswegen glaube ich, gibt es derzeit so viele Süchtige, so viele Depressive, so viele Burn-out-Betroffene und auch so viel Krebskranke.......

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